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Warum kam es zu Effizienzproblemen im tschechischen Unternehmens- und Bankensektor während und nach den Privatisierungen?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2003 26 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Osteuropa

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkurzungen

Abstract

1. Einleitung

2. Theoretische Vorbemerkungen

3. Privatisierung

4. Die Banken
4.1. Schaffung eines zweistufigen Bankensystems
4.2. Banken und Institutionen
4.3. Der Staat als Spielregelsetzer und Spieler

5. Auswirkungen auf Corporate Governance
5.1. Grunde des flow problems

6. Losung der Situation
6.1. Privatisierung der groBen Geschaftsbanken

7. Schlussfolgerungen

Literatur

Abkurzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abstract

Mit der rechtlichen Privatisierung von staatlichen Unternehmen 1991-1995 wurde die Eigentumerstruktur nur geringfugig verandert, so dass die im Sozialismus bestandenen Ineffizienzen im Verhaltnis von Staat/Banken/Unternehmen hinsichtlich der Verfugungsrechte weiter existieren konnten. Die Arbeit gibt eine Bestandsaufnahme der Situation wahrend und nach den Privatisierungswellen, analysiert die Ineffizienzen in den Prinzipal-Agent-Beziehungen zwischen Staat, Banken und Unternehmen und gibt schlieBlich einen Ausblick auf die Losung dieses Effizienzproblems durch den Ruckzug des Staates als Prinzipal im Bankensektor.

1. Einleitung

In den letzten Jahren seit 1991 konnte man in der Tschechischen Republik (CR) eine wirtschaftliche Entwicklung beobachten, die schwankend war. So stieg in den Jahren 1993-1996 das BIP kontinuierlich an, sackte in den Folgejahren 1997-1999 aber ab und wachst seit dem Jahr 2000 wieder.[1] Wurde die CR von 1990 bis 1995/96 als Musterland okonomisch-sozialer Transformation in Mittel-/Osteuropa (MOE) betrachtet, so war spatestens 1997 klar, dass die CR mit strukturellen Problemen in der Wirtschaft zu kampfen hatte, die offensichtlich uber die ersten Jahre der Transformation aufgeschoben werden konnten. Der Ubergang von einer sozialistischen Planwirtschaft zu einer funktionierenden Markwirtschaft geriet ins Stocken.

Interessant ist es nun, sich anzuschauen, was dieses Stocken verursacht hat. Fragt man danach, welche Teilordnungen eine Marktwirtschaft konstituieren, so nennt Eucken: Flexible Preise, Vertragsfreiheit, Haftungsverpflichtung, Konstanz der Wirtschaftspolitik, stabiles Geld, Konkurrenz und privates Eigentum.[2] Keilinghaus verdichtet diese sieben Teilordnungen auf „drei Basisinstitutionen, die beim Ubergang zur Marktwirtschaft geschaffen werden mussen [...]:

- Privates Eigentum
- Wettbewerb
- Stabiles Geld.“[3]

Fur diese Arbeit mochte ich nur den ersten Punkt berucksichtigen, wobei das Hauptaugenmerk auf die Schaffung privaten Eigentums gelegt werden soll, und zwar im umfassenden Sinne. Das bedeutet, dass untersucht werden muss, auf welche Weise durch wen was privatisiert wurde und wer die neuen Eigentumer sind. Als theoretischen Hintergrund zur Analyse nutze ich dabei die Property-Rights- und die Agency-Theorie.

Meine Hypothese ist, dass durch die Schaffung privaten Eigentums sowohl in der Wirtschaft als auch im Bankensektor langerfristige Wohlfahrtssteigerungen erzielt wird. Klingt diese Hypothese auch sehr simpel, so sei ausdrucklich darauf verwiesen, dass es in der CR eine umfangreiche Verstrickung von Unternehmens- und Finanzsektor gibt[4], so dass die Verteilung von Verfugungsrechten ebenso intensiv untersucht werden muss.

Zunachst soll es in der Arbeit darum gehen darzustellen, auf welche Weise in den Privatisierungen zwischen 1991 und 1995 welche Verfugungsrechte an wen ubertragen wurden. Danach werde ich das Problem der Corporate Governance in Wirtschaft und Banken analysieren. SchlieBlich werde ich einen Ausblick geben, welche Effekte die Umstrukturierung des tschechischen Bankensektors zwischen 1997 und 2001 auf die Volkswirtschaft hat.

