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Wie wichtig ist Prag?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2001 27 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Osteuropa

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Lage der Stadt
2.1 naturraumlich
2.2 regional

3. Die Geschichte Prags
3.1 Die erste Besiedlung
3.2 Prag im Mittelalter
3.3 Prag und die Habsburger
3.4 Die Hauptstadt Prag
3.5 Prag im Kommunismus
3.6 Die „Sanfte Revolution"

4. Die Entwicklung Prags
4.1 Die Bevolkerung
4.2 Prag im 20. Jahrhundert

5. Prag als neue „Eurometropole“

6. Fazit und Ausblick

7. Literaturverzeichnis

„Aufregende Ereignisse wie jene Konigsflucht waren in der Geschichte der Stadt nicht Ungewohnliches. Die Stadt uberlebte sie nicht nur, sondern es war, als bedurfe sie ihrer geradezu zum Leben. Die Kaiserstadt Wien galt als gemutlich, aber die Konigs- und Kaiserstadt Prag war dies gewiG nicht, weder auGerlich noch innerlich, sondern sie war zackig, schroff, kampferisch und unheimlich. Es mochte wunderbar spannend und wundersam sein, dort zu leben, aber gemutlich war es nicht. Seit die mythische Herzogin Libussa vom Hugel des Wyscherad uber die Moldau hinweg die kunftige Glorie Prags geweissagt hatte, war dort Kampf und Streit heimisch gewesen, klotzige Zwietracht zwischen den graniten Bojaren der tschechischen Fruhzeit, wie sie Stifter im Witiko gewaltig und homerisch vorgefuhrt, hamischer Hader zwischen Tschechen und Deutschen schon seit den Premyslidenherrschern, pressender Druck gegen die Judengemeinde, die seit dem zehnten Jahrhundert in Prag ihre Heiligtumer betreute, heftiger und blutiger Glaubenszwist zwischen Hussiten und Papisten, Religionswirren und Feudalkriege zwischen den bohmischen Standesherren, Folter und Verfolgung der frommen Bohmischen Bruder sogar durch einen Konig ihres eigenen Volkes, und ohne UnterlaG, solange das Gedachtnis der einzelnen und der Nationen reichte, Kampf mit dem Kaiser, Kampf mit dem deutschen Landsmann und Nachbarn, wechselseitiges Unrecht, kein Zweifel, und unentwirrbar."

Johannes Urzidil, 1960

1. Einleitung

Durch die Entwicklungen der letzten Jahre in Sudost- und Mitteleuropa hat sich fur die jeweiligen Staaten eine Vielzahl von Veranderungen auf politischer, gesellschaftlicher, sozialer und wirtschaftlicher Ebene ergeben. Diese Neuerscheinungen, hervorgerufen durch den Zusammenbruch des Kommunismus und dem Ende der Teilung Europas, sind die neuen Herausforderungen fur die betroffenen Lander fur die kommenden Jahrzehnte. Restriktionen der Zuganglichkeit wurden aufgehoben und die Staaten Mittelosteuropas neuen GesetzmaGigkeiten und Verantwortlichkeiten ausgesetzt.

Prag, als Hauptstadt der Tschechischen Republik, ist geographisch mitten im Herzen des neu geordneten Europa zu finden und damit ein neues Zentrum auf der politischen Landkarte Europas geworden. Da die nahe politische Zukunft mit dem geplanten Zutritt zur Europaischen Union noch recht ungewiG ist, kann man nur wage vermuten, welchen Stellenwert die Stadt auf regionaler und internationaler Ebene demnachst einnehmen wird.

Aufgabe dieser Arbeit ist es jedoch, das AusmaG der aktuellen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Reprasentativitat Prags aufgrund seiner Historie zu untersuchen, um dann moglicherweise den Stellenwert der tschechischen Hauptmetropole fur die Bevolkerung in und um ihrer Region und in der nahen Zukunft in einem vereinten Europa genauer definieren zu konnen.

