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Pierre Bourdieu: Ein soziologischer Selbstversuch

Wissenschaftlicher Aufsatz 2010 5 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Im Verlauf der folgenden Seiten setzt sich der Verfasser mit der publizierten Ausgabe der Abschiedsvorlesung Bourdieus auseinander. Auch wenn der Soziologe und Philosoph bewusst keine Autobiografie vorlegen wollte, so kann die Fehldeutung des vorliegenden Werks als solche aufgrund der personalen Übereinstimmung mit Bourdieu zum Teil nachvollzogen werden. Besondere Schwerpunkte werden auf die Konzeptualisierung des Forschungsvorhabens und die Herausarbeitung der Begrifflichkeit des Habitus gelegt. Aufgrund quantitativer Vorgaben werden auf eine Diskussion des akademischen Wirkens Bourdieus und die Bereitstellung eines ergänzenden biografischen Hintergrundes verzichtet.

Pierre Bourdieu widmete sich bereits in früheren Forschungen dem Verhältnis zwischen Individualität und kollektivem Verhalten sowie Individualität und kollektiven Verfahren.[1] Der vorliegende soziologische Selbstversuch zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass Bourdieu sich selbst als Forschungsobjekt analysiert und seine Rolle als Soziologe wiederum soziologisch hinterfragt und untersucht. Diese Kybernetik zweiter Ordnung, also das Beobachten des Beobachters durch die gleiche Person, vermag neue Erkenntnisse zu generieren, sofern der im Untertitel so bezeichnete ‚Versuch’ gelingt. Diese von ihm durchgeführte Selbstobjektivierung, in deren Folge er Teil seines eigenen Forschungsprozesses wird, führt eben nicht zu einer gleichwie gearteten Autobiografie, die er als „narzisstische Selbstweihe“ bezeichnet hatte, sondern folgt logisch einer biografischen Struktur, in welcher Bourdieu jedoch eine permanente soziologische Reflexion auf das Umfeld seiner Person und seine Person selbst wirken lässt. Nur durch diese ständige Rückbezüglichkeit und den analytischen Charakter lässt sich das vorliegende Werk nicht als Autobiografie verstehen, sondern eindeutig als soziologische Selbstanalyse, die auch den Protagonisten selbst nicht schont und Zerwürfnisse im Leben Bourdieus wenig rühmlich analysiert. Ebenso wird deutliche, zum Teil sogar polemische Kritik an benachbarten wissenschaftlichen Disziplinen und deren exponierten Vertretern geübt. Insoweit scheint der Versuch durchaus gelungen, da eine kritische Reflexion der eigenen Person und der Umwelt erfolgreich vollzogen wird.

[...]


[1] Vgl. von Thadden, Elisabeth: Wie ein Buch handeln kann. Zum Tod des französischen Soziologen Pierre Bourdieu, in: Die Zeit, No. 6 (2002), online in Internet: URL <http://web.archive.org/web/20031222121512/http://www.zeit.de/archiv/2002/06/200206_l-bourdieu.xml> [Stand: 02.01.2010].

Details

Seiten
5
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640761814
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v159719
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg – Professur für Erziehungswissenschaft, insbesondere Historische Bildungsforschung
Note
Schlagworte
Pierre Bourdieu Selbstversuch

Autor

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Titel: Pierre Bourdieu: Ein soziologischer Selbstversuch