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Das Kirchenjahr und seine Brauchtümer

Wissenschaftlicher Aufsatz 2008 37 Seiten

Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte

Leseprobe

1 Einleitung

Das Kirchenjahr ist ein Kreis, der sich rhythmisch alljährlich wiederholt. Das bedeutet, dass im Laufe eines Jahres alle Einzelstationen dieses Zyklus durchlaufen werden. Auch das Gegensätzliche, wie Trauer und Freude, Fasten und Feiern kommen vor. Jede Etappe beziehungsweise Station dieses Kreises steht gleichberechtigt neben den anderen: Alle sind mit der Mitte gleichermaßen verbunden und zur Mitte hin ausgerichtet, Jesus Christus. Der christliche Festkreis gibt der Seele Zeit-Räume für Erfahrungen und Gefühle. Eine wochenlange Zeit der Vorfreude und Vorbereitung vor Weihnachten im Advent, eine ebenfalls wochenlange Vorbereitungszeit auf die Ereignisse von Karfreitag und Ostern in der Fasten- oder Passionszeit. Und dann gibt es die »Nachfreuzeiten«: etliche Wochen Weihnachtszeit, sechs Wochen österliche Freudenzeit bis Christi Himmelfahrt, weit über 20 Sonntage im Sommer als Nachbereitungszeit von Pfingsten und des Dreifaltigkeitssonntag[1]: Zeiträume für Erfahrung.

Das Kirchenjahr beginnt mit dem ersten Adventssonntag, an dem Katholiken die Adventskränze segnen lassen. In der Adventszeit bereiten sich Christen auf das zweitgrößte Fest im Jahr vor und zwar Weihnachten. Mitten im Advent liegt das Fest Mariä Empfängnis am 8. Dezember. Der Christtag am 25. Dezember ist dann ein besonderer Höhepunkt im Kirchenjahr. Es folgt der Weihnachtsfestkreis mit dem hl. Stephanus, dem Fest der unschuldigen Kinder, dem Hochfest der Gottesmutter Maria, der Erscheinung des Herrn und der Taufe des Herrn. Mit diesem Sonntag endet der Weihnachtsfestkreis.

Es beginnt die Zeit im Jahreskreis, in der es keine besonderen kirchlichen Feste gibt. Das Fest Darstellung des Herrn fällt in diese Zeit. Mit dem Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit, die auf Ostern vorbereitet. Sie dauert 40 Tage, wobei die Sonntage nicht mitgerechnet werden. Der 4. Fastensonntag hat einen besonderen Namen, er heißt Laetare. Die letzte Woche der Fastenzeit heißt heilige Woche oder Karwoche. Sie beginnt mit dem Palmsonntag, später folgen die drei österlichen Tage Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag. In der Nacht von Samstag auf Sonntag feiern Katholiken schließlich mit Ostern das größte Fest im Jahreskreis. Nach dem Ostersonntag kommt der Ostermontag, der Sonntag danach wird Weißer Sonntag genannt. Die nächsten 50 Tage nach Ostern gehören zur Osterzeit, die mit dem Pfingstfest endet.

Schon am 40. Tag wird Christi Himmelfahrt gefeiert. Mit dem Pfingstmontag setzt sich die Zeit im Jahreskreis fort, die Sonntage werden einfach so weitergezählt, wie sie vor dem Aschermittwoch geendet haben. Am Sonntag nach Pfingsten wird der Dreifaltigkeitssonntag begangen, am Donnerstag danach findet Fronleichnam mit der großen Prozession statt. Die Zeit im Jahreskreis geht nun den ganzen Sommer über weiter, mitten darin ist am 15. August Mariä Himmelfahrt, am 1. November schließlich Allerheiligen und am Tag danach Allerseelen. Das Kirchenjahr endet schlussendlich mit dem letzten Sonntag vor dem 1. Advent, man nennt diesen Sonntag Christkönigsfest.

2 Die Adventszeit und ihr Brauchtum

Punkten wird die geschichtliche Entwicklung, die Theologie und das Brauchtum der Adventszeit erklärt.

