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Das Konzept des Pragmatismus in John Deweys Erziehungskonzept

Hausarbeit 2009 16 Seiten

Pädagogik - Erwachsenenbildung

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Definitionen
2.1 Pragmatismus
2.2 Demokratie

3. Das pädagogische Konzept John Deweys
3.1 Funktionen der Demokratie nach Dewey
3.2 Demokratie und Erziehung

4. Praktische Anwendungen der Theorie Deweys
4.1 Lehr-Lern-Beziehungen
4.2 Alternative Methoden der Unterrichtsgestaltung

A: Literaturquellen

1. Einleitung

John Dewey gilt als einer der einflussreichsten Pädagogen des 20. Jahrhunderts. Seine philosophischen und pädagogischen Abhandlungen dienen auch heute noch modernen Pädagogen als Basis für die Entwicklung weitergehender erziehungswissenschaftlicher Konzepte.[1]

Dewey entwarf in seinem im Jahr 1916 publizierten Werk ‚Democracy and Education’[2] ein radikaldemokratisches Konzept der Pädagogik. Auch wenn in der herangezogenen Sekundärliteratur stets auf die Kontextualität seiner pädagogischen Ideen hingewiesen wird,[3] kann ein zentraler Beschäftigungsschwerpunkt Deweys unter der Fragestellung zusammengefasst werden, inwieweit Demokratie als Lebensform und Erziehung hinsichtlich Wachstums zueinander in Bezug gesetzt werden können.[4]

Deweys pädagogische Präferenzen basieren auf der Theorie des Pragmatismus. Diese handlungsorientierte Wissenschaft priorisiert die instrumentelle Funktion des Denkens, indem sie jede Form der Erkenntnis insofern definiert, dass sie den praktischen Handlungsfolgen vorhergeht.[5]

Die vorliegende Modularbeit setzt sich mit John Deweys pädagogischem Konzept auseinander. Insbesondere wird herausgearbeitet, inwieweit die Leitlinien des Pragmatismus eine Pfadabhängigkeit und Kontingenz zu demokratischen Erziehungskonzepten aufweisen. Des Weiteren wird analysiert, wie sich das Demokratieverständnis Deweys im gesellschaftlichen Kontext seiner Zeit erklären lässt. Die Bearbeitung insbesondere der letztgenannten Fragestellung kann nur gelingen, wenn sowohl Originalliteratur als auch US-amerikanische sowie deutsche Sekundärquellen herangezogen werden.

Aufgrund quantitativer Vorgaben wird nicht versucht, einen umfassenden Blick auf die Biografie John Deweys vorzunehmen. Auch werden Bezüge zur Reformpädagogik in gebotener Kürze hergestellt, eine solche Vorgehensweise würde den Rahmen dieser Arbeit erheblich sprengen, zudem liegen zu dieser Thematik bereits umfassende Studien vor. Trotz der herausgestellten Kontextualität der Arbeiten Deweys können die umfangreichen Werke zur Philosophie im Allgemeinen nur marginal in die Arbeit integriert werden.

Zum Forschungsstand bezüglich John Deweys Vermächtnis und Werk lässt sich ein ambivalentes Bild skizzieren. Bedingt durch viele Jahrzehnte praktizierte Forschung zu den Gedanken Deweys ist gegenwärtig eine „kaum mehr zu überschauende Fülle an Sekundärliteratur [auszumachen.]“[6] Durch die in den Erziehungswissenschaften jedoch nicht unwichtigen nationalen Prämissen muss konstatiert werden, dass in der deutschen scientific community ein Defizit gegenüber dem internationalen Stand der Debatte zu beklagen ist. Dies verwundert umso stärker, da Deweys Theorien insbesondere in Deutschland große Wirkung entfalteten.[7] Auch BITTNER und OELKERS kritisieren die normative Auslegung Deweys in der Literatur und bedauern mangelnde Flexibilität sowie die unzureichende Kontextualisierung zahlreicher publizierter Arbeiten.[8] Insbesondere BITTNER kritisiert sehr anschaulich die mangelnde Integration relevanter Studien zu Dewey in Wissenschaft und Praxis in Deutschland.[9] Es wird jedoch keinesfalls von einem Desideratum ausgegangen, insbesondere die hochaktuelle und umfassende Studie von JÜRGEN OELKERS[10] stellt eine in der Forschungsgemeinschaft lang erwartete Auseinandersetzung mit John Dewey als Pädagogen dar.[11]

Die herangezogene Literatur umfasst die relevanten Monographien und Sammelbände, es wurden jedoch auch Primärquellen studiert sowie Artikel, die in den einschlägigen Fachzeitschriften publiziert worden sind. Insbesondere die veröffentlichten Arbeiten BOHNSACKS, der sich zudem mit einer Arbeit über John Dewey habilitierte,[12] wurden seitens des Verfassers ausgewertet. Die Hinzunahme elektronischer Quellen wird zugunsten des wissenschaftlichen Anspruchs auf ein erforderliches Minimum reduziert.