Absicht der Arbeit soll es sein zu zeigen, dass entgegen einer oberflachlichen Abgeschlossenheit der Transformation in der CR man bis heute einen enormen institutionellen Wandel beobachten kann, der von elementarer Bedeutung fur den langfristigen wirtschaftlichen Erfolg der CR ist.

2. Theoretische Vorbemerkungen

Verfugungsrechte sind Institutionen, das heiBt, sie „sind [.. spezielle] Spielregeln einer Gesellschaft oder, formlicher ausgedruckt, die von Menschen erdachten Beschrankungen menschlicher Interaktion.“[5] Die Spezifik der Verfugungsrechte (auch Property Rights genannt) besteht darin, dass sie die Beziehung von Personen[6] zu Ressourcen regeln. Dem entsprechend geht man von vier potenziellen Verfugungsrechten aus:

1. Das Recht, eine Ressource zu nutzen (usus);
2. das Recht, die Ertrage einer Ressource einzubehalten (usus fructus);
3. das Recht, die Form oder Substanz der Ressource zu andern (abusus)
4. alle oder einzelne der Verfugungsrechte 1-3 auf andere Personen zu ubertragen (Ubertragungsrecht)[7]

Die Verfugungsrechte konnen entweder auf eine Person beschrankt sein; sie konnen aber auch unter mehreren Personen aufgeteilt sein. Tritt letzterer Fall ein, so muss die Beziehung jeder einzelnen Person zur Ressource geregelt werden. Da nun aber mehrere Personen auf dem Plan stehen, mussen auch die Beziehungen zwischen ihnen selbst geregelt werden. Die Institutionalisierung von Inter-Personen- Beziehungen hinsichtlich einer Ressource wird in der Agency-Theorie[8] thematisiert.

3. Privatisierung

Im Falle der tschechischen Transformationsokonomie wurde in den Jahren 1990 bis heute durch den Prinzipal Staat versucht, Verfugungsrechte uber Wirtschafts- und Finanzmarktsubjekte neu zu verteilen. Der Staat als Inhaber des Ubertragungsrechts an fast 100 % der Wirtschaftssubjekte ubertrug in verschiedenen

Privatisierungsrunden sein Ubertragungsrecht an private Investoren.[9] Anders als in Polen, Ungam, der Slowakei, Russland und in anderen ehemaligen sozialistischen Staaten MOEs wurde dabei die Voucherprivatisierung als bevorzugte Methode angewendet.

Fur die Zwecke dieser Arbeit kann man die Ergebnisse der Kleinen Privatisierung sowie der Restitution ausblenden, da in diesen Privatisierungsrunden hauptsachlich kleine und mittlere Unternehmen (KMU) geschaffen beziehungsweise privatisiert wurden.[10] Uber den Verkauf bei offentlichen Auktionen erzielte der Fonds fur Nationales Eigentum (NPF) etwa 1 Mrd. US-S.[11]

Die groBen Wirtschaftssubjekte, die 90 % der staatlichen Produktionseinheiten ausmachen,[12] [13] wurden in zwei Runden (1992-1993 und 1993-1995) der GroBen Privatisierung verauBert. In einem ersten Schritt wurden die Unternehmensleitungen aufgefordert, Privatisierungskonzepte zu erarbeiten und beim neu gegrundeten Privatisierungsministerium einzureichen. Aber auch Konzepte von anderen Personen (auch auslandischen) wurden berucksichtigt. Nach einer Prufung wurden die genehmigten Konzepte und die entsprechenden Unternehmen an den NPF ubertragen.[14] Dieser war dann zustandig fur die Entflechtung und die Evaluierung der Unternehmen im Rahmen der genehmigten Privatisierungskonzepte und organisierte schlieBlich die VerauBerung.