2.1 Die geschichtliche Entwicklung der Adventszeit

Schon im fünften Jahrhundert gab es Anfänge einer selbstständigen Adventszeit. Diese wurden in den Gebieten rund um die Kirchen von Antiochien und Ravenna erstmals entdeckt. Zunächst wurde nur ein Sonntag der Vorbereitung auf die Christgeburt gehalten, erst Perpetuus von Tours[2] führte ein dreimal wöchentliches Fasten als Vorbereitung ein, das vom Fest des heiligen Martin an beginnen sollte. Diese Fastenordnung bezog sich jedoch nicht nur auf die Christgeburt, sondern auch auf das Fest der Epiphanie am sechsten Jänner. Ohne die Samstage und Sonntage mit einzuberechnen gab es so vom Martinsfest bis zur Epiphanie vierzig Fastentage.

Die Anzahl der Adventssonntage wurde zum ersten Mal von Gregor dem Großem auf vier festgelegt, jedoch blieben einige Kirchen, wie zum Beispiel die in Mailand, bei der Feier von sechs Adventssonntagen. Erst durch die cluniazensische und franziskanische Reform im elften und dreizehnten Jahrhundert setzte sich die römische Liturgie durch. Die römische Adventsliturgie wurde dann von Pius V.[3] verfasst und galt nun für die ganze Kirche.

Im dreizehnten Jahrhundert zählte Weihnachten zu den Adventsfesten, und so kam es dann auch, dass die Adventszeit als Ende, und nicht als Anfang, des Kirchenjahres gesehen wurde. Erst wieder in jüngeren Zeiten wurde die Adventszeit zum Beginn des Kirchenjahres, da der Wiederkunftgedanke in den Vordergrund[4] trat.

2.2 Die Theologie der Adventszeit

Pius XII. schrieb in der Enzyklika Mediator Dei: „Das liturgische Jahr, von der Frömmigkeit der Kirche genährt und begleitet, (ist) nicht eine kalte, leblose Darstellung längst vergangener Dinge oder eine einfache, bloße Erinnerung an Ereignisse aus einer früheren Zeit. Vielmehr ist es Christus selbst, der in seiner Kirche fortlebt und der da den Weg seines unermesslichen Erbarmens weitergeht, den er selbst in diesem sterblichem Leben, als er Wohltaten spendend dahinging, begonnen hat in der liebevollen Absicht, dass so die Menschen mit seinen heiligen Geheimnissen in Berührung kämen und sozusagen in ihnen lebten“. Von diesem Zeitpunkt an bekam das Kirchenjahr den Zeitnamen: „Christusjahr“.[5]

In der Adventszeit wird die dreifache Sicht, die in jeder kirchlichen Festzeit vorhanden ist, sehr gut deutlich. Diese Sicht bildet sich aus: „memoria“, „mysterium“ und „prophetia“. Die „memoria“ steht für die Erinnerung an Vergangenes und soll in der Adventszeit das jahrtausendlange Warten auf den Messias memorieren. Das „mysterium“ beschreibt das Leben des Christen, den jährlich gefeierten Advent und das Entgegennehmen des Sakraments zum Fest der Geburt Jesu Christi. Die „prophetia“ steht für das Warten auf die Adventssonntage und prägt so vor allem die Adventszeit.[6]

2.3 Die Brauchtümer der Adventszeit

Die folgenden Unterpunkte beschreiben die einzelnen Bräuche, die die Adventszeit umfasst.

2.3.1 Der Adventskranz

Der Adventskranz ist ein Brauch, der sowohl in privaten Haushalten als auch in der Kirche vollzogen wird. Der Kranz tauchte zum ersten Mal 1839 bzw. 1939 in Hamburg auf. Der Gründer und Leiter des „Rauhen Hauses“, J.H. Wichern [7], zündete jeden Tag in der Adventszeit eine Kerze zur Besinnung an und stellte diese auf einen Holzkranz. Der Raum, in dem sich der Kranz befand wurde dann mit Zweigen geschmückt. Erst 1860 wurde der Adventskranz mit Tannenreisig bzw. Fichtenreisig umwunden und mit vier Kerzen bestückt. Der Adventskranz ist ein Symbol für den Erdkreis und ein Zeichen Gottes. Die grünen Zweige sollen Leben und Hoffnung darstellen. Der grüne Adventskranz soll auch neue Wärme und Sonne in jedes Haus bringen. Das Licht, das mit jeder Kerze entfacht wird, soll die Angst vertreiben und den Weg weisen sowie die Gemeinschaft fördern. Die brennenden Kerzen sind auch ein Symbol für Jesus Christus, das Licht der Welt.[8]

