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Drahtlose Mikrofontechnik - Die digitale Dividende

Diplomarbeit 2010 15 Seiten

Tontechnik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Digitale Dividende
1. Erläuterung des Begriffes „Digitalen Dividende“
1.1 Beschlusssache der Bundesregierung vom 04.03.2009
1.2 Frequenzbereichszuweisungsplan
2. Eine kurze Einführung in die drahtlose Mikrofonübertragung
3. Unterschiedliche Anwenderbereiche und ihr Frequenzbedarf
4. primäre Anwendung vor Sekundäranwendung
5. Ergebnis der Frequenzversteigerung vom 20.05.2010
6. Selbstverpflichtung der Telekommunikationsunternehmen

II. Methoden zum Erhalt drahtloser Mikrofonübertragung, die entstehenden Kosten und Alternativen
1. Nutzergruppen
2. Umrüstung
3. Kosten der Umfrequentierung
3.1 Gebühren und Beiträge
3.2 DVB-T-Decoder
3.3 Erstattung auf Umstellungskosten
4. technische Alternativen für eine drahtlose Audioübertragung
4.1 Satellitenkommunikation statt drahtlose Breitbandlösung
5. unberührtes Frequenzspektrum

III. Wirtschaftliche Effekte der Dividende
1. Breitbandausbau im Internationalen Vergleich
2. Volkswirtschaftliche Bedeutung von Breitbandnetzen

IV. Standpunkte namhafter Stakeholder
1. Position der APWPT (Assosiation Of Professional Wireless Production 11 Technologies)
2. Deutscher Bühnenverein
3. Standpunkt „BUND“ Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
4. Statement eines Geschäftsführers einer Gesellschaft für
Veranstaltungstechnik und eines Technischen Leiters eines Theaters

V. Fazit

VI. Zusammenfassung

VII. Literaturverzeichnis

I. Digitale Dividende

1. Erläuterung des Begriffes „Digitale Dividende“

Die „Digitale Dividende“ bezeichnet die Veränderung und Anpassung der bereits von Rundfunkdiensten und Veranstaltungsdienstleistern genutzten analogen Frequenzen, die zur Anwendung für die digitale Funkübertragung der Mobilfunkanbieter verwendet werden soll. Es geht darum, die in unserem Frequenzspektrum zur Verfügung stehenden analogen Frequenzen, ohne eine Veränderung des bestehenden Frequenzspektrums, effektiver durch die höhere Übertragungskapazität der Digitalisierung zu nutzen. Um sich einmal den Wert der Dividende vor Augen zu halten, kommen wir bei unserem jetzigen analog ausgestrahlten Fernsehprogramm, in Gegenüberstellung mit der gleichen Anzahl von Sendern durch digitale Übertragungstechnik, auf einen Wert von 18 Prozent. Das entspricht etwa einer Dividende von 82 Prozent. Viele Sendeanstalten haben diesen Vorteil bereits durch die Ausstrahlung von DVB-T (Digital Video Broadcast Terrestrial) genutzt und ihre Programme erheblich erhöht.

Ein bislang, weites gehend, offiziell ungenutzter Frequenzbereich betrifft das Spektrum von 790MHz - 814MHz, welches als die Kanäle 61 bis 63 bezeichnet wird und das Spektrum 838MHz - 862MHz was voraussichtlich bis 2012 vom Militär genutzt wird. Weites gehend unbenutzt bedeutet, dass der Bereich bis dato frei zur Verfügung stand und hierüber überwiegend drahtlose Mikrofontechnik betrieben wird. Dies ist auch nach der Versteigerung der Frequenzen in dem Band von 800MHz bis einschließlich 2015 möglich. Allerdings wird es, sobald die Umstellung erfolgt ist, zu erheblichen Problemen durch Einstreuungen in beide Richtungen kommen. Diese Arbeit befasst sich überwiegend mit den Kanälen 61 - 63, die Hauptsächlich in der Veranstaltungsdienstleistung über drahtlose Mikrofontechnik genutzt wird und die mit den Veränderungen verbundenen Kosten.

Mit der Digitalen Dividende soll durch die Beschlusssache der Bundesregierung in ländlichen Gebieten ein breitbandiges Internetangebot über die zur Zeit großen Mobilfunkanbieter O2, Vodafone, Telekom oder E-Plus verbreitet werden. Die Alternative um diese Anforderung zu erfüllen, ist der Ausbau von Lichtwellenleitern, welche allerdings nicht finanzierbar sind und einen Ausbauzeitraum von mindestens 20 Jahren in Anspruch nehmen würde. Somit wurde diese „Übergangslösung“ ins Leben gerufen, welche auch doch ihrer Vorteile, einige kostspielige Veränderungen für die Veranstaltungsbranche mit sich bringt.

Somit sind viele Veranstaltungsdienstleister, Theater, TV-Anstalten, Bühnen und Tonstudios gezwungen auf alternative Techniken umzurüsten oder müssen ihr Drahtlosequipment komplett neu aufstellen. Vielen Unternehmen werden diese finanziell teure und nervenaufreibende Aufgabe in Angriff nehmen müssen. Laut der Mikrofonindustrie gibt es in Deutschland rund 700 000 professionelle Drahtlosmikrofone.

1.1 Beschlusssache der Bundesregierung vom 04.03.2009

Der Beschluss sieht vor das angesprochene Frequenzspektrum an die angegebene Mobilfunkbetreiber zu versteigern. Der Ausbau für das Breitbandinternet soll direkt im Anschluss der Versteigerung starten, wobei die folgen für eine Mikrofonnutzung stetig zunehmen. Die Grafik (Abbildung 1) soll veranschaulichen in welchem Zeitraum die Nutzung des bislang genutzten Spektrums Einschränkungen erhält.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Abbildung 1)

1.2 Frequenzbereichszuweisungsplan

Der Frequenzbereichszuweisungsplan der Bundesrepublik wird auf Grundlage des internationalen Frequenzbereichszuweisungsplans der vierjährig stattfindenden Weltfunkkonferenz (WRC) erstellt. Der Zuweisungsplan dient zur Sicherstellung einer effizienten und störungsfreien Nutzung von Frequenzen. Eine detaillierte Aufteilung erfolgt dann im Frequenznutzungsplan. Die letztlich verbindliche Zuweisung einer nutzbaren Frequenz für den Bürger wird auf Antrag von der Bundesnetzagentur ausgesprochen, welche für alle Frequenznutzungen erforderlich ist.

2. Eine kurze Einführung in die drahtlose Mikrofonübertragung

Die praktische Anwendung ein Audio-Signal ohne Kabel, nur allein mit einem kleinem Sender und einer Empfängereinheit, vom Mischpult zur Bühne und von der Bühne wieder zurück zum Mischpult zu senden, hat nicht nur den Vorteil Stolperfallen durch Mikrofonkabel auszuschließen, sondern bringt auch vor allem einen geringen Installationsaufwand mit sich. Jedes Signal welches drahtlos über Funk übertragen wird, ist einer individuellen Frequenz im Bereich der Kanäle 61 - 63, über den entsprechenden Sender und dem dazugehörigen Empfänger zugewiesen. Um einen Intermodulationsfreien Betrieb gewährleisten zu können, dürfen sich bei einem Betrieb von mehr als einem Gerät die Frequenzen nicht überlagern, wobei ein empfohlener Abstand zwischen den Frequenzen gewährleistet sein sollte. Das Funktionsprinzip[1] wird in verschiedene Frequenzbereiche unterteilt. Die Lizenzpflichtigen, Lizenzfreien für bestimmte Benutzergruppen und die Lizenzfreien, wobei davon auszugehen ist, dass alle Funkanlagen Lizenzpflichtig sind, ausser sie sind durch Genehmigungen entsprechend freigestellt. Andere wiederum wurden als spezielle Nutzergruppe einem bestimmten Frequenzbereich zugewiesen, wie beispielsweise die Öffentlich-Rechtlichen aus dem Rundfunk. Die Lizenzfreien stellen sich über Ihre Sendeleistung sehr beschränkt dar und können von jedem genutzt werden.

3. Unterschiedliche Anwenderbereiche und ihr Frequenzbedarf

Die unterschiedlichen Anwenderbereiche beschränken sich hier auf die Rundfunkanstalten, die Veranstaltungsdienstleister und die Mobilfunkindustrie.

Für das Jahr 2020 geht die ARD für sich über eine Kapazitätsbedarfsabschätzung[2] von 3-4 Multiplexen je nach Szenario mit den Mischungen von SD+ und HD-Programmangeboten aus, was pro Multiplex 6 Kanäle a 8 MHz im UHF-Band beträgt. Das ZDF legt dazu eine Schätzung von 1-3 Multiplexen zu Grunde. Somit liegt der Bedarf der Öffentlich-Rechtlichen bei 144MHz - 192MHz für die ARD und bei 48MHz - 144MHz für das ZDF, wobei der komplette Rundfunk[3] sein Fernsehprogramm heute über den Frequenzbereich 470MHz - 790MHz sendet. Die drahtlosen Mikrofone der Veranstaltungsdienstleister befinden sich in dem Bereich von 790MHz - 814MHz, 838MHz - 862MHz sowie 863MHz - 865MHz und betrifft weit aus mehr Nutzer als man denkt. Um nur ein paar zu nennen, sprechen wir hier von jeglicher Sportübertragung, sei es im Fernsehen oder gleich vor Ort, Theaterbühnen, Schauspielhäusern, Filmsets, Reportagen und Live-Musik. Der Frequenzbedarf ist wohl gemerkt nicht sehr hoch, doch entscheidet die kommende Versteigerung über eine Umsiedlung auf andere Frequenzen. Die Mobilfunkindustrie belegt durchaus mehr von unserem Frequenzspektrum, was einen Einblick in den Frequenzbereichszuweisungsplan der Bundesregierung erläutern kann. Klar ist jedoch geworden, dass der meistbietende den Bereich von 790MHz - 862MHz dazu bekommen wird. Die kleine Hürde, dass der Rundfunk unteranderem auch in den Kanälen 64 bis 66 DVB-T ausstrahlen dürfe, ist bereits genommen. Es liegt zu Grunde, dass der Rundfunk ausreichende Kapazitäten mit den Kanälen 21 bis 60 besitzt ohne Änderungen in seinen Sendestrukturen vornehmen zu müssen. Somit steht dem volkswirtschaftlichem Ausbau des Bandes im Bereich der 800MHz nichts mehr im Wege.

4. primäre Anwendung vor Sekundäranwendung

Die drahtlose Mikrofontechnik wird als so genannter Sekundärnutzer behandelt und darf nur ohne Einschränkungen auf dem bislang zur freien Verfügung stehenden Spektrum senden, wenn keine Primärnutzung, in dem Fall von den Rundfunkanstalten, vorliegt. Ab sofort kann allerdings eine kostenpflichtige Frequenzzuteilung in einem Ersatzspektrum seitens der Bundesnetzagentur erteilt werden. Auf die genaue Kostendarstellung für einen solchen Antrag wird später ausführlich eingegangen.

5. Ergebnis der Frequenzversteigerung vom 20.05.2010

Am 20.05.2010 führte die Versteigerung zu folgendem Ergebnis. Es wurden 41 Frequenzblöcke für ca. 4,4 Mrd. € versteigert.

Vodafone D2 GmbH - 12 Blöcke

Telefonica O2 Germany GmbH & Co.OHG - 11 Blöcke

Telekom Deutschland GmbH - 10 Blöcke

E-Plus - 8 Blöcke

Vodafone , O2 und die Telekom ersteigerten jeweils zwei Blöcke im 800MHz Band, wobei E- Plus anscheinend nicht bereit war in den Beträgen mit zu steigern und hat somit im 800MHz Band keine Anteile bekommen.[4]

[...]


[1] Andreas Frieseke, Audioenzyklopädie 6.5.1

[2] Helwin Lesch; Bayerischer Rundfunk „Der Rundfunk in der Medienlandschaft 2020 Ausblick, Strategien und technische Entwicklungsperspektiven“,Seite 6 Strategie in der Terrestrik (2): ARD / ZDF - Frequenzbedarf 2020

[3] Verordnung der Bundesregierung, Frequenzbereichszuweisungsplan S.23

[4] Bundesnetzagentur.de/Presse „Frequenzversteigerung in Mainz beendet“

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Titel: Drahtlose Mikrofontechnik - Die digitale Dividende