Tabelle 1 zeigt die Einnahmen aus der GroBen Privatisierung zum 31.12.1995:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Einnahmen aus der GroBen Privatisierung zum 31.12.1995[15]

4. Die Banken

4.1. Schaffung eines zweistufigen Bankensystems

Im Bankensektor kam es bereits seit 1990 zu Umstrukturierungen. So existierte in der CSSR bis 1989 eine Monobank und mehrere Spezialbanken, die der Monobank aber unterstellt waren. Es existierten zwei Geldkreislaufe: (a) der Buchgeldkreislauf fur Verrechnungen zwischen Unternehmen entsprechend des Plans; und (b) der Bargeldkreislauf zwischen privaten Haushalten, Unternehmen und der Bank.[16] Daneben existierte noch ein abgetrennter Valuta-Kreislauf fur den AuBenhandel.

Zum 1.1.1990 wurden die Geschafte der tschechoslowakischen Monobank verteilt auf eine Zentralbank (SBC), zwei Geschaftsbanken (jeweils eine auf tschechischem und slowakischem Gebiet)[17] und eine fruhere Spezialbank[18]. Die anderen fruheren Spezialbanken wurden ebenfalls in Geschaftsbanken umgewandelt. So existierten Anfang 1990 auf tschechischem Gebiet funf Geschaftbanken: Komercni banka (KB), Ceskoslovenska obchodni banka (CSOB), Investicni banka (IB), Ceska sporitelna (CS) und die Zivnostenska banka (ZB). Die externe Institutionalisierung eines marktwirtschaftlich orientierten zweistufigen Bankensystems war vollzogen. Parallel dazu wurden die beiden Geldkreislaufe vereinigt und eine Politik des knappen Geldes eingefuhrt.

Wahrend die SBC nur noch fur die Wahrungspolitik und die Bankenaufsicht verantwortlich war sowie als Bank des Staates fungierte[19] [20], waren die neuen Geschaftsbanken, aber auch die Unternehmen mit einer veranderten Kreditpolitik konfrontiert. In der sozialistischen Planwirtschaft wurde unterschieden zwischen auBerplanmaBigen und planmaBigen Krediten. Diese betrafen aber jeweils den Bargeldkreislauf. AuBerplanmaBige Kredite dienten der Finanzierung von Planabweichungen, wahrend planmaBige der Umsatzfinanzierung dienten :

„In Verbindung mit der zeitlichen Struktur des Einkaufs der Vorleistungen, der Lohnauszahlungen und des Verkaufs der Endprodukte fielen auch in der Planwirtschaft Geldeinnahmen und Geldausgaben der Betriebe auseinander. Ahnlich wie in der Marktwirtschaft ergab sich aus der zeitlichen Verschiebung der Zahlungsstrome ein Kreditbedarf.“[21]

Aufgrund der „passive[n] Funktion [der Banken] im Sinne der Unterstutzung,

Sicherung und Kontrolle des zentralen Plans“ [22] waren Banken Verwaltungseinheiten des Staates. Sie ubernahmen keine aktive Funktion der Kapitalvermittlung. [23] Daraus ergab sich, dass ein Kredit-Stock auf Seiten der Banken auflief, der zum groBen Teil aus auBerplanmaBigen Krediten bestand, und zum Zeitpunkt der Transformation des Bankensystems Anfang 1990 die Bilanzen der neuen Geschaftsbanken belastete. Diese Belastung wird als stock problem bezeichnet.[24]

4.2. Banken und Institutionen

Mit der Preisfreigabe 1991, der daraus erwachsenden Inflation und der veranderten Funktion der Banken entstand ein komplexes Problem:

Die Geschaftsbanken agierten nun in einem Umfeld knappen Geldes und Haftungsverpflichtung und waren dadurch gezwungen sich selbst zu refinanzieren. In einem solchen Falle, der in einer Marktwirtschaft idealerweise herrscht, kann man Banken als Intermediare betrachten:

„Die volkswirtschaftliche Bedeutung von Banken besteht darin, risikobehaftete, langfristige Verbindlichkeiten der Kreditnehmer in sichere, liquide Anlagen der Sparer bei gleichzeitig verringerten Kosten der Kapitalvermittlung zu transformieren“[25]

Der Bankensektor in einer Marktwirtschaft ist ein Institutionenbundel, das die Vermittlung von Kapitalanbietern und Kapitalnachfragern zum Zwecke der Kapitalbereitstellung regelt und transaktionskostensenkend wirkt. Die Banken sind dabei Vermittlungsagenturen, Intermediare, und haben eine aktive Rolle fur das Zustandekommen der Transaktionen.[26]

In der Property-Rights-Theorie wird nun aber nicht die Ubertragung eines Gutes von einer Person zur anderen untersucht, sondern die Ubergabe von property rights. Wenn man nun annimmt, dass Institutionen Unsicherheiten reduzieren sollen[27], so ubernimmt eine Bank in einem institutionalisierten Markt die aktive Rolle der Unsicherheitsreduzierung bei der Vertragsgestaltung zwischen Kapitalanbieter und - nachfrager. Dabei sind die Geschaftsbanken lediglich Spieler, die Staatsbank und die Legislative aber Spielregelsetzer.[28]

Nimmt man nun an, dass eine Bank transaktionskostensenkend wirkt, so heiBt dies fur Geschaftsbanken, dass sie bei der Anbahnung und bei Ubertragung von property rights an Kapital, aber auch bei deren nachtraglicher Uberwachung effizienter arbeiten als einzelne Akteure. Dies bedeutet, dass sie uber Informationsvorteile gegenuber dem Kapitalanbieter als auch gegenuber dem Kapitalnachfrager verfugen.

Das Problem, das entstand, als das Finanz- und Wirtschaftssystem ab 1990 in der CSFR geandert wurde, war vor Allem ein komplexes Informationsproblem. In der sozialistischen Planwirtschaft herrschte das Problem der Unvollstandigkeit der Plane, das entstand aus einer strikten Trennung zwischen Ubertragungs- und Nutzungsrechten. Es herrschte eine asymmetrische Informationsverteilung hinsichtlich des Produktionspotenzials eines Betriebes zwischen dem Staat als Inhaber der Ubertragungsrechte (Prinzipal) und dem Management des Betriebes als Inhaber der Nutzungsrechte (Agent).[29] Der usus fructus und abusus wurden durch diesen Konflikt von der Informationsasymmetrie betroffen und konnten je nach Zugriff und Informationsstand von Prinzipal und Agent genutzt werden. Es herrschte ein ausgepragtes Verhalten von hidden action und hidden information auf Seiten der Agenten und ein Kontrollproblem auf Seiten des Prinzipals vor.[30]

Nach der Implementierung externer marktwirtschaftlicher Institutionen in der CSFR dauerte dieses Verhalten jedoch fort, was eine Prolongierung des Informationsproblems bedeutete. Fur eine effizientes und transaktionskostensenkendes Arbeiten von Banken stellte dies ein immenses Problem dar.

Um ein opportunist sches Verhalten der staatlichen Betriebe zu verhindern, sollten diese privatisiert werden. Wahrend der GroBen Privatisierung wurde so der groBte Teil der Unternehmen in eine private Rechtsform umgewandelt. Dies fuhrte dazu, dass der Anteil der privaten Unternehmen am BIP von 20,2 % im 1. Quartal 1992[31] auf 70 % 1997[32] stieg.

4.3. Der Staat als Spielregelsetzer und Spieler

Der BIP-Anteil der Unternehmen, die uber die Voucherprivatisierung (VP) verauBert wurden, machte direkt nach der GroBen Privatisierung uber 50 % aus.[33] Zwar wurde diese Methode zur Privatisierung in einem kurzen Zeitrahmen vor, wahrend und nach der Voucherprivatisierung als gerecht, schnell und effizient bezeichnet,[34] doch muss man hier unterscheiden zwischen einer Soil- und einer Ist-Situation.

Als Soil-Situation konnte man die Evaluierung der VP als gerecht, schnell und effizient bezeichnen: Das ganze Volk soll in die Privatisierung einbezogen werden, die Akzeptanz der ReformmaBnahmen dadurch erhoht werden. Die Privatisierung geht schnell vonstatten im Gegensatz zu Verkaufen an Investoren. Und effizient ist die Methode, weil durch die beinahe kostenlose Ubergabe von staatlichen Unternehmen an private Investoren kein Geld fur notige Investitionen verloren ging.[35]

Die Ist-Situation mochte ich im Folgenden aber etwas ausfuhrlicher beschreiben. Zugute halten kann man der Voucherprivatisierung, dass durch sie in verhaltnismaBig kurzer Zeit Staatsunternehmen an private Investoren uberfuhrt werden konnten.[36]

