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Störung der Exekutivfunktionen bei Kindern mit ADHS

Hausarbeit 2008 25 Seiten

Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitatsstörung (ADHS)
2.1 Grundmerkmale der ADHS
2.2 Symptomatik und Diagnose der AHDS
2.3 Verlauf und Prognose der ADHS
2.4 Therapie der ADHS

3 Exekutivfunktionen
3.1 Definition
3.2 Diagnostik der Exekutivfunktionen
3.3 Störung der Aufmerksamkeit
3.4 Therapie der beeintrachtigten Exekutivfunktionen

4 Störung der Exekutivfunktionen bei ADHS
4.1 Beeintrachtigte Teilleistungen
4.2 Störungsprofil
4.3 Therapie

5 AbschlieBende Bemerkung

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Schon vor 2500 Jahren wurde von Hippokrates ein Menschentypus beschrieben, auf den die heutige Bezeichnung der ADHS zutreffen konnte. Dieser Menschentypus zeig- te schnelle Reaktionen auf Eindrucke der Umgebung und war wenig in sich ruhend (vgl. Brandau et al., 2003, S. 133).

Seit den 1940er Jahren wurden fur dieses Storungsbild viele verschiedene Bezeich- nungen verwendet. Unter anderem wurde der Begriff der ,minimal brain dysfunktion‘ (dt. Minimale-Cerebrale-Dysfunktion (MCD)) gepragt. Aber auch Bezeichnungen wie ,brain-injured child syndrome‘ oder ,hyperkinetic reaktion of childhood‘ und ,hyperaktive child syndrom‘ wurden verwendet. Spater setzte sich der Begriff der ,attention-deficit- dysorder (ADD)‘ im englischsprachigen Raum durch.

Heute wird zumeist die Bezeichnung ,ADHD attention-deficit/hyperactivity-disorder‘ (dt. ,ADHS Aufmerksamkeits-Defizit und Hyperaktivitats-Syndrom‘ oder ,ADS Auf- merksamkeits-Defizit-Syndrom‘1 ) verwendet (vgl. Barkley, 1998 / Amft et al., 2004, S. 56ff). Auch Begriffe wie ,HKS/HKAS (Hyperkinetisches-Syndrom / Hyperkinetisches- Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom)‘ tauchen in der Literatur immer wieder auf. In der ICD-102 wird die Symptomatik als ,Hyperkinetische Storung (F 90)‘ bezeichnet.

Die nicht immer einheitliche und immer wieder wechselnde Bezeichnung der Sympto- matik fuhrt Barkley (1998) auf die Unsicherheit der Wissenschaftler zuruck, die eine genaue Ursache fur diese Storung ebenso wenig herausfinden konnten, wie es noch keine prazisen diagnostischen Instrumente bzw. Kriterien fur diese Storung gibt.

Die wechselnde Bezeichnung des Storungsbildes und seine unterschiedliche Betrach- tungsweise zeigen, wie schwierig diese Storung einzugrenzen und zu beschreiben ist. Dies wird auch im weiteren Verlauf dieser Arbeit deutlich werden. Der schon alltaglich gewordene Begriff der ADHS bedarf nach wie vor einer genaueren Betrachtung.

Im Folgenden wird ein kurzer Uberblick uber die Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivi- tatsstorung (ADHS) gegeben. Es werden die moglichen Ursachen und Symptome so- wie die Therapie und der Verlauf geschildert.

Im Weiteren folgt eine allgemeine Beschreibung der Exekutivfunktionen und im Be- sonderen eine Beschreibung der Storung dieser Funktionen bei Kindern mit ADHS. Auch Moglichkeiten der Therapie werden erwahnt.

AbschlieBend werden noch einmal wesentliche Aspekte zusammenfassend aufgefuhrt und kritisch betrachtet.

2 Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitatsstorung (ADHS)

Bei genauer Betrachtung zeigt sich, dass es keine einheitliche Nomenklatur dieses Storungsbildes gibt. Wird sie in der ICD-10 als ,Hyperkinetisches Syndrom‘ bezeich- net, findet man in dem amerikanischen DMS-IV3 die Bezeichnung ,ADHS (Aufmerk- samkeitsdefizit-/ Hyperaktivitatsstorung)‘4. In Deutschland werden zumeist die Be- zeichnungen ADS und ADHS verwendet.

Im Internet finden sich zahlreiche Erklarungen und Beschreibungen des ADS und ADHS. Hier bleibt jedoch immer zu prufen wie wissenschaftlich fundiert die Quelle ist, auf der die Informationen basieren.

