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"Der Aufstand der Gegenwart" - Ereignistheoretische Analyse der Kontroversen um Rainer-Werner Fassbinders Skandalstück "Der Müll, die Stadt und der Tod"

Magisterarbeit 2010 115 Seiten

Theaterwissenschaft, Tanz

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungen

1. Einleitendes
1.1. Einleitung und Fragestellung
1.2. Forschungsstand
1.3. Vorgehensweise 1O

2. Elementardaten zum Stück
2.1. Elementardaten
2.2. Kurze Inhaltsangabe
2.3. Literarische Vorlage: Gerhard Zwerenz Roman „Die Erde ist unbewohnbar wie der Mond“
2.4. Analyse des Skandalpotentials von ,Müll'

3. Einführung in die Ereignistheorie
3.1. Das Ereignis, viele mögliche Zugänge und Definitionen
3.2. Ereignis: Medienereignis

4. Historische Kontextualisierung - Zur Entstehung von ,Müll’
4.1. Zur Situation im Nachkriegsdeutschland
4.1.1. Debatten um Schuld und Unschuld
4.1.1.1. „Stunde Null“
4.1.1.2. Kollektivschuldthese 3O
4.1.2. Ausgewählte Ereignisse der Zeit
4.1.2.1. Das .Wunder von Bern - WM-Sieg '
4.1.2.2. Kniefall von Warschau
4.1.2.3. .Gnade der späten Geburt' und Bitburg-Affäre
4.2. Die Situation in Frankfurt am Main
4.2.1. Frankfurter Auschwitzprozesse
4.2.2. Der Häuserkampf im Westend und Faschismus von Links
4.2.3. Fassbinder als künstlerischer Leiter am TAT
4.3. Die Darstellung von Juden im Werk von R.W. Fassbinder 5O

5. Die Kontroversen um ,Müll’
5.1. 1976: Kontroverse I
5.2. 1984: Kontroverse II
5.3. 1985: Kontroverse III
5.4. Mögliche Interessen der Hauptakteure
5.5. Exkurs: Der Autor und seine Dramenfiguren
5.5.1. .Der Reiche Jude': Fiktionalität und Realitätsbezug einer Dramenfigur
5.5.2. Freiheit und Verantwortung des Autors - Fassbinder ein Antisemit?
5.5.3. Kunstfreiheit oder Menschenwürde? 7O
5.6. Aufführungsgeschichte 7N
5.6.1. Ausland 7N
5.6. N. Westdeutschland und BRD
5.6.3. NOO9: ,Müll’-Inszenierung am Mülheimer Theater an der Ruhr
5.7. Chronologische Auflistung zentraler Ereignisse während der 78 Kontroversen

6. Das Ereignis - Drei Fallbeispiele und Analyse der Fassbinder-Kontroversen
6.1.1 Fallbeispiel 1: Ereignis nach Martin Seel
6.1. N Das ästhetische Ereignis 8N
6.1.3. Phänomenologische Ereignis-Analyse der Fassbinder-Kontroversen
6.N. Fallbeispiel N: Ereignis in der Systemtheorie Luhmanns
6.N.1. Systeme, Soziale Systeme und Autopoiesis
6.N.N. Das System Kunst 9O
6.N.3. Der Übertragungseffekt am Beispiel der Reichstagsverhüllung
6. N.4. Systemtheoretische Ereignis-Analyse der Fassbinder-Kontroversen
6.3. Fallbeispiel 3: Ereignis als Event
6.3.1. Der Eventbegriff in Abgrenzung/Erweiterung zum Ereignisbegriff?
6.3. N. Die Fassbinder-Kontroversen als .Event’?

7. Resümee

8. Literaturverzeichnis
8.1. Primärliteratur
8.N. Sekundärliteratur, Aufsätze und Zeitungsartikel 11O
8.3. Online-Quellen
8.4. Allgemeine Nachschlagewerke

Abkürzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„Wir [sind] gezwungen, das einzige Mittel zu benutzen, dass uns noch zur Verfügung steht. Wir berufen uns auf das Gesetz. Wir haben den formalen Schritt einer Anzeige getan, um uns gegen die Aufführung des Stückes und die öffentliche Verbreitung antisemitischer Verleumdungen zu wehren."

