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Ungleiche Bildungschancen und Migrationshintergrund

Seminararbeit 2007 13 Seiten

Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ausländer versus Migranten - 1 Problematik der Kategorisierung

3. (Spät-)Aussiedler
3.1. im Allgemeinen
3.2. Aussiedler im deutschen Bildungssystem - 4 die Situation
3.2.1. Gesonderte Betrachtung als Seiteneinsteiger
3.2.2. Bildungschancen der Aussiedlerkinder
3.2.3. Einfluss von Sprachdefiziten
3.3. Förderungsansätze
3.4. Schulische Unterschiede zwischen Herkunftsland und 7 Deutschland
3.5. Monokultur versus Multikultur

4. Fazit

5. Bibliographie

1. Einleitung

Kinder und Jugendliche aus Migrantenfamilien stellen seit Beginn verschiedener Wanderungswellen nach Deutschland eine grofie Gruppe im Bereich des Bildungswesens dar. In ihrer schulischen Laufbahn, die entscheidend fur spatere berufliche Chancen und ihre soziale Integration ist, sind sie mit zahlreichen Problemen konfrontiert, die ihren Entwicklungsverlauf beeintrachtigen. Hierbei ist wohl die eventuell mangelnde Sprachkompetenz im Deutschen an erster Stelle zu nennen (Herwartz-Emden 2003: 661). Insbesondere seit Bekanntmachung der ersten PISA-Ergebnisse, in denen deutlich geringere Bildungserfolge von Migrantenkindern im Vergleich zu autochthonen deutschen Gleichaltrigen zu erkennen sind, ist die Benachteiligung von Schulerinnen und Schulern mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungswesen Gegenstand bildungspolitischer Diskurse und empirischer Analysen. In diesen wird vor allem versucht naher zu bestimmen, warum sich das deutsche Schulsystem offensichtlich bis heute schwer tut, Migrantenkinder angemessen zu fordern und zu integrieren (Stanat 2006: 190). Innerhalb dieser Hausarbeit mochte ich zuerst auf den Begriff „Auslander" eingehen und die Problematik seiner Definition darstellen. Danach befasse ich mich mit den Kindern der Migrantengruppe der Aussiedler. Auf die junge Generation dieser Zuwanderer sollte besonderes Augenmerk gelegt werden, da sie meistens nicht wie viele Kinder auslandischer Eltern in Deutschland geboren sind, sondern durch eine spate Migration als Seiteneinsteiger in das deutsche Bildungssystem gelten. Auf ihre Bildungschancen vor allem im Zusammenhang mit der Zuwanderungsgeschichte und deutschen Sprachkenntnissen konzentriere ich mich daher spezifisch. Danach mochte ich auf die Ansatze des deutschen Bildungssystems eingehen, Aussiedlerkinder zu fordern und zu integrieren sowie die darin liegenden Problematiken erlautern. Hierbei ist vor allem die Konzentration auf Monolingualitat beziehungsweise -kulturalitat im deutschen System und die massiven Unterschiede zwischen den Schulen der Herkunftslander der Migrantenkinder und den deutschen hervorzuheben.

2. Ausländer versus Migranten -Problematik der Kategorisierung

Der Anteil der ausländischen Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland ist von 7,2 % im Jahre 1980 auf 8,1 % im Jahre 2004 gestiegen. Ende 2004 lebten rund 6,717 Millionen ausländische Staatsangehörige in Deutschland (Migrationsbericht 2005: 103).

Grundlage solcher Ausländerstatistiken ist der juristische Ausländerbegriff und nicht der Begriff des Migranten. Als Ausländer gelten alle Personen, die nicht Deutsche im Sinne des Artikel 116 Absatz 1 Grundgesetz sind (Herwartz-Emden 2003: 662).

