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Die Seleukiden und ihr hellenistisches Großreich

Römischer Einfluss und innere Instabilität

Seminararbeit 2008 13 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsübersicht

1. Einleitung

2. Die Abhängigkeit der hellenistischen Welt von Rom
2.1. Attalos III. Philometor vor dem römischen Senat
2.2. Demetrios II. und Alexander I. Balas vor dem römischen Senat

3. Die Schwächung der Seleukiden durch potenzielle Reichsfeinde am Beispiel des Herakleides

4. Schluss

5. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Nach dem Tod Alexanders des Großen schuf Seleukos I. Nikator, indem er sich 312 v. Chr. der Satrapie Babylon bemächtigte, das Seleukidenreich[1], das sich in der nachfolgenden Zeit über das gesamte ehemalige östliche Alexanderreich und somit von Kleinasien bis zum Indus ausbreiten konnte[2]. Das Seleukidenreich war jedoch kein stabiles Großreich, da es mit inneren und äußeren Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, die das Reich nachhaltig schwächten[3]. In seiner Endphase, die ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. einsetzte und die hier thematisiert werden soll, trat zudem die römische Republik als bedeutende Größe in die politischen Entscheidungen der Hellenen hinein[4]. Das heranwachsende römische Imperium wurde Bestandteil der hellenistischen Politik und war aus jener Welt nicht mehr wegzudenken.

Schon Holleaux[5] beschäftigte sich mit den Konflikten zwischen der griechischen Welt und Rom. Seiner Ansicht nach verfolgten die Römer keinen planmäßigen Imperialismus, sondern ihre Macht wuchs stetig, weil sie von dem übersteigerten Aktionismus der Hellenen profitierten[6]. In der neueren Forschung dagegen wird z.B. durch Harris verstärkt darauf verwiesen, dass es sich bei der römischen Politik um eine geplante und bewusst vollzogene Expansionspolitik handelte[7]. Im Folgenden soll jedoch vielmehr untersucht werden, ob und inwieweit der römische Einfluss einen Grund für die Schwächung und den letztendlichen Untergang des Seleukidenreiches darstellte. Dabei muss den Fragen nachgegangen werden, ob sich die Seleukiden überhaupt dem Einfluss Roms hätten entziehen können und ob die Abhängigkeit von Rom für die Seleukiden deshalb einen besonderen Nachteil darstellte, weil ihre Monarchie ungefestigt war und sich dadurch für potenzielle Feinde bessere Möglichkeiten auftaten, durch offizielle Absegnung der Römer oder die Verbündung mit diesen, das Seleukidenreich zu schwächen. Forschungsbedarf bestände generell in einer gezielten und differenzierteren Betrachtung des Einflusses der römischen Republik auf die einzelnen hellenistischen Groß-, Mittel- und Kleinreiche und die daraus resultierenden speziellen Folgen für diese Reiche.

Zur Klärung der oben genannten Aspekte dient exemplarisch der Bericht des Polybios[8] über die Königserhebung von Alexander I. Balas[9] durch den römischen Senat. Die Bücher des Polybios gelten als die wichtigste Quelle für den Zeitraum von 264 bis 146 v. Chr. Allerdings muss man bei seinen Ausführungen beachten, dass Polybios keine Weltgeschichte schrieb, sondern durch sein Werk ursprünglich die Entwicklung der Macht des römischen Imperiums erklären wollte[10]. Daher ist es unumgänglich bei der Lektüre der Überlieferungen von Polybios genau zu differenzieren, was geschrieben wurde, um die Macht der Römer zu begründen und was aufgezeichnet wurde, um der nachfolgenden Welt generelle Informationen über die damaligen Geschehnisse zu liefern.

Um am Ende der Arbeit die aufgezeigten Fragestellungen klären zu können, werden zunächst allgemeine Gedanken zu dem römischen Einfluss auf die hellenistische Welt geäußert, um dann speziell auf das Seleukidenreich und das griechische Asien (hier Pergamon) eingehen und ihre Beziehung zu Rom analysieren zu können. Ob die Interaktion mit Rom für das Seleukidenreich besondere Nachteile darstellte, wird sich dann im Anschluss an die Ausführungen beantworten lassen.

2. Die Abhängigkeit der hellenistischen Welt von Rom

Die hellenistische Welt war seit dem Ende des 3. Jahrhunderts und bis zu ihrem Untergang im 1. Jahrhundert v. Chr. von einer römischen Abhängigkeit geprägt. Polybios beschreibt eine typische Situation der hellenistischen Politik: Die Hellenen richten sich im politischen Tagesgeschäft und bei anstehenden Entscheidungen nach den Römern oder pflegten zumindest die Kontakte zu ihnen in starkem Maße. „Sicher sein konnte man [...] in dieser Phase eigentlich nur noch, wenn man im Zweifelsfalle bedingungslos seine Politik der römischen anpasste oder mindestens nichts ohne das Votum der Römer unternahm“[11]. Im eigentlichen Sinne herrschten die Römer über die Hellenen.

