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Landschaftsparks - Designerlandschaften für die Freizeitgesellschaft

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 16 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vergnugungs- und Freizeitparks
1.1 Definitionen
1.2 Entstehung
1.3 Entwicklung seit den 60er Jahren
1.4 Kritikpunkte
1.5 Disneyland Paris

2. Center Parcs
2.1. Idee und Geschichte
2.2. Zahlen und Fakten
2.3. Die Standortfaktoren
2.4. Planungs- und Realisierungskonflikte (Bsp. Bispinger Heide)
2.5 Kritik

3. Der Freizeitpark der Zukunft?

„Ich mochte nicht, daB die Besucher die wirkliche Welt, in der wir leben, sehen, wahrend sie im Park sind. Ich will, daB sie sich in eine andere Welt versetzt fuhlen."

(Walt Disney)

1. Vergnugungs- und Freizeitparks

1.1 Definitionen

Freizeitparks sind „Einrichtungen auf einer raumlich eng abgegrenzten Flache mit besonderen Attraktionen fur eine Freizeitgestaltung."

(Geis, H. 1976)

Ein Freizeitpark ist eine „Anhaufung verschiedenartiger, durchweg kunstlich geschaffener und auf ein breites Publikum zugeschnittene Vergnugungseinrichtung."

( Volksen, G. 1981)

1.2 Entstehung

Die Geschichte groBflachiger Vergnugungseinrichtungen geht bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zuruck. Die ersten stadtischen und regionalen Anlagen hatten ihren Platz zunachst in historischen Stadtzentren, furstlichen Parkanlagen oder aber auch vor den Stadttoren.[1] Der Jahrmarkt diente damals hauptsachlich der Wissensvermittlung, Bildung und (naturlich) dem Vergnugen. Viele der zu der Zeit entstandenen Parks halten sich sogar noch heute aufgrund ihrer Tradition und des Zuspruchs der Bevolkerung, wie z.B. der Send in Munster (vgl. Ebert 1998).

Zur Jahrhundertwende verlagerten sie sich durch die neuen technischen Moglichkeiten und dem rasanten Bevolkerungswachstum der Stadte haufig an den fuGlaufig erreichbaren Stadtrand. Vorgestellt wurden u.a. Tiere und Menschen aus den Kolonien, was groGere Flachen notwendig machte. Allerdings gab es vereinzelt diverse lokalpolitische Konflikte, da Arbeiter am nachsten Tag unpunktlich oder uberhaupt nicht zur Arbeit erschienen.

Doch die eigentliche Geburtsstunde des Vergnugungsparks wird den sog. „Lunaparks" zu Beginn des 20. Jahrhunderts zugeschrieben[2]. Die Lunaparks boten ein erweitertes stationares und dauerhaftes Angebot[3] an und siedelten an den Rings der fruhen Stadterweiterungsgebiete. Jedoch erwies sich der Typ des Lunaparks nicht von langer Dauer. Gerieten sie durch verbotene Glucksspiele, Prostitution oder Alkoholismus sowieso schon in Verruf, sorgte nicht zuletzt auch der Erste Weltkrieg fur ihren Niedergang. In den 30er Jahren wurde der Abschwung durch gleich mehrere Faktoren unterstutzt: die hohe Arbeitslosigkeit minderte die Kaufkraft der Bevolkerung, Konkurrenzangebote (z.B. Kinos, Theater) entstanden, hohere Schichten leisteten sich teilweise ihren eigenen kleinen Vergnugungspark und die Kriegszerstorungen beschleunigten diesen Prozess noch. Zudem stieGen die Einrichtungen auf die Ablehnung der Nationalsozialisten[4] und der Zweite Weltkrieg vernichtete dann auch die ubrigen Reststande (vgl. Ebert 1998).

1.3 Entwicklung seit den 60er Jahren

Nachdem im Jahre 1955 in den USA Disneyland gegrundet wurde, erwies sich das Konzept auch als eine Alternative fur den deutschen Freizeitmarkt. Das Phantasialand eroffnete 1967 in Bruhl und war damit Ausgangspunkt einer neuen Entwicklung der Freizeit- und Vergnugungsparks in Deutschland. Sie zeichneten sich durch ein enormes Wachstum an Flache und Anzahl aus und mittlerweile gibt es etwa 45 groGe und ca. 60 kleinere Parks bundesweit. Genaue Besucherzahlen sind nicht bekannt, doch ging man z. B. fur das Jahr 1993 von rund 21 Millionen Besuchern aus.