Unter bildungsbezogenen Gesichtpunkten sind die Kategorien „Auslander" beziehungsweise „auslandische Schuler" und die statistische Erfassung der Schulerschaft nicht-deutscher Herkunft uber das Merkmal der Nationalitat insofern problematisch, da es bei der Beurteilung der Situation dieser Gruppe weniger um die Staatsangehorigkeit als vielmehr um den Zuwanderungsprozess und die Integration dieser Menschen in die deutsche Gesellschaft geht (Herwartz-Emden 2003: 661). Schulerinnen und Schuler, die zwar aus zugewanderten Familien stammen, aber die deutsche Staatsburgerschaft besitzen, sind in den meisten amtlichen Statistiken aufgrund dieser Auslanderdefinition nicht enthalten. Gleichzeitig fallen aber auch Kinder auslandischer Eltern, die in Deutschland geboren wurden, aber nicht die deutsche Staatsangehorigkeit innehaben, unter den Begriff „Auslander", obwohl sie die fur das schulische Lernen richtungsweisenden Sozialisationsprozesse im deutschen Umfeld durchlaufen haben. Nur wenige der Schuler mit Migrationshintergrund sind namlich tatsachlich aus einem anderen Staat zugewandert und somit im wort lichen Sinne auslandischer Herkunft. Die Mehrzahl der auslandischen Familien befindet sich schon seit mehreren Generationen in Deutschland. Somit fuhrt die Bewertung schulischer Aspekte von Kindern mit Migrationshintergrund anhand der Nationalitat zu einer Fehleinschatzung der Gesamtsituation (Stanat 2006: 189)..

In diesem Zusammenhang ist auf eine aufierst grofie Zuwanderergruppe aufmerksam zu machen, die nicht unter die Rubrik „Auslander" fallt: Die Aussiedlerjugendlichen, welche in bundesweiten Erhebungen nicht gesondert aufgefuhrt werden, sondern in die Schulerstatistiken der Deutschen eingehen (Karakasoglu-Aydin 2001: 280). Spataussiedler, ihre Nachkommen und ihre bei Verlassen des Herkunftsgebietes seit drei Jahren mit ihnen verheirateten Ehegatten erhalten automatisch die deutsche Staatsangehorigkeit, obwohl sie im Gegensatz zu hier sozialisierten Kindern aufgrund der meist spaten Zuwanderung als „Seiteneinsteiger" in das deutsche Bildungssystem gelten (Migrationsbericht 2005: 102-103).Aufgrund dieses spaten Einstiegs sind sie trotz deutscher Staatsburgerschaft mit ahnlichen Problemen konfrontiert wie eingewanderte Kinder mit auslandischem Pass. Diese Tatsache macht es notwendig, einen genauen Blick auf die schulischen Karrieren der Kinder dieser Bevolkerungsgruppe zu werfen (Karaksoglu-Aydin 2001: 280).

Ein umfassendes Bild dazu liefern Daten aus PISA, in denen der Migrationshintergrund auf der Grundlage des Geburtslandes der Eltern definiert und somit auch Aussiedlerkinder erfasst werden (Stanat 2006: 190).

3. (Spät-)Aussiedler

3.1. im Allgemeinen

Als Aussiedler oder Spätaussiedler (ab 1993) werden deutsche Staatsangehörige beziehungsweise Volkszugehörige bezeichnet, die vor dem 8. Mai 1945 ihren Wohnsitz in den ehemaligen deutschen Ostgebieten bzw. in Polen, der ehemaligen Sowjetunion, der Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien, Jugoslawien, Danzig, Estland, Lettland, Litauen, Bulgarien, Albanien oder China hatten und diese Länder nach Abschluss der Vertreibungsmaßnahmen verlassen haben (Herwartz-Emden 2003: 663).

Sie erhalten aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit und ihrem so genannten Kriegsfolgenschicksal mit Ausstellung einer Bescheinigung über die Spätaussiedlereigenschaft oder über die Eigenschaft als Ehegatte oder Nachkomme eines Spätaussiedlers die deutsche Staatsangehörigkeit, wenn sie die im Bundesvertriebenengesetz benannten Aussiedlungsgebiete im Wege des Aufnahmeverfahrens verlassen und innerhalb von sechs Monaten einen ständigen Aufenthalt im Bundesgebiet begründet haben (Migrationsbericht 2005: 39). Bei den Aussiedlern handelt es sich einerseits um eine relativ große und andererseits um eine in sich hinsichtlich der Herkunftsregion heterogene Gemeinschaft. Sie stellen neben der türkischen die zweitgrößte Einwanderungsgruppe in Deutschland. Hinsichtlich ihrer Herkunft machten 2004 die Spätaussiedler aus den Nachfolgestaaten der UdSSR mit 99, 4 % aller nach Deutschland einwandernden Aussiedler den weitaus größten Anteil aus (Migrationsbericht 2005: 43).

Seit den 1990er Jahren ist die Tendenz zu beobachten, dass nur noch etwa ein Viertel der zugewanderten Aussiedler deutsche Volkszugehörige sind. Die Übrigen und damit der größte Anteil sind miteinreisende Familienangehörige (Herwartz-Emden 2003: 663). Diese Tatsache erklärt auch die demographische Zusammensetzung dieser Zuwanderergruppe. Aussiedler haben einen gegenüber der autochthonen deutschen Bevölkerung auffällig niedrigen Altersdurchschnitt. Hier überwiegt im Gegensatz zur Bevölkerung ohne Migrationshintergrund die Generation der Kinder und Jugendlichen. Im Jahre 2000 betrug der Anteil der unter 25-Jährigen zum Zeitpunkt der Einreise 44 % (Herwartz-Emden 2003: 670).

3.2. Aussiedler im deutschen Bildungssystem ± die Situation

3.2.1. Gesonderte Betrachtung als Seiteneinsteiger

Die Mehrzahl der Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion kam in den 1980er und 1990er Jahren nach Deutschland, was sich im Alter der Jugendlichen bei der Zuwanderung widerspiegelt. Nur etwa ein Drittel der innerhalb der nationalen Erweiterung der PISA-2000-Stichprobe untersuchten Kohorte von 15-jährigen Jugendlichen an deutschen Schulen lebte seit Geburt in Deutschland oder ist vor der Grundschulzeit zugereist. Der größere Teil kam während der Grundschulzeit (etwa 47 %) oder der Sekundarschulzeit (etwa 19 %) nach Deutschland (Müller/Stanat 2006: 236).

Die Schulsituation der A]ussiedlerkinder bedarf einer besonderen Betrachtung, da sie aufgrund ihres spaten Zuwanderungsalters im Gegensatz zu in Deutschland aufgewachsenen Migrantenkindern oftmals „Seiteneinsteiger" in das deutsche Bildungswesen sind (Herwartz-Emden 2003: 682).

Obwohl sie im rechtlichen Sinne Deutsche sind, somit in Schulstatistiken zur Gesamtzahl der Kinder ausländischer Herkunft nicht enthalten und nicht mit besonderen ausländerund aufenthaltsrechtlichen Regelungen konfrontiert sind, so finden sie sich genauso wie andere Zuwanderer in einer Einwanderersituation wieder und durchlaufen einen ähnlich schwierigen Eingliederungsprozess, der sich auch in Problemen in schulischen Belangen widerspiegelt (Herwartz-Emden 2003: 663).

Für die schulische Entwicklung dieser Kinder und Jugendlichen, die im fortgeschrittenen Alter nach Deutschland kommen, erweisen sich zusätzlich vor allem die Sprachdefizite als eine noch größere Hürde als für Kinder aus Migrantenfamilien, die schon einen großen Teil ihres Lebens in der Bundesrepublik verbracht haben (Herwartz-Emden 2003: 693).

3.2.2. Bildungschancen der Aussiedlerkinder

Als generelle Tendenz ist festzustellen, dass sich die Schulsituation der Aussiedlerkinder unabhängig von ihrer Behandlung als Teil der deutschen Schülerpopulation als ähnlich problematisch darstellt wie die der eingewanderten Schüler mit ausländischem Pass, vor allem in den ersten Jahren nach der Zuwanderung (Karakasoglu-Aydin 2001: 285).

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Details

Seiten
13
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640718665
ISBN (Buch)
9783640718962
Dateigröße
434 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v159108
Institution / Hochschule
Universität Bayreuth – Lehrstuhl für Allgemeine Soziologie
Note
1,3
Schlagworte
Bildung Ungleichheit Migrationshintergrund

Autor

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Titel: Ungleiche Bildungschancen und Migrationshintergrund