Schaut man im medizinischen Lexikon ,Roche‘ nach, findet sich eine kurze Beschrei- bung des Syndroms wieder. Hier wird ADHS als Abkurzung fur Aufmerksamkeitsdefi- zit-Hyperaktivitatssyndrom verwendet. Gemeint ist damit eine komplexe Storung die durch unaufmerksames und impulsives Verhalten mit deutlicher Uberaktivitat gekenn- zeichnet ist, wobei das Verhalten nicht dem Entwicklungsalter entspricht. Auch Sto- rungen im sozialen Bezugssystem (z.B. Schule) kommen hinzu (vgl. Roche, 2003, S. 22).

Verschiedene mogliche Ursachen werden diskutiert, sie wird jedoch als unklar be- zeichnet. Insgesamt wird ein Zusammenspiel von psychosozialen und biologischen Faktoren (moglicherweise im Dopaminstoffwechsel) als Ursache angenommen, der dann zu einer dysfunktionellen Informationsverarbeitung im Gehirn fuhrt. Als Therapie wird eine psychotherapeutische und psychosoziale Behandlung unter Einbeziehung der Eltern, Angehorigen und Bezugspersonen (Beratung) empfohlen. Moglicherweise ist auch eine medikamentose Therapie erforderlich (vgl. ebd.). Amft et al. (2004, S. 93) geben als herrschende Lehrmeinung an, dass die Atiologie hirnorganisch bedingt sei und damit eine medikamentose Therapie legitimiere. Sergeant et al. (2002) beschrei- ben Studien in denen verschiedene auffallige Hirnstrukturen (im Vergleich zur Kont- rollgrupe) mit der ADHS in Verbindung gebracht werden (z.B. weniger weiBe Substanz in den Strukturen der Basalganglien, Storung des frontal circuits, ...). Hieraus leiten sie die vielfach beschriebenen Storungen der Exekutivfunktionen5 im Zusammenhang mit ADHS ab, auf die im Verlauf dieser Arbeit noch weiter eingegangen wird.

Genetische Faktoren haben bei der Klarung der Frage nach der Atiologie die groBte Bedeutung. Am besten belegt scheint hier die Bedeutung der Dopamin-Rezeptor- Gene und des Dopamin-Transporter-Gens. Diese Veranderungen liegen jedoch bei weiten Teilen der Bevolkerung vor, ohne dass sich eine ADHS zeigt. Es bleibt also anzunehmen, dass die Ursache nicht auf eine alleinige Veranderung des einzelnen Gens zuruckzufuhren ist (vgl. Bundesarztekammer 2005, S. 21).

Schwere Deprivation in der Kindheit oder schwierige soziale und psychosoziale Ver- haltnisse werden nicht als Ursache angenommen, konnen jedoch den Verlauf und den Schweregrad beeinflussen (ebd., S. 22).

Hirnorganische Befunde (z.B. rechtsseitig betonte strukturelle und funktionelle Auffal- ligkeiten im Bereich des prafrontalen Cortex) weisen auf eine pathophysiologische Be- teiligung hin (ebd., S. 22/23).

Ein spezifisches neuropsychologisches Profil lasst sich fur Kinder mit ADHS nicht er- stellen. Sie zeigen jedoch in verschiedenen Parametern der Exekutivfunktionen haufig schlechtere Leistungen im Vergleich zur gesunden Kontrollgruppe. In wieweit dies als Ursache oder als Symptomatik betrachtet werden kann bleibt bislang unklar. Es ist aber festzuhalten, dass diese Auffalligkeiten durchaus im Zusammenhang mit dem ADHS stehen (ebd., S. 23).

2.1 Grundmerkmale der ADHS

Bei ADHS liegt eine Storung der Aufmerksamkeit mit einem Mangel an Ausdauer bei Beschaftigungen vor. Zudem zeigt sich eine Tendenz Tatigkeiten zu wechseln, bevor sie zu Ende gefuhrt wurden. Auch ist ein unruhiges Verhalten (insbesondere mit der Unfahigkeit still sitzen zu konnen) zu beobachten. Ein weiteres Grundmerkmal ist die Impulsivitat mit z.B. abrupten motorischen und/oder verbalen Aktionen, die zumeist im sozialen Kontext unpassend sind. Es werden zum Teil Storungen des Sozialverhaltens bzw. Beeintrachtigungen der sozialen Kompetenz beschrieben (Barnett et al., 2001 / Bundesarztekammer, 2005, S. 5 / Mares et al., 2007 / Shallice et al., 2002 / Shelton; Barkley, 1994 / Wahlstedt et al., 2008 / Weyandt, 2005).

2.2 Symptomatik und Diagnose der AHDS

Um die Diagnose ADHS stellen zu konnen ist neben den o.g. Grundmerkmalen ein fruher Beginn (< 6. Lebensjahr) sowie eine Dauer von mindestens sechs Monaten notwendig. Zudem sollte die Diagnose ADHS nur dann gestellt werden, wenn ein Missverhaltnis zwischen Entwicklungsalter und Intelligenz besteht. Diese Kriterien lei- ten sich aus der ICD-10 ab (Bundesarztekammer 2005, S. 5). Brandau et al. (2003, S. 55) und Wahlstedt et al. (2008) weisen explizit darauf hin, dass die o.g. Kernsymptome bei den meisten jungen Kindern zu beobachten sind, diese jedoch nicht alle mit ADHS diagnostiziert werden konnen. Auch die Bundesarztekammer (2005, S. 17) gibt zu be- denken, dass die Abgrenzung zur Normvariation immer problematisch ist. Amft et al. (2004) weisen darauf hin, das Problem der Diagnosestellung liege darin, dass durch Verhaltensbeobachtungen auf eine zu Grunde liegende Ursache geschlossen werde (ebd., S. 60), aber gleiche Symptome unterschiedliche Ursachen haben konnen.

Die Pravalenz fur ADHS wird unterschiedlich angegeben. Je nach Erhebungsmethode liegt sie zwischen 1-10% fur die Altersgruppe bis 17 Jahre. Eine mittlere Pravalenzrate fur dieselbe Altersgruppe wird mit 3,9% angegeben. Jungen sind deutlich (drei bis zehn Mal) haufiger betroffen als Madchen. Insgesamt wird davon ausgegangen, dass zwischen drei und acht Prozent aller Jungen im Schulalter betroffen sind (Amft et al., 2004, S. 11 / Heinemann; Hopf, 2001, S. 148 / Melchers; Lehmkuhl, 2000, S. 630 / Steinhausen, 1995, S.17).

Zur Beurteilung der Symptomatik werden unterschiedliche Kriterien verwendet. Eine Einteilung kann sowohl nach der in Europa gelaufigen ICD-10, als auch nach dem DSM-IV vorgenommen werden.

Nach der ICD-10 mussen sowohl Unaufmerksamkeit als auch Uberaktivitat vorliegen um die Diagnose der ADHS stellen zu konnen. In der ICD-10 wird die ADHS als Hyperkinetische Storung mit F 90 kodiert.

In der ICD-10 werden folgende Subtypen der Hyperkinetischen Storung beschrieben: Die ,Einfache Aktivitats- und Aufmerksamkeitsstorung‘ (F 90.0), die ,Hyperkinetische Storung des Sozialverhaltens‘ (F 90.1), bei der Kriterien fur eine hyperkinetische Sto­rung und fur eine Storung des Sozialverhaltens erfullt sind und sogenannte ,Andere und nicht naher bezeichnete hyperkinetische Storung‘ (F 90.8/F 90.9) (Deutsche Ge- sellschaft fur Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, 2007).

Subtypen der ADHS werden auch im DSM-IV beschrieben. Hier finden sich der ,vor- herrschend unaufmerksame Subtyp‘, der ,vorherrschend hyperaktiv-impulsive Subtyp‘ und der ,gemischte Subtyp‘ (Deutsche Gesellschaft fur Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, 2007 / Bundesarztekammer, 2005 / Kockler, 2003).

[...]


1 Diese Abkurzung bzw. Bezeichnung ist jedoch nach Aussage der Bundesarztekammer (2005, S. 8) unzutreffend.

2 „Die "Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme" (ICD-10) wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erstellt und im Auftrag des Bundesministe- riums fur Gesundheit vom DIMDI ins Deutsche ubertragen und herausgegeben. Die Abkurzung ICD steht fur "International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems", die Ziffer 10 bezeichnet die 10. Revision der Klassifikation. Die ICD-10 ist Teil der Familie der internationalen gesundheitsrelevanten Klassifikationen.“ (www.dimdi.de).

3 “The Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders 4th edition (DSM-IV) is used by clinicians and psychiatrists to diagnose psychiatric illnesses. The DSM-IV is published by the American Psychia­tric Association and covers all categories of mental health disorders for both adults and children. The manual is non-theoretical and focused mostly on describing symptoms as well as statistics concerning which gender is most affected by the illness, the typical age of onset, the effects of treatment, and common treatment approaches.”

www.psychology.about.com.

4 bzw. amerikanisch: ADHD attention-deficit-/hyperactivity-disorder

5 Eine Klarung des Begriffs ‘Exekutivfunktion‘ erfolgt im entsprechenden Kapitel dieser Arbeit.

Details

Seiten
25
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640726158
ISBN (Buch)
9783640726400
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v159277
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen – Medizinische Fakultät - LFG Neuropsychologie
Note
1,3
Schlagworte
Kinder ADHS Aufmerksamkeitsdefizit Exekutivfunktionen

Autor

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