In der hier vorliegenden Quelle tritt der Herrscher von Pergamon, Attalos III. Philometor[12], vor den römischen Senat, aber auch die späteren Seleukidenherrscher Demetrios II. Nikator[13] sowie Alexander I. Balas kommen mit ihren Belangen zu den römischen Senatoren. Dabei spricht Polybios von den „verschiedenen Gesandten, die in Rom erschienen waren“, was wiederum bedeutet, dass wir nicht genau erfahren, ob es sich bei den oben Aufgezählten um die einzigen Anwesenden handelt oder ob an diesem Tage noch andere Personen, vor allem Hellenen, vor den Senat traten.

Ferner lässt sich erkennen, dass die Römer mit Aufgaben bzw. Entscheidungen beauftragt wurden (hier: Bestimmung der weiteren Regentschaft im Seleukidenreich), die eigentlich der Entscheidungsgewalt des jeweiligen Königs oder anderen Entscheidungsträgern im eigenen Land oblägen oder zumindest durch allgemeingültige und vorher festgelegte Verfahren geregelt worden wären.

Das hier beschriebene Phänomen der aktiven Einbindung der Römer in die Belange der hellenistischen Reiche, indem sie Entscheidungen treffen oder zumindest ihre Meinung kundtun dürfen und diese auch als ausschlaggebend aufgefasst wird, zeigt zum einen, dass die hellenistischen Reiche eine Art Abhängigkeitsverhältnis bzw. Unterwürfigkeit gegenüber den Römern entwickelt haben und zum anderen, dass sie zusammen gesehen eindeutig an Stärke verloren haben und somit durch den Einfluss von außen ein Ende des Hellenismus abzusehen war.

[...]


[1] Vgl. Schmitt, Hatto H., Vogt, Ernst (Hrsg.): Seleukiden(reich), in: Kleines Lexikon des Hellenismus, 2. Aufl., Wiesbaden 1993, S. 711.

[2] Vgl. Leidering, Dr. Walter (Hrsg.): Das Weltreich Alexanders des Großen bis 323 v. Chr. – Diadochenreiche um 301 und 200 v. Chr., in: Putzger Historischer Weltatlas, 102. Aufl., Berlin 1992, S. 14-15.

[3] Beispiele für innere Schwierigkeiten: Entstehung von zwei sich rivalisierenden Herrscherlinien der Nachkommen von Seleukos I. und Antiochos I., Emanzipationsbewegungen in Baktrien unter Antiochos II., Makkabäeraufstand 167 v. Chr. Beispiele für äußere Schwierigkeiten: Die syrischen Kriege, Frieden von Apameia 188 v. Chr. Vgl. Vogt, Lexikon Hellenismus, S. 711-720 u. Wiesehöfer, Josef: Discordia et Defectio-Dynamis kai pithanourgia - Die frühen Seleukiden und Iran, in: Hellenismus: Beiträge zur Erforschung von Akkulturation und politischer Ordnung in den Staaten des hellenistischen Zeitalters: Akten des Internationalen Hellenismus-Kolloquiums, 9.-14. März 1994 in Berlin, Tübingen 1996, S. 51-52.

[4] Vgl. Gehrke, Hans-Joachim: Geschichte des Hellenismus (Oldenbourg Grundriss der Geschichte Bd. 1A), 3. Aufl., München 2003, S. 124: „Rom hatte die hellenistische Welt besieget“.

[5] Holleaux, Maurice: Rome, la Grèce et les monarchies hellénistiques au IIIe siècle avant J.-C., Paris 1921.

[6] Vgl. Gehrke, Hellenismus, S. 208.

[7] Vgl. Harris, William V.: War and Imperialism in Republican Rome, 327-70 B.C., Oxford 1992, S. 105-117.

[8] Andersen, Carl (Hrsg.): Polybios Geschichte: Gesamtausgabe in zwei Bänden (Griechische Reihe), 2. Aufl. München [u.a.] 1978, S. 1256-1258.

[9] Herrscher über die Seleukiden von 153 bis 140 v. Chr. Wurde mit der Duldung Roms als Sohn Antiochos’ IV. ausgegeben. Vgl. Mehl, Andreas: DNP 1, Alexandros [13, Balas], 476.

[10] Walbank, Frank W.: Die hellenistische Welt (dtv-Geschichte der Antike Bd. 4402), 3. Aufl., München 1989, S. 17.

[11] Gehrke, Geschichte Hellenismus, S. 128.

[12] König von Pergamon von 138 bis 133 v. Chr. und von König Eumenes II. als Sohn anerkannt. Vgl. Mehl: DNP 2, [6] Attalos III., Philometor Euergetes, 230-231.

[13] 154 bis 140 v. Chr. Herrscher des Seleukidenreiches, Sohn von Demetrios I. Soter Vgl. Mehl: DNP 3, [8] Demetrios II. Theos Nikator Philadelphos, 432.

Details

Seiten
13
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640727353
ISBN (Buch)
9783640728022
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v159356
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Institut für Altertumswissenschafteb
Note
1,3
Schlagworte
Seleukiden Rom Hellinismus Antike Politische Beziehungen Antike Diplomatie Großreich Attalos III. Philometor Demetrios II. Alexander I. Balas Herakleides

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