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Kinotrailer als intendierte Simulation von Filmen

Exemplarischer Vergleich des deutschen und amerikanischen Trailers zum Film 'Das Parfum'

Hausarbeit 2007 23 Seiten

Germanistik - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Das Projekt der Cultural Studies
2.1 ZurEntstehung derCulturalStudies
2.2 The Center for Contemporary Cultural Studies (CCCS)
2.3 Zur (Weiter-)Entwicklung derCulturalStudies
2.4 Cultural Studies in Deutschland

3 Medienanalyse mittels Cultural Studies
3.1 Der Kulturbegriff der Cultural Studies
3.2 Das„encoding/decoding“-Modell von Stuart Hall
3.3 Zur Diskursanalyse von John Fiske

4 Analyse & Vergleich der Kinotrailer
4.1 Begründung der Auswahl des Analysegegenstandes
4.2 Zum Film „Das Parfüm - Die Geschichte eines Mörders“
4.3 Beschreibung desAnalyserasters
4.4 Analyse der Kinotrailer
4.5 Vergleich und Interpretation der Analyseergebnisse

5 Fazit

6 Literatur- und Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Seit dem 15. März dieses Jahres ist es für Heimkinobesitzer und das restliche deutsche Publi­kum endlich soweit, „Das Partum - Die Geschichte eins Mörders“, der teuerste deutsche Film aller Zeiten und einer der größten Kinoerfolge des letzten Herbstes, wurde auf DVD und VHS veröffentlicht. Nach jahrzehntelangem Tauziehen um die Filmrechte hatten Produzent Bernd Eichinger und Regisseur Tom Tykwer mit ihrem Team die Verfilmung des literarischen Welterfolges von Patrick Süßkind wahr werden lassen, sodass der Film, über den im letzten Jahr heftig und kontrovers diskutiert wurde, jetzt für jedermann zu erstehen ist.

Für die weltweiten Werbekampagnen wurden für das amerikanische und das deutsche Publi­kum verschiedene Kinotrailer verwendet. Diese unterscheiden sich auf eine bisher unbe­stimmte Art, die jedoch bei der ersten Sichtung sofort hervorsticht. Ich vermute hinter diesen offensichtlichen Unterschieden die Absicht der Werbeverantwortlichen, den Film über die Trailer für das jeweilige Publikum in Amerika und in Deutschland besonders ansprechend zu gestalten.

Dieser Vermutung werde ich im Verlauf dieser Hausarbeit nachgehen, indem ich den Aufbau und die verwendeten Stilmittel beider Trailer analysiere und auf den Ergebnissen das inten­dierte Image bzw. die intendierte Lesart interpretiere. Dabei verwende ich ein Analyseraster, das größtenteils auf einem Aufsatz Hedingers beruht. Zuvor werde ich den Ansatz Halls und ferner Fiskes, Medienanalyse auf der Theorie bzw. den Theorien der Cultural Studies zu be­gründen, darlegen, um diesen in die Interpretation der Trailer einbeziehen zu können. Einlei­tend soll jedoch die Entstehung und individuelle Entwicklung der Cultural Studies, besonders in Deutschland, aufgezeigt werden.

(Der Einfachheit halber beziehe ich mich bei den verschiedenen Zielgruppen der Trailer le­diglich auf das amerikanische und das deutsche Publikum in den USA bzw. in der Bundesre­publik Deutschland und ziehe den restlichen englisch- oder deutschsprachigen Raum weder in meine Formulierungen, noch in die Interpretation mit ein).

2 Das Projekt der Cultural Studies

Den Begriff Cultural Studies (CS) zu definieren und dabei die gegenwärtigen Ansätze, The­sen und Ausprägungen auf einen Nenner zu bringen, ist ein schwieriges, wenn nicht unmögli­ches, Unterfangen. Die Probleme sind u. a. darin begründet, dass sich das Phänomen Cultural Studies nicht synchron und gleichförmig in der Welt etabliert hat, sondern seinen Ursprung in Großbritannien nahm und im Laufe der Jahrzehnte expandierte, d.h. in immer mehr Ländern und Kulturkreisen der Welt aufgegriffen, weiterentwickelt und auf zahlreiche neue Bereiche und Theorien angewandt wurde bzw. wird.

