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Thomas Manns "Der Kleine Herr Friedemann" als poetisches Manifest zu seinen späteren Werken "Der Tod in Venedig" und "Felix Krull"

Hausarbeit 2008 15 Seiten

Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Biographie zu Thomas Mann

III. Historischer Kontext : um

IV. Historischer Kontext: die Nachkriegszeit

V. "Der Kleine Herr Friedemann"
V. 1. Kurze Inhaltsangabe
V. 2. Die Kunstproblematik
V. 3. Thematik
V. 4. Symbolik
V. 5. Schopenhauer und Nietzsche über die Enttäuschung
V. 6. Schlubfolgerung zur Novelle

VI. "Der Tod in Venedig"
VI. 1. Kurze Inhaltsangabe
VI. 2. Gemeinsamkeiten mit dem "Kleinen Herr Friedemann"
VI. 3. Die Kunstproblematik
VI. 4. Der Tod
VI. 5. Mythologische Aspekte
VI. 6. Philosophische Aspekte

VII. Schlubfolgerung

VIII. "Die Bekenntnisse der Hochstaplers Felix Krull"
VIII.1. Kurze Inhaltsangabe
VIII. 2. Krull, eine Parodie ?
VIII.3. Themen in Thomas Manns Hauptwerk

XIX. Schlubfolgerung

XX. Bibliographie

I. Einleitung

Das Thema dieser Arbeit lautet: "In wiefern ist der "Kleine Herr Friedemann" ein poetisches Manifest für Thomas Manns, für die spätere Novelle "Der Tod in Venedig" und für den Roman "Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull". Insofern werden Parallelen zwischen den drei Werken gesucht und einer Kontextualisierung der historischen Verhältnisse zu Thomas Manns Zeit.

II. Thomas Mann : Biographie

Paul Thomas Mann wurde am 6. Juni 1875 als zweiter Sohn von Thomas Heinrich Mann und seiner Frau Julia in Lübeck geboren. Mit 16 Jahren starb sein Vater, und die Kaufmannsfamilie löste sich auf. 1894 wird Thomas Mann Gasthörer an der Technischen Hochschule München mit der Absicht Journalist zu werden. Im Mai 1897 schreibt Thomas Mann seine Novelle "Der kleine Herr Friedemann" die ein Jahr später bei S. Fischer in Berlin erscheint. Am 1. Oktober beginnt Thomas Mann seinen Militärdienst, den er aber wegen Dienstuntauglichkeit abbrechen muss. [1]

Im Sommer 1913 erschien Thomas Manns "Tod in Venedig". Ab 1933 beginnt Thomas Manns Exil. Er reist zu erst nach Holland, bis er ein Jahr später mehrere male in die USA reist. Am 19. November 1936 nimmt er die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft an und siedelt endgültig nach Amerika aus. Dort beginnt er eine monatliche Radiosendung für seine deutsche Hörer. Nach dem Krieg unternimmt Thomas Mann drei Europareisen, 1955 reist er nach Holland. Dort erkrankt der Schriftsteller und wird ins Kantonhospital in Zürich überführt, wo er nach zwei Monaten stirbt.

III. Historischer Kontext um 1900

Um die Jahrhundertwende war Deutschland noch bis zum Jahre 1918 ein Kaiserreich unter dem preubischem Kaiser Wilhelm dem II. Zur Reichsgründung 1871 gehörte auch der preubische Ministerpräsident Otto von Bismarck. Zu dieser Zeit entwickelte sich das Land zu einem hochindustrialisiertem Staat. Die Wirtschaft florierte, interessant ist nun aber zu sehen, wie die Künstler auf solche Veränderungen reagierten[3]: Wie zu Zeiten Napoleons, wurde die Kunst für die Propaganda benutzt. Es gab also keine Künstlerfreiheit wie wir sie heute kennen. Somit fühlten sich die Künstler ignoriert, isoliert. Das 20. Jahrhundert jedoch markierte eine Künstlerwende, heute spricht man von Modernität, doch damals war es Rebellion. Unverstanden, wandte sich der Künstler vom Bürgertum ab, oder anders gesagt, von den Konventionen des Bürgertums, deren Welt er oberflächlich fand. Man kann diesbezüglich die expressionistische, im Jahre 1905 gegründete Künstlergruppe "Die Brücke" nennen. Charakteristisch in ihren Werken ist das Ästhetisierte der Dekadenz, des Verfalls. Sie malten Arbeiter, Aubenseiter und Prostituierte. Der seelische, psychologische Aspekt wurde in den Vordergrund gebracht, wie man es sehr schön in einem Autoportät von Egon Schiele sehen kann. Doch nicht nur die Maler nahmen an dieser Bewegung teil, der interdisziplinarische Aspekt, dass heibt, dass überall in der Welt, Maler, Schriftsteller, Kritiker, Musiker daran zusammen arbeiteten. Dies war von höchster Wichtigkeit und hat es bis dahin noch nie gegeben. Die wichtigsten Künstler dieser Zeit, die Thomas Mann beinflub-ten, waren Friedrich Nietzsche und Richard Wagner. [2]

IV. Historischer Kontext: Die Nachkriegszeit

Die neue Sachlichkeit entwickelt sich am Morgen des ersten Weltkrieges, die Künstler thematisieren Morde, Diebstahl, Kabarets, Prostitution, politische Spannungen. Mondrian und Kandinsky gründen 1910 den Modernen Kunstkrieg bis alle Projekte zum Surrealismus 1924 führen.Die Künstler werden sich mit der Psychonalyse Freuds befassen. [4]

Die Bundesrepublik Deutschland wurde am 23. Mai 1949 gegründet. Zu dieser Zeit war Deutschland ein Trümmerfeld, es herrschte Hunger und der schwarze Markt florierte. Während die Soldaten in Gefangenenlagern in Sibirien oder in den USA waren, bauten ihre Frauen Deutschland wieder auf. Dann kam das Wirtschaftswunder unter dem Wirtschaftsminister Ludwig Erhard. Die Deutschen wurden zu wahren "Arbeitsmaschinen" als ob sie dadurch versuchten, die Vergangenheit zu verdrängen. Man sieht auch bei den Künstlern, dass sie sehr schockiert waren über die Grausamkeiten des Krieges. Sie setzten den Menschen wieder ins Zentrum der Schöpfung. Sie versuchten auch sich weiterzuentwickeln da viele Künstler während des Krieges gestorben, verletzt oder ausgewandert waren. Marlene Dietrich und Thomas Mann u.a., wanderten in die USA aus. So kann man in Thomas Manns " Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull", im dritten Buch eine viel reifere Schreibweise feststellen. .

V. Der Kleine Herr Friedemann

"Der kleine Herr Friedemann" entstand 1896 und erzählt in fünfzehn Kapiteln die Geschichte des verkrüpelten Johannes Friedemann. In diesem Teil der Arbeit werden nach einer kurzen Zusammenfassung die Themen, und die Personen beschrieben. Zuletzt wird über die Kunstproblematik und über die Bedeutung der Ironie und der Symbolik bei Thomas Mann berichtet.

1. Kurze Zusammenfassung

Die Novelle beginnt mit dem bedeutenden Satz, der den Leser direkt ins Geschehen fallen lässt ""Die Amme hatte die Schuld"". Johannes Friedemann schleppt seither einen groben Buckel mit sich, weil seine trunksüchtige Amme ihn fallen lies. Durch sein kurioses Aussehen sind ihm wichtige Elemente des Lebens verschlossen, durch frustrierende Ereignisse in der Liebe und in der Freundschaft, zieht Johannes sich zurück, er interressiert sich zwar für das Schöne, das Sinnliche, jedoch ohne das Körperliche. Er wird bewusst zum [5]

Aubenseiter, lebt allein für die Literatur, die Musik und die Natur. "Das ist zu Ende [...] anderen gewährt es Glück und Freude, mir aber vermag es immer nur Gram und Leid zu bringen" (S.15). Dieser "Lebensverzicht" wird sozusagen zum "Lebensersatz", Friedemann redet sich ein, dass er Seelenfrieden hat, doch bei der Begegnung mit Frau von Rinnlingen zerbricht seine kleine Welt. Er fällt in die Dekadenz, in den Verfall, weil er sich von der Kunst abgewendet hat, er zestört sich ganz bewusst selber. Als er Gerda von Rinnlingen seine Liebe gesteht, lässt sie ihn fallen, wie es der Fall war am Anfang der Novelle mit der Amme. Friedemann lässt sich mit den Kopf ins Wasser fallen und steht nicht mehr auf.

2. Die Kunstproblematik

Johannes Friedemann sieht sich als Künstler : Er spielt Violine, liebt Bücher, besucht das Theater und geniebt lange Spaziergänge. Gleichzeitig aber lebt er in einer bürgerlichen Gesellschaft, aus der er seit seiner Kindheit zu entfliehen versucht. Lange lebt er so scheinbar glücklich, bis ihm Frau von Rinnlingen die Frage stellt "Sie haben also geglaubt, glücklich zu sein?" (S. 73) Die Kunst war alles, was Friedemann hatte, doch diese Illusion zerbricht plötzlich, als er sich von der Kunst abwendet und sich von seinen Gefühlen leiten lässt.

Lange sublimierte[6] Friedemann die Kunst, höherstehend als die sexuelle Befriedigung. Solange er seine Gefühle unterdrückt, hat er ein stabiles und ruhiges Leben. Als seine Liebe von Gerda von Rinnlingen nicht erwidert wird, sieht Friedemann keinen anderen Ausweg als den Selbstmord. Freud schrieb weiteres zur Neurose :

"Die mangelnde Anpassung ist im späteren Leben häufig stellvertretende Folge eines unbewältigten frühkindlichen Traumas. Durch dieses akute Trauma oder durch leichtere sich wiederholende chronische Traumatisierungen kommt es nach der psychoanalytischen

Theorie zu einer vermehrten Abwehrbereitschaft gegen diese schmerzlichen Erinnerungen

Neurosen werden nach der psychoanalytischen Theorie u. a. ausgelöst durch Störungen in bestimmten kindlichen Entwicklungsphase. Eine Persönlichkeitsstörung (Charakterneurose), welche zumeist ich-synton ist, wird durch eine frühe Störung in der Entwicklung ausgelöst."[7]

Somit erklärt sich Friedemanns Leben in Konventionen und sein späterer Verfall durch die Begegnung mit Frau von Rinnlingen. Sie zerbricht ihn.

3. Thematik

Ein zentrales Thema, das sich auch im "Tod in Venedig" wieder findet, beschreibt der Autor selbst in seinem biblischen Werk "Der Joseph Roman":

Es ist die Idee der Heimsuchung, des Einbruchs trunken zerstörender und vernichtender Mächte in ein gefasstes und mit allen seinen Hoffnungen auf Würde und ein bedingtes Glück der Fassung verschworenes Leben. Ein Lied vom errungenen, scheinbar gesicherten Frieden und des den treuen Kunstbau lachend hinfegenden Lebens , von Meisterschaft und von Überwältigung, vom Kommen des fremden Gottes war des Anfang, wie es in der Mitte war.[8]

Die Idee der einzelgängerischen Figur, die sich in dieser Hinsicht auch im Werk "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" wieder findet, die Idee der einsamen, scheinbar glücklichen Figur die durch eine dunkle Macht zerstört wird, ist hier, im "kleinen Herr Friedemann" ein Zentralmotiv, ein Leitmotiv für seine späteren Werke.

Die Schuld ist ein ständiges Leitmotiv in diesem Buch. Bereits im ersten Satz des Buches wird die Schuldige für die scheiternde Existenz Friedemanns entlarvt; "Die Amme hatte die Schuld"

Letztes Thema ist der Tod, der Verfall, den wir aber im "Tod in Venedig" weiter verfolgen werden. Hier aber scheint es, dass Friedemann dem Verderben nachstrebt. Er weiss ganz genau, dass seine Beziehung mit Frau von Rinnlingen zum Scheitern verurteilt ist, dennoch lässt er sich darauf ein. Doch er geniesst diesen Schmerz, ergötzt sich daran.

Zwei Figuren kommen in dieser Novelle vor: Friedemann und Gerda von Rinnlingen, die Nebenfiguren kommen hier nur skizzenhaft vor, damit der Leser sich hauptsächlich nur auf die zwei Hauptfiguren konzentriert.

[...]


[1] Zeittafel, Unterricht

[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Deutschland#Der_Weg_zum_deutschen_Nationalstaat_.281806.E2.80.931871.29, Geschichtsunterricht von Frau Gulpen in der Abiturklasse meiner jüngeren Schwester.

[3] Cours d'histoire de l'art et de l'archéologie du 19ième et 20ième siècle de Monsieur Clerbois.

[4] Der Spiegel: Die 50er Jahre, vom Trümmerland zum Wirtschaftswunder, Nr.48, 28.11.05

[5] "Der Kleine Herr Friedemann" S. Fischer Verlag, 4. Auflage November 2003

[6] Freuds Theorie der Subimierung und der Neurose, Vortrag von Rüdiger Görner

[7] http://de.wikipedia.org/wiki/Neurose

[8] Joseph III, Seite 420

Details

Seiten
15
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640736430
ISBN (Buch)
9783640736492
Dateigröße
547 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v159538
Institution / Hochschule
Université libre de Bruxelles
Note
16
Schlagworte
Thomas Manns Kleine Herr Friedemann Manifest Werken Venedig Felix Krull

Autor

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Titel: Thomas Manns "Der Kleine Herr Friedemann" als poetisches Manifest zu seinen späteren Werken "Der Tod in Venedig" und "Felix Krull"