Der Gerechtigkeitsanspruch wurde durch die VP nicht erreicht. Das Interesse der Bevolkerung an der Massenprivatisierung war anfangs nicht sehr hoch.[37] Wahrend der Ausschreibungsphase fur die Privatisierungsprojekte grundeten sich jedoch spontan Investitionsgesellschaften (IC), deren Aktivitaten kurz nach der Grundung der ersten dieser Unternehmen vom Staat geregelt wurde. Die IC konnten Privatisierungsfonds (IPF) grunden, in denen die Burger ihre Investitionspunkte anlegen konnten.[38] Erst durch eine massive Werbekampagne und mehr oder weniger serioser Gewinnversprechungen der IC gegenuber den Burgern, setzte ein allerdings starkes Interesse ein. 8,54 Millionen Burger erwarben Voucherhefte und 6,13 Mrd. (ca. 72 %) von 8,54 Mrd. Investitionspunkten wurden an die IPF ubertragen, wovon 3,842 Mrd. Punkte (45 % aller Investitionspunkte) an die Fonds der sieben groBten IC gingen. Die Fondsmanager konnten in den Auktionen die von ihnen verwalteten Punkte in Unternehmensanteile umwandeln.[39]

Zwar ist die rechtliche Umwandlung von Staats- in Privatbetriebe durch die hohe Beteiligung der Bevolkerung gesichert worden, doch war die Eigentumerstruktur der formell entflechteten Unternehmen[40] nach der Privatisierung sehr verworren.

Unter den 13 groBten IC wahrend der ersten Welle der GroBen Privatisierung waren Tochtergesellschaften fast aller neuen tschechischen und slowakischen Geschaftsbanken vertreten, die durch ihre IPF einen GroBteil der Investitionspunkte verwalteten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Investitionspunkte der Tochter-IC der groBen Geschaftsbanken[41] [42] [43]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3: Anteil des NPF an den groBen Geschaftsbanken[44] [45]

Im Zuge der Privatisierung der Geschaftsbanken erwarben die IC der Geschaftsbanken auch Anteile an Konkurrenzinstituten.[46] Ein Schema fur die Eigentumerstruktur an durch die VP privatisierten Unternehmen findet man bei Eidel (2000):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Schema 1[47]

Zwar waren Ende 1995 etwa 70 % der Wirtschaft privatrechtlich organisiert, doch hatte der Staat durch Beteiligungen des NPF an den groBen tschechischen Geschaftsbanken noch Ende 1997 auf mehr als 50 % aller Unternehmen direkt oder indirekt Einfluss.[48] Dabei konnten sich die halbstaatlichen Geschaftsbanken uber ihre IPF auch untereinander beeinflussen. So war der Staat als teilweiser Eigentumer an den GroBbanken nach wie vor, wenn auch in reduzierter Form gleichzeitig Spielregelsetzer und Spieler sowohl fur den Banken- als auch fur den Unternehmenssektor. Dies kann zwar vorteilhaft fur die Implementierung von Reformen sein, [49] jedoch ergibt sich eine sehr empfindliche Anreizstruktur aus diesem Arrangement, auf die spater noch eingegangen wird.

Aufgrund der sehr verworrenen Eigentumerstruktur kann man die Voucherprivatisierung nicht als effizient bezeichnen, worauf ich aber im Folgenden zu sprechen komme.

5. Auswirkungen auf Corporate Governance

Banken und Unternehmen sind in einer Marktwirtschaft eng verbunden:

„Als Universalbanken tragen Banken [..] entscheidend zum Erfolg derartiger

Massenprivatisierungsprogramme [wie der Voucherprivatisierung; Anmerkung U.K.] im Rahmen ihres Beitrages zum Aufbau eines Systems der Unternehmenskontrolle bei.“[50]

Um zu verdeutlichen, warum und in welcher Weise Banken in einer Marktwirtschaft einen Einfluss auf die Kontrolle von Unternehmen haben, werden in Tabelle 4 die Transaktionskostenarten bei Abwicklung eines Kreditgeschafts aufgefuhrt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 4: Transaktionskostenarten bei Kreditvergabe[51]

[...]