Aus thematischer Ausrichtung und Eingrenzung der vorliegenden Arbeit ergibt sich folgende Gliederung. In einem ersten Schritt werden die wesentlichen Begriffe so operationalisiert und definiert, wie sie im weiteren Verlauf der Arbeit angewendet werden. In einem folgenden Kapitel wird John Deweys pädagogisches Konzept dargestellt und analysiert, ein Schwerpunkt wird hierbei auf den Zusammenhang zwischen Demokratie und Erziehung gelegt. Eingebettet wird diese Untersuchung in das Konzept des Pragmatismus. Das nächste Kapitel widmet sich der praktischen Anwendung der Pädagogik Deweys, indem es aktuelle Bezüge über den weithin strapazierten Projektunterricht hinaus zu ergründen sucht.[13] In einer Schlussbetrachtung werden die wesentlichen Ergebnisse konstruktiv zusammengefasst.

2. Definitionen

In diesem Kapitel werden zwei zentrale Begriffe der vorliegenden Arbeit so definiert, dass sie frei von Fehldeutungen im weiteren Verlauf der Arbeit benutzt und verstanden werden können. Dies ist erforderlich, da sie zum Teil Eingang in die Umgangssprache beanspruchen können und auch von benachbarten Disziplinen der Erziehungswissenschaften in Nuancen Veränderungen und sprachlichen Umdeutungen ausgesetzt sind.

2.1 Pragmatismus

Der Pragmatismus als theoretische Perspektive spielt eine bedeutende Rolle für das Verständnis der Werke John Deweys. Umso erstaunlicher mutet die Tatsache an, dass nach aktuellem Stand die meisten erziehungswissenschaftlichen Lexika und Handbücher keinen Eintrag zu diesem Schlagwort aufweisen.[14]

Der Pragmatismus beschreibt eine in den Vereinigten Staaten von Amerika entwickelte philosophische Perspektive, deren Hauptvertreter WILLIAM JAMES, JOHN DEWEY und WILLIAM KILPATRICK waren.[15] John Deweys Pragmatismus definiert Körper und Geist nicht mehr im idealistischen Sinn als Gegenpole zueinander. Die Einheit von Theorie und Praxis kann insofern hergeleitet werden, als dass auf Handlungen bezogenes Denken bereits einen bedeutenden praktischen Bezug herstellt und praktische Handlungen ohne Denkprozesse nicht vorstellbar sind.[16] Dewey beschreibt dies, indem er darauf hinweist, dass sich jede Form der Erkenntnis nur in einer Art Antizipation der Folgen vollziehen kann.[17] Zudem geht Dewey davon aus, dass Erkennen bereits eine Form von Handeln darstellt. Nach gründlicher Literaturrecherche kann hiermit der Versuch unternommen werden, den Pragmatismus insofern auszulegen, dass dieser vorrangig auf einer starken Ähnlichkeit zur konstruktivistischen Perspektive wahrgenommen werden kann.[18] Sowohl Erkenntnis als auch Wissen sind demnach keine Spiegelbilder der Realität, sie bedürfen der Konstruktion innerhalb sozialer Prozesse und zur Bearbeitung real existierender Herausforderungen. Es geht hierbei, anders als bei den Rationalisten, um einen experimentalistischen Wahrheitsbegriff,[19] der sich stets kritisieren lassen müsse und nicht ultimativ sein kann, da er von Menschen definiert wird.[20]

[...]


[1] Vgl. Neubert, Stefan: John Dewey (1859 – 1952). Erziehung zur Demokratie, in: Dollinger, Bernd (Hrsg.): Klassiker der Pädagogik. Die Bildung der modernen Gesellschaft, Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2006, S. 240f.

[2] Dewey, John: Democracy and Education. An Introduction to the Philosophy of Education, The Free Press, New York 1997 (1916).

[3] Vgl. stellvertretend Apel, Hans Jürgen: Einleitung, in: Bittner, Stefan: Learning by Dewey? John Dewey und die deutsche Pädagogik 1900 – 2000, Julius Klinkhardt, Bad Heilbrunn 2001, S. 8.

[4] Vgl. Oelkers, Jürgen: John Dewey und die Pädagogik, Beltz Verlag, Weinheim und Basel 2009, S. 11.

[5] Vgl. Lex, Theresia: Die Reformpädagogen John Dewey und Adolf Reichwein, pädagogische Konzeptionen im Vergleich, Universität Dortmund, Diisertation, 2006, im Erscheinen, S. 15 sowie Neubert, Stefan: John Dewey (1859 – 1952). Erziehung zur Demokratie, a.a.O., S. 225f.

[6] Neubert, Stefan: John Dewey (1859 – 1952). Erziehung zur Demokratie, in: Dollinger, Klaus (Hrsg.): Klassiker der Pädagogik, a.a.O., S. 240.

[7] Vgl. hierzu Bittner, Stefan: Learning by Dewey? John Dewey und die Deutsche Pädagogik 1900 – 2000, Julius Klinkhardt, Bad Heilbrunn 2001, passim.

[8] Vgl. Oelkers, Jürgen: John Dewey und die Pädagogik, a.a.O., S. 9 sowie Bittner, Stefan: Learning by Dewey?, a.a.O., S. 9.

[9] Vgl. Bittner, Stefan: Learning by Dewey?, a.a.O., S. 9.

[10] Oelkers, Jürgen: John Dewey und die Pädagogik, Beltz Verlag, Weinheim und Basel 2009.

[11] Vgl. Kaube, Jürgen: Vom Einüben der Spielregeln, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.11.2009, Nr. 276, S. L13.

[12] Bohnsack, Fritz: Erziehung zur Demokratie. John Deweys Pädagogik und ihre Bedeutung für die Reform unserer Schule, Otto Maier Verlag, Ravensburg 1976.

[13] Sowohl BITTNER und OELKERS als auch andere Autoren konstatieren, dass insbesondere im deutschsprachigen Raum eine Reduzierung Deweys auf den Projektunterricht als praktische Anwendung seiner Lehren in der Literatur vorgenommen wird. Vgl. hierzu stellvertretend Benjamin, Harold: John Dewey’s Influence on Educational Practice, in: Lawson, Douglas / Lean, Arthur (Hrsg.): John Dewey and the World View, Southern Illinois University Press, Carbondale 1964, S. 16ff.

[14] Vgl. Oelkers, Jürgen: John Dewey und die Pädagogik, a.a.O., S. 25.

[15] Vgl. ebd., S. 23. NEUBERT kommt zu einem anderen Schluss, indem er neben JAMES und DEWEY noch CHARLES SANDERS PIERCE und GEORGE HERBERT MEAD als wichtigste klassische Vertreter benennt. Vgl. Neubert, Stefan: John Dewey (1859 – 1952). Erziehung zur Demokratie, in: Dollinger, Klaus (Hrsg.): Klassiker der Pädagogik, a.a.O., S. 224f.

[16] Vgl. Lex, Theresia: Die Reformpädagogen John Dewey und Adolf Reichwein, pädagogische Konzeptionen im Vergleich, a.a.O., S. 14.

[17] Vgl. Neubert, Stefan: John Dewey (1859 – 1952). Erziehung zur Demokratie, in: Dollinger, Klaus (Hrsg.): Klassiker der Pädagogik, a.a.O., S. 226.

[18] Vgl. Apel, Hans-Jürgen: Theorie der Schule in einer demokratischen Industriegesellschaft. Rekonstruktion des Zusammenhangs von Erziehung, Gesellschaft und Politik bei John Dewey, Pädagogischer Verlag Schwann, Düsseldorf 1974, S. 22f. sowie Neubert, Stefan: John Dewey (1859 – 1952). Erziehung zur Demokratie, in: Dollinger, Klaus (Hrsg.): Klassiker der Pädagogik, a.a.O., S. 226. OELKERS geht nicht auf diese Perspektive ein, setzt sie auch nicht implizit voraus.

[19] Es wird sogar von einem „pragmatistische[m] Wahrheitsbegriff“ gesprochen. Oelkers, Jürgen: John Dewey und die Pädagogik, a.a.O., S. 27f.

[20] Vgl. ebd., S. 27.

Details

Seiten
16
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640724291
ISBN (Buch)
9783640724475
Dateigröße
562 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v159725
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg – Professur für Erwachsenenbildung
Note
1,7
Schlagworte
Konzept Pragmatismus John Deweys Erziehungskonzept

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