Lade Inhalt...

Unterscheiden sich Bachelor/Master-Studenten in ihrem Aufschiebeverhalten von Diplom-Studenten? Prokrastination im studentischen Alltag

Bachelorarbeit 2010 91 Seiten

Psychologie - Lernpsychologie, Intelligenzforschung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Überblick

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Fragestellung und Zielsetzung

3 Von der Relevanz der Thematik

4 Prokrastination, Psychologie und Motivation

5 Der Begriff und seine Bedeutung in der Geschichte

6 Typologie der Prokrastination
6.1 Der Versuch einer definitorischen Abgrenzung
6.2 Formen
6.2.1 Alltags-Prokrastination
6.2.2 Akademische Prokrastination
6.2.3 Alltags-Prokrastination und akademische Prokrastination - Eine Gegenüberstellung

7 Synonyme Wortbedeutungen

8 Die psychologischen Facetten der Prokrastination
8.1 Betroffene
8.2 Ursachen und Gründe
8.2.1 Ängste
8.2.2 Interesse
8.2.3 Irrationale Überzeugungen
8.2.4 Persönlichkeitsstruktur “Typ A“
8.2.5 Problematisches Selbstbild
8.2.6 Falsche Aufgaben
8.2.7 Arbeitsfeindliche Einstellungen
8.2.8 Perfektionismus
8.2.9 Selbstregulation und Selbsteffektivität
8.2.10 Beurteilungssystem
8.3 Folgen
8.3.1 Psychologische Effekte
8.3.2 Studium
8.3.3 Stress und Krankheit
8.3.4 Arbeitsleistung
8.4 Prozess

9 Prokrastination im Abhängigkeit vom Aufgabentypus

10 Ist Prokrastination immer negativ?

11 Empirische Forschungsansätze zur Prokrastination
11.1 Ein Überblick zur Forschungslandschaft
11.2 Die Ausgestaltung einiger Ansätze

12 Was ist Ratgeberliteratur? Eine Überblick

13 Beurteilung der Ratgeberliteratur!

14 Ein eigener qualitativer Forschungsansatz!
14.1 Über die Relevanz der Fragestellung
14.2 Methodik der empirischen Untersuchung
14.2.1 Zusammensetzung der Stichrobe
14.2.2 Instrument und Vorgehensweise
14.2.3 Aufzeichnung der Ergebnisse
14.3 Auswertung der Ergebnisse
14.3.1 Zusammenfassung der Ergebnisse
14.3.2 Verallgemeinerung und kritische Diskussion
14.3.3 Die Ergebnisse im Vergleich mit der Literatur
14.3.4 Anregungen und Möglichkeiten für zukünftige Forschungsprojekte

15 Fazit!

Literaturverzeichnis!

Anhang 1: Deutsche Fassung des Aitken Procrastination Scale (APS 1982 zit. n

Helmke/Schrader 2000, S. 215)

Anhang 2: Deutsche Fassung der „Aitken Procrastiantion Scale“ (APS) auf qualitativer Ebene

Anhang 3: Deutsche Fassung des „Academic Procrastination State Inventory“

(APSI,Schouwenbrug 1995 zit. n. Helmke/Schrader 2000, S. 217)

Anhang 4: Ergebnisse des Interviews mit IP 1

Anhang 5: Ergebnisse des Interviews mit IP 2

Anhang 6: Ergebnisse des Interviews mit IP 3

Anhang 7: Ergebnisse des Interviews mit IP 4

Anhang 8: Ergebnisse des Interviews mit IP 5

Anhang 9: Ergebnisse des Interviews mit IP 6

Anhang 10: Ergebnisse des Interviews mit IP 7

Anhang 11: Ergebnisse des Interviews mit IP 8

Anhang 12: Ergebnisse des Interviews mit IP 9

Anhang 13: Ergebnisse des Interviews mit IP 10

Überblick

Diese Bachelorarbeit setzt sich mit theoretischen und praktischen Aspekten zur Thematik der “Prokrastination“ auseinander. Für den praktischen Teil wurde die Frage untersucht, ob sich Bachelor/Maste-Studenten hinsichtlich ihres Aufschiebeverhaltens von Diplom-Stu­denten unterscheiden. Diese Fragestellung wurde mit Hilfe von fünf Studenten aus den jeweiligen Studiengängen in Form von qualitativen Interviews nachgegangen. Stark ver­einfacht besagen die Ergebnisse, dass keine Unterschiede zwischen diesen beiden Gruppen existieren. Die Untersuchungsteilnehmer gaben dabei eine breite Palette von Antworten auf die Interviewfragen wieder. Als Begründung für das Aufschiebeverhalten wurde dabei häufig ein Zusammenhang mit der zu bewältigenden Aufgabe oder den äußeren Umstän­den während der Bearbeitung hervorgehoben. Arbeitsförderlich hingegen sind Spaß und Interesse an der gestellten Aufgabe. Auch der Zeitfaktor spielte - besonders bei dem Ba­chelor/Master-Studiengang - eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Handlungspsychologische Phasen-Abfolge nach Heckhausen und Gollwitzer (Helmke/Schrader 2000, S. 210)

Abbildung 2: Startseite des HSU-Boards mit den verschiedenen Diskussionsbereichen (vgl. https://board.hsu-hh.de/vbulletin/)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Phaseninhalte des Handlungspsychologischen Modells nach Heckhausen und Gollwitzer (Helmke/Schrader 2000, S. 210)

Tabelle 2: Überblick über die Forschungsansätze, die sich mit Prokrastination auseinandersetzen

Tabelle 3: Überblick über die Ratgeberliteratur, die sich mit Prokrastination auseinandersetzen

Tabelle 4: Zusammensetzung der Stichprobe für die Untersuchung

Tabelle 5: Eigene Auswertung Frage 2

Tabelle 6: Eigene Auswertung Frage 3

Tabelle 7: Eigene Auswertung Frage 4

Tabelle 8: Eigene Auswertung Frage 5

Tabelle 9: Eigene Auswertung Frage 6

Tabelle 10: Eigene Auswertung Frage 7

Tabelle 11: Eigene Auswertung Frage 8

Tabelle 12: Eigene Auswertung Frage 9

Tabelle 13: Eigene Auswertung Frage 10

Tabelle 14: Eigene Auswertung Frage 11

Tabelle 15: Eigene Auswertung Frage 12

Tabelle 16: Eigene Auswertung Frage

Tabelle 17: Eigene Auswertung Frage 14

Tabelle 18: Eigene Auswertung Frage 15

Tabelle 19: Eigene Auswertung Frage 16

Tabelle 20: Eigene Auswertung Frage 17

Tabelle 21: Eigene Auswertung Frage 18

Tabelle 22: Eigene Auswertung Frage 19

Tabelle 23: Eigene Auswertung Frage 20

Tabelle 24: Eigene Auswertung Frage 21

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Aus den letzten Trimestern habe ich gelernt, diesmal wird alles anders laufen. Ich werde regelmäßig meine Aufgaben nachbereiten und mit Hausarbeiten und Essays so früh wie möglich beginnen, damit ich mich am Ende des Trimesters in Ruhe auf die anstehenden Klausuren vorbereiten kann. Doch es läuft wie jedes Trimester. Zu Beginn weiß ich gar nicht mehr, wohin mit der vielen Zeit, und nur eins steht dabei für mich eigentlich immer fest: Es reicht auch, sich mit den universitären Aufgaben erst in der zweiten Hälfte des Trimesters zu beschäftigen. Wenn ich dann damit beginne, ist immer noch mehr als genug Zeit, alles zu meiner vollsten Zufriedenheit zu erledigen. Doch fast schon traditionell zeigt sich zum Ende eines jeden Trimesters ein identisches Bild: Meine Freunde sehen mich kaum noch und wenn, dann beschwere ich mich darüber, dass ich schon wieder so viel zu tun haben und eigentlich nur noch für die Universität lebe. Schnell richtet sich mein Ärger dann auch auf die neuen Bachelor/Master-Studiengänge, denn im Diplom-Studiengang war schließlich alles besser. Aber womit lässt sich ein solches Verhalten begründen, zumal man sich doch bereits mehrfach bewusst vor Augen geführt hat, dass dieser Aufgabenstau eine suboptimale Arbeitsstrategie darstellt - ja man vielleicht sogar schon mehrfach die negati­ven Konsequenzen eines solchen Verhaltens zu spüren bekommen hat? Ganz allgemein gesprochen: Was hält Menschen eigentlich davon ab, die selbst auferlegten Fristen strikt einzuhalten? Warum erledigen sie dann auf einmal Dinge, die vorher nahezu keinerlei Re­levanz besaßen (Putzen, Aufräumen usw.) und nun eine willkommene Abwechslung dar­stellen?

Prokrastination, ein Phänomen welches die meisten von uns wohl eher unter dem Begriff “Aufschieberitis“ oder Formulierungen wie “etwas vor sich herschieben“ kennen, ist in der Gesellschaft weit verbreitet. Auch ich neige dazu, Dinge bewusst vor mir herzuschieben, habe mir über dieses Verhalten jedoch nie Gedanken gemacht. Schließlich zeigen die mei­sten meiner Kommilitoninnen und Kommilitonen ein ähnliches Verhalten. Erst im Verlauf des Wintertrimesters 2010 erfuhr ich im Rahmen des Seminars “Beratung in Erziehungs­und Bildungsfragen“ mehr über diese Thematik und dort wurde ich mit dem wissenschaft­lichen Fachbegriff “Prokrastination“ zum ersten Mal konfrontiert. Mein Interesse für die­ses Forschungsgebiet wurde umgehend geweckt und so beschloss ich recht schnell, auch meine Bachelor-Arbeit über dieses Gesellschaftsphänomen zu verfassen.

Ziel dieser Arbeit soll nicht sein, der Leserschaft einen Leitfaden an die Hand zu geben, mit dem sie ihr Arbeitsverhalten ändern können. Im Laufe der Bearbeitung wurde schnell deutlich, dass dies bis dato noch nicht einmal - trotz zahlreicher sinnvoller Ansätze - der Wissenschaft gelungen ist. Sie soll jedoch dazu beitragen, dass sich die betroffenen Perso­nen selber besser kennenlernen und ihr eigenes Verhalten reflektieren können.

Diese Ausarbeitung habe ich daher in zwei große Themenbereiche gegliedert: Im ersten Block erfolgt die Vermittlung theoretischer Grundlangen, im zweiten dann die Veran­schaulichung mit Hilfe eines eigenen qualitativen Forschungsansatz, mit dem der Frage nachgegangen wird, ob sich Bachelor/Master-Studenten hinsichtlich ihres Aufschiebever- haltens von Diplom-Studenten unterscheiden.

Der theoretische Teil untergliedert sich dabei in zehn Kapitel. In Kapitel 2 wird die Frage­stellung und Zielsetzung dieser Arbeit näher erläutert, um anschließend in Kapitel 3 auf die eigentliche Relevanz der Thematik einzugehen. Daraufhin wird in Kapitel 4 eine Verknüp­fung zwischen Prokrastination, Psychologie und Motivation vorgenommen, da zwischen diesen unterschiedlichen Konzepten wichtige Interdependenzen bestehen. Ein kurzer Ab­riss zur Geschichte von Prokrastination erfolgt in Kapitel 5. Die Typologie in Kapitel 6 bildet einen sehr wichtigen Teil dieser Arbeit. Hier geht es u. a. um den Versuch einer de- finitorischen Abgrenzung und die Untergliederung in verschieden Ausprägungsformen. Für ein hinreichendes Verständnis sind die Erläuterungen zu den synonymen Wortbedeu­tungen in Kapitel 7 sehr wichtig, da Prokrastination kaum unter diesem wissenschaftlichen Fachbegriff bekannt ist. Anschließend folgen mit Kapitel 8 die psychologischen Facetten der Prokrastination. Hier werden die Betroffenen stärker fokussiert sowie die Ursachen und Folgen näher beleuchtet. Diese sind u. a. auch direkt verknüpft mit dem zu bearbeitenden Aufgabentypus, der in Kapitel 9 näher definiert wird. Den Abschluss bildet mit Kapitel 10 die Beantwortung der Frage, ob Prokrastination eigentlich immer als etwas Negatives be­trachtet werden muss.

Im eher praktisch orientierten Teil werden in einem ersten Schritt einige empirische For­schungsansätze, die bereits zu dieser Thematik existieren, aufgezählt und z. T. auch näher erläutert (Kapitel 11). Daran schließt direkt eine systematische Übersicht über die sich auf dem Markt befindende Ratgeberliteratur an (Kapitel 12), die daraufhin in Kapitel 13 ge­nauer analysiert wird. Mit Kapitel 14 folgt ein eigener qualitativer Forschungsansatz, für den ich mit jeweils fünf Studenten des Bachelor/Master-Studiengangs „Bildungs- und Er­ziehungswissenschaften“ und fünf Studenten des Diplom-Studiengangs „Pädagogik“ (hier­bei handelt es sich um inhaltlich absolut identische Studiengänge) ein Interview mit Hilfe des APS (Aitken Procrastination Scale) durchgeführt habe. Die Ergebnisse werden an­schließend ausführlich diskutiert, kritisch hinterfragt und mit der Literatur verglichen. Ab­schließend folgen Ideen und Anregungen für zukünftige Forschungsprojekte. Die Arbeit schließt mit einem Fazit in Kapitel 15 ab.

Noch Kurz ein paar Erläuterungen zum Verfassungsstil dieser Arbeit: Bei der Verwendung der Ich-Form habe ich mich auf die Einleitung und das Fazit beschränkt, um hier die eige­nen Fragestellungen, Zielsätzungen und abschließenden Bemerkungen genauer hervorzu­heben. Im Hauptteil wurde aufgrund des wissenschaftlichen Anspruchs dieser Arbeit, eine möglicht objektive Darstellung zu liefern, sowie einer angemessenen Distanziertheit des Autors auf die Verwendung der Ich-Form verzichtet. An den Stellen, an den scheinbar nur eine männliche Klientel angesprochen wird, ist diese Lesart zu vernachlässigen, da auch Frauen hier mit angesprochen werden.

2 Fragestellung und Zielsetzung

In diesem Kapitel werden zunächst die beiden Kernpunkte dieser Arbeit vorgestellt. Die Fragestellung wird hier jedoch nur am Rande behandelt und erst zum Beginn des Praxis­teils (Kapitel 14) näher erläutert. Anschließend erfolgt mit der Formulierung der Zielset­zung eine genaue Ausdifferenzierung, was mit dieser Arbeit erreicht werden soll und wer letztendlich einen Nutzen daraus ziehen kann.

Mit der Fragestellung, ob sich Bachelor/Master-Studenten von Diplom-Studenten hin­sichtlich ihres Aufschiebeverhaltens unterscheiden, wird nicht das Ziel verfolgt aufzuzei­gen, dass eine der beiden Strukturen des jeweiligen Studiensystems (BA/MA oder Diplom) besser oder gar schlechter ist. Es geht auch nicht darum, das Maß an “akademischer Frei­heit“ zu beurteilen oder die letzten Studenten des Diplom-Studiengangs der HSU als etwas Besonderes herauszustellen. Gerade an der HSU wird häufig genau dies propagiert, was sicherlich auch ein Stück weit in der Natur der Sache liegt. Es geht im Kern darum, ob die Umstellung der Studiengänge zu markant unterschiedlichem Aufschiebeverhalten geführt hat. Wie man hier bereits erkennen kann, wird es im Schwerpunkt dieser Forschungsfrage also um Prokrastination im akademischen Kontext gehen. Es sollen jedoch nicht nur an der Fragstellung interessierte Personen einen Nutzen aus dieser Arbeit für sich ziehen können.

Eine Zielgruppe stellt die Leserschaft dar, die sich grundsätzlich für diese Thematik inter­essiert. Hierfür ist es keine Voraussetzung, an einer Universität oder Fachhochschule zu studieren, da neben der akademischen auch die Alltags-Prokrastination behandelt wird. Aufschlussreich wird es für den Leser genau dann, wenn er sich mit den dargestellten Si­tuationen identifizieren und sich im Idealfall selber in die Lage versetzen kann, neue Seiten und Einstellungen an sich zu entdecken. Daher sollen besonders die Studienteilnehmer des qualitativen Forschungsansatzes angesprochen werden, die durch ihre Unterstützung einen nicht unwesentlichen Teil zur Entstehung dieser Arbeit beigetragen haben. Sie sind es, die durch die Reflektion ihres eigenen Verhaltens vermutlich den größten Nutzen aus dieser Arbeit für sich selber ziehen können.

Zusammenfassend gesagt, sollen die LeserInnen dieser Arbeit einen umfangreichen Ein­blick in die Thematik bekommen und sehen, wie Studenten verschiedener Studiensysteme mit dem Thema Prokrastination umgehen, um daraus ggf. Schlüsse für das eigene Handeln zu ziehen, einen Überblick über die Forschung zur Thematik zu gewinnen und schließlich einen Eindruck über die am Markt befindliche Ratgeberliteratur zu bekommen.

3 Von der Relevanz der Thematik

Wie die vorangegangenen Formulierungen bereits zeigten, besitzt das Thema Prokrastina- tion nicht nur für Studenten, sondern auch für “alle anderen Personen“ einen sehr großen Bedeutungsgehalt. So lässt sich nicht nur das eigene, sondern auch das Verhalten von an­deren Personen genauer analysieren. Sowohl auf dem Arbeitsmarkt, als auch im Studium ist dies ein nicht zu unterschätzender Faktor, der für Erfolg bzw. Misserfolg den richtung­weisenden Ausschlag geben kann. Gerade unter dem Aspekt der alltäglichen Arbeit, also dem Nachgehen einer festen Tätigkeit, rückt Prokrastination schnell in den Fokus der Be­trachtungen, denn rund die Hälfte unseres bewussten Lebens verbringen wir bei der Arbeit und sehen uns dort Täglich mit der Herausforderung von fremd- oder selbstgestellten Auf­gaben konfrontiert (vgl. Reinhardt 2008, S. 68). Aufgrund einer hierzulande schier unüber­schaubaren Masse an sich auf dem Markt befindender Ratgeberliteratur (Kapitel 12) liegt die Vermutung nahe, Prokrastination sei auch hier ein altbekanntes psychologisches Kon­strukt. Im Gegensatz zum angloamerikanischen Raum ist dieses Phänomen hierzulande jedoch nahezu unbekannt und vor allem auch unerforscht (vgl. Helmke/Schrader 2000, S. 208) . Auch wenn die Thematik in der hiesigen Wissenschaft noch keine allzu große Rolle spielt, soll hier jedoch nicht der Eindruck vermittelt werden, dass sie sich diesem For­schungsgebiet gegenüber verschließt. Vielmehr wird dadurch deutlich, welch enormen Fundus an Informationen und Herausforderungen Prokrastination noch für die Forschung bereithält.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass dieser Bereich in der Psychologie zukünftig - und dies gilt besonders für den deutschsprachigen Raum - an Bedeutung gewinnen wird. Dies lässt sich nicht zuletzt dadurch begründen, dass die angloamerikanische Forschung gezeigt hat, wie facettenreich dieser Forschungsbereich ist (vgl. Helmke/Schrader 2000, S. 209) . Und noch ein Punkt spricht für die Relevanz dieses Themas: „Everyone may procra­stinate at some occasion (...).“ (van Erde 2002, S. 1402) Im Laufe eines Lebens ist also niemand davor gefeit, irgendwann einmal von Prokrastination betroffen zu sein. Diese These wird durch DeWitte und Schouwenburg zusätzlich bestätigt: „Everybody procrasti­nates from time to time.“ (DeWitte 2002, S. 469)

4 Prokrastination, Psychologie und Motivation

Die moderne Psychologie beschreibt Prokrastination als eine Art der Arbeitsstörung. (vgl. Reinhardt 2008, S. 69) Kauß geht noch einen Schritt weiter und erläutert, dass die Psy­chologie Prokrastination als negatives Phänomen, als Persönlichkeitsstörung, als Krankheit klassifiziert. (vgl. Kauß 2008, S. 100) Obwohl bereits lange bekannt (Kapitel 5), scheint die Psychologie diesen Bereich lange Zeit nahezu vollständig ausgeblendet zu haben. Heute wird Prokrastination als eine Form der Arbeitsstörung[1] klassifiziert. Das Aufschie­ben wird dabei durch zwei Faktoren bedingt: auf der einen Seite durch den personeneige­nen Charakter und auf der anderen Seite durch den gestellten Aufgabentypus (Kapitel 9). (vgl. Reinhardt 2008, S. 69) Gerade durch diese beiden Einflussfaktoren des Aufschiebe- verhaltens lässt sich Prokrastination einem fest definierten psychologischen Bereich zu­ordnen: der Motivationspsychologie.

Das nicht einhalten von Fristen, mangelnder Ehrgeiz etc. reichen jedoch meist nicht mehr zur Erklärung dieses Phänomens aus. Daher versucht man, anstatt globaler Eigenschaftszu­schreibungen, die ohne Frage einen stark wertenden Charakter besitzen, prozess- und ver­haltensnahe motivationale Konstrukte heranzuziehen. Diese sollten im Idealfall dazu in der Lage sein, Bruchstellen zwischen Denken und Handeln aufzuzeigen. (vgl. Helmke/Schrader 2000, S. 207) Mit einem Blick auf motivationspsychologische Konzepte, welche für den Lernerfolg eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen und somit auch den direkten Zusammenhang von Motivation und Prokrastination verdeutlichen, wird eines schnell deutlich: Mangelnde Selbstwirksamkeit oder sogar ein ungünstiges Selbstkonzept könnten dafür verantwortlich sein, dass Handlungen erst unter wachsendem Druck vollzo­gen werden. (ebd., S. 208) Der Begriff der Motivation hat dabei eine Doppelbedeutung: Er bezieht sich sowohl auf das Phänomen des Wollens als auch das des Wählens. Im Kern geht es also um die Regulation der Willensanstrengung. (vgl. Gollwitzer 1991, S. 17)

5 Der Begriff und seine Bedeutung in der Geschichte

Ist Prokrastination ein reines Problem der Gegenwart? Ist dieses Phänomen vielleicht auch erst durch gesellschaftliche Entwicklungen wie z. B. die Industrialisierung ausgebildet worden? Für diese These würde zumindest die Tatsache sprechen, dass viele Menschen in der damaligen Zeit (zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts) aufgrund mangelnder Arbeitsper­spektiven ein tristloses Dasein, einhergehend mit Perspektivlosigkeit und einem damit ver­bundenen “Sich-Treiben-Lassen“ pflegten. So verweist Steel (2007) darauf, „(...) that pro­crastination has existed throughout history, but that it only acquired in truly negative con­notations with the advent of the industrial revolution (ca. 1750).“ (Steel 2007, S. 65) Denn bis zum Beginn der industriellen Revolution verstand man unter Prokrastination eine kluge und somit als positiv zu bewertende Verschiebung von militärischen Truppenteilen. (vgl. Helmke/Schrader 2000, S. 207) Steel weist jedoch auch auf Folgendes hin: „It is and has long been a prevalent problem“ (Steel 2007, S. 66), was auch durch König und Kleinmann (2004) bestätig wurde.

Ein anderes Bild zeichnet jedoch die Wissenschaft, die sich erst seit einigen Jahrzehnten mit der konkreten Erforschung dieser Thematik beschäftigt, sich deren Existenz aber schon seit Langem bewusst ist. (vgl. Reinhardt 2008, S. 69) Der Forschungszeitraum wird daher auch keinesfalls der geschichtlichen Tragweite dieses Phänomens gerecht. Milgram und Tenne (2000) grenzen diesen Zeitraum weiter ein: „Procrastination has a long history and a short scientific past that goes back about 10 - 15 years.“ (Milgram/Tenne 2000, S. 141) Sie zeigen also, wie lange Prokrastination bereits als Gesellschaftsphänomen bekannt ist und welch geringer Forschungszeitraum dem gegenübersteht.

Prokrastination als Phänomen lässt sich in der Geschichte sehr weit zurückverfolgen: Etwa 800 v. Chr. - also vor ca. 3000 Jahren - mahnte bereits der griechische Dichter Hesiod: „Ein Mann, der seine Arbeit verschiebt, steht immer mit einem Bein im Ruin.“ Um 400 v. Chr. ging sein Landsmann, der Gelehrte Thukydides, sogar noch einen Schritt weiter und beschrieb Prokrastination als die verwerflichste aller Charaktereigenschaften. Sie tauge seiner Meinung nach nur, um einen Krieg zu erklären. (vgl. Reinhardt 2008, S. 69) Hiermit bezog er sich vermutlich auf die logistischen Herausforderungen und Anpassungsprozesse, die immer mit einem Krieg verbunden sind (z. B. Umstellung der Wirtschaft auf die Pro­duktion von Rüstungsgütern), um die Planungen und Vorbereitungen bis zum letzten Mo­ment hinauszuzögern. Auch Cicero, seines Zeichens Konsul der Stadt Rom 44 v. Chr., de­nunzierte seinen Gegenspieler Marcus Antonius: „In the conduct of almost every affair slowness and procrastination are hateful.“ (Steel 2007, S. 67) Ferrari (1994) beschreibt Prokrastination sogar als „one of the least understood miseries.“ (Ferrari 1994, S. 65)

Dieser kurz gehaltene Längsschnitt über Prokrastination und ihre Bedeutung in der menschlichen Geschichte zeigt, dass sie ein archetypisches Problem zu sein scheint. (vgl. Steel 2007, S. 68) Daher ist es als umso kritischer zu beurteilen, dass die Wissenschaft diesem Thema immer noch nicht die eigentlich erforderliche Beachtung geschenkt hat.

6 Typologie der Prokrastination

Obwohl - wie bereits dargestellt - Prokrastination in der Forschung erst seit relativ kurzer Zeit eine Rolle spielt, existiert bereits eine beträchtliche Anzahl von Ratgerbern, Artikeln und Forschungsstudien zu diesem Thema. Im folgenden Kapitel geht es daher um eine De­finition des Begriffs Prokrastination. Dazu wird in einem ersten Schritt die lateinische Wortherkunft erläutert, um daran anschließend auf einzelne Definitionen näher einzugehen (Kapitel 6.1). Es wird recht schnell deutlich werden, dass es viele mögliche Definitionsan­sätze gibt und dass diese von Autor zu Autor variieren können. (vgl. Schraw et al. 2007) Daher wird es nicht möglich sein, alle Ansätze zu betrachten. Die getroffene Auswahl wird jedoch die Unterschiede anschaulich verdeutlichen. Im Kern werden dann verschiedene Formen aufgezählt (Kapitel 6.2), die Alltags- und die akademische Prokrastination näher erläutert (Kapitel 6.2.1 und 6.2.2) und anschließend in Beziehung zueinander gesetzt (Ka­pitel 6.2.3).

6.1 Der Versuch einer definitorischen Abgrenzung

Um die Definition des Wortes Prokrastination zu verstehen, gilt es in einem ersten Schritt seine Herkunft zu klären. Prokrastination kommt aus dem Lateinischen von “procrasti- nare“, was so viel wie „vertagen“ oder „verschieben“ bedeutet. (vgl. PONS 2007, S. 209)

Definitionen zum Thema Prokrastination scheint es wie den sprichwörtlichen “Sand am Meer“ zu geben. Daher wird an dieser Stelle auch nur ein verhältnismäßig kurzer Über­blick, gemessen an der theoretischen Anzahl von Definitionen, gegeben. Prokrastination an dieser Stelle möglichst neutral zu formulieren, fällt jedoch relativ schwer, zumal es eine grundsätzlich negativ konnotierte Eigenschaft zu sein scheint, die in der Gesellschaft zwar nicht tabuisiert, aber zumindest doch größtenteils geächtet wird. Wie sonst lässt sich be­gründen, dass Prokrastination als Lehnwort bis heute in keinem Wörterbuch auftaucht? (vgl. Kauß 2008, S. 35).

DeWitte und Schouwenburg (2002) gehen den Versuch einer Definition sehr wissen­schaftlich an und definieren, dass „Procrastinators tend to score high on questionnaires measuring the personality trait procrastination, while punctual people tend to score low“ (DeWitte/Schouwenburg 2002, S. 469). Diese Definition ist natürlich sehr weit entfernt vom alltäglichen Sprachgebrauch und bildet nahezu nur die wissenschaftliche Seite ab. „Nach einer gängigen Definition befindet man sich beim Prokrastinieren im Konflikt zwi­schen dem, was man tun sollte, und dem, was man tun will, und dieser Konflikt wird zu schnell und zu oft zugunsten dessen gelöst, was man lieber tun will“ (Rist et al. 2006, S. 70) ist eine Definition, die wesentlich näher an der Alltagssprache angelehnt ist und daher auch als Grundlage für diese Arbeit genutzt wird. Die folgenden Darstellungen werden jedoch auch verdeutlichen, dass eine formale Abgrenzung ein nicht zu unterschätzendes Unterfangen darstellt.

6.2 Formen

Wenn man einmal versucht, sich vom definitorischen Kontext zu lösen, lassen sich zwei gängige unterschiedliche Ausprägungen von Prokrastination feststellen: Alltags-Prokrasti- nation und akademische Prokrastination. In der Forschung wird häufig nur zwischen diesen beiden Formen unterschieden. (vgl. Helmke/Schrader 2000, Rist et al. 2006, Steel 2007, Schraw et al. 2007, Reinhardt 2008)

Es existieren jedoch auch andere Ansätze, die hier kurz aufgezählt aber nicht näher erläu­tert werden sollen. Sie tragen daher eine reine Überblicksfunktion. So wird vereinzelt der Vorschlag einer Einteilung nach dem bewusstem “Vermeiden“ bzw. “Nichterledigen“ von Aufgaben („passive or avoidant procrastinators“) und dem “Warten bis zur letzten Minute“ („arousal procrastinators“) publiziert. (vgl. Chu/Choi 2005). Eine weitere Möglichkeit ist die Untergliederung in akademische („academic“), alltägliche („life routine“), entschei­dungspraktische („decisional“) und zwanghafte („compulsive“) Prokrastination. (vgl. Mil­gram/Tenne 2000). Ein dritter Ansatz ist die Aufsplittung in vermeidende („avoidant“), erregende („arousal“) und entscheidungspraktische („decisional“) Prokrastination (vgl. Harriott/Ferrari 1996), wobei die erregende und die entscheidungspraktische Prokrastina­tion auch bei anderen Autoren Anklang finden. (vgl. Ferrari/Callaghan/Newbegin 2005) Rückert hingegen schlägt eine Untergliederung in “allgegenwärtiges, harmoloses Auf­schieben“, “problematisches Aufschieben“, “hartes Aufschieben[2] “ und “die Blockade“ vor. (vgl. Rückert 2001, S. 20 ff.) Chu und Choi (2005) schlagen mit einer Unterteilung in ak­tive und passive Prokrastinatoren eine weitere Alternative vor. Dabei sind passive Prokra- stinatoren häufig nicht in der Lage, Aufgaben innerhalb eines bestimmten Zeitfensters zu erledigen, wobei aktive Prokrastinatoren gerade diesen Druck brauchen und daher auch bis zur letzten Minute warten, bis sie mit der Bearbeitung einer Aufgabe beginnen. (Chu/Choi 2005, S. 245)

Als Konsequenz dieser vielfältigen Unterteilungsmöglichkeiten schlagen Rist et al. vor, keine Untergliederung nach Typen, sondern von verschiedenen Ausprägungen der Prokra- stination im Verlaufe der Zeit zu sprechen. (vgl. Rist et al. 2006, S. 68) Auch van Erde schlägt vor, dass es zweckdienlicher wäre, für die Klassifizierung des Aufschiebeverhal- tens die psychologische Funktion der Situation genauer zu spezifizieren und zu entschei­den, ob überhaupt allgemein gültige Aussagen situationsintern oder situationsübergreifend gemacht werden können. (vgl. van Erde 2000, S. 375)

Trotz dieser vielfältigen Differenzierungsmöglichkeiten wird im Folgenden - wenn auch nur in kurzer Form - näher auf die Alltag- und die akademische Prokrastination eingegan­gen.

6.2.1 Alltags-Prokrastination

Nach Rist et al. handelt es sich bei der Alltags-Prokrastination „um eine Störung der Selbststeuerung, an der affektive, kognitive und motivationale Faktoren beteiligt sind“ (Rist et. al. 2006, S. 64). Solomon und Rothblum hingegen lassen andere Ursachen unbe­rücksichtigt und definieren Prokrastination als „the act of needlessly delaying tasks to the point of experiencing subjektive discomfort“ (Solomon/Rothblum 1984, S. 503). Für Fer­rari und Tice ist es hingegen „(the) delay in the start and/or completion of a task“ (Fer­rari/Tice 2000, S. 73). Im Folgenden wird sich jedoch auf die Definition von Steel gestützt, der die Aspekte mehrerer Definitionen zu einer neuen zusammenfasst: „(...) to procrasti­nate is to voluntarily delay an intended course of action despite expecting to be worse of for the delay“ (Steel 2007, S. 66). Sie ist weder zu sehr vom wissenschaftlichen Kontext geprägt, kann also auch von Laien leicht nachvollzogen werden, noch zielt sie überpropor­tional stark auf ein kognitiv abstraktes Niveau ab.

Wie bereits eingangs formuliert, handelt es sich hierbei um eine Auswahl von einigen De­finitionen. Sie zeigen aber bereits, wie uneinig sich die Forschung über eine einheitliche Definition ist. Besonders deutlich lässt sich das daran erkennen, dass einige Autoren versu­chen, Prokrastination mit anderen Persönlichkeitseigenschaften in Verbindung zu setzen.

6.2.2 Akademische Prokrastination

Akademische Prokrastination unterscheidet sich in dem Maße von der Alltags-Prokrasti­nation, dass sie überproportional häufig bei Studierenden auftritt. Sie sind jedoch nicht die einzigen, die es betrifft, denn Selbiges gilt auch für Selbstständige und Freiberufler. Warum betrifft es aber gerade diese Gruppen? Dies ist vor allem zwei Aspekten geschul­det: Zum einen werden eigene zeitliche Fristen (z. B. die Anfertigung eines Referats bis zum Wochenende) kaum von anderen auf die Einhaltung kontrolliert und zum anderen wird man für eine Nicht-Einhaltung dieser Frist auch in naher Zukunft nicht zur Rechen­schaft gezogen werden. Die negativen langfristigen Folgen müssen natürlich trotzdem ge­tragen werden. (vgl. Reinhardt 2008, S. 69)

Nach Alexander und Onwuegbuzie bezieht sich „academic procrastination (...) to the postmonement of academic goals to the point where optimal performance becomes highly unlikely“ (Ellis/Knaus 1977, zit. n. Alexander/Onwuegbuzie 2007, S. 1301). Tan et al.

hingegen berücksichtigen mit den Folgen für die Arbeitsleistung auch äußere Einflussfak­toren und beschreiben Prokrastination „as delaying the start for a task that one eventually intends to complete until he or she experiences emotional discomfort about not having per­formed the activity earlier“ (Lay/Schouwenburg 1993, zit. n. Tan et. al. 2008, S. 135). Eine sehr “greifbare“ Definition ist die von Tuckmann. Er stellt dabei besonders den Zeitaspekt heraus: „Academic Procrastination is regarded as a dispositional trait that can have parti­cularly serious consequences for students, whose lives are characterized by frequent dead­lines“ (Tuckman 2002, S. 2). Diese letztgenannte Definition wird als Grundlage für die weitere Bearbeitung dienen, da sie, ähnlich wie die Definition der Alltags-Prokrastination (siehe Kapitel 6.2.1), nicht in einem großen Maß von wissenschaftlichen Fachtermini durchzogen ist, sondern sich sehr plastisch darstellt.

6.2.3 Alltags-Prokrastination und akademische Prokrastination - Eine Gegenüberstellung

Gibt es nun eklatante Unterschiede zwischen den beiden Definitionstypen? Auch wenn in der Literatur zwischen Alltags-Prokrastination und akademischer Prokrastination unter­schieden wird (siehe Kapitel 6.2.1 und 6.2.2), lässt sich dies häufig durch unterschiedliche Forschungsausrichtungen bzw. Forschungsgebiete begründen. Obwohl der Forschungs­schwerpunkt auf dem Aufschiebeverhalten im akademischen Kontext liegt, beschäftigt sich auch ein geringer Bereich der Forschung mit der Alltags-Prokrastination. (vgl. Rist et. al. 2006, S. 64) Obschon sich - bezogen auf die Alttags- und akademische Prokrastination - also definitorische Unterschiede erkennen lassen, sind es doch gerade die Konsequenzen dieses Verhaltens, die beide Gruppen wieder einen. So ist die Folge in beiden Fällen u. a. Stress, denn wer nicht im Stande ist, seine Arbeit pünktlich abzugeben oder dies nur in mangelhafter Qualität kann, gerät auf Dauer sowohl an allen beruflichen als auch privaten Fronten in Bedrängnis. (vgl. Leyhausen 2008, S. 72)

Ein weiterer Aspekt spricht für die enge Verbundenheit von Alltags-Prokrastination und akademischer Prokrastination: Menschen, die nur in einem der beiden Bereiche prokrasti- nieren, sind äußerst selten. In der Regel sind beide Bereiche betroffen. (vgl. Rist et. al. 2006, S. 68) Und noch ein Gesichtspunkt spricht dafür, beide Begriffe in keinem über­handnehmenden Maße voneinander zu trennen, denn zwischen Prokrastination im Studium und Prokrastination als Störfaktor bei Tätigkeiten im Berufsleben existieren keine quanti­tativen Unterschiede. (ebd., S. 66)

[...]


[1] Als Arbeitsstörung bezeichnet man gravierende Probleme, die sich bei der Ausführung von Arbeitsaufgaben ergeben. Negative Folgen auf psychischer und physischer Ebene können dabei nicht ausgeschlossen werden. (vgl. Hoffmann/Hofmann 2009, S. 7)

[2] Hartes Aufschieben beschreibt das unnötige und gewohnheitsgemäße Verzögern von als wichtig, vorrangig oder termingebunden definierten Aufgaben. (vgl. Rückert 2001, S. 22)

Details

Seiten
91
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640718603
ISBN (Buch)
9783640718924
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v158846
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg – Pädagogische Psychologie
Note
1,3
Schlagworte
Prokrastinaion Aufschieben Aufschieberitis Procrastination Hinauszögern Verzögern

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Unterscheiden sich Bachelor/Master-Studenten in ihrem Aufschiebeverhalten von Diplom-Studenten? Prokrastination im studentischen Alltag