[Presseerklärung Jüdisches Kulturforum e.V. Berlin vom 24.O9.1985]

1. Einleitendes

1.1. Einleitung und Fragestellung

Im Herbst 2OO9 feierte eine Inszenierung von drei Stücken Rainer-Werner Fassbinders Premiere am Mülheimer Theater an der Ruhr. Unter den Stücken befand sich auch das 1974 geschriebene und zwei Jahre später veröffentlichte Stück ,Der Müll, die Stadt und der Tod’ [im Folgenden ,Müll’). Es war die erste, wiederholt öffentlich aufgeführte Inszenierung des Stücks an einer deutschen Bühne, mehr als 3O Jahre nach seiner Entstehung. Das hat seine Gründe. Der Inhalt des Stücks, das Fassbinder während seiner Zeit als künstlerischer Leiter am Frankfurter Theater am Turm geschrieben hatte, löste innerhalb eines Jahrzehnts drei Kontroversen aus, 1975, 1984 und 1985 [Im Folgenden Kontroverse I, Kontroverse II und Kontroverse III, bzw. Fassbinder-Kontroversenm, die zuerst in lokalen, später auch in überregionalen und internationalen Print- und Bildmedien ausgetragen wurden.[1] Die Debatten gehören zu den intensivsten und langwierigsten künstlerischen und politischen Auseinandersetzungen, die in der deutschen Nachkriegsgeschichte von einem literarischen Text ausgegangen sind. Gleich zu Beginn möchte ich hierbei betonen, dass das Skandalpotential des Stückes im Dramentext verankert ist und sich nicht aufgrund einer konkreten Inszenierung des Stoffes manifestiert hat. Der Terminus „Literaturskandal" scheint mir daher angebrachter zu sein als der ebenfalls in diesem Kontext verwendete Begriff des „Theaterskandals", da einerseits erste Auseinandersetzungen bereits nach Erscheinen des Textes begannen und andererseits im weiteren Verlauf der Debatten immer wieder einzelne Textpassagen, nicht aber konkrete inszenatorische Mittel, im Zentrum der Diskussion und Kritik standen.

Fassbinders Stücke und Filme, deren Handlung vorwiegend im Milieu von Außenseitern und Kleinbürgern angesiedelt ist, „gaben dem deutschsprachigen Theater krasse Sozialstudien und entscheidende Impulse." Mehr noch, sie kreierten „elegische Stimmungsbilder vom Zustand einer inakzeptablen Gesellschaft."2

Im Stück ,Müll’ präsentierte Fassbinder mit dem .Reichen Juden’ eine namenlose jüdische Hauptfigur, die von Habgier, Rachsucht und Geilheit getrieben wird. An besonders dieser, aber auch an weiteren Figurenzeichnungen und am Inhalt des Stücks allgemein entzündeten sich die genannten Kontroversen. Darüber hinaus wurde wiederholt der Vorwurf laut, das Stück, seine Figuren und auch Fassbinder als Autor seien antimsemitisch.

„Wenn es in Deutschland nach 1945 überhaupt ein Tabu als Konsequenz aus dem vergangenen deutschen Faschismus gegeben hat, dann war es die Äußerung die Äußerung eines offenen Antisemitismus. [...] Der Antisemitismus-Vorwurf galt lange Zeit als das Zauberwort, um unliebsame Gegner einzuschüchtern und zum Schweigen zu bringen."3

Das Stück .Müll’ und die dadurch ausgelösten Kontroversen stehen exemplarisch für das Spannungsverhältnis von unverarbeiteter, deutscher Geschichte und dem vitalen Wunsch nach einer unbelasteten und lebenswerten Zukunft. Daher ist der Faktor Zeit ein zentraler Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit und ist unmissverständlich mit den darin auftretenden Fragestellungen verbunden. Die nationalsozialistische Vergangenheit der Deutschen und die daraus resultierende Arbeit an der Erinnerung und an der Schuld ist nicht nur ein Hauptthema des hier vorgestellten Stücks, sondern muss auch bei der Lektüre der Arbeit stets mitbedacht werden. Daher ist es eine historische Kontextualisierung der Entstehungsbedingungen des Stücks unersetzlich für dessen spätere Analyse. Die Bandbreite der in Fassbinders .Müll’ angesprochenen Themen und die Reichweite der darauffolgenden Kontroversen haben gezeigt, dass das Stück nicht lediglich aus literatur- bzw. theaterwissenschaftlicher Perspektive diskutiert wurde, sondern verschiedenste Bereiche der Gesellschaft, wie Politik, Wirtschaft, Justiz, Religion, Medien und die Geschichtswissenschaft, zum lebhaften Debattieren angeregt hat. Daher wählt diese Arbeit keinen primär theater- oder medienwissenschaftlichen Zugang zur Thematik, sondern bezieht auch geschichts- und kommunikationswissenschaftliche, psychologische sowie soziologische Theorien und Modelle mit ein. Den theoretischen Rahmen der Fragestellung dieser Arbeit bildet neben dem Versuch der historischen Kontextualisierung, die Beschäftigung mit dem Ereignis-Begriff. In drei Fallbeispielen, einer primär phänomenologischen, einer systemtheoretischen und einer eventtheoretischen Betrachtung, soll herausgearbeitet werden, durch welche Umstände die Fassbinder-Kontroversen und das Stück ,Müll' zu einem Ereignis werden konnten, =ber das mehr als zwei Jahrzehnte national und international debattiert wurde. Können die hier vorgestellten Ansätze Begrifflichkeiten und Wege aufzeigen, die den komplexen gesellschaftspolitischen, historischen sowie kulturellen Zusammenhängen und der beinahe unüberschaubaren Zahl der an den Kontroversen beteiligten Akteuren einen theoretisch beschreibbaren Rahmen geben?