[1] Grundlage hierfur sind die Daten aus dem Transition Report 2000 (EBRD 2000, S. 65). Zeitreihen fur das BIP der CR sind auch zu finden unter: http://www.czso.cz/csu/engedicniplan.nsf/p/1404-02 (verfugbar am 26.03.03). Vergleicht man die Daten der EBRD mit denen des Tschechischen Statistischen Amtes (CZSO) und der Tschechischen Nationalbank (CNB 2001), so stellt man Diskrepanzen hinsichtlich der Wachstumsrate um bis zu 1% fest.

[2] Vgl. Eucken 1940 und 1952

[3] Keilinghaus 1998, S. 21f.

[4] Vgl. Europaische Kommission 1999, S. 15

[5] North 1992, S. 3

[6] Als Person meine ich hier und im Folgenden eine Person im Sinne der Gesetzgebung. Person kann sowohl eine naturliche als auch eine juristische Person sein.

[7] Vgl. Ebers, Gotsch 1993, S. 194

[8] Hier sei auf die unterschiedlichen Begrifflichkeiten verwiesen. Man findet in der Literatur die Begriffe Agency-Theorie, Agentur-Theorie und Vertretungstheorie. Den Begriff Agentur-Theorie (siehe Schulze 1997, S. 13) finde ich unglucklich gewahlt, bedeutet agency doch nicht nur Agentur, sondern auch Mittel. Agenturtheorie impliziert das Vorhandensein einer Agentur, also einem Intermediar. Dieser ist jedoch nicht von Bedeutung, da es in der Agency-Theorie im eigentlichen Sinne nur um die Untersuchung von Regeln und Beziehungen geht.

[9] Zu den Privatisierungsrunden siehe: Bayer 1999, S. 224-279; Eidel, S. 187-207.

[10] Zur Kleinen Privatisierung (1991-1993) und Restitution siehe Bayer 1999, S. 224-233. Man muss anfugen, dass die meisten KMU wahrend der Kleinen Privatisierung erst entstanden. So wurden meist Unternehmensteile aus Staatsbetrieben herausgelost und als einzelne wirtschaftliche Einheiten veraubert. Dies zeigt sich auch in der Privatisierungsstatistik des CZSO (CZSO 1999, Tab. 21-1): Demnach gab es zum 1.1.1990 1.576 staatliche Betriebe bei einer Gesamtzahl von 18.837 Unternehmen. Zum 1.1.1994, nach Abschluss der Kleinen Privatisierung und Restitution, waren es 2.920 Staatsbetriebe unter 1.250.216 Unternehmen. Allerdings sei auch darauf verwiesen, dass diese Zahl hinsichtlich der Rechtsform, aber nicht der Eigentumerstruktur entspricht. Zum 31.12.1993 war der Staat an 11.113 Unternehmen beteiligt, dazu kamen 8.099 Beteiligungen durch Kommunen. Differenzierte Daten zum Jahr 1993 in: CZSO 1994, S. 358

[11] Vgl. Eidel 2000, S. 189.

[12] Vgl. ebd.

[13] Zur GroBen Privatisierung siehe Bayer 1999, S. 239-279; Brom/Orenstein 1994; Eidel 2000, S. 189­207.

[14] Mejstnk/Burger weisen darauf hin, dass es einerseits aufgrund von Zeitknappheit und Personalmangel im Privatisierungsministerium bestimmte Praferenzen hinsichtlich der Privatisierungsmethode (Voucherprivatisierung) getroffen wurden, andererseits es aber auch zu Korruptionsfallen kam. Vgl. Mejstnk/Burger 1992, S. 8-13; Bayer 1999, S. 253f.

[15] Quelle: OECD 1998, S. 51. Modifizierte Tabelle ubernommen von Eidel 2000, S. 195.

[16] Vgl. Keilinghaus 1998, S. 18.

[17] In der tschechichen Teilrepublik: Komercni banka (KB), in der slowakischen Republik: Uverova banka (UB).

[18] Investicni banka (IB)

[19] Zu den Funktionen der SBC siehe Schroder/Pieper 1996, S. 72ff.

[20] Vgl. Keilinghaus 1998, S. 15-17

[21] ebd., S. 17

[22] ebd., S. 18

[23] Vgl. ebd.

