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Sprachliche Höflichkeit im E-Mail-Verkehr

SgDuH - kurz, schnell und unhöflich?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 29 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Vorbemerkung
2.2 Grundlagen der Hoflichkeitsforschung
2.2.1 Die Sprechakttheorie
2.2.2 Das Kooperationsprinzip von Grice
2.2.3 Das face-Konzept von Goffman
2.3 Klassische Hoflichkeitstheorien

3 Sprachliche Hoflichkeit im E-Mail-Verkehr
3.1 Vorbemerkung
3.2 Der E-Mail-Kopf
3.2.1 Die E-Mail-Adresse
3.2.2 Der Verteiler
3.2.3 Die Betreffzeile
3.3 Anrede und Namensnennung
3.4 Der Textkorper
3.5 Der E-Mail-Abschluss

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis
5.1 Aufsatze und Monographien
5.2 Handworterbucher und Nachschlagewerke
5.2 Internetquellen

6 Anhang

1 Einleitung

„SgDuH, VuA mMn kP. PEBKAC! MfG‘1 - Mit diesem oder einem ahnlichen Abkur- zungswirrwarr wurden wir sicher alle schon einmal konfrontiert, denn im aktuellen elekt- ronischen Briefverkehr finden sich immer haufiger Abkurzungen2, die sich nicht jedem Rezipienten auf Anhieb erschlieBen und somit schnell als unhoflich empfunden werden konnen. Obwohl sich der Sender in unserem Beispiel doch anscheinend groBe Muhe gab, um seiner Nachricht einen hoflichen Rahmen zu verleihen, denn mit dem richtigen Code schlusseln sich „SgDuH“ in „Sehr geehrte Damen und Herren“ und „MfG“ in „Mit freund- lichen GruBen“ auf. Doch wie viel kann man als Empfanger derartiger GruBformelabkur- zungen auf die Ehrung durch den Absender oder dessen Freundlichkeit geben, wenn er sich nicht einmal die Muhe machte, seine GruBe auszuschreiben?

Nun mag der eine oder andere hier einwenden, dass die Notwendigkeit von sprachlichen Neukreationen und die verstarkte Verwendung von Abkurzungen unserer schnelllebigen Zeit und den neuen Entwicklungen im Informationsaustausch wie Blogs, Chats und SMS geschuldet ist. So bietet z.B. das Format dem Nutzer einer SMS nur einen Rahmen 160 Zeichen, um seine Wunsche, Gefuhle und Anliegen auszudrucken. Die Folge war logi- scherweise eine vermehrte Verwendung von standardmaBigen Abkurzungen und Entste- hung von Akronymen z.B.3 fur Anreden und GruBe mit dem Ziel der Platz- und Zeiter- sparnis. Doch damit nicht genug des Guten. Dem Erfindungsgeist bei der Erreichung die­ses Zieles waren und sind anscheinend keine Grenzen gesetzt. So wurden z.B. Ortsnamen wie Dresden oder Erfurt kurzerhand durch die entsprechenden Kfz-Kennzeichnen DD und EF ersetzt. Der Verzicht auf die zusatzliche Nutzung der Umschalttaste erklart den fort- schreitenden Hang zur permanenten Kleinschreibung. Hoflichkeitsfloskeln wie z.B. beglei- tende BegruBungsformeln, die zumeist keine inhaltliche Bedeutung haben, oder Modalpar- tikel wie danke und bitte fielen ebenfalls einer moglichst „effektiven“ Kommunikation zum Opfer.

Nun, mit Berucksichtigung dieser Entwicklung scheinen all diese Strategien fur eine effi- ziente Kommunikation einleuchtend und bestatigen fur jeden nachvollziehbar ihre Exis- tenz. Jedoch ist damit die Frage nach einer berechtigten Verwendung im elektronischen Briefverkehr beantwortet? 1st eine E-Mail tatsachlich mit einer SMS oder mit Eintragen in Chats oder Blogs vergleichbar oder stellt sie bzw. sollte sie eine gesonderte Form in unse- rer modernen, „elektronischen“ Kommunikation darstellen, die trotz aller Hektik und der damit verbundenen Zeitersparnisstrategien Hoflichkeit nicht missen darf?

Mit der vorliegenden Arbeit soll der Versuch unternommen werden zu klaren, ob elektro- nische Briefe, in denen es von Akronymen und Abkurzungen nur so wimmelt, die weder Anreden noch GruBe enthalten oder sich durch eine permanente Kleinschreibung „aus- zeichnen“, ausnahmslos auf seinen Empfanger unhoflich wirken und inwieweit im E-Mail- Verkehr allgemein von einem Verlust der Hoflichkeit gesprochen werden kann. Doch da­mit steht diese Untersuchung vor ihrer ersten Frage, die es vorab zu klaren gilt. Was ist sprachliche Hoflichkeit denn eigentlich und wie lasst sie sich beschreiben?