Auf der offiziellen Internetseite der Fassbinder-Foundation kann man lesen, dass in keinem künstlerischen Werk der Nachkriegszeit Deutschland und die deutsche Realität in einer derartigen Breite und Tiefe portraitiert wurde.

„In [Fassbinders] Filmen [und Stücken] hat sich keine Nation erkannt; sie wird aber in ihnen erkannt werden. Der paradigmatische Charakter wächst diesem Werk hinterrücks, im Laufe der Zeit, indem es historisch wird, immer dichter zu."4

Wie dieser beschriebene, retrospektive Blick auf die Relevanz des Gesamtwerks Fassbinders, wird auch diese Arbeit einen Rückblick auf die konkrete Entstehungsgeschichte eines ausgewählten Werkes, des literarischen Werkes ,Müll’ und darüber hinaus auch auf die allgemeine gesellschaftliche Stimmungslage im Deutschland der Nachkriegsjahre und -jahrzehnte werfen. In diesem Sinne soll diese Arbeit ein Beitrag gegen das Schweigen und das Vergessen sein und plädiert für einen fortwährenden öffentlichen Umgang mit der deutschen und der deutsch-jüdischen Vergangenheit.

1.2. Forschungsstand

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit drei großen Themenkomplexen. Diese sind die konkrete Entstehungsgeschichte des Stücks ,Müll' und die dadurch ausgelösten Kontroversen, die Beschäftigung und Thematisierung der Deutschen mit ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit sowie dem Versuch der Vergangenheits­bewältigung und schließlich drei Fallbeispiele zur Theorie des Ereignis-Begriffes.

Charakteristisch für die Fassbinder-Kontroversen und die Dokumentationen der Ereignisse im Allgemeinen ist die Fülle von persönlichen Meinungen, Wortmeldungen, Leserbriefen und öffentlichen Diskussionen, die von verschiedensten Personen, Parteien oder Verbänden verfasst und abgehalten worden sind. Eine vollständige Nennung und Darstellung aller Beteiligten und Positionen kann selbst im Rahmen dieser Arbeit nicht gewährleistet werden. Einblicke in die Vielzahl der Wortmeldungen zu diesem Thema bietet die chronologische Dokumentation „Fassbinder ohne Ende", herausgegeben von der Intendanz des Schauspielhauses Frankfurt (siehe Literatur- und Quellenverzeichnis) und die besonders im Hinblick auf Zeitungsartikel herauszuhebende Publikation „Die Fassbinder-Kontroverse oder das Ende der Schonzeit", von Heiner Lichtenstein. Mit den Kontroversen, deren Vorgeschichte aber auch mit dem Gesamtwerk Fassbinders hat sich Janusz Bodek in seiner literaturwissenschaftlich-publizistischen Dissertation „Die Fassbinder­ Kontroversen: Entstehung und Wirkung eines literarischen Textes" beschäftigt. „Deutsch-jüdische Normalität,...Fassbinders Sprengsätze", herausgegeben von Elisabeth Kiderlen erschien bereits 1985 während der Kontroverse III und beinhaltet neben Zeitungsartikeln auch Dialoge und Briefwechsel zwischen verschiedenen an den Diskussionen beteiligten Akteuren. Darüber hinaus tauchen Beiträge zu den Fassbinder-Kontroversen in vielen Publikationen auf, die sich mit Literatur- und Theaterskandalen befassen.

Zum Thema deutsche Nachkriegsgeschichte und Vergangenheitsbewältigung gibt es etliche Publikationen aus unterschiedlichen geisteswissenschaftlichen Disziplinen. Einblicke in eine literaturwissenschaftliche Perspektive bietet die Publikation „Literarischer Antisemitismus nach Auschwitz", herausgegeben von Klaus­Michael Bogdal, Klaus Holz und Mathias N. Lorenz. Eine psychoanalytische Zeitdiagnose zur Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen deutschen Vergangenheit wagt Ingrid Peisker in „Vergangenheit, die nicht vergeht". Eine unerlässliche Hilfe war auch das 2OO7 von Torben Fischer und Mathias N. Lorenz herausgegebene „Lexikon der Vergangenheitsbewältigung in Deutschland. Debatten- und Diskursgeschichte des Nationalsozialismus nach 1945", in dem eine Vielzahl von Ereignissen und Diskursen zur Thematik aus unterschiedlichen Gesellschaftsbereichen zusammengetragen wurden. Auch eine theoretische Beschäftigung mit dem Ereignis-Begriff verlangt nach einer Eingrenzung des Untersuchungsbereichs, da die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Begriff in den verschiedensten akademischen Disziplinen Einzug gehalten hat. Im Rahmen dieser Arbeit beschränke ich mich daher auf eine geisteswissenschaftliche Beschreibung. Eine interdisziplinäre Beschäftigung mit dem Ereignis-Begriff haben Thomas Rathmann in „Ereignis. Konzeption eines Begriffs in Geschichte, Kunst und Literatur" sowie Nikolaus Müller-Schöll in „Ereignis. Eine fundamentale Kategorie der Zeiterfahrung. Anspruch und Aporien" vorgenommen. Außerdem habe ich für eine allgemeine Umreißung des Begriffes verschiedene Lexika aus Literatur- und Kulturtheorie, Medienwissenschaft und Soziologie zur Hilfe genommen.