„[Cultural Studies] verstehen sich [...] als offen für andere theoretische Interventio­nen, vor allem Interventionen von FeministInnen, gender studies und postcolonial studies. Andererseits macht diese Offenheit der Cultural Studies für jede Ausrichtung von kritischer Theorie es schwierig, ihren Gegenstand generell zu definieren.“1

Die Cultural Studies werden von ihren Vertreterinnen als Projekt verstanden. Die Gemein­samkeiten der unterschiedlichen theoretischen und methodischen Umsetzungen der CS auf dem gesamten Globus bedeuten dabei das Projekt. Die Unterschiede werden als Formationen bezeichnet. Laut Göttlich und Winter sind mit dem Begriff Formationen nicht die häufig mit Cultural Studies betitelten Fächer, Studienangebote und Studiengänge gemeint.2 „Formatio­nen sind Netzwerke, die aus Personen und der Verbindung von Texten und Personen über

Zeiträume und Fachgrenzen zu bestimmten Forschungsthemen bestehen.3

Grossberg liefert folgenden Definitionsversuch des essentiellen Charakteristikums der Cultu­ral Studies und ihrer Formationen:

„Bei Cultural Studies dreht es sich um das Verstehen der Möglichkeiten, Kontexte durch kulturelle Allianzen und Apparate neu zu schaffen, deren Strukturen (und die zwischen ihnen bestehenden Beziehungen) das Produkt von Machtverhältnissen und -kämpfen sind. Cultural Studies versucht, politische und kontextuelle Beziehungen zwischen kulturellen Allianzen und Kontexten, die die Milieus der menschlichen Machtbeziehungen sind, zu erstellen. Sie ist eine Theorie über die Entstehung, Auflö­sung und Neuschaffung von Kontexten.“4

Zur Verdeutlichung der Vielfalt der weltweiten Formationen der CS listet Bromley folgende Themen auf (die Liste erhebt aufgrund ständig neuer Formationen etc. keinen Anspruch auf Vollständigkeit):

„Themen wie Rasse, Geschlecht und Sexualität, nationale Souveränität und Nationa­lität, Kulturpolitik, aber auch neue Informationstechnologien und Cyberkulturen, die Informationsstadt und ihre räumlichen Formationen, interkulturelle Beziehungen, Körperdiskurse, kulturelle Institutionen, neue Ethnizitäten und Identitäten, [...], Ko­lonialismus, Postkolonialismus und die Auswirkungen der Globalisierung auf politi­sche, wirtschaftliche und mediale Systeme.“5

Der Ansatz der CS, Kultur stets in den jeweiligen Kontexten eingebettet zu betrachten, hat dazu geführt, dass der Begriff Cultural Studies und die mit ihm verbundenen Theorien usw. einem ständigen Wandel und verschiedenen Auslegungsweisen unterliegen (z.B. verschiedene theoretische Perspektiven und länderspezifische Formationen).6 Dies unterstreicht die interna­tionale Bedeutung, die von den Cultural Studies bereits heute ausgeht. Dabei darf jedoch nicht übersehen werden, dass die Theorien und Modelle der CS keinen Anspruch auf allgemeine Gültigkeit erheben, sondern dass sie als individuelle Herangehensweisen für soziale Probleme und Fragestellungen verschiedenster spezifischer Kontexte fungieren und als solche angese­hen werden sollen.7 Göttlich und Winter prophezeien abschließend, dass es „zukünftigen Arbeiten [...] vorbehal­ten sein [wird], die komplexen Facetten konfliktärer kultureller Verhältnisse immer wieder zu artikulieren und zu kontextualisieren.“8

2.1 Zur Entstehung der Cultural Studies

Der Ausgangspunkt der Cultural Studies liegt im Großbritannien der 1950er Jahre. Im Allge­meinen wird die Entstehung der britischen Cultural Studies und somit ferner des gesamten weltweiten Phänomens auf drei Texte von Richard Hoggarts, Raymond Williams und E. P. Thompson zurückgeführt, die Ende der 1950er Jahre veröffentlicht wurden. Zwar ist laut Stuart Hall keine genaue Datierung der Entstehung auszumachen, die eben genannten Texte seien jedoch als Ausgangspunkt der Cultural Studies anzusehen.9

Das Projekt Cultural Studies war von Beginn an nicht nur eine akademische Disziplin, sondern folgte auch einem politischen und pädagogischen Konzept, da die meisten Schlüsseltexte auf den Erfahrungen ihrer Autoren in der Erwachsenenbildung beruhen und zum Ziel hatten, die Entwicklungen und Darstellungen, die an Universitäten nicht thematisiert wurden, zu erarbei­ten. Zudem gingen die Texte aus einer gesellschaftlichen und kulturellen Neuerung hervor, der vielfältigen Beschäftigung mit Tradition, Klasse, Arbeitswelt und Freizeit, die auch in den hö­heren Bildungsmilieus getätigt wurde.10

Die britischen Anhänger der Cultural Studies der 1950er und 60er Jahre (auch wenn diese Be­zeichnung dabei nicht immer Verwendung fand) hatten das Ziel, die kulturellen Privilegien, die politische Macht und die Autorität der dominierenden Klasse zu beenden, und sahen sich somit als Reformer der britischen Gesellschaft. Aus der Kritik an der kulturkonservativen Tradition in Großbritannien entstand seinerzeit das den Cultural Studies eigene Verständnis von Kultur. Im Mittelpunkt stand damals, den Begriff der Klasse, die Beziehung Kultur und Macht sowie den Zusammenhang von Konsumption und Produktion stetig zu diskutieren und zu analysieren. Die (damit verbundene) Bildung wurde als der Weg angesehen, der zu Machtgewinn der unte­ren und mittleren Klasse und schließlich zum demokratischen Wandel führen sollte.11