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Vorbemerkung

Hoflichkeit ist doch jedem klar. Naturlich weiB jeder, was sich hinter diesem Begriff ver- birgt. Doch bittet man jemanden um eine kurze Bedeutungsdarstellung, wird schnell klar, dass das Abstraktum Hoflichkeit sehr schwer zu fassen ist. Die Umschreibung von Hof­lichkeit reicht dabei von Anstand, Rucksichtnahme, Achtung, gesittetem Benehmen uber Einhaltung gesellschaftlicher Konventionen bis zum respektvollen Umgang miteinander. Um jedoch den heutigen Hoflichkeitsbegriff greifbar zu machen, ist eine kurze geschichtli- che Betrachtung der Hoflichkeitsentwicklung unumganglich.

Beim Blick ins Deutsche Worterbuch der Gebruder Grimm4 offenbart sich, dass Hoflich­keit, ausgehend von hoflich, die hofgemaBe Weise, also das Leben nach Art eines furstli- chen Hofes bezeichnete und bezog sich vorzugsweise auf AuBerlichkeiten wie Kleidung und Gestalt, aber auch auf rechte Worte und Sitten. Eine einstmals standebezogene Hof­lichkeit, die dann in der Anstandskultur5 vom 16. zum 18. Jahrhundert eine komplexe Transformation zur Komplimentierlehre erfuhr (Beetz 1990: 246). Im aufstrebenden Bur- gertum des 18. Jahrhunderts hinge gen verstand man dann unter Hoflichkeit zunehmend eine sprachlich fixierte, erlernbare und elegante Ausdrucksweise6. Mit der Demokratisie- rung der vergangenen 200 Jahren folgten dann soziale Veranderungen, die das Hoflich- keitsverstandnis vom Hintergrund des Standebezuges und der Respektierung von Macht- hierarchien aus zur Respektierung des Individuums und Solidaritatsbekundungen verschob (Radden 2005: 143). Heute spricht man zum einen von einer individuellen Hoflichkeit, die sich im respektvollen Umgang miteinander durch Achtung und Wertschatzung ausdruckt, und zum anderen von einer konventionellen Hoflichkeit, der die Einhaltung gesellschaftli- cher Normen zugrunde liegt.

Hoflichkeit hat sich somit wie unsere Gesellschaft und ihre Strukturen zu einem sehr kom- plexen Phanomen entwickelt und spiegelt deutlich die eingangs erwahnten Schwierigkeiten bei einer eindeutigen Definitionsfindung wider. Dies erklart mitunter auch das enorme In- teresse am Forschungsgegenstand Hoflichkeit. Die zahlreichen Arbeiten der letzten 30Jahre, die von linguistischen, soziologischen, interkulturellen bis zu kommunikations- psychologischen Untersuchungsaspekten reichen, sprechen da eine deutliche Sprache.

Der gesamten Breite im Bezug auf die Hoflichkeitsforschung kann an dieser Stelle jedoch nicht Rechnung getragen werden, da sich zum einer der Untersuchungsaspekt der vorlie- genden Arbeit vorrangig auf sprachlicher Hoflichkeit im E-Mail-Verkehr bezieht und es zum anderen eine „raumliche“ Begrenzung zu beachten gilt. Dennoch sollen in den fol- genden Kapiteln die Grundlagen der Hoflichkeitsforschung und die einschlagigen, linguis- tische Theorien, die fur den Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit unabdingbar sind, kurz vorgestellt werden.