[24] Siehe Schwiete 1998, S. 214f., Keilinghaus 1998, S. 82ff.; Eidel 2000, S. 162-167; Buch 1996, 78­86, Schroder/Pieper 1996, S. 79ff. In der englischsprachigen Literatur spricht man vom stock problem, wahrend man in deutschen Publikationen die Begriffe old bad loans (Eidel), Altschulden(last) (Buch), Bestandsproblem (Keilinghaus) oder auchpermanente Kredite (Pieper/Schroder) findet.

[25] Keilinghaus 1998, S. 30

[26] Dies funktioniert nur in einem Markt, der Unvollkommenheiten aufweist, also ein Markt, auf dem Transaktionskosten anfallen. Diese Kosten entstehen aufgrund von asymmetrischer Informationsverteilung.

[27] Vgl. Schrooten/Engerer 2001, S. 4f.

[28] 8 Die Begriffe Spieler, Spiel, Spielregelsetzer verwende ich in Anlehnung an North 1992, S. 4f.

[29] Vgl. Siehl 1998, S. 21

[30] Zu den Begriffen hidden information (ex-ante-Problem) und hidden action (ex-post-Problem) siehe Hartmann-Wendels/Pfingsten/Weber 2000, S. 98ff. und Schulze 1997, S. 13f.

[31] vgl. CZSO 1994, S. 40

[32] ! vgl. EBRD 2000, S. 156

[33] Vgl. Eidel 2000, S. 196

[34] Vgl. Klaus 1990, S. 481; Bayer 1999, S. 277ff.

[35] Vgl. Bayer 1999, S. 277f.

[36] Die GroBe Privatisierung war immerhin nach dreieinhalb Jahren abgeschlossen. In Polen, wo die Voucherprivatisierung nicht in dem MaBe wie in der CR betrieben wurde, waren bis 1997 nur etwa 36 % der Mittel- und GroBunternehmen privatisiert im Gegensatz zu etwa 74 % in der CR. Vgl. Wielgohs 2001, S. 101.

[37] Vgl. Eidel 2000, S. 193 und Brom/Orenstein 1994, S. 906

[38] Voucherhefte konnten zum Preis von 1035 Kcs von jedem volljahrigen Burger der CSFR zwischen Mitte 1991 und Ende Februar 1992 erworben werden. Ein Voucherheft enthielt 1000 Investitionspunkte, die bei den Auktionen der GroBen Privatisierung eingesetzt werden konnten. Der NPF hatte im Vorfeld die zu privatisierenden Unternehmen evaluiert und die erforderlichen Investitionspunkte fur einen Unternehmensanteil festgelegt. Vgl. Brom/Orenstein 1994, S. 906; Bayer 1999, 262-279.

[39] Vgl. Brom/Orenstein 1994, S. 906f.

[40] Vgl. S. 7

[41] Im Juli 1990 gegrundet und in 100-prozentigem Besitz des Staates, wurde im September 1998 die Banklizenz entzogen und wurde danach liquidiert. Vgl. CNB 2001, S. 54

[42] GroBte IC wahrend zweiter Welle.

[43] Vgl. Brom/Orenstein 1994, S. 907f. und S. 910

[44] Vgl. FuBnote 32 in Brom/Orenstein 1994, S. 926.

[45] Vgl. FuBnote 531 in Eidel 2000, S. 199

[46] IC durften uber ihre IPF keine Anteile an der Mutterbank erwerben. Vgl. Bayer 1999, S. 267. Zu den Kreuzbeteiligungen siehe auch Brom/Orenstein 1994, S. 908

[47] Eidel 2000, S. 197.

[48] Vgl. Eidel 2000, S. 197f.

[49] Schrooten und Engerer weisen auf die Rolle des Staates sowohl als Spielregelgestalter als auch als Spieler auf dem Finanzmarkt hin. Vgl. Schrooten/Engerer 2001, S. 9

[50] Keilinghaus 1998, S. 23

[51] Hartmann-Wendels/Pfingsten/Weber 2000, S. 736

Details

Seiten
26
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638208826
Dateigröße
912 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v15889
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – ZI OEI der FU Berlin
Note
1,7
Schlagworte
Warum Effizienzproblemen Unternehmens- Bankensektor Privatisierungen Transformationen Osteuropa

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