2. Die Lage der Stadt

2.1 naturraumlich

Um die naturlichen Lagepotenziale von Prag bestimmen zu konnen, muG einerseits die Entstehung und Einbindung der Stadt unter Berucksichtigung der okologischen Einheiten des Stadtraumes und, andererseits das Wachstum der Stadtregion in die GroGlandschaft untersucht werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ursprunglich ist Prag als Bruckenstadt entstanden, in unmittelbarer Anbindung an naturliche Furten uber die Moldau. Die erste holzerne Brucke ist in das 10. Jahrhundert datiert worden. Die Verklammerung der beiden Talflanken und die Ausbreitung der Stadt entlang des Flusses gehort dam it zur stadtebaulichen und architektonischen Gesamtgestaltung Prags. Der Raum, in dem Prag gelegen ist, erhalt seinen Charakter durch die spezielle Note aus dem Verhaltnis zwischen Strom und seinen umgebenden Hohenzugen. Die Gliederung der Hohenzuge in einzelne uber dem Moldautal aufragende isolierte Kegel besaG bereits in der Fruhgeschichte die Standortvoraussetzungen fur eine Mehrzahl von Burgen, die die Zertalung und Terrassierung der Hochflachen als „Buhne" fur die Bewegtheit des stadtischen Baukorpers bildete. Prags physische Strukturierung wird daher durch den Gegensatz vom tief eingeschnittenen Tal der Moldau und den sich langs des Flusses erhebenden Einzelbergen einerseits und den Hochflachen andererseits bestimmt (vgl. Fehr 1979).

2.2 regional

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Microsoft Encarta Weltatlas 1997

Prag als Binnenstadt ist meerfern gelegen. Die Lage an einem groGen Strom, der Moldau, war fur die Entwicklung der Stadt von grower Bedeutung. Das Bohmische Becken, inmitten Prag gelegen ist, hat zwar einerseits eine fruhe territoriale Zusammenfassung von Bohmen mit der Hauptstadt Prag unter den ersten Przemysliden im 9. Jahrhundert begunstigt, jedoch weist es andererseits eine zu geringe Gesamtflache von lediglich 78.000 km2 auf, die eine eigenstandige Ausbreitung bisher verhinderte. Der Stadt Prag kann trotzdem ein guter, aber jedoch nur ein regionaler Lagewert gutgeschrieben werden. Prags zentrale Lage in Bohmen wurde noch nie in Frage gestellt.

Betrachtet man die Lage Prags uberregional, so liegt die Stadt auf der Nord-Sud-Verbindung von Berlin nach Wien und ist somit auch verkehrspolitisch eine wichtige Schnittstelle.

3. Die Geschichte Prags

3.1 Die erste Besiedlung

Bereits ab ca. 500 v. Chr. sollen die ersten Siedler in das Tal der Moldau gekommen sein. Diese fruhen keltischen Stamme zogen aus ihrem Herkunftsgebiet aus, als germanische Markomannen etwa 9 - 6 v. Chr. das Gebiet fur sich in Anspruch nahmen. Um 500 n. Chr. gelangten die ersten slawischen Stamme nach Bohmen. Aus den folgenden Kampfen um die Gebietshoheit ging um 800 n. Chr. die Herrscherdynastie der Premysliden hervor. Es entstanden zwei befestigte Siedlungen: bei der ca. 870 errichteten Prager Burg (Hradschin) und auf einem Felsen beim Vysehrad am ostlichen Moldauufer. Als Begrunderin der 400jahrigen Dynastie gilt die westslawische Stammesfuhrerin Libuse. Der Legende nach, nahm sie einen armen Pfluger (Premysl) zum Mann und durchbrach damit die weibliche Herrschaftsfolge und besanftigte somit ihre Gefolgsleute, die einer Frau an der Spitze ihres Clans langst uberdrussig waren.

Um 863 begann die Christianisierung Mahrens durch St. Kyrill und St. Methodios. Das griechische Bruderpaar aus Salonike taufte damals den fruhen Premysliden Borivoj und dessen Gemahlin Ludmilla, die die GroGmutter des Heiligen Wenzel I. (903-935) war, welcher wohl zum bekanntesten Vertreter dieser Dynastie wurde. Im Jahre 973 wurde dann das Bistum Prag gegrundet.

3.2 Prag im Mittelalter

Unter der Regierung von Konig Vladislav II. gewann die Prager Burg zunehmend an Bedeutung. Ab dem 12. Jahrhundert ersetzten Steinbauten immer ofter die feuergefahrdeten Holzgebaude und mit der Zeit entstand eine wuchtige Festung mit einem Palast und einigen Sakralbauten. Vor diesen Mauern lieGen sich in den folgenden Jahren immer mehr Handwerker und Handler nieder und so geschah es, daG die Siedlung, die 1158 durch die Judithsbrucke mit der gegenuberliegenden Altstadt verbunden wurde, im Jahr 1257 das Stadtrecht erhielt.

Mit dem Ende der Premysliden-Herrschaft 1306 und der Eroberung der Stadt durch Johann von Luxemburg beginnt im spaten Mittelalter Prags sogenanntes „Goldenes Zeitalter". Im Jahr 1333 wahlt Karl IV. (1316­1378), zugleich Kaiser des Romischen Reiches, die Stadt zur Residenz, womit der Aufstieg Prags zu einer der glanzvollsten Stadte Europas eingelautet wurde. 1344 erhielt Prag den Rang eines Erzbistums und vier Jahre spater eine Universitat (Karolinum). Zahlreiche Kirchen und Kloster wurden gebaut, die Prager Burg restauriert und erweitert und mehrere Reliquien in die Stadt verlegt.

Unter der Herrschaft des Sohnes von Karl IV., Wenzel IV. (1378-1419), verliert Prag die europaische Vormachtsstellung der Kaiserzeit. Im fruhen 15. Jahrhundert bangte ganz Europa vor den kriegerischen Anhangern des Kirchenreformers Jan Hus. Der in Bohmen geborene Sohn armer Eltern wurde zum bedeutendsten Kirchengelehrten seiner Zeit und radikalem Kritiker der papistischen Kirche. Nachdem Konig Wenzel IV. seine Machtposition in Europa infolge eines Konflikts mit dem bohmischen Adel einbuGte und als deutscher Konig abgesetzt wurde, forderte er die Tschechen und ihren geistigen Fuhrer Hus, der die Bibel als hochste religiose und richterliche Autoritat uber den menschlichen Gesetzen verstand. Er wollte dem Guterbesitz und der Verweltlichung der Kirchen und Kloster entgegenwirken. 1412 wurde Jan Hus der Stadt verwiesen, da Wenzel IV. die Gefahr sah, daG Bohmen der Ketzerei und dem Chaos ausgesetzt werde, ihm seine Unterstutzung versagte und im Jahre 1415 von Wenzels Bruder Sigismund zum Konzil nach Konstanz gerufen, wo er trotz Zusicherung freien Geleits verhaftet und als Ketzer zum Tode verurteilt wurde. Daraufhin kam es in Prag zu Aufstanden gegen die deutschen Magistraten und am 30. Juli 1419 kam es zum ersten Prager Fenstersturz, als Aufstandische die Ratsherren aus dem Neustadter Rathaus warfen und so die Hussiten-Kriege entfachten. 17 Jahre dauerten diese Auseinandersetzungen zwischen den Tschechen und den kaiserlich-papstlichen Kreuzrittern. 1436 endeten die Kriege mit dem Basler Konzil, auf dem ein KompromiG zwischen den beiden Parteien geschlossen wurde. In Prag hatte sich in der Schlacht bei Lipany 1434 der gemaGigtere Zweig der Hussiten, die „Utraquisten“, gegen die radikalen sudbohmischen „Taboriten“ durchgesetzt und so den Weg fur Georg von Podebrady freigemacht, der bis 1471 bohmischer Konig blieb. Dies war auch die Zeit, als Prag wieder prosperierte.

3.3 Prag und die Habsburger

Im Jahre 1471 konnten die bohmischen Stande mit der Wahl des Polen Wladislaw II. Jagellon den Nachfolger Podebrays noch selbst bestimmen. Doch 1526 fiel durch den im Frieden von PreGburg (1491) vereinbarten Thronfolgeverzicht das Konigreich an die Habsburger. Durch den Ausbau der koniglichen Macht loste Ferdinand von Habsburg 1526 einen Aufstand von Adel und Standen aus, dessen Niederschlagung in einer Beschneidung der Privilegien Prags endete. Unter Kaiser Rudolf II. (1576-1611), der seine Residenz von Wien nach Prag verlegte, gelang es Prag wieder, eine der kulturell und politisch bedeutendsten Zentren Europas zu werden.

Als Ferdinand II. den Thron ubernimmt, widerruft er als uberzeugter Jesuit den „Majestatsbrief“, der den Protestanten bislang Religionsfreiheit zugestand und befiehlt den AbriG der protestantischen Kirchen.

Im Jahre 1618 kommt es dann zum zweiten Prager Fenstersturz: Abgesandte der bohmischen Stande dringen in die Staatskanzlei ein und werfen drei kaiserliche Rate aus dem Hradschin. Die Absetzung Ferdinands durch den tschechischen Adel und die Wahl von Kurfurst Friedrich von der Pfalz 1619 waren eine Beleidigung, die ein Jahr spater mit der Schlacht am WeiGen Berg vergolten wurde. In nur zwei Stunden vernichteten die katholisch-kaiserlichen Truppen das protestantische Heer und begrundeten damit den DreiGigjahrigen Krieg.

[...]

Details

Seiten
27
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638209229
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v15940
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Institut für Politikwissenschaft
Note
2,0
Schlagworte
Prag Repräsentativität Hauptstädte

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