Unverzichtbar für die drei vorgestellten Beispieltheorien ist der Aufsatz „Ereignis eine kleine Phänomenologie" von Martin Seel, Niklas Luhmanns Publikation „Soziale Systeme. Grundriss einer allgemeinen Theorie“ und zum Eventbegriff das von Winfried Gebhardt, Ronald Hitzler und Michaela Pfadenhauer herausgegebene „Events - Soziologie des Außergewöhnlichen".

1.3. Vorgehensweise

Diese Arbeit wird sich mit den komplexen Ursachen und Konsequenzen der Fassbinder-Kontroversen, ihrer historischen Kontextualisierung und dem Versuch einer theoretischen Anwendung von drei Ereignis-Konzepten befassen. Dazu erfolgt zunächst eine kurze inhaltliche Umreißung des Stücks und seines Inhalts sowie dessen literarischer Vorlage, Gerhard Zwerenz Roman ,Die Erde ist unbewohnbar wie der Mond'. Anschließend wird aufgezeigt, welche konkreten Vorwürfe an das Stück herangetragen worden sind, die schließlich zu den Kontroversen geführt haben. Im nachfolgenden dritten Kapitel gewährleistet eine kurze Vorstellung des Ereignis­Begriffes erste Zugänge für die Lektüre der nachfolgenden beiden Hauptteile.

Unerlässlich für eine spätere Analyse der Fassbinder-Kontroversen sind die sozialen und politischen Rahmenbedingungen im Nachkriegsdeutschland und speziell im Frankfurt der 196Oer Jahre, die radikale Linke, der Westend-Konflikt und der Frankfurter Häuserkampf, die entscheidend zur Entstehung und zum kontroversen Inhalt des Stückes beigetragen haben. Anhand ausgewählter regionaler, nationaler und internationaler Ereignisse aus den ersten Nachkriegsjahrzehnten (195O-198OJ befasst sich der vierte Hauptteil mit der historischen Kontextualisierung des Stücks. Die Vorstellung und der Ablauf der Kontroversen sind das Thema des fünften Hauptteils. Hier wird auch erörtert, wie die Vorwürfe von Einzelpersonen und Gruppierungen in den drei Phasen der Auseinandersetzung publik gemacht worden sind. Ob hierbei spezielle Interessen politischer oder auch ökonomischer Natur bei der Beziehung bestimmter Positionen während der Kontroversen eine Rolle gespielt haben, soll ebenfalls angesprochen werden. Da durch die Kontroversen auch die Diskussion um demokratische Grundrechte wie das der Kunst- und Meinungsfreiheit sowie der Menschenwürde im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion standen, befasst sich der Exkurs ,Der Autor und seine Dramenfiguren (5.5.) speziell mit diesem Aspekt. Der sechste Hauptteil ist ganz dem Ereignis-Begriff sowie der Vorstellung der drei Fallbeispiele gewidmet. Nach einer allgemeinen theoretischen Umreißung des jeweiligen phänomenologischen, systemtheoretischen bzw. eventtheoretischen Begriffs folgt eine entsprechende Analyse der Kontroversen um ,Müll’. Schließlich werden die gewonnenen Erkenntnisse zusammengefasst und resümiert und sollen mögliche Ausblicke auf weitere Forschungsfragen liefern.

„Ich bin Manns genug, als jüdischer Mitbürger, in der Stadt zu sagen, ich fühle mich von diesem Stück nicht beleidigt und ich finde, dass dieses Stück aufgeführt werden sollte”5

(Daniel Cohn-Bendit]

