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Grundlagen der Textlinguistik der geschriebenen Sprache

Referat (Ausarbeitung) 2007 18 Seiten

Sprachwissenschaft / Sprachforschung (fachübergreifend)

Leseprobe

Textlinguistik: Die Lehre vom Text

Was ist und was will die Textlinguistik?

Textlinguistik ist eine moderne Wissenschaftsdisziplin, die sich innerhalb der Linguistik in der zweiten Hälfte der 60er und Anfang der 70er Jahre herausgebildet hat, um den Untersuchungsgegenstand Text in seinen inhaltlichen und formellen Facetten zu erfassen und zu beschreiben.

Textlinguistische Forschungsansätze sind immer textbezogen; das bedeutet, Texte sind Ausgangs- und Zielpunkt textlinguistischer Forschung. In der linguistischen Fachliteratur lassen sich seit etwa 40 Jahren verschiedene heterogene Definitionen der Textlinguistik finden, die zwar jeweils auf einen speziellen Aspekt fokussieren, aber dennoch einen gemeinsamen Kern haben.

Die Heterogenität der Auffassungen hinsichtlich der Bestimmung der Textlinguistik äußert sich vor allem in der Bestimmung der Ziele dieser modernen linguistischen Teildisziplin. Im Folgenden sollen zunächst drei gängigste Definitionsansätze vorgestellt werden, die von verschiedenen Linguisten stammen und jeweils eine andere Zielsetzung der Textlinguistik im Mittelpunkt stellen:

Heinemann&Viehweger (1991) definieren die Textlinguistik als eine Wissenschaft, die sich ausschließlich auf die Erforschung von Textstrukturen und Textformulierungen bezieht, wobei die Einbettung dieser Texte in kommunikative, allgemein soziologische und psychologische Zusammenhänge ebenfalls berücksichtigt wird.

Das bedeutet, der Textlinguistik geht es vor allem darum, die allgemeinen Bedingungen der Textkonstitution (die einzelnen Bestandteile des Textes), Textproduktion (Formung der Texte) und Textrezeption (Verständnis, Aufnahme von Texten) zu beschreiben, über die wohl jeder kompetente Sprachteilhaber (Leser oder Schreiber, Sender und Empfänger) in konkreten Kommunikationssituationen unbewusst verfügt.

Brinker (1992) sieht als Aufgabe der Textlinguistik, die allgemeinen Bedingungen und Regeln der Textkonstitution (Textzusammensetzung), welche den konkreten Texten zugrunde liegen, systematisch zu beschreiben und ihre Bedeutung für die Textrezeption (Textverständnis) zu erklären.

Brinker (2001) komplettiert sein Verständnis der Textlinguistik und hebt nicht nur konkrete Ziele der Disziplin hervor, sondern auch die daraus resultierenden Vorteile für diejenigen, die sich damit befassen. So schreibt er, dass die Textlinguistik sich zum Ziel setzt, die Struktur, d. h. den grammatikalischen und thematischen Aufbau, sowie die kommunikative Funktion konkreter Texte transparent zu machen und nachprüfbar darzustellen.

Sie kann dadurch Einsichten in die Regelhaftigkeit der Textbildung (Textkonstitution) und Textrezeption (Textverstehen) vermitteln und dazu beitragen, dass die einzelnen Individuen die eigene Textkompetenz verbessern, d. h. beim Einzelnen die Fähigkeit zu fördern, fremde Texte zu verstehen und eigene Texte zu produzieren.

Großes Fremdwörterbuch (2002) definiert die Textlinguistik als ein Teilgebiet der Linguistik, das sich mit Wesen, Aufbau und Inhalt von Texten beschäftigt.

Die Grundkonzepte der Textlinguistik sind:

- Der Text (-Begriff)
- Die Textfunktionen
- Merkmale der Textstruktur (Kohärenz/Kohäsion)
- Die verschiedenen Texttypen
- Die verschiedenen Textsorten

Übersicht über Kategorien und Kriterien der linguistischen Textanalyse nach Brinker:

- Situation: hier geht es darum, zu bestimmen,

a.) welche Kommunikationsform (direktes Gespräch, Telefongespräch, Rundfunk- oder Fernsehsendung, Zeitung, Buch usw.) vorliegt und

b.) welcher Handlungsbereich (privat, offiziell, öffentlich usw.) zu konstatieren ist.

- Textfunktion: wie z. B.

1. Informationsfunktion (Repräsentative; sind lediglich informierend, berichtend)
2. Appelfunktion (Direktive; sind auf Verhaltens- und oder Meinungsbeeinflussung ausgerichtet)
3. Obligationsfunktion (Kommissive; die auf die (Selbst-)Verpflichtung ausgerichtet sind)
4. Kontaktfunktion (Expressive; die auf die Herstellung oder Beibehaltung des persönlichen Kontakts ausgerichtet sind)
5. Deklarationsfunktion (Deklarative; werden immer durch direkte explizite Formeln ausgedrückt und sind darauf ausgerichtet, eine neue Realität zu schaffen, z. B. Krieg erklären oder Testament formulieren usw.)

Alle diese Funktionen (Intentionen) können im Text auf direkte oder indirekte Weise signalisiert sein.

Thematische Kohärenz:

a.) Thema: Arten wie Gegenstand, Ereignis, These usw. b.) Themenentfaltung: Grundformen wie

1. Deskriptiv - beschreibend
2. Narrativ - erzählend
3. Explikativ - erklärend
4. Argumentativ - logisch begründend

- Grammatikalische Kohärenz: (feststellen, ob es überhaupt ein zusammenhängender Text ist) Hier sind zu beachten:

a.) Prinzip der Wiederaufnahme (explizit/implizit)
b.) Konjunktionale Verknüpfung.

Innerhalb der Textlinguistik lassen sich zwei Hauptrichtungen unterscheiden: sprachsystematische und kommunikationsorientierte. Diese beiden Richtungen schließen sich gegenseitig nicht aus, sondern sie stehen vielmehr in gewisser Abhängigkeit zueinander.

Der Unterschied besteht darin, dass sprachsystematisch orientierte Textlinguistik (die bis Ende der 60er Jahre die dominantere war) ausschließlich auf die Sprachsystemkompetenz (Wissen über die Sprachlichen Regularitäten, Grammatik, also Form- Grammatikorientiert) orientiert ist, wohingegen die kommunikationsorientierte Textlinguistik sich auf die konkrete Anwendung und Bedeutung dieser sprachlichen Systeme in konkreten Kommunikationssituationen bezieht (also untersucht die Bedeutung und somit die Funktionen von sprachlichen Einheiten).

Kommunikationsorientierte Textlinguistik ist folglich nicht als ein Substitut (Ersatz) der sprachsystematischen zu verstehen, sondern als ihre Erweiterung um weitere (funktionsorientierte) Merkmale.

Wie es unschwer zu erkennen ist, haben diese beiden Hauptrichtungen unterschiedliche Ausgangspunkte und somit auch unterschiedliche Ziele in der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Texten. Daraus resultiert die Tatsache, dass der Untersuchungsgegenstand Text auch völlig unterschiedlich definiert wird, doch dazu soll es später ausführlicher eingegangen werden. Im ersten Schritt soll zunächst allgemein auf den Begriff des Textes eingegangen werden.

Zum Textbegriff

Der Begriff „Text“ stammt aus dem lateinischen Wort Textum, welches den Nomen des lateinischen Verbs texere darstellt. Während Ersteres Gewebe bedeutet, steht Zweiteres für verketten oder verbinden von etwas.

Als Text kann eine inhaltlich und sprachlich kohärente (zusammenhängende), begrenzte Abfolge von sprachlichen Zeichen (Schriftzeichen, Wörter, Phrasen Sätze) mit kommunikativer Funktion bezeichnet werden.

In dieser Definition des Textes, der von Klaus Brinker stammt, wird der Textbegriff als eine sprachsystematische und zugleich kommunikative Einheit beschrieben, die eine Relation zwischen mehreren Textualitätsmerkmalen voraussetzt:

- Kohärenz (grammatische und thematische Zusammenhänge); d. h. dass sprachliche Zeichen, die in einem Text vorkommen, miteinander harmonieren müssen, sowohl auf grammatische als auch auf lexikalische (inhaltliche) Ebene. Die einzelnen Konstituenten des Textes müssen also so aufeinander abgestimmt sein, dass es einen Sinn ergibt.
- Begrenztheit (Anfang - Ende)
- Das Textthema (muss erkennbar sein, oder auch mehrere Themen)
- Kommunikative Funktion (Sinn eines Textes: Dieser Punkt orientiert sich auf die Frage, zu welchem Zweck der jeweilige Text in einer bestimmten Kommunikationssituation eingesetzt wird, also welchen Sinn oder Intention verfolgt er. Diese Frage umfasst gleichzeitig eine andere Voraussetzung, nämlich, dass Texte immer in einer bestimmten Kommunikationssituation eingebettet sind, in der sie mit einem bestimmten Ziel gesendet und empfangen bzw. produziert und verstanden werden).
- Relative Abgeschlossenheit (bezieht sich auf sprachliche und auch semantische Abgeschlossenheit: d. h. Handlung, die ein Text beschreibt, muss vollendet sein).

K. Brinker schreibt dem ersteren (der fast deckungsgleich mit dem vierten Kriterium ist), der inhaltlichen und sprachlichen Kohärenz, eine wichtige Bedeutung zu, indem er einen interessanten Terminus „Nicht-Text“ einführt und kategorisiert.

Der Begriff Nicht-Text impliziert, dass dem jeweiligen sprachlichen Gebilde keine Kohärenz (Sinn) zugesprochen wurde. Demzufolge gilt jeder Versuch einer Textproduktion als gescheitert, wenn er wegen mangelnden oder fehlenden sprachlich-(grammatischen) oder inhaltlichen Zusammenhängen nicht verstanden wurde.

[...]

Details

Seiten
18
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640761395
ISBN (Buch)
9783640761456
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v159663
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Institut für Allgemeine und Angewandte Sprachwissenschaft, Abteilung Sprachlehrforschung
Note
1,0
Schlagworte
Textlinguistik Text Kohärenz Kohäsion Texttyp Textsorte Textfunktion Intertextualität

Autor

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Titel: Grundlagen der Textlinguistik der geschriebenen Sprache