2.2 The Center for Contemporary Cultural Studies (CCCS)

Die erste Form der Institutionalisierung erfuhren die Cultural Studies 1964 mit der Gründung des Center for Contemporary Cultural Studies (CCCS) in Birmingham als organisatorisches und wissenschaftliches Zentrum der CS durch Richard Hoggart. Auf diese Weise verwirklichte Hoggart die ersten wissenschaftlichen, nicht-elitären Forschungen über die Alltagskultur der britischen Arbeiterklasse12. 1969 wurde der Leiterposten des CCCS von Stuart Hall übernom­men, der den Fokus auf die inter- bzw. multidisziplinäre Untersuchung von verschiedenen Kul­turen, wie z.B. Analyse der Medien- und Ideologietheorie, Arbeiten zu jugendlichen Subkultu­ren oder Beschäftigung mit feministischen und ethnischen Fragestellungen, verschob. Mit der Zeit veränderte das CCCS zudem seinen institutionellen Charakter, indem die disziplinären Grenzen des traditionellen Bildungssystems aufgebrochen und das Studium von Kultur demo­kratisiert wurde, d.h., dass die fakultative Zuständigkeit für bestimmte kulturelle Fragestellun­gen abgeschafft wurde und der Blick sich fortwährend auf Kultur als Ganzes und auf die The- matisierung ihrer unterschiedlichen Ausprägungen richtete13. Hall selbst zeichnete sich, neben seinen Tätigkeiten als Leiter des CCCS und Herausgeber zahlreicher Bücher, für eine außer­gewöhnlich große Menge an Artikeln, Aufsätzen und Zeitschriftenbeiträgen verantwortlich. Dieses Gesamtwerk ließ Hall „zur wirkungsvollsten Figur in den Cultural Studies [...] neben Raymond Williams seit den 1970er Jahren [...]“14 werden, dessen Arbeiten „außerhalb Groß­britanniens [...] wahrscheinlich mehr als alle anderen zur Verbreitung der Cultural Studies beigetragen [haben].“15 Am CCCS arbeiteten neben Hall noch weitere namhafte Vertreterinnen der CS, die noch heute in diesem Bereich tätig sind, wie z.B. Dick Hebdige und David Morley. Vor allem ihnen ist die theoretische Erweiterung der Cultural Studies, z.B. der RezipientInnenorientierte Ansatz, zu verdanken.16

2.3 Zur (Weiter-)Entwicklung der Cultural Studies

Des Weiteren erfuhren die Cultural Studies in den 1980er Jahren in vielen Teilen der Erde eine themenspezifische Ausweitung und ansteigende Internationalisierung. Zudem fand seit Mitte der 1980er Jahre eine stetige Ausweitung der CS auf andere Bereiche, wie z.B. die Me­dienanalyse (siehe Punkt 3) und eine begriffliche und inhaltliche Ausdifferenzierung der Po­pulärkulturanalyse statt17. Zudem war eine geografische Expansion in Form der weitgehenden Verlagerung von Cultural Studies in andere kulturelle Kontexte, wie z.B. die USA und Aust­ralien, zu verzeichnen.

In den letzten Jahren sind Tendenzen zu erkennen, dass sich der Fokus in Richtung Postmo- derne sowie postkoloniale Kritik im Zusammenhang der Globalisierung verschiebt.

Der Blickwinkel der Cultural Studies ist häufig länder- bzw. kulturspezifisch, da sich die the­oretischen Interessen von den verschiedenen Traditionen und historischen Hintergründen ab­leiten.18 So heben die britischen CS vorrangig Konstellationen von Konflikt, Macht und Machtsymmetrien, Anerkennung von Identitäten und Lebensweisen hervor und wenden den Blick von der internationalen Politik ab und hin zu Kriterien wie z.B.

[...]


1 www.tu-berlin.de/~soziologie/cs/basis.htm (29.03.2007)

2 vgl. Göttlich und Winter 1999, S. 25

3 ebd.

4 Grossberg 1994, S. 26ff, zitiert nach: Winter 1997, S. 58

5 Bromley 1999, S.22

6 Göttlich und Winter 1999, S. 29

7 vgl. Winter 1997, S. 58

8 Göttlich und Winter 1999, S. 38

9 vgl. Bromley 1999, S. 9

10 vgl. ebd., S. 10

11 vgl. ebd., S. 12

12 vgl. ebd., S. 14f sowie Göttlich und Winter 1999, S. 38

13 vgl. www.tu-berlin.de/~soziologie/cs/basis.htm (29.03.2007)

14 Bromley 1999, S. 19

15 ebd.

16 vgl. www.tu-berlin.de/~soziologie/cs/basis.htm (29.03.2007)

17 vgl. Göttlich und Winter 1999, S. 38f

18 vgl. www.tu-berlin.de/~soziologie/cs/basis.htm (29.03.2007) vgl. Bromley 1999, S. 22

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