2. Elementardaten zum Stück

2.1. Elementardaten

Das Stück „Der Müll, die Stadt und der Tod“ (im Folgenden ,Müll’] wurde 1974 von Rainer-Werner Fassbinder geschrieben. Als Vorlage für das Stück diente Gerhard Zwerenz Roman „Die Erde ist unbewohnbar wie der Mond“, erschienen 1973 im Fischer Verlag.6 Das Stück ist in zwei Teile mit insgesamt elf Szenen gegliedert und hat neunzehn Personenrollen. Hauptcharaktere sind die Prostituierte Roma B., ihr Zuhälter Franz B., der Reiche Jude und Roma B.'s Eltern, Herr und Frau Müller. Handlungsorte sind unter anderem eine Straßenecke, eine Wohnküche, eine Lederkneipe, eine Kathedrale und ein Polizeipräsidium in einem Hochhaus. Die häufig als Uraufführung gewertete Wiederholungsprobe am Schauspiel Frankfurt fand am O4.11.1985 unter der Regie von Dietrich Hülsdorf und Edgar M. Böhlke in der Rolle des Reichen Juden statt. Erste öffentliche Aufführungen waren 1987 in New York unter der Regie von Nick Fracaro und in Kopenhagen unter der Regie von Klaus Hoffmeyer.7 In Deutschland wurde ,Müll' erst am Theater an der Ruhr in Mülheim am O4.1O.2OO9 in einer Dreifach-Inszenierung von Roberto Ciulli, neben den Fassbinder Stücken ,Nur eine Scheibe Brot’ und ,Blut am Hals der Katze’, wiederholt aufgeführt.8

2.2. Kurzelnhaltsangabe

Die lungenkranke Prostituierte Roma В. hat kein Glück bei den Freiern und wird deshalb von ihrem Zuhälter und Lebensgefährten Franz В. geschlagen. Als jedoch die Figur des Reichen Juden an ihr Gefallen findet, beginnt ihr Aufstieg und Franz B.s Abstieg. Während er sich dem Homosexuellen-Milieu zuwendet, erlangt Roma B. durch den reichen jüdischen Bauspekulanten Wohlstand. Dieser benutzt sie jedoch nur, um Romas Vater, Herrn Müller, einen Travestiekünstler, der als bekennender Technokrat des dritten Reiches womöglich Schuld am Tod der Eltern des Reichen Juden hatte, zu erniedrigen. In einem längeren Monolog berichtet er Roma B., die er lediglich als Zuhörerin gebucht hat, von den illegalen Methoden seiner Arbeit als Grundstücks- und Häuserspekulant. Auch der Nazi Hans von Gluck, ein geschäftlicher Gegenspieler des Reichen Juden, mietet Roma B. als schweigende Zuhörerin. Sein Monolog ist geprägt von allgemeinen Hasstiraden gegen den schwerreichen Juden, gegen die Schuldgefühle, die dieser hervorruft und dessen größer werdende politische und soziale Macht. Getrieben vom Ekel und der Resignation gegenüber der lebensfeindlichen Großstadt und deren Bewohnern, beschließt Roma B. schließlich sterben zu wollen. Dazu bittet sie verschiedene Figuren, sie umzubringen. Der Reiche Jude kommt diesem Wunsch schließlich nach und erwürgt Roma B. mit seiner Krawatte. Der Verhaftung durch den korrupten Polizeipräsidenten Müller II entgeht er leicht, da er selbst von den höchsten Amtsinhabern gedeckt wird. Kurzum wird schließlich Franz B. als Schuldiger und Mörder präsentiert.

2.3. Literarische Vorlage: Gerhard Zwerenz Roman ,Die Erde ist unbewohnbar wie der Mond’

Nur wenige Jahre vor dem Erscheinen von Fassbinders ,Müll’-Stück hatte sich der Autor Gerhard Zwerenz mit seinem 1972 publizierten Essay .Bericht aus dem Landesinneren. City Strecke Siedlung’ und dem im Folgejahr vorgestellten Roman .Die Erde ist unbewohnbar wie der Mond’ (im Folgenden .Erde’) bereits literarisch mit der politischen und sozialen Situation der Stadt Frankfurt auseinandergesetzt, in die er kurz zuvor umgezogen war.9 Zentrale Motive dieser Werke und Zwerenz literarische Antwort auf die „Frankfurter Realität der 60er und 70er Jahre"10 waren die Lebensfeindlichkeit der Großstädte, die Bauspekulationen und der Häuserkampf im Westend und die damit einhergehende Zerstörung des dortigen Wohnraums. Motive, die auch Fassbinder wenig später in seinem Drehbuchentwurf zum ,Erde’-Roman und in ,Müll’ wieder aufgegriffen hat. (Für eine detailliertere, historische Kontextualisierung der sozialen und politischen Rahmenbedingungen in der Bundesrepublik und speziell in Frankfurt am Main, die zur Entstehung der beiden Werke beigetragen haben, siehe 4.1. und 4.2.).