2.3.2 Die Rorateämter

Die Entstehung des Brauches der Rorateämter ist nicht eindeutig zurückverfolgbar. Es ist zu vermuten, dass diese Ämter schon nach der Ausbildung der Adventsliturgie gefeiert wurden. Die Roratemessen waren sehr beliebt, da sie immer vom 17. - 24. Dezember gehalten wurden und so dem Fest der Weihnacht sehr nahe lagen. Die Feier der Rorateämter diente immer als besondere Vorbereitung auf das Weihnachtsfest und eine würdig gestaltete Feier versprach Segen für die Familie, die Lebenden und die Toten, als auch Fruchtbarkeit für das anstehende neue Jahr.

Heute gehören die Roratemessen wieder bei vielen Gemeinden zum Adventsbrauchtum. Dabei wird zu Beginn der Eingangsvers, das „rorate coeli“ gesungen. Zwischen den Gemeinderufen werden Verse aus den Büchern der Propheten und der Psalmen vorgesungen. Es sollte jede Kirche nur mit brennenden Kerzen ausgeleuchtet werden, denn das natürliche Licht soll auf Jesus Christus und auf die Sehnsucht des Weihnachtsfestes hindeuten.[9]

2.3.3 Herbergssuche und Frau(en) tragen

Schon in den spätmittelalterlichen Weihnachtsspielen stellten einige Vorführungen die Herbergssuche dar. Die Wirte wurden als hartherzige Menschen, die Joseph und Maria die Herberge für eine Nacht verweigerten, dargestellt. Diese Verweigerung der Nächtigung wurde in vielen kirchlichen Szenen vorgeführt und so bildeten sich zwei Bräuche. Der Erste war die „Armen-(Wohlfahrts-)Pflege“. Die Armen erhielten Gaben und in einigen Bürgerhäusern wurden, im Gedenken an die Herbergssuche, pro Haus zwei arme Menschen bewirtet. Der zweite Brauch, der aus der Herbergssuche entstand, ist das „Frauentragen“. Entweder wurde dieser Brauch die ganze Adventszeit oder erst neun Tage vor dem Weihnachtsfest praktiziert. Eine Bildtafel, die „die heiligen Leut in der Umfuhr“ zeigte oder auch eine Statue, wurde von Haus zu Haus getragen. Täglich kehrte die Tafel bzw. Statue in ein neues Haus ein, um die Herbergssuche zu symbolisieren. Es wurden Freunde und Nachbarn eingeladen, um dieses Ritual zu feiern. Die Hausandacht bestand üblicherweise aus adventlichen Texten, Gedichten und Liedern.[10]

2.3.4 Die Rauh-Nächte

Die Rauh-Nächte sind einer der umstrittensten Bräuche des Christentums. Diese sogenannten Rauh-Nächte waren die Nacht vor dem Fest des heiligen Thomas, die Silvesternacht und die Nacht vor dem Dreikönigstag. Gelegentlich werden auch die zwölf Nächte vor dem Heiligen Abend mit den Rauh-Nächten in Verbindung gebracht.

Der Sinn und Zweck einer Rauh-Nacht war es, die Unheilgeister zu vertreiben und das Licht bzw. das Leben, welches mit dem Sonnenaufgang geschah, wieder herbeizurufen, indem man sein Haus, seinen Hof und sein Vieh mit Rauch segnete. Da aber der Sonnenaufgang und das Licht später als selbstverständlich angesehen wurden, blieben nur zwei Mythen dieser Bräuche bestehen. Zuerst einmal das Kennzeichnen der Haustür mit C - M - B und der Jahreszahl, war einer davon. Durch diese Kennzeichnung soll den bösen Geistern und Dämonen der Zutritt zum Haus verwehrt bleiben. Der zweite Brauch, der bestehen blieb, ist das Bleigießen in der Silvesternacht. Die Rauh-Nächte bekamen ihren Namen durch die dunkeln und rauen Nächten, die in dieser kalten Jahreszeit herrschten.[11]

2.3.5 Sankt Nikolaus

Der heilige Nikolaus war ein berühmter Bischof von Myra in Lykien, der zur Wende des vierten Jahrhunderts lebte .[12] Schon im sechsten Jahrhundert wurde der heilige Nikolaus zu einem der berühmtesten und volkstümlichsten Heiligen der morgenländischen Kirche. Erst im achten Jahrhundert drang sein Kult bis nach Rom durch. So waren im 16. Jahrhundert bereits 2200 Kirchen nach ihm benannt. Der heilige Nikolaus wurde zum Schutzpatron der Seefahrer, Flößer, Fischer, Brückenbauer, der Kaufleute und Händler, der Bäcker, Apotheker, Tuchmacher und der Kinder.