2.2 Grundlagen der Hoflichkeitsforschung

2.2.1 Die Sprechakttheorie

Diese Theorie hat ihren Ursprung in philosophischen Betrachtungen und lenkt, ausgehend vom englischen Philosophen John L. Austin, das Interesse auf den eigentlichen Sprach- gebrauch. Er pragte den Begriff Sprechakt (Austin 1962)7, der nach ihm aus Einzelakten besteht, die wiederum auf drei Ebenen, der Lokution, der Illokution und der Perlokution, parallel vollzogen werden. Hierbei bezeichnet die Lokution die lautliche und schriftliche Ebene der AuBerung, die Illokution die Absicht des Sprechers und die Perlokution die Wirkung, die eine AuBerung auf den Empfanger hinterlieB. John R. Searle arbeitete auf dieser Basis eine Klassifikation der Sprechakte (Searle 1969)8 aus. Die von ihm entworfe- nen funf ubergeordneten Kategorien fanden, wenn es um die Definition von Sprechhand- lungen ging, in den modernen Hoflichkeitstheorien ihre Anwendung. Ausschlaggebend fur die Hoflichkeitsforschung war der indirekte Sprechakt, da Searle in der Indirektheit das entscheidende Kriterium fur Hoflichkeit sah. So schafft nach ihm eine Aufforderung durch Realisierung einer indirekten AuBerung dem Kommunikationspartner groBtmoglichen Spielraum zum Handeln. Hierbei wurde durch Searle jedoch ubersehen, dass Hoflichkeit durch vielfaltige Formen realisiert werden kann. Dennoch bleibt Searles Kategorisierung der Sprechakte nicht nur fur die Hoflichkeitsforschung richtungweisend, sondern regte, insbesondere durch die Frage nach der Indirektheit und nach der problemlosen Interpreta­tion durch den Rezipienten, eine Theorie der Kooperation an.

2.2.2 Das Kooperationsprinzip von Grice

„Our talk exchanges do not normally consist of a succession of disconnected remarks, and would not be rational if they did. They are characteristically, to some degree at least, cooperative efforts; and each partici­pant recognizes in them, to some extent, a common purpose or set of putposes, or at least a mutually accepted direction.” (Herbert Paul Grice)

Mit dieser Theorie nahm Grice ein Prinzip der gegenseitigen Kooperation zwischen Ge- sprachspartnern an, dem generell folge geleistet wird, um einen effektiven Informations- austausch zu garantieren. Die Basis dieses Kooperationsprinzips bilden die von ihm formu- lierten, so genannten Konversationsmaxime (Grice 1975: 45/47), die wie folgt beschrieben werden konnen:

1. Maxime der Qualitat - „Sage nur Wahres!“
2. Maxime der Quantitat - „Sei so informativ wie notig.“
3. Maxime der Relation - „Sage nur Relevantes!“
4. Maxime der Modalitat - „Sage es in klarer und angemessener Weise.“

Durch das Voraussetzen dieses Kooperationsprinzips wird dem Horer bei VerstoBen gegen diese Maximen die Suche nach einer Zusatzbedeutung, der Implikatur, ermoglicht, um das Gesagte sinnvoll werden zu lassen. Grice bezeichnet diese Zusatzbedeutung als konversa- tionelle Implikatur (Grice 1975: 45), auf deren Basis wiederum ein Sprecher Hoflichkeit ausdrucken kann. Wie sich dies im Vergleich zu einem direkten Sprechakt darstellt, kon- kretisieren die beiden folgenden Aussagen:

(1) Schick’ mir die Korrektur des Thesenpapiers!
(2) Konntest du mir die Korrektur des Thesenpapiers heute noch schicken?

Beispiel (1) lasst dem Empfanger keinerlei Spielraum und wirkt daher eher unhoflich. In Beispiel (2) spielt die Implikatur, die der Empfanger ziehen muss, eine wichtige Rolle, denn den Sender interessiert ganz sicher nicht, ob der Empfanger die Fahigkeit der Uber- sendung besitzt. Vielmehr muss der Empfanger, der von einer gewillten Kooperation des Senders uberzeugt ist, davon ausgehen, dass absichtlich Konversationsmaxime verletzt wurden, um durch Vermeidung einer direkten Aufforderung Hoflichkeit zu vermitteln. Die zu ziehende Implikatur stellt also die hofliche Bitte um Zusendung des korrigierten The- senpapiers dar.

Der Ansatz von Grice, im Besonderen die konversationelle Implikatur, bildete fur die klas- sischen Hoflichkeitstheorien den Ausgangspunkt. Ausgangspunkt deshalb, weil im Beson- deren die Griceschen Rationalitatsannahmen neue und wichtige Fragen aufwarfen. So wird im Beispiel (2) gleich gegen alle Maximen verstoBen. Zum einen ist die Aussage als nicht klar verstandlich zu bezeichnen und verletzt die Maxime der Art und Weise. Zum anderen konnen die Relevanz- und Qualitatsmaxime in Frage gestellt werden, denn wie relevant ist die direkte Aussage fur das eigentliche Ziel des Sprechers und wie uberzeugt kann er dann selbst von ihr sein? Des Weiteren wurden mehr Informationen als notig mitgeteilt, wo- durch sich eine Verletzung der Quantitatsmaxime offenbart.

Sprachliche Hoflichkeit scheint samtliche pragmatische Prinzipien der Kooperation zu missachten. Das von Grice entwickelte Kooperationsprinzip bietet fur dieses Phanomen zwar keine befriedigende Erklarung, dennoch schafft es Transparenz in Bezug auf Hof- lichkeit.

2.2.3 Das face-Konzept von Goffman

Erst mit den soziologischen Betrachtungen von Goffman eroffneten sich fur die Hoflich- keitsforschung neue Perspektiven, da die soziale Funktion von Sprache einen viel hoheren Stellenwert erlangte. Besonders das Phanomen der Hoflichkeit zeigt in diesem Zusammen- hang sehr deutlich, dass sprachliche Kommunikation keinesfalls nur auf einen reinen In- formationsaustausch beschrankt ist. „Denn wenn wir miteinander sprechen, vollziehen wir auch eine soziale Tatigkeit: Miteinander sprechen ist ein partnerorientierter Austausch von Informationen durch Zeichen in einer bestimmten Situation und damit eine Form sozialer Interaktion“ (Schwarz-Friesel 2007: 23). Der Sprachnutzer selbst, seine kommunikative Kompetenz, seine Emotionen und die zwischenmenschlichen Interaktionen treten bei der Betrachtung von Sprache und sprachlicher Hoflichkeit erstmals verstarkt in den Vorder- grund.

Goffman entwickelte 1967 das Konzept des Gesichts (face), das metaphorisch fur das Image eines jeden Individuums steht und sich auf das Bild bezieht, das man zum einen von sich selbst und seinem Verhalten hat und zum anderen die Wahrnehmung dieses Bildes durch andere in sozialer Interaktion. Hinzu kommt das Verlangen, jenes Gesicht in der Gesellschaft zu behaupten und zu schutzen, das wiederum die Gesichtswahrung des Ge- genubers impliziert (Goffman 12002: 10-53). Jeder Mensch furchte „das Gesicht zu verlie- ren“ und investiert in der Regel viel Muhe, um „sein Gesicht zu wahren“.

2.3 Die Klassischen Hoflichkeitstheorien

An diese bekannten Redewendungen der „Gesichtswahrung“ und des „Gesichtsverlustes„ schlieBen sich die fur die Hoflichkeitsforschung noch heute grundlegenden Arbeiten von Brown und Levinson (1978/87) an. Beide entwickelten ausgehend von Goffmans face- Konzept und dem Griceschen Kooperationsprinzip das Konzept der „face-threatening- acts“. Brown und Levinson gehen davon aus, dass das Gesicht einer Person von zwei un- terschiedlichen Wunschvorstellungen bestimmt wird. Zum einen von anderen anerkannt und zum anderen durch andere in eigenen Handlungen nicht behindert zu werden. Den Wunsch nach Anerkennung definierten sie als das „positive Gesicht“ und den Wunsch nach ungehinderter Selbstbehauptung als das „negative Gesicht“ einer Person (Brown/Levinson 1992: 61).

Dem rational handelnden Individuum stehen fur die Erreichung dieser Wunschvorstellun- gen zwei sich gegenuberstehenden Strategien zur Verfugung, derer er sich situationsab- hangig bedienen kann. Sein „positives Gesicht“ kann mit Hilfe „positiver Hoflichkeitsstra- tegien“ aufgewertet und sein „negatives Gesicht“ durch „negative Hoflichkeitsstrategien“ (Brown/Levinson 1992: 63) vermieden werden. Hoflichkeit wird dadurch als zweckorien- tiertes und rein strategisches Handeln9 beschrieben und zielt nach Brown und Levinson hauptsachlich auf Konfliktvermeidung10 ab. Die Schwere der Gesichtsbedrohung beein- flusst hierbei maBgeblich die Wahl der entsprechenden Strategic und wird zum einen durch das moralische Gewicht der Handlung (R = rank), dem Machtgefalle (P = power) und der Distanz (D = distance)11 zwischen den Kommunikationspartnern bestimmt (Brown & Le­vinson 1992: 71-84). Mit diesem komplexen Modell von Hoflichkeit konzipierten Brown und Levinson eine Theorie, auf die sich alle folgenden theoretischen Ansatze in der Hof- lichkeitsforschung stutzen.

Parallel zu der gerade vorgestellten Hoflichkeitstheorie entwickelte Robin Lakoff, in An- lehnung an die Konversationsmaximen von Grice, die Maxime der Hoflichkeit - be polite, die sich aus den folgenden Teilregeln zusammensetzt:

1. Don’t impose
2. Give options
3. Make A feel good - be friendly (Lakoff 1973: 298)

Mit den ersten beiden Verhaltensregeln sollen Handlungen abgeschwacht werden und mit der dritten Solidaritat bekundet werden. Leech (1983: 132) entwickelte ein ahnliches Kon- zept von Hoflichkeitsmaximen, in denen anders als bei Lakoff verstarkt das interaktive Verhaltnis zwischen den Kommunikationspartnern betont wird. Doch auch hier steht wie bereits bei Searle, Brown/Levinson und Lakoff die indirekte AuBerung im Vordergrund, „[...] obwohl Indirektheit nur eine Realisierungsform von Hoflichkeit darstellt“ (Cho 2005: 10). Dennoch bildeten diese Theorien den Ausgangspunkt fur viele Untersuchungen, in denen weitere spezifischer Aspekte fur die Realisierung sprachlicher Hoflichkeit eine Rolle spielen und die sich nicht nur vorrangig mit der Kalkulation und Reduzierung von Konfliktpotential beschaftigen. So unterscheidet z.B. Watts (1992: 50f) in seiner Theorie zwischen polite und politic behavior, die sich durch sprachliche Markierungen differenzie- ren, wodurch Hoflichkeit mit soziale Norm gleichgesetzt wird. Polite definiert sich nach ihm uber eine Markierung mit einem bereits vorhandenen Index „Hoflichkeit“ und politic behavior umfasst alle anderen Verhaltensweisen, die einer guten Beziehung dienen.

[...]


1 Zur Auflosung: Sehr geehrte Damen und Herren, Verargerung uber Abkurzungen ist meiner Meinung nach kein Problem. Problem exists between keyboard and chair! (Will sagen: Der Nutzer selbst stellt das eigentliche Problem dar.) Mit freundlichen GruBen.

2 Fur diese oder ahnliche Abkurzungen, die sich in der Kommunikation von Newsgroups, Chat entwickel- ten und sich letztlich auch im E-Mail-Verkehr durchsetzten, existieren im Internet eine Vielzahl von Ver- zeichnissen oder Suchmaschinen, die dem Empfanger die Entschlusselung der Bedeutung ermoglichen sollen.

Vgl. dazu http://www.eric.tiggemann.de, http://www.abkuerzungen.de oder http://www.usenet-abc.de;

3 Ein Akronym ist ein aus Anfangsbuchstaben mehrerer Worter gebildetes Wort, z. B. „Aids“.

4 http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/dwd/wbgui?

5 Jene Zeit wurde von Publikationen zu gesellschaftsethischen Problemen quasi „uberflutet“. Die Liste namhafter Autoren reicht dabei von Spathumanisten wie Opitz, Stieler, Benjamin und Hunold bis hin zu den Fruhaufklarern wie C. Thomasius oder v. Tschirnhaus (s. Beetz 1990: 58ff).

6 Dieses Verstandnis von Hoflichkeit ist jedoch keine rein neuzeitliche Entwicklung, sondern hat ihren Ursprung in der Romischen Antike, denn bereits Cicero entwickelte Konzepte fur Gesprachsnormen, der

Einheit von Reden und Handeln. Vgl. hierzu CICERO, M. T., 1882: DE ORATORE LIBRI TRES. Hrsg. von Reinholdus Klotz. Lipsiae: Teubner.

7 Vgl. AUSTIN, John L. 1979. Zur Theorie der Sprechakte. How to do things with word. Dt. Bearb. von Eike von Savigny. Stuttgart: Reclam.

8 Vgl. SEARLE, John R., 1971. Sprechakte: Ein sprachphilosophischer Essay. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 39ff.

9 Cho meint hierzu, dass ein Konzept der Strategien zur Beschreibung von Hoflichkeit nicht ausreiche, verhalten begrundet, sondern ist vielmehr ein positives Konzept, das eng mit Respekt vor dem Anderen und seiner Position zusammenhangt“ (Cho 2005: 10).

10 „Im dialogischen Handlungsspiel ist Hoflichkeit durch vielfaltige Funktionen gekennzeichnet, von denen Konfliktvermeidung nur eine ist. M.E. ist Hoflichkeit nicht in negativen Annahmen uber menschliches

11 Brown und Levinson formulierten zur Berechnung dieser Schwere eine Formel, in der die genannten Pa­rameter enthalten sind. Fraglich bleibt M.E., ob sich Variablen zwischenmenschlicher Beziehungen und damit Personlichkeit von Menschen so einfach in einen vorgefertigten Rahmen „quetschen“ lassen. „[...] da Hoflichkeit nicht ausschlieBlich strategischem, sondern auch normativem Sprachgebrauch ent- spricht, [...]“ (Cho 2005: 10f).

Details

Seiten
29
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640720156
ISBN (Buch)
9783640720606
Dateigröße
1.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v159294
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Germanistische Sprachwissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
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Autor

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