Hauptfigur des Zwerenz-Romans ist der jüdische Bodenspekulant Abraham Mauerstamm, der mit Rachegelüsten aus Israel nach Deutschland zurückkehrt. Der mütterliche Auftrag an Abraham: „Du wirst keinem etwas nachsehen, mit niemandem Mitleid haben und jedem seine Markstücke abknöpfen."11 In der Stadt angekommen lässt er „Grabmale"12 errichten, „tote Bürotürme, anstelle lebendiger Wohnhäuser [...] und macht sich dafür die vermeintlichen Schuldgefühle der Politik und Verwaltung zunutze."13 Die Darstellung dieser jüdischen Hauptfigur durch Zwerenz und auch Fassbinders spätere Zeichnung seines namenlosen .Reichen Juden’ in ,Müll’ erinnern an bekannte jüdische Figuren aus der Literaturgeschichte, wie Christopher Marlowes Kaufmann .Barabas’ aus .Der Jude von Malta’ oder Shakespeares .Shylock’ aus .Der Kaufmann von Venedig’.14 Auch Zwerenz belegt seinen .Juden’ mit bekannten Negativattributen. Abraham als der .Ewige Jude’ ist schwerreich, keineswegs sesshaft, obendrein ständig geil und überlegt „ob er sich über die verdammten arischen Weiber hermachen"15 soll. Nicht nur implizit durch die Zeichnung der Charaktereigenschaften der jüdischen Hauptfigur, sondern auch explizit durch dessen Taten wird in .Erde’ die jüdische Opferrolle der Nachkriegszeit zur rächenden Täterrolle umgeschrieben. Am Ende des Romans „hatte [Abraham sogar] einen bewussten, kalt geplanten Mord begangen"16 und wird, so Janusz Bodek, „mit dieser Analogie zur Beschreibung der NS- Praxis [...] zu einem Jüdischen Nazi'."17 'Als einer der ersten Autoren in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg, keine vierzig Jahre nach dem Beginn der systematischen Vertreibung und Vernichtung der europäischen Juden, der auch viele Mitgliedern der jüdischen Gemeinden Frankfurts und jüdische Bewohnern des Westends zum Opfer gefallen waren, „spielte Gerhard Zwerenz [...] konsequent das Programm eines literarischen Schuldabwehrantisemitismus durch."18

„Unverarbeitete, virulente Schuldproblematik, Schuldabwehr und das Bedürfnis nach Schuldentlastung bilden den Hintergrund der Westendkonflikte und spielen eine zentrale Rolle in den Texten von Zwerenz und Fassbinder sowie in einigen seiner Filme.19

Den Begriff des Erinnerungs- bzw. Schuldabwehrantisemitismus prägte jedoch schon Theodor W. Adorno in den frühen 195Oer Jahren in seinem empirischen .Gruppenexperiment’. Die Juden, so Adorno, würden als „ein Kollektiv gesehen [...] das durch seine bloße Existenz die Erinnerung an [die deutschen] Verbrechen wach hält."20

.Erde’ und dessen Thematik spielt nicht nur als Vorlage für .Müll’, sondern darüber hinaus auch für das Gesamtwerk das Autors und Regisseurs Fassbinder eine erhebliche Rolle. „Bei dem Rezipienten Fassbinder [...] schlug sich die Lektüre des Romans in dem Werk des Künstlers Fassbinder nieder."21 So bestehen auch zentrale inhaltliche Parallelen zwischen dem Zwerenz-Roman und dem gar als epigonenhaft bezeichneten Fassbinder-Stück. Der Westendkonflikt im Frankfurt am Main der 197Oer Jahre ist ebenso Handlungsrahmen beider Werke wie dessen weitere Verortung auf den Mond im Titel von Zwerenz Roman und in Fassbinders Regieanweisung des Handlungsortes von .Müll’. .Abraham Mauerstamm’ und .Der Reiche Jude’ sind beide negativ stereotypisierte Grundstückspekulanten, deren Hauptmotiv die Rache an den nicht-jüdischen Deutschen ist. Beide gelangen zu beträchtlichem Reichtum, da sie die Stadtpolitik, die Wirtschaft und sogar die Polizei im oWürgegriff der Schuld"22 beherrschen und dies für illegale Machenschaften schamlos ausnutzen. Die weiblichen Hauptfiguren der beiden Stücke ,Trini’ und ,Roma B.’ teilen mit Krebs und Lungenschwindsucht nicht nur schwere Krankheiten, sondern auch die anagrammatische Wortanspielung auf die bekannte Frankfurter Prostituierte Rosemarie Nitribitt.23

„So finden sich in den Hauptfiguren und den wichtigsten Nebenfiguren [...] derart wichtige Übereinstimmungen in den Charakteren, ihrem Metier, ihren Motiven und Methoden des Handelns [und] ihrer gesellschaftlichen Position [...], dass definitiv gesagt werden kann, [dass ,Müll’] weitestgehend auf der Basis des Romans von Zwerenz [entstanden ist], den Fassbinder in Ermangelung eigener Kenntnis thematisierter Wirklichkeit als Stoff benutzte und aus dem er auch die skandalisierenden Qualitäten übernahm, die sich bereits nach dessen Erscheinen 1973, bewährt haben’24

2.4. Analyse des Skandalpotentials von ,Müll’

Dieser Abschnitt dient einer unkommentierten Aufzählung der Hauptvorwürfe an das Stück sowie einer Inhalts- und Figurenanalyse des Dramentextes. Als Auslöser für die Kontroversen und die heftigen Reaktionen auf Fassbinders Text sind immer wieder die Darstellung der Figur ,Der Reiche Jude’ und Äußerungen anderer Figuren, die als antisemitisch gewertet worden sind, angeführt worden. Herr Müller und Roma B. sprechen in Szene 11 über den Reichen Juden. Herr Müller:

