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Indien als Standort für IT-Offshoring

Bachelorarbeit 2008 40 Seiten

VWL - Internationale Wirtschaftsbeziehungen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkurzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 IT-Branche in Indien
2.1 Entwicklung und Wachstum der IT-Branche
2.1.1 Indiens wirtschaftliche Reformen
2.1.2 Direkte Wirkungen der Reformen
2.1.3 Heranreifen der IT-Branche
2.1.4 Indische IT-Unternehmen
2.1.5 Auslandische Unternehmen in Indien
2.2 Regionale Verteilung
2.3 Indisches Bildungswesen
2.4 Motivation der Inder

3 Bereiche im IT-Offshoring
3.1 Voraussetzungen fur das Offshoring
3.2 Leistungsbereiche
3.2.1 Business Process Offshoring
3.2.2 Software Development Offshoring
3.2.3 Infrastructure Service Offshoring

4 Chancen des Offshorings fur den Auftraggeber
4.1 Finanzielle Chancen
4.1.1 Reduzierung der IT-Kosten
4.1.2 Verbesserung der Kostenkontrolle
4.1.3 Fixkostenumwandlung und Reduzierung der Kapitalbindung
4.2 Qualitative Chancen
4.2.1 Verbesserung der Servicequalitat
4.2.2 Verbesserung der Untemehmensprozesse
4.2.3 Erfahrungsvorsprung und Sicherheitsstandards
4.3 Strategische Chancen
4.3.1 Konzentration auf Kernkompetenzen und Risikotransfer
4.3.2 Verbesserung der Flexibility
4.4 Weitere Vorteile Indiens gegenuber anderen Landern

5 Risiken des Offshorings fur den Auftraggeber
5.1 Risiken auf Seiten des Auftraggebers
5.2 Risiken bezogen auf die Kooperation
5.3 Risiken auf Seiten des Auftragnehmers

6 Auswirkungen des IT-Sektors auf Indiens Entwicklung
6.1 Wirkung auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung
6.2 Auswirkungen auf andere Branchen
6.3 Potential der IT-Branche
6.4 Hindernisse fur die weitere Entwicklung der IT-Branche

7 Fazit

Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Entwicklung der indischen IT-Industrie

Abkurzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Was seit Jahrzehnten in der Bekleidungs-, der Nahrungsmittel- und der Maschi- nenindustrie Normalitat ist, hat sich unter dem Begriff „Offshoring“ nun auch in der IT (Informationstechnik) als feste Grofie etabliert. Gemeint sind die Erstellung von Produkten sowie die Ausfuhrung von Dienstleistungen in geographisch weit entfernten Landern. Internationaler Kostendruck, steigende IT-Kosten und die Konzentration auf Kernkompetenzen sind dabei die ausschlaggebenden Begrun- dungen der Unternehmen.

Die IT-Offshore-Kapazitaten, die weltweit ausgelagert werden, befinden sich hauptsachlich in Indien. Die Nation mit der weltweit zweitgrofiten Bevolkerung hat mit ihrem Eintritt in die Globalisierung im Dienstleistungsbereich dieselben Moglichkeiten zur Kostensenkung eroffnet, wie dies zuvor bereits durch die in- dustrielle Massenfertigung geschehen ist.

Die Software- und Dienstleistungsindustrie, Hauptkomponenten des indischen IT- Sektors, verzeichnen im Vergleich zu anderen Industriesparten des Landes das signifikanteste Wachstum. Der Subkontinent ist somit zum grofiten Back-Office der Welt aufgestiegen und dominiert als wichtigster Offshoring-Standort den weltweiten Handel mit IT-Dienstleistungen.1

Ziel der vorliegenden Ausarbeitung ist es, die Attraktivitat Indiens als Standort fur IT-Offshoring darzustellen und zu erlautern, weshalb das Land zum Vorreiter im weltweiten Handel mit IT-Dienstleistungen geworden ist. Dabei werden zunachst die Entwicklung des IT-Sektors erlautert, die wichtigsten indischen Unternehmen der Branche vorgestellt, die regionale Verteilung der IT-Zentren und die treiben- den Faktoren der Entwicklung aufgezeigt.

In den folgenden Kapiteln werden die Voraussetzungen sowie die Leistungsberei- che des IT-Offshorings dargestellt. Anschliefiend werden die vielfaltigen finan- ziellen, qualitativen und quantitativen Chancen sowie die Risiken, die mit einer Verlagerung verbunden sind, erlautert.

Im weiteren Verlauf der Arbeit werden die Effekte auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung und die Auswirkungen auf andere Wirtschaftszweige Indiens dar- gestellt. Zusatzlich werden die Potentiale der indischen IT-Offshoring-Branche und mogliche Hindernisse fur ihre positive zukunftige Entwicklung aufgezeigt.

Zum Abschluss dieser Arbeit werden die gesammelten Eindrucke in einem Fazit zusammengefasst und gewurdigt.

2 IT-Branche in Indien

Um die sprunghafte Entwicklung des Subkontinents von einer ruckstandigen Ag- rargesellschaft in eine wissensbasierte Dienstleistungswirtschaft zu beschreiben, mussen mehrere zusammenhangende Faktoren betrachtet und erlautert werden. Daher werden in diesem Kapitel zunachst die grundlegenden politischen Refor- men als essentielle Rahmenbedingungen aufgezeigt, die dem Land ermoglicht haben, zu seiner gegenwartigen Stellung im IT-Bereich zu gelangen. Dabei wird auf die wichtigsten indischen und auslandischen Unternehmen eingegangen. Im Anschluss werden die regionale Entwicklung der IT-Zentren und ihre Bedeutung, das indische Bildungswesen sowie die Motivation der Inder als treibende Faktoren fur das anhaltende Wachstum der Branche betrachtet.

2.1 Entwicklung und Wachstum der IT-Branche

Indiens ehemalige und heutige Regierungen waren und sind bemuht, das Land sowohl wirtschaftlich als auch politisch zu einer Grofimacht, d.h. zu einem Global Player zu machen. Es hat sich die Ansicht durchgesetzt, dass sowohl wirtschaftli- che Macht als auch politischer Einfluss nur durch eine starkere Integration in die Weltwirtschaft moglich ist. Um dies praktisch umsetzen zu konnen, waren grund- legende wirtschaftliche Reformen notwendig, die im Folgenden als Grundlage fur die aufiergewohnlichen Entwicklungen der indischen IT-Branche erlautert werden sollen.

2.1.1 Indiens wirtschaftliche Reformen

Ausgangspunkt der Entwicklung der IT-Branche Indiens ist im Jahre 1984 zu ver- zeichnen, als der damalige Premierministers Rajiv Gandhi den Entschluss fasste,2 diesen Wirtschaftssektor zu liberalisieren.3 Zur gleichen Zeit wurde auch der Im­port von Computern freigestellt. Die Einfuhr war bis zu jener Zeit verboten, da versucht wurde, die inlandische Produktion von Hardware zu fordern. Diese poli- tische Entscheidung fuhrte dazu, dass sich die wenigen in Indien ansassigen Fir- men, u.a. WIPRO, von Hard- auf Softwareproduktion umstellen, ihre Betriebe schlieBen oder auf die Montage auslandischer Computerteile umsatteln mussten, da man nun nach der neuen Regelung modernste Computer aus dem Ausland be- ziehen konnte.4 Der Liberalisierungsprozess nahm noch einige Zeit in Anspruch, bis schlieBlich im Jahr 1991 durch den damaligen Finanzminister und heutigem Premierminister Manmohan Singh alle wirtschaftlichen Reformen eingeleitet wurden. Es folgten die Vereinfachung des Steuersystems sowie die Senkung der Einkommens- und Korperschaftssteuersatze als auch die Zulassung von auslandi- schen Direktinvestitionen in der IT-Branche.5 Das hauptsachliche Ziel der Libera- lisierungspolitik Indiens war die Starkung des AuBenhandels und der Ausbau internationaler Wirtschaftsb eziehungen.6

2.1.2 Direkte Wirkungen der Reformen

Die Effekte der wirtschaftlichen Reformen sind beachtlich. Das Wirtschaftswach- stum, das in den 1990er-Jahren zu Beginn noch bei durchschnittlich sechs Prozent lag, stieg bis zum Haushaltsjahr 2007/08 auf 8,7 Prozent. Dies entspricht fur den Zeitraum zwischen 2003 und 2008 im Durchschnitt einem Wachstum von acht Prozent.7 Weltweit wird Indiens Wirtschaftswachstums lediglich von China uber- troffen.

Der Subkontinent ist mittlerweile die elftgroBte Volkswirtschaft der Welt; gemes- sen in Kaufkraftparitat8 bereits die ViertgroBte.9 Die starke Wachstumsdynamik hat das Land weitgehend dem Dienstleistungssektor zu verdanken, wahrend der industrielle Sektor und die Landwirtschaft nur begrenzt zum volkswirtschaftlichen Gewicht beitrugen, ganz im Gegensatz zu anderen Entwicklungslandern, die ahn- liche Liberalisierungsprozesse durchfuhrten.10

2.1.3 Heranreifen der IT-Branche

Im Zuge des Importes von leistungsfahigen Computern hatten indische Program- mierer begonnen, im Bereich der Softwareentwicklung spezielle Computerprog- ramme fur das In- und Ausland zu konzipieren. Gleichzeitig wurde ebenso der Markt fur die Auslagerung von IT-Abteilungen, dem Business Process Offshoring (BPO) westlicher Firmen, geoffnet.11 Allerdings spielte der Export von IT- Dienstleistungen noch eine geringe Rolle. Im Jahr 1985 betrug das IT- Exportvolumen erst 24 Mio. US-Dollar.12 Wichtige Bedeutung erlangte der Ex­port erst gegen Ende der 1980er-Jahre, als die USA als Bahnbrecher begonnen hatten, Dienstleistungen nach Indien auszulagern.13 Der Dienstleistungsexport uberstieg erstmals im Jahr 2001 die Inlandsumsatze und soll der Entwicklung zur Folge dieses Jahr erwartungsgemafi doppelt so hoch sein. Das bereits erwahnte Unternehmen WIPRO zahlt neben Tata Consultancy Services (TCS) und INFO- SYS zu den Pionieren, die Offshoring fur Indien entdeckt haben, indem sie als Erste erkannten, dass Dienstleistungen uber Landergrenzen hinweg handelbar sind.14 Mit dieser Erkenntnis ist Indien zugleich seinem grofiten Nachteil bei der Teilnahme am internationalen Handel, der schlechten Infrastruktur, ausgewi- chen.15

Einen wichtigen Meilenstein der indischen IT-Offshoring-Geschichte stellt die Losung des Year-2000-Bugs in den USA dar, wobei durch indische Hilfe verhin- dert wurde, dass alle Computer weltweit im Jahr 2000 auf das Jahr 1900 zuruck- gestellt wurden.16 Die Bewaltigung dieses Problems forderte viele Fachkrafte, die aufgrund der Ubernachfrage auf dem amerikanischen Markt nicht beschafft wer- den konnten. Erst durch das Anwerben von auslandischen Arbeitnehmern, vor allem aus Indien, konnte die Nachfrage zunachst bedient werden. Da jedoch auf­grund einiger Hindernisse, wie z.B. der Einwanderungsquote, der anhaltend hohe Bedarf nicht gedeckt werden konnte, wurde mit der Verlagerung von IT-Projekten nach Ubersee begonnen.17 Da man mit der auslandischen Leistungserbringung gute Erfahrungen machte, wurden zunehmend ganze Abteilungen und Unterneh- mensbereiche ins Ausland verlagert.

Den gesamten indischen Dienstleistungssektor betreffend ist folgende Entwick- lung zu verzeichnen: Wahrend er im Jahr 1980/81 noch einen Anteil von 36,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmachte18, stieg der Anteil des tertiaren Sek- tors bis zum Jahr 2007 auf 55 Prozent.19 Der grofite Beitrag in dieser Anteilsver- schiebung kann dem IT-Bereich zugeschrieben werden. Die hochsten Wachstums- raten erreichte der Dienstleistungssektor nach den wirtschaftlichen Reformen im Jahr 1991.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Entwicklung der indischen IT-Industrie. Quelle: NASSCOM 09.2007, 1

Aus der folgenden Darstellung kann der Anteil der IT-Branche am Bruttoin- landsprodukt abgelesen werden. Ebenfalls kann man die Entwicklung des Inlands- sowie Exportumsatzes und der Beschaftigtenzahlen entnehmen. Die dargestellten Umsatzzahlen beziehen sich lediglich auf die Softwarebranche sowie das BPO und beinhalten nicht die Entwicklungen der Hardwareindustrie.

Unterschiedliche Vorhersagen prognostizieren fur das Jahr 2010 einen Anstieg des Exportvolumens auf 60 bis 80 Mrd. US-Dollar.20 Desweiteren sollen dann 2,3 Mio. Menschen in der IT-Branche direkt beschaftigt sein.21

2.1.4 Indische IT-Unternehmen

Im Folgenden werden die drei grofiten Firmen der indischen IT-Branche, TCS, WIPRO und INFOSYS, vorgestellt. Sie verfugen uber Kernkompetenzen im Off­shoring, dabei besonders im BPO und in der Softwareentwicklung. Neben ihnen existiert eine Vielzahl kleiner Software-Firmen mit individuellen Spezialgebieten, von denen derzeit zwei besonders stark aufholen, Satyam Computer Services und Patni Computer Systems.22

TCS ist die alteste und grofite IT-Firma Indiens mit Sitz in Mumbai, die zur Tata Gruppe, dem grofiten und international bekanntesten Firmenkonsortium des Lan­des gehort. TCS wurde bereits 1968 gegrundet und gilt als erstes Software- und IT-Dienstleistungsunternehmen des Subkontinents. Die Unternehmensentwick- lung war zunachst relativ schwach. In den 1980er Jahren beschaftigte das Unter- nehmen erst 300 Angestellte, was sich mit dem Aufbluhen der Branche in den 1990er Jahren durch einen gewaltigen Wachstumsschub anderte.23 Im Jahr 2005 lag die Zahl der Angestellten bereits bei 46.00024 und wuchs bis zum Abschluss des Geschaftsjahres 2007/08 am 31. Marz 2008 auf 110.000. Fur das laufende Geschaftsjahr ist die Einstellung von weiteren 30.000 bis 35.000 Mitarbeitern geplant. Der Gesamtumsatz stieg auf 5,7 Mrd. US-Dollar, was einem Wachstum von 22 Prozent gegenuber der Vorperiode entspricht.25

Wipro Technologies, Tochterunternehmen von Wipro Limited mit Sitz in Banga­lore, wurde von Azim Premji, der mehrere Jahre lang als reichster Mann Indiens galt, im Jahr 1980 gegrundet.26 Das Unternehmen begann seine Geschaftstatigkeit mit der Produktion von Computern, als deren Einfuhr noch verboten war. Nach ihrer Umstellung auf Softwareproduktion stieg die Firma zum grofiten Konkurren- ten von TCS auf. Bis heute hat das Unternehmen eine Vielzahl von Auszeichnun- gen fur seine Leistungen und Qualitaten erhalten. Im Geschaftsjahr 2007/08 wur- de Wipro u.a. im Bereich des BPOs mit dem Global Excellence Award27 und fur seine hohe Kundenorientierung mit dem Avaya Global Connect Customer Res­ponsiveness Award28 ausgezeichnet. Im vergangenen Geschaftsjahr hatte das Un- ternehmen 82.122 Beschaftigte und konnte einen Gesamtumsatz von 4,93 Mrd. US-Dollar erwirtschaften. Dies entspricht einem Zuwachs von 32 Prozent ge- genuber der Vorperiode. Der Anteil des Gesamtumsatzes aus globalen Software und Dienstleistungsgeschaften betragt 3,41 Mrd. US-Dollar.29

Das jungste Mitglied der „groBen Drei“ ist das Unternehmen INFOSYS, das erst im Jahr 1981 gegrundet wurde. Die Firma ist ein begehrter Arbeitgeber. Sie pruft jahrlich eine Mio. Bewerber, von denen rund 23.000 eingestellt werden.30 Eines der Entwicklungskernstucke des Unternehmens ist das Global Delivery Model, welches eine Aufteilung einzelner Programmieraufgaben in logische Komponen- ten ermoglicht.31 Dadurch kann sich INFOSYS auf seine Kernkompetenzen kon- zentrieren und andere Komponenten von Zuliefereren aus aller Welt beziehen, wodurch eine maximale Wertschopfung erreicht werden kann.32 Bei einer Arbeit- nehmerzahl von 91.000 Beschaftigten erzielte das Unternehmen im letzten Ge­schaftsjahr einen Gesamtumsatz von 4,17 Mrd. US-Dollar. Dies entspricht einem Zuwachs von 35 Prozent.33 INFOSYS setzt Standards, gewann Preise fur die beste Corporate Governance in Asien, ist Indiens bestgemanagtes Unternehmen und wird als bester Arbeitgeber des Landes betitelt.34

Aufgrund ihres wachsenden Erfolges haben die indischen Software-Firmen be- gonnen, ihre Geschaftsergebnisse nach den United States Generally Accepted Accounting Principles zu veroffentlichen, um in New York an die Borse gehen zu konnen.35

2.1.5 Auslandische Unternehmen in Indien

Das Wachstum der IT-Branche in Indien resultiert nicht nur aus der zuvor darges- tellten Entwicklung indischer Unternehmen, sondern auch aus der Expansion vie- ler international agierender Unternehmen. Zu den bekanntesten Firmen, die in Indien Niederlassungen besitzen zahlen IBM, Intel, GE, Texas Instruments, SAP, Siemens, Oracle, Hewlett-Packard und Cisco. Diese und viele weitere auslandi­sche Unternehmen sorgen fur die wachsenden Arbeitsplatzverlagerungen nach Indien.

Im Jahr 2003 beschaftigte IBM beispielsweise 9.000 Arbeitnehmer in indischen Zweigstellen. Das Unternehmen verfunffachte die Zahl in lediglich drei Jahren auf 45.000.36 Aus IBMs Jahresbericht geht hervor, dass die Beschaftigtenzahl bis En- de des Jahres 2007 sogar auf 74.000 angestiegen ist.37 Ahnliche Wachstumsraten wurden von SAP, dem weltweit viertgroBten Softwarehersteller, erzielt. Im Jahr 2003 waren in den indischen Niederlassungen 750 Mitarbeiter angestellt.38 Bis zum Abschluss des Geschaftsjahres 2007 stieg diese Zahl auf fast 4.900 Beschaf- tigte an.39 Indien stellt fur SAP heute das zweitwichtigste Entwicklungszentrum dar.40

Ein entscheidender Grund fur die Schaffung von Zweigstellen in Indien ist neben den Rentabilitatserwartungen auch die Verfugbarkeit von gut ausgebildeten Soft- warespezialisten. Die Zahl der IT-Experten in Bangalore ist heute bereits groBer als in „Silicon Valley“ in Kalifornien.41

2.2 Regionale Verteilung

Mit der Einleitung der erwahnten wirtschaftlichen Reformen, die zum eigentli- chen Durchbruch der IT-Branche in Indien fuhrten, wurde im Jahr 1990 der Soft­ware Technology Park bei Bangalore als Freihandelszone etabliert, was zur Folge hatte, dass die Softwareindustrie in den 1990er Jahren jahrliche Wachstumsraten von 50 Prozent verzeichnen konnte.42 Diese Entwicklung war der Ausloser fur die starke Konzentration von IT-Unternehmen um Bangalore. Die Stadt gilt heute als „Asiens Silicon Valley“ und wurde von den Vereinten Nationen als viertwichtigs- te Region fur Technologieinnovationen der Welt befunden.43 Aufgrund seines Klimas, des hohen Lebensstandards und der bereits erwahnten Verfugbarkeit von Softwareexperten gilt Bangalore als die begehrteste Region Indiens fur auslandi- sche Unternehmen.44 Heute verfugt die Metropole uber die meisten Zentren der Software-Produktion. Der renommierte Indien-Experte Rothermund bezeichnet die vier groBen Ballungsraume Bangalore zusammen mit Chennai im Osten, nord- lich mit Hyderabad und nordwestlich mit Mumbai als das „magische Rechteck“ im Suden des Landes.45 AuBerhalb dieser regionalen Konzentrationen zahlen Del­hi im Norden Indiens und Kalkutta im Osten zu den wichtigsten Zentren.

Grunde fur die Bildung der Ballungszentren waren der dort fruh verfugbare An­schluss an das Internet sowie die Dichte der qualifizierten Universitatsabsolventen vor Ort.46 Diese Konzentration um die groBten Stadte des Landes fuhrt zwar ei- nerseits zu Disparitaten, bringt allerdings den Vorteil regionaler Nahe zu Han- delspartnern. So befinden sich z.B. Partnerfirmen der SAP-Filiale wie IBM und viele wichtige Kunden in Bangalore in einem Umkreis von zehn Kilometern.47 Jedoch ist auch zunehmend der Trend zu verzeichnen, dass sowohl westliche als auch inlandische Firmen, aufgrund des rasanten Fachkrafteverzehrs, in Provinzen auBerhalb dieser Ballungsgebiete ausweichen.39

2.3 Indisches Bildungswesen

Ein entscheidender Vorteil fur die Entwicklung der IT-Branche ist Indiens elitar ausgerichtetes Bildungssystem. Hohere Bildung wird priorisiert, wahrend gleich- zeitig der Grundschulsektor, die Alphabetisierung und die Forderung der Unter- kasten in den Hintergrund rucken.

[...]


1 Amberg und Wiener 2006, 125

2 Von Hauff 2007, 44

3 H. Muller 2007, 70

4 Rothermund 2008, 131

5 H. Muller 2007, 65-69

6 Von Hauff 2007, 17

7 Auswertiges Amt 2008, 2

8 Virtueller Wechselkurs zweier Wahrungen, bei dem man mit einem festen Geldbetrag in beiden Volkswirtschaften in etwa die gleiche Menge an Gutern und Dienstleistungen erwerben kann.

9 Ebenda, 1

10 Woyke 2008, 65f

11 Rothermund 2008, 132

12 Hira und Hira 2008, 174

13 Amberg und Wiener 2006, 1

14 O. Muller 2006, 52f

15 Ebenda, 69

16 Rothermund 2008, 133

17 Schwabe und Wende 2008, 368

18 Von Hauff 2007, Tabelle 3b

19 Auswertiges Amt 2008, 2

20 Rothermund 2008, 139

21 O. Muller 2006, 65

22 Rothermund 2008, 137f

23 Ebenda, 133

24 Ebenda, 134

25 Tata Consultancy Services 2008, 2ff

26 Rothermund 2008, 135

27 Wipro 2007, 1

28 Wipro 2008, 4

29 Ebenda, 1

30 Infosys 2008, 4

31 Infosys 2006, 1

32 Rothermund 2008, 137

33 Infosys 2008, 13ff

34 O. Muller 2006, 52

35 Rothermund 2008, 138

36 O. Muller 2006, 53

37 IBM 2007, 50

38 O. Muller 2006, 43

39 SAP 2008, 150

40 O. Muller 2006, 66

41 Ebenda, 44

42 H. Muller 2007, 70

43 Kobayashi-Hillary 2005, 120

44 O. Muller 2006, 44

45 Rothermund 2008, 140

46 Wildemann 2007, 207

47 O. Muller 2006, 44

48 Ebenda, 67

Details

Seiten
40
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640725380
ISBN (Buch)
9783640725373
Dateigröße
595 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v159433
Institution / Hochschule
Fachhochschule Trier - Umwelt-Campus, Standort Birkenfeld
Note
1,0
Schlagworte
IT Informationstechnologie Outsourcing Offshoring Indien

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Titel: Indien als Standort für IT-Offshoring