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Appis Claudius Caecus

Sein innenpolitisches Handeln unter besonderer Berücksichtigung seiner Motivationen

Seminararbeit 2010 19 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Spannungen zwischen den Patriziern (untereinander) und den Plebejern

3. Appius Claudius Caecus – Überblick seiner politischen Laufbahn
3.1 Ämter bis zu seiner Censur
3.2 Aufgaben eines Censors und die Besonderheit der Censur von Caecus

4. Die Amtshandlungen des Appius Claudius Caecus
4.1 Die Tribusreform
4.2. Ius Flavianum - Der „Frevel“ des Gnaeus Flavius
4.2.1 Die Reform der Gerichtsformeln und des Kalenders
4.2.1.1 Erklärung nach Fögen:
4.2.1.2. Erklärung nach Wieacker:
4.2.1.3. Erklärung nach Kaser:
4.2.1.4. Erklärung nach Rüpke:

5. Bauprojekte des Appius Claudius Caecus
5.1. Die Via Appia:
5.2. Die Aqua Appia:

6. Bewertung:

7. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung:

Die Ständekämpfe in der Römischen Republik entstanden zwischen zwei unterschiedlichen Gruppierungen innerhalb Roms. Auf der einen Seite standen die Patrizier, der alte Geburtsadel, welche daher auf das Monopol der Machtstellungen beharrten. Sie hatten bis zur Mitte der Römischen Republik alle politischen Ämter sowie die Priesterschaft für sich beansprucht. Dieser kleinen Gruppe von Menschen standen auf der anderen Seite die Plebejer gegenüber, welche den Großteil der römischen Bürger stellten. Die Plebejer konnte man aber nicht als bloße heterogene Masse ansehen, sondern konnte dabei noch in eine Unter-, Mittel und Oberschicht differenzieren. Innerhalb von Rom kam es zur Zeit der Römischen Republik fortlaufend zu Widerstand der Plebejer gegen die Patrizier. Die Oberschicht der Plebejer forderte den Zugang zu politischen Ämtern, wogegen die Unterschicht einfach auf ihre schlechte wirtschaftliche Situation aufmerksam machen wollte. Im Laufe der Republik konnten die Plebejer ihre Forderungen größtenteils durchsetzen, worauf auf Seiten der Patrizier einerseits Gewinner, andererseits auch Verlierer gab.[1] Eine Person aus den Reihen der Verlierer war Appius Claudius Caecus.[2] Dieser versuchte jedoch den politischen Einfluss seines Geschlechtes in Rom wieder zu etablieren, indem er bei seiner politischen Laufbahn zahlreiche Reformen und Neuerungen versuchte durchzusetzen.[3] Die Handlungen von Caecus sollen in dieser Seminararbeit aufgezeigt werden. Quellen und Grundlagenliteratur zu dieser Thematik existieren nur in geringer Quantität. Dennoch sollen die teilweise unterschiedlichen Theorien in der Wissenschaft im Folgenden dargestellt werden. Ein besonderes Augenmerk liegt nicht nur in der bloßen Benennung von Fakten, sondern es soll einer bestimmten Fragestellung nachgegangen werden. Mein Ziel ist es, die Motivationen von Appius Claudius Caecus zu analysieren, die ihn dazu gebracht haben, seine Reformen und Handlungen in dieser Art und Weise durchzuführen. Dabei werde ich besonders seine Amtszeit als Censor hervorheben.

2. Spannungen zwischen den Patriziern (untereinander) und den Plebejern

Wie bereits oben erwähnt, gehörte Appius Claudius Caecus zum alten Geburtsadel, zu den Patriziern. In diesem Stand gehörte er zu einem der ältesten und hervorragendsten Adelsgeschlechter, den claudii. Bei Livius wird dieses Geschlecht als familia superbissima[4] ac crudelissima und Imperiosissima et superbissima[5] bezeichnet. Von Beginn der Republik an, sah sich der gesamte Geburtsadel in seiner Machtausübung mit dem Widerstand breiter Bevölkerungsschichten konfrontiert. Diese Plebejer, die übrige Bevölkerung neben den Patriziern, konnte man in zwei Gruppen differenzieren. Auf der einen Seite gab es die wohlhabenden Plebejer, auf der anderen Seite, die armen Plebejer, welche einfache Arbeiter waren. Diese beiden Interessengruppen versuchten stets ihre Forderungen und Ansprüche gegenüber den Patriziern durchzusetzen.[6] Die beiden höchsten Ämter in Rom, das Konsulat, konnten nur durch Patrizier besetzt werden. Diese wurden von den Zenturiatskomitien gewählt. Voraussetzung für eine Bewerbung um das Amt des Konsuls war, dass man in der Regel Ämter des cursus honorum bekleidet hatte . Damit eine Alleinherrschaft und ein Machtmissbrauch verhindert wurden, war die Ausübung des Amts des Konsuls auf ein Jahr begrenzt, und gleichberechtigt auf zwei Konsuln aufgeteilt. Durch sein Recht von einem Veto Gebrauch zu machen, konnte jeder Konsul die Entscheidungen seines Kollegen aufheben. War ein Konsul während der Ausübung seiner Tätigkeit gestorben oder legte sein Amt nieder, so wurde ein Ersatzkonsul (consul suffectus) nachgewählt.[7]

Aufgrund der mangelnden Rechte zur Zulassung in hohe politische Ämter und aufgrund der schlechten Lebenssituation, entfachte innerhalb des Standes der Plebejer nun Widerstand gegen die Patrizier. Einerseits forderten die wohlhabenden Plebejer die politische Einflussnahme ihrer Klientel, andererseits wollten die nicht wohlhabenden Plebejer auf ihre schlechte Lebenssituation aufmerksam machen. Mit diesem Widerstand sahen sich die Patrizier fast seit Beginn der Römischen Republik konfrontiert. Die claudii waren das Geschlecht, welches in dieser Situation stets eine harte und kompromisslose Linie vertrat. Für sie hatten die Patrizier stets den alleinigen Machtanspruch.[8] Im Laufe der Zeit jedoch, konnte man auf einen Kompromiss als Lösung nicht verzichten, da Rom es sich nicht leisten konnte durch innerliche Konflikte geschwächt zu werden. So kam es 367 v. Chr. zu den Leges Liciniae Sextiae[9], welche von den Volkstribunen Gaius Licinius Stolo und Lucius Sextius Lateranus beantragt wurden. Neben einem Ackergesetz, welches die Menge an öffentlichem Land, das eine Person innehaben konnte, begrenzte, wodurch die Kleinbauern gestärkt werden sollten, wurde des Weiteren festgelegt, dass an der Spitze des Staates zwei Konsuln stehen, von denen aber ab jetzt einer Plebejer sein konnte. Unter den Konsuln standen, für die Rechtsprechung zuständig, ein Prätor und zwei aediles curules.[10]

Der Stand der Patrizier spaltete sich angesichts der neuen Situation in zwei Lager auf. Auf der einen Seite standen die Patrizierfamilien, welche sich eher auf der Linie der einflussreichen Plebejer befanden und sich langsam an deren Ansichten und Forderungen anpassten. Sie vertraten eine „plebejerfreundliche“ Politik und man konnte sie daher als moderne Patrizier bezeichnen. Auf der anderen Seite standen die konservativen Patrizier, zu denen die claudii gehörten. Diese vertraten noch immer eine harte Linie gegenüber den Plebejern und pochten stets auf ihre Vorrechte bedingt durch ihren Geburtsadel. Diese Art der Politikausübung hatte zur Folge, dass die Prominenz der claudii in Rom langsam anfing zu verblassen, da sie seit den letzten hundert Jahren kaum Besetzungen hoher Ämter vorweisen konnten.[11] Dieses war eine logische Konsequenz aus ihren politischen Ansichten. Während die modernen Patrizierfamilien zahlreiche Erfolge bei der Amtsausübung verbuchen konnten und ihnen die Stimmen zur Wahl der Konsuln auch aus dem Stand der Plebejer stets sicher waren, so konnten sich die claudii mit ihren Ansichten bei den Plebejern logischerweise keine Freunde machen. Die Motivationen der modernen Patrizier lassen sich vermutlich unter dem Aspekt erklären, dass sie sich lieber mit den Gegebenheiten und den Forderungen der Plebejer arrangierten, um in der Politik weiterhin erfolgreich zu bleiben. Diese Vorgehensweise ist für den weiteren Verlauf dieser Arbeit nicht zu vernachlässigen, da sich auch Appius Claudius Caecus einer ähnlichen Vorgehensweise bediente.[12]

Abschließend lässt sich feststellen, dass sich die innenpolitische Situation keineswegs einfach gestaltete. Es herrschten Zeiten des Umbruchs und der Machtverschiebung in Rom. Einerseits kam es durch Konkurrenz und verschiedener Ansichten innerhalb des Standes der Patrizier zu Spannungen, andererseits gab es den Konflikt zwischen den aufstrebenden Plebejern und den konservativen Patriziern, welche bisweilen an ihrer kompromisslosen Politik gegen die Plebejer festhielten.

[...]


[1] Cornell, T. J.: The Beginnings of Rome. Italy and Rome from the Bronze Age to the Punic Wars (c. 1000-264 BC). London/New York, 2004, S. 180 ff. Im Folgenden Cornell 2004.

[2] Linke, Bernhard: Appius Claudius Caecus – ein Leben in Zeiten des Umbruchs, in: Hölkeskamp, Karl-Joachim/Stein-Hölkeskamp, Elke (Hgg.): Von Romulus zu Augustus. Große Gestalten der römischen Republik, München 2000, S. 76. Im Folgenden: Linke, 2000.

[3] Fögen, Marie Theres: Römische Rechtsgeschichte. Über Ursprung und Evolution eines sozialen Systems, Göttingen 2002, S 146 ff. Im Folgenden Fögen, 2002.

[4] Livius 2.56.7

[5] Livius 9.34.15

[6] Cornell 2004, S. 180 ff.

[7] Jochen Bleicken: Die Verfassung der römischen Republik. 3. Auflage. Schöningh, Paderborn 1982, S. 74–83. Im Folgenden: Bleicken, 1982.

[8] Cornell 2004, S.150 ff.

[9] Bleicken, 1982, S. 74–83.

[10] Ebd. S 74-83.

[11] Linke, 2000, S. 71.

[12] Ebd. S. 67-78.

Details

Seiten
19
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640727469
ISBN (Buch)
9783640728114
Dateigröße
573 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v159787
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
2,0
Schlagworte
Appius Claudius Caecus Römische Geschichte Römische Republik Neue Ordnung; Patrizier Plebejer Claudii Claudiner

Autor

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Titel: Appis Claudius Caecus