„[...] es ist möglich, dass ich der Mörder seiner Eltern bin, und ich wäre es gern. [...] Es ist keine Last der Mörder von Juden zu sein, wenn man die Überzeugungen hat, die ich habe. [...] Der Faschismus wird siegen."25

Die wohl am häufigsten zitierte Textstelle stammt aus dem Monolog der Figur Hans von Gluck, die nur ein einziges Mal, in Szene 1O, auftritt:

„Er saugt uns aus der Jud. Trinkt unser Blut und setzt ihn ins Unrecht, weil er Jud ist und wir die Schuld tragen. [...] Und Schuld hat der Jud, weil er uns schuldig macht, denn er ist da. Wär er geblieben, wo er herkam, oder hätten sie ihn vergast, ich könnte heute besser schlafen. Sie haben vergessen ihn zu vergasen. Das ist kein Witz, so denkt es in mir."26

Neben diesen expliziten Textpassagen stand auch die allgemeine Darstellung der Figur „Der Reiche Jude“ im Mittelpunkt der Kritik. Norbert Altendorfer beschreibt, dass die „Figuren [...] über soziale Typisierungen und Handlungsmuster, über kulturelle Stereotypen, literarische Klischees und Trivialformen"27 vermittelt werden und kritisiert zugleich „das plakative Vorzeigen und Zitieren untereinander kaum verbundener Text- und Bildsequenzen."28 Die Vorwürfe entzündeten sich also im Wesentlichen an der Figur des „Reichen Juden“, deren Namenlosigkeit, Charakter und Funktion im Stück sowie an deren Ähnlichkeit mit antijüdischen Stereotypen und antisemitischen Qetzbildern. Qierbei scheint besonders problematisch zu sein, dass „antisemitische Vorurteile auf eine Figur [...] bezogen werden, die nicht auf einen bestimmten Kontext bezogen [sind]"29, sondern, so Hannes Friedrich in einer Kritik über das Stück, „als Typus in dem Stück erscheint, fast wie ein Archetyp."30 Joachim Fest, der mit seinem Artikel „Reicher Jude von links“, erschienen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im März 1976, die erste Kontroverse ausgelöst hatte, beschreibt das kritische Potential des Stückes polemischer:

„Und gewiß ist inzwischen denkbar, ein Stück mit einer jüdischen Negativfigur zu schreiben. Wie es indessen hier geschieht, bleibt es nicht nur ohne jeden literarischen Wert, sondern ist, wie die beliebig vermehrbaren Zitate zeigen, die wir hier abdrucken, nur noch billige, von ordinären Klischees inspirierte Hetze. Der „reiche Jude“ wird als Blutsauger, Spekulant, Betrüger, Mörder und zudem als geil und rachsüchtig dargestellt.“31

Peter Zden hingegen legt in seiner Rezension des Stückes in der TH im gleichen Jahr den inhaltlichen Fokus von ,Müll’ auf die spezifische politische und soziale Situation in Frankfurt und schreibt von „Zerstörtheit, dem absurden Irrwitz und dem Schrecken des Lebens in unseren Städten. Wer Frankfurt kennt [...] der erkennt es hier wieder."32 Eine detailgetreuere Analyse der zentralen Figuren und Motive aus ,Müll’ findet sich in Ingrid Peiskers Publikation Vergangenheit, die nicht vergeht. Eine psychoanalytische Zeitdiagnose zur Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus'. In ihrer psychoanalytischen Interpretation des Dramentextes entdeckt sie den „Umriss einer latenten kollektiven Seelenverfassung [...] die sich als spezifisch deutsch bezeichnen lässt."33 Exemplarisch für die Gesamtheit der nicht-jüdischen Deutschen, die nach den Verbrechen des zweiten Weltkrieges geboren wurden, aber deren „Jugend den Keim des Todes, [...] der in den Gaskammern Erstickten, in sich trägt"34, steht die weibliche Hauptfigur von ,Müll’, Roma B., deren metaphorisches und an den Gastod angelehntes Lungenleiden und deren Atemnot. Hier findet ihre direkte Identifizierung mit den KZ-Opfern des Nationalsozialismus statt, wenn sie zu ihrem Zuhälter Franz B. sagt -.„Die Kälte, Franz, die brennt mir den Flaum von der Haut. Wie ein gerupftes Huhn werde ich sein, die goldenen Zähne versetzend."35 Die dargestellte Anonymität und Kälte der todbringenden und von Krankheit und ;chimmel durchsetzten Stadt, ein weiteres zentrales Motiv von ,Müll’ und von Zwerenz ,Erde’- Roman und eine direkte Folge der illegalen Immobiliengeschäfte der durch die Stadtverwaltung eingesetzten und instrumentalisierten, .jüdischen’ Spekulanten’, deutet Peisker als das „kollektive Unbewusste der deutschen Gesellschaft, auf die die Totenstarre der KZ-Opfer zurückfällt."36 In ihrer Argumentation sind die Gefühle der nicht-jüdischen Deutschen gegenüber eben diesen unzähligen und oft auch namenlosen Opfern, im Stück beispielsweise den Eltern des ebenfalls namenlosen .Reichen Juden’, äußerst ambivalent und manifestieren sich nicht nur in Mitgefühl, sondern eben auch durch „Vergeltungsängste, unbewusste Phantasien von Strafe und Rache für die nationalsozialistischen Verbrechen."37

„Die bloße Existenz jüdischer Deutscher im Land der Täter mahnt nicht-jüdische Deutsche an ihre Schuld, steht für die Erinnerung an die schlimmsten Verbrechen der deutschen Geschichte. [...] Wenn die deutsche Gesellschaft sich selbst als Opfer erlebt, muss sie sich nicht als Erbe der NS-Henker fühlen und kann ihre Verantwortung für die NS-Vergangenheit abschütteln."38

Janusz Bodek verwendet in diesem Zusammenhang ebenfalls den Begriff des ,Schuldabwehrantisemitismus'.39 Die Inversion der Opfer-Täterrolle ist ein wesentliches Motiv in Fassbinders Stück und taucht durchgehend, vor allem in seiner Zeichnung der Hauptfiguren auf. Besonders die Opferrollen von Roma B. und Franz B. in direkter Unterscheidung zur Figur des .Reichen Juden’ macht dies noch einmal deutlich. Die beiden deutschen Hauptfiguren, die durch ihre soziale Randgruppenstellung - Roma B. als Prostituierte und Franz B. als Homosexueller - bereits eine Opferrolle inne haben, werden zusätzlich mit Elementen einer „christlichen Leidenspassion, [dramatisiert, der ,Reiche Jude' im Gegenzug mit dem] Christusmörder-Motiv"40 belegt. Durch das Anagramm des Namens .Roma - Amor’ wird ihre verzweifelte und erfolglose Suche nach der Liebe bereits in der Wahl des Rollennamens angelegt. Ferner ist Roma auch Sitz des Vatikans und die Hauptstadt des weltweiten Christentums.41 Nach vergeblichen Versuchen eines puren Überlebens in der lebensfeindlichen Stadt wird das Opfer Roma B., die Verkörperung der nicht­jüdischen Deutschen, aber auch der Christen, schließlich vom namenlosen Juden erdrosselt und stirbt den gleichen Erstickungstod der Millionen Holocaust-Vergasten. Damit stirbt auch die „deutsch-jüdische Normalität [...] völlig emotionslos, wie ehemals die Tötung der Juden durch die Nationalsozialisten."42 Selbst seinen direkten Gegenspieler, den erklärten Nazi Hans von Gluck, dessen mit antisemitischen Äußerungen gespickter Monolog in den aufkommenden Kontroversen zu den, vornehmlich gegen das Stück argumentierenden und am häufigsten zitierten Textstellen zählte, drängt der .Reiche Jude’ in eine, wenn auch nur wirtschaftliche, Opferrolle. Gleichzeitig degradiert er durch seine gesteigerte Potenz alle anderen Männer „zu unterlegenen Söhnen."43 Der deutsch-jüdische Journalist und Autor Henryk M. Broder hat den Monolog der .Müll’-Figur Hans von Gluck sogar als eine neue Form von deutschem Antisemitismus, „nicht nur trotz Auschwitz, sondern gerade wegen Auschwitz"44, bezeichnet. Auch hier klingt das Motiv des Schuldabwehrantisemitismus, wie auch im weiter oben zitierten Monolog des Hans von Gluck, an.

Obwohl anhand von Text- und Figurenanalysen die Beziehung zwischen dem Inhalt des Stückes und dem zeithistorischen Kontext seines Erscheinens hergestellt werden kann, lässt sich „das Verständnis des gesamten Auseinandersetzungskomplexes um Fassbinders Theaterstück [...] aus dem Text selbst nicht erschließen."45 Daher soll, nach einer allgemeinen Vorstellung des Ereignisbegriffs, die Entstehung von ,Müll’ in einen zeithistorischen Kontext gesetzt werden. Welche politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und auch persönlichen Beweggründe haben Fassbinder zur Themenwahl und zum Schreiben des Stückes veranlasst und wie kam es innerhalb kürzester Zeit nach der Veröffentlichung des Dramentextes zur ersten Kontroverse?

„Es gilt also, jene Rahmenbedingungen zu beschreiben, die sie zu einem Politikum mit dramatischen Ausmaßen haben werden lassen. Damit sind die Auswirkungen mangelhafter Verarbeitung der NS-Periode deutscