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Eugène Ionesco - Leben und Werk

Seminararbeit 2009 15 Seiten

Didaktik - Französisch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Zur Person des Autors

3 Ionesco und die Wirklichkeit
3.1 Das Theater des Absurden
3.2 Einordnung Ionescos in das Theater des Absurden
3.3 Ionescos Wirklichkeitssicht

4 Dramatisches Gesamtwerk
4.1 Phasen des Schaffens
4.2 Ionescos Theater der total absurden Welt

5 Abschließende Bemerkungen

Literaturverzeichnis

Anhang

1 Einführung

Eugène Ionesco war ein großer französischer Dramatiker des 20. Jahrhunderts und einer der Hauptvertreter des „Absurden Theaters“. In seinen Dramen stellte er Fragen der menschlichen Existenz ebenso in den Mittelpunkt, wie die Banalität des Alltäglichen. Ionesco verfasste eine große Anzahl an Dramen, meldete sich aber auch jenseits seiner Werke zu Themen der Kultur und Politik zu Wort und beeindruckte nicht wenige Menschen durch seinen „Mut zum Zweifel“1. Er grenzte sich in der Zeit vor dem Fall des eisernen Vorhangs gegen französische Intellektuelle ab, die sich in Schweigen hüllten statt Missstände anzusprechen. Die Ausstrahlung des Künstlers beschreibt der Schriftsteller André Coutin wie folgt: „Ich bin auf einen Mann gestoßen, der mehr als jeder andere hellsichtig und verwirrt, aufgerüttelt und distanziert war“2.

Die vorliegende Arbeit soll eine einführende Betrachtung des Lebens des französischen Dramatikers Eugène Ionesco sein. Sein dramatisches Gesamtwerk wird mit einem Fokus auf den Stücken „La Leçon“ (1950) und „Les Chaises“ (1951) vorgestellt. Dafür soll zunächst die Begrifflichkeit „Theater des Absurden“ erklärt werden und eine Einordnung seiner Werke in einen Kontext ermöglichen (vgl. Kapitel 3). Außerdem wird Ionescos Wirklichkeitssicht untersucht, die großen Einfluss auf seine Arbeit hatte. Das vierte Kapitel zeigt eine allgemeine Übersicht seiner Schaffensphasen auf, die sich in seinem dramatischen Gesamtwerk erkennen lassen. Im Speziellen wird auf Ionescos Theater der total absurden Welt eingegangen, dem die bekanntesten Stücke entstammen. Die Arbeit endet mit einigen abschließenden Bemerkungen.

2 Zur Person des Autors

Gerade zum Anfang seiner Schaffenszeit sind viele biographische Daten über Eugène Ionesco nur eingeschränkt genau zu bestimmen. Auf Anfragen verwies er auf seine Briefe und erklärte, dass es sich bei seinem Lebenslauf um persönliche Daten handele, die nur ihn etwas angingen. Eugène Ionescu (so sein rumänischer Name, der so viel heißt wie „Sohn von Jean“) wurde am 26. November 1909 in Slatina (Rumänien) geboren. Das häufig genannte Geburtsjahr 1912 hatte er in Paris angegeben, um als Neuling der Theaterszene jünger zu wirken. Die ersten 13 Jahre seines Lebens verbrachte er in Paris und der Normandie, wo er aus gesundheitlichen Gründen einige Zeit in dem Dorf La Chapelle Anthenaise verbrachte. Immer wieder beschrieb Ionesco diese Zeit als die friedvollste und harmonischste seines Lebens:

„Ma première déchirure fut de quitter La Chapelle Anthenaise ; […]. Une des raisons principales lesquelles j´écris c´est sans doute pour retrouver le merveilleux de mon enfance, au delà du quotidien, la joie, au delà du drame et de la dureté, la fraîcheur ; […]. Le monde était beau tout frais et tout pur.“3

Seine Mutter kehrte mit ihm 1925 nach Rumänien zurück, wo sie sich von seinem Vater schei- den ließ, von dem man zunächst vermutete, dass er im Krieg gefallen sei. Dieser lebte jedoch und heiratete kurz nach der Scheidung erneut. Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn galt als dauerhaft angespannt und kalt. In Rumänien besuchte der junge Ionesco das Gymnasium „Stan- tul Sava“, legte jedoch sein Abitur am „Lycée de Craiova“ ab. Er machte große Fortschritte im Erlernen der rumänischen Sprache, hatte aber stets das „Gefühl im Exil“4 zu leben. Im Jahr 1929 schrieb er sich an der Universität Bukarest für die Fächer französische Sprache und Literatur ein. Dort veröffentlichte er schon bald Kritiken in wichtigen rumänischen Zeitschriften und schrieb - von Jammes und Maeterlinck beeinflusst5 - Gedichte. Sein erster Aufsatz erschien 1930 in der Zeitschrift „Zodiac“. In dieser Zeit entdeckte Ionesco den Surrealismus für sich und arbeitet kurz darauf, 1934, an der Essaysammlung „Nu“ (übersetzt: Nein), in der er sich mit den anerkannten Großen der rumänischen Gegenwartsliteratur auseinandersetzte. Zwei Jahre später, 1936, ver- starb seine Mutter, zu der er Zeit ihres Lebens ein gutes Verhältnis hatte. Im selben Jahr heiratete Eugène Ionesco die Philosophiestudentin Rodica Burileano. Er schrieb bis 1940 literarische Feuilletons für die Zeitschrift „Facla“ und erlebte in dieser Zeit zum ersten Mal den aufkom- menden Faschismus in den Straßen von Bukarest, was ihn dazu veranlasste, sich auch politisch zu äußern. Ionesco unterrichtete Französisch an einem Bukarester Gymnasium, bis er die Stadt verließ, um nach Paris zurückzukehren, wo er ein Stipendium der französischen Regierung er- hielt. Dort begann er seine Doktorarbeit über Sünde und Tod zu schreiben: „Les thèmes du péché et de la mort dans la poésie française depuis Baudelaire“ (übersetzt: Die Themen Sünde und Tod in der französischen Dichtung seit Baudelaire). Obgleich er sie nie abschloss, fügte er später hin- zu, dass er diese Dissertation in Form seiner Theaterstücke weiter geführt habe.6 Das Jahr 1939 brachte Ionesco zurück an den Ort seiner Kindheit, nach La Chapelle-Anthenaise, was ihn zu zahlreichen Tagebucheinträgen anregte, die später in dem Band „La Photo du colonel“ veröffent- licht wurden. Die nächsten drei Jahre lebte er in Marseille, lass Kafka, Flaubert und andere große Autoren und ließ sich von ihnen inspirieren. Seine Tochter Marie-France wurde am 26. August 1944 in Paris geboren. Ein Jahr später wurde Ionesco Korrektor in einen Verlag für Verwal- tungspublikationen in Paris, was ihn nicht wirklich aus seiner finanziellen Notsituation heraus- zuholen vermochte.

Nachdem sein Vater 1948 verstarb, begann Ionesco sein erstes Theaterstück zu schreiben: „La Cantatrice chauve“. Das Stück wurde am 11. Mai 1950 im Théâtre des Noctambules aufgeführt und fand, wenn auch nicht beim Publikum, so doch bei etlichen Kritikern und Literaten viel Be- achtung. Nach der Uraufführung wurde er freier Schriftsteller und verfasste allein bis 1960 über 20 Stücke, die zunächst nur in kleinen Theatern mit mäßigem Erfolg gespielt wurden. 1950 nahm der Autor, dessen Muttersprache ohnehin Französisch war, die französische Staatsbürger- schaft an. Seine Stücke „La Leçon“, dessen Uraufführung am 20. Februar 1951 im Pariser Théâtre de Poche-Montparnasse stattfand, und „Jacques ou la Soumission“ ließen ihn nun ganz zu einem Französisch schreibenden Autor werden. Es folgten „Les Chaises“, zum ersten Mal aufgeführt am 22. April 1952 im Théâtre du Nouveau Lancry, „Le Maître“ und andere Stücke, die ihn langsam immer berühmter werden ließen. Am 22. April wurden die Stücke „Les Chaises“ und „La Cantatrice chauve“ erstmalig zusammen am Théâtre de la Huchette aufgeführt, wo sie bis heute gespielt werden und Rekordsummen einbringen. Der große Durchbruch gelang Ionesco nach 1956, als ein enthusiastischer Artikel über ihn auf der ersten Seite der französischen Tages- zeitung Le Figaro erschien, geschrieben von Jean Anouilh, einem der bedeutendsten französi- schen Dramatiker und Theaterkritiker des 20. Jahrhunderts.

In den folgenden Jahren wurden immer mehr seiner Stücke in Paris, Düsseldorf und London auf- geführt, bis Eugène Ionesco im Dezember 1969 den „Grand Prix national du théâtre“ erhielt, 1970 „Chevalier“ der Ehrenlegion wurde und man ihn am 25. Februar sogar in die „Académie Française“ aufnahm. Er entwickelte sich zu einem gefragten und stets ausgebuchten Gast ver- schiedener Anlässe und behauptete sich bald auch international. Im Alter von 75 Jahren ernannte man ihn zum „Officier“ der Ehrenlegion. Es folgten weitere Stücke und Uraufführungen, jedoch leidete Ionesco an gesundheitlichen Problemen, was ihn mit der Zeit immer stärker einschränkte.

1991 war er der erste lebende Schriftsteller, dessen gesammelte Werke, sein „Théâtre complet“, in die ruhmreiche „Bibliothèque de la Pléiade“ aufgenommen wurden. Eine Übersicht seiner bedeutendsten Stücke findet sich auch im Anhang. Bald darauf, am 28. März 1994 starb Eugène Ionesco in seiner Pariser Wohnung. Auf seinem Grabstein auf dem „Cimetière de Montparnasse“ steht bis heute die Botschaft „Prier le Je Ne Sais Qui - j'espère: Jésus-Christ" (frei übersetzt: „Ich bitte den 'ich weiß nicht wer' - ich hoffe: Jesus Christus“).7

3 Ionesco und die Wirklichkeit

Im folgenden ]Kapitel wird zunächst der Begriff des „Theater des Absurden“ erklärt, um danach aufzuzeigen, inwiefern Ionesco mit seinem Werk in diese „Gattung“ einzuordnen ist. Um seiner besonderen literarischen Stellung gerecht zu werden, beschäftigt sich der Abschnitt 3.3 dezidiert mit seiner Wirklichkeitssicht.

3.1 Das Theater des Absurden

Um das Gesamtwerk Ionescos zu untersuchen, wird zunächst der Begriff des Absurden erläutert. „Absurd“ bedeutet einerseits „falschtönend“, „ungereimt“, andererseits „widersinnig“ und „lä- cherlich“. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Begriff für all das verwendet, was dem ge- sunden Menschenverstand, der Vernunft und der gewohnten Begriffswelt widerspricht:

„Absurd ist etwas, das ohne Ziel ist … Wird der Mensch losgelöst von seinen religiösen, metaphysischen oder transzendentalen Wurzeln, so ist er verloren, all sein Tun wird sinnlos, absurd, unnütz, erstickt im Keim.“8

Der Begriff „Theater des Absurden“ steht demgegenüber nicht eindeutig fest und wurde schon häufig stark kritisiert. Man versuchte stets andere Namen für diese Art von Literatur zu finden, wie zum Beispiel „Theater der Avantgarde“, „Anti-Theater“ bzw. „Anti-pièce“ (als einen Bruch mit dem traditionellen Theater) oder „experimentelles Theater“ (als Theater, das etwas Neues ausprobiert). Stücke, die dieser Gattung entspringen scheinen jedoch ganz und gar nicht „sinn- widrig“ zu sein, wenn man sich die unzähligen Interpretationen und den großen Erfolg anschaut, den diese Dramen beim Publikum erzielt haben.9 Ionesco selbst antwortet auf die Frage von Ul- rich Wickert, in einem Interview ob er die Bezeichnung „Absurdes Theater“ akzeptiere:

[...]


1 Vgl. Coutin 2000.

2 Coutin 2000, S. 8.

3 Ionesco 1986, S. 14ff.

4 Wendt 1967, S. 7.

5 Vgl. Wendt 1967, S. 8.

6 Vgl. Bondy 1975.

7 Für eine Übersicht der bibliographischen Daten siehe auch Bendig 1997.

8 Ionesco 1957, S. 17.

9 Vgl. Quint-Wegemund 1983, S. 21.

Details

Seiten
15
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640766574
ISBN (Buch)
9783640766499
Dateigröße
432 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v159641
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Romanistik
Note
2,5
Schlagworte
Eugène Ionesco Theater des Absurden

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