Der Grund dieser Verehrung waren die Legenden, die sich um Sankt Nikolaus rankten. Einer dieser Legenden war die Stratelatenlegende. Diese handelt von der Errettung von drei unschuldigen Verurteilten und drei fälschlich angeklagten Feldherren. Eine weitere Legende dreht sich um das Kornwunder, nach dem der heilige Nikolaus in einer Hungersnot den Kapitän kaiserlicher Kornschiffe bewegte, Korn an die hungernden Menschen von Myra zu verteilen, ohne dass sich die Fracht verringerte. Ebenso wurde auch die Legende von den Schiffen in Seenot überliefert. In dieser Legende erschien der heilige Nikolaus den Schiffsleuten und wies ihnen den sicheren Weg aus dem Sturm. Ebenfalls schenkte der Heilige einem Vater, von drei Jungfrauen, eine Mitgift um diese ehrbar zu vermählen.

Um 1087 entstand eine der bekanntesten Legenden um Sankt Nikolaus. Drei Schüler fielen einem Verbrechen zum Opfer und wurden ermordet, jedoch konnten sie wieder vom heiligen Nikolaus zum Leben erweckt werden. Das Brauchtum, das sich bis heute behaupten konnte, ist das Fest des heiligen Nikolaus am sechsten Dezember. Dieser Brauch entstand durch seine Rolle, die er in Schulen spielte. Der Sankt Nikolaus wurde als Gabenüberbringer bekannt und dadurch sehr beliebt. Kinder ritzten ihre guten Taten auf Klausenhölzer, Kerbhölzer oder Vaterunser-Hölzle und legten diesem noch Futter für das Reittier des Sankt Nikolaus hinzu. Die Kinder wurden dann mit Gaben des heiligen Nikolaus, wie Dörrobst, Nüsse und Kletzenbrot, belohnt.[13]

2.3.6 Sankt Barbara

Sankt Barbara gehört so wie der heilige Nikolaus zu den 14 Nothelfern. Sie ist die Schutzpatronin der Artilleristen, der Architekten, der Glöckner und Glockengießer und vor allem der Bergleute. So wurde an ihrem Festtag das Barbarabrot an die Bergarbeiter und deren Knappen verteilt. In der Nacht des Barbaratages wurde ebenfalls Essen und Trinken den Berggeistern bereit gestellt. Zudem soll das Barbaralicht die Bergleute vor Unwettern schützen.[14]

[...]


[1] Der Sonntag nach Pfingsten

[2] Perpetuus von Tours f 490

[3] Pius V. * 17. Januar 1504 in Bosco Marengo bei Alessandria; f 1. Mai 1572 in Rom; war von seiner Inthronisation am 17. Januar 1566 bis zu seinem Todestag Papst.

[4] Vgl. H. Kirchhoff, Christliches Brauchtum. Feste und Bräuche im Jahreskreis, München 1995, 17f.

[5] Enzyklika Mediator Dei 163, zit. n.: Kirchhoff, Christliches Brauchtum, 18f.

[6] Vgl. Kirchhoff, Christliches Brauchtum, 19

[7] J.H. Wichern gestorben 1881

[8] Vgl. Kirchhoff, Christliches Brauchtum, 20ff.

[9] Vgl. Kirchhoff, Christliches Brauchtum, 22ff.

[10] Vgl. Kirchhoff, Christliches Brauchtum, 24-28

[11] Vgl. Kirchhoff, Christliches Brauchtum, 28ff.

[12] Lykien lag in Kleinasien

[13] Vgl. Kirchhoff, Christliches Brauchtum, 31-36

[14] Vgl. Kirchhoff, Christliches Brauchtum, 37ff.

Details

Seiten
37
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640748983
ISBN (Buch)
9783640749461
Dateigröße
628 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v158910
Institution / Hochschule
TGM Schule der Technik Wien
Note
1
Schlagworte
Kirchenjahr Brauchtümer Bräuche Entstehung

Autor

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