Als Grunde der enormen Nachfrage werden u.a.

- der Wandel von einer reinen Erholungszeit zur aktiven Freizeit,
- die Zunahme der realen Kaufkraft,
- der Wunsch nach einer sicheren und gefahrlosen Erlebniswelt,
- die gestiegene Mobilitat,
- das Fehlen stationarer Vergnugungsparks in den GroGstadten,
- gunstige Bodenpreise an den Ballungsrandern,
- ein zunehmender unternehmerischer Innovationsreichtum
- und die planerische Abneigung stadtischer Vergnugungsviertel mit Elementen des halbkriminellen „Rotlicht-Milieus" angesehen.

In den Jahren von 1967 bis 1976 sind dabei die meisten Freizeitparks eroffnet worden. Einer steten Zunahme in den 70er Jahren[5] folgte aufgrund eines Konzentrationsprozesses in den 80er Jahren eine leichte zahlenmaGige Abnahme. Mittlerweile erheben die vier groGten Anlagen[6] rund ein Drittel des gesamten Besucheraufkommens auf sich. Regional gesehen, konzentrieren sich die Vergnugungs- und Freizeitparks hauptsachlich auf das westdeutsche Gebiet. In den neuen Bundeslandern sind dagegen nur sehr geringe Bestrebungen zu erkennen, diese Einrichtungen zu etablieren.

1.4 Kritikpunkte

Freizeit- und Vergnugungsparks stoGen haufig auf negative Kritik seitens der deutschen Presse. Bevorzugte Kritikpunkte sind dabei

- die finanziellen Kosten eines Besuches,
- die Ausstattung und Aufmachung der Anlagen,
- die vorgespielte „heile Welt",
- der enorme Flachenverbrauch und
- das starke Verkehrsaufkommen an Knotenpunkten.

Verstandlicherweise reagieren die Betreiber der Parkanlagen mit diversen Gegenargumenten auf die Kritik. So waren im Vergleich zu anderen Freizeiteinrichtungen[7] die Preise noch recht moderat und eine haufige Nutzung der Fahrgelegenheiten (z.B. der Achterbahn) wurde sich schnell rechnen. Auch wussten die Besucher schlieGlich, was sie erwarten wurde, da die Werbeprospekte und Namen der Parks, wie z.B. Phantasialand, bereits eine Beschreibung beinhalten wurden.

Was allerdings auch die Werbung verschweigt, ist, dass die Kunden nicht nur die Attraktionen nutzen sollen, sondern durch eine Vielzahl an kommerziellen Geschaften zu ungewollten Ausgaben verleitet werden. Man kann aber sagen, daG die oft geauGerte offentliche Kritik die Menschen nicht von einem Besuch abgehalten hat, sondern wohl eher ihr Interesse geweckt hat, was die anhaltende Nachfrage zeigt.

1.5 Disneyland Paris

Das Disneyland in Paris[8] ist mit Abstand Europas groGter Freizeit- und Vergnugungspark. Mit einer Flache von ca. 330 ha ist es etwa 70 mal so groG wie das Phantasialand in Bruhl. Die allgemeinen Investitionskosten werden auf ein Volumen von umgerechnet 3,4 Billionen DM[9] geschatzt. Finanziert wurde die Anlage zu 51% von den EG-Burgern, sowie muss der Betreiber lediglich ein Drittel des Normalsteuersatzes abfuhren und ihm wurden Kredite mit einem Sonderzinssatz gewahrt. Andererseits verpflichtete sich Disney dazu, mindestens 65.000 Menschen dauerhaft einzustellen.

Nach Millionenverlusten in den Anfangsjahren aufgrund eines zu niedrigen Besucheraufkommens und der geringen Akzeptanz („kulturelles Tschernobyl"), stabilisierte sich die Lage, nicht zuletzt einer Anpassung an die europaische Kultur[10], und 1998 kamen immerhin ca. 12,5 Millionen Besucher ins Disneyland Paris. Die Disney-Parks in den USA, Japan und Frankreich wurden alle nach einem identischen Muster gebaut und gleichen sich in ihrer Struktur:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Center Parcs

2.1 Idee und Geschichte

Die Idee, die hinter den Landschaftsparks von Center Parcs steht, ist, bei potentiellen Kunden einen gewissen Grad von Fernweh zu erzeugen und ihnen ein „Urlaubsparadies" mit Sandstrand, Palmen, Urwald, einer Seenlandschaft u.v.m. in ihre Nahe in den nordwesteuropaischen Raum zu bringen, das man wahrend des ganzen Jahres wetterunabhangig nutzen kann. Dabei haben alle Center Parcs im wesentlichen eine identische Struktur und ein ubereinstimmendes Layout: insgesamt verfugen die Parks uber eine Gesamtflache von durchschnittlich 100 Hektar, von denen maximal 10 ha bebaut sind. Die Flache teilen sich durchschnittlich 650 Bungalows, die 2 - 3 Schlafzimmer beinhalten, mit etlichen geschaffenen „Kunstwelten", die im Laufe der Jahre hinzu gekommen sind.

Im Jahr 1953 eroffnete Piet Derksen, der spatere Grunder von Center Parcs, das Sporthuis Centrum in Rotterdam. Dieses erste GroGkaufhaus fur Sportartikel in den Niederlanden hattte scheinbar so groGen Erfolg, dass es sich im Laufe der Zeit zu einer Kette mit insgesamt 17 Filialen entwickelte. Derksen machte sich jedoch nicht nur Gedanken uber Sportartikel, sondern auch uber eine alternative Form des Familienurlaubs:

1967 versuchte er deshalb einen neuen Trend zu entwickeln, indem er in der Nahe von Reuver in der Provinz Limburg ein bewaldetes Grundstuck erwirbt, um darauf luxurios gestaltete Bungalows zu bauen. Schon damals sind alle mit Farbfernsehen und einer Zentralheizung eingerichtet. Das Motto lautete: „Natur zum Anfassen". Aufgrund dieses Leitbildes entwarf der bekannte niederlandische Architekturprofessor Bakema das Design des neuen Parks De Lommerbergen.

Aufgrund der hohen Nachfrage wird wenige Jahre spater (1970) der nachste Park, Het Vennenbos, ins Leben gerufen. Der zweite Center Parcs seiner Art befindet sich in der Provinz Nord-Brabant. In den folgenden Jahren wurden immer mehr Anlagen gebaut und eröffnet:

[...]


[1] aus steuerlichen Grunden, wie z.B. auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg

[2] der erste Lunapark wurde in Berlin im Jahr 1904 eroffnet

[3] Achterbahn, Wasserrutsche, Festsale, Messen/Ausstellungen, Hallenbad, Sporthalle etc.

[4] der einsetzende Nationalsozialismus lehnte den nicht kontrollierbaren Vergnugungsrummel aufgrund seiner langen Tradition der anti-urbanen Stadtvorstellungen und einer vergnugungsfeindlichen Ideologie ab

[5] aufgrund wachsender Freizeit, steigender Einkommen und verstarkter Motorisierung

[6] Holiday-, Europa-, Heidepark und Phantasialand

[7] z.B. Tennisstunden (ca. 30,- DM), Konzerte (zwischen 50,- und 100,- DM), etc.

[8] gegrundet als Euro-Disneyland Paris am 12. April 1992

[9] beinhaltet sind eine direkte Eisenbahn- und Autobahnverbindung, Hotels, Buroflache und Golf- und Campingplatze

[10] z.B. wurde das Alkoholverbot aufgehoben und alkoholische Getranke ausgeschenkt

Details

Seiten
16
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638209212
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v15938
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Institut für Geographie
Note
2,3
Schlagworte
Landschaftsparks Designerlandschaften Freizeitgesellschaft Freizeitstile Freizeiträume Gesellschaft

Autor

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Titel: Landschaftsparks - Designerlandschaften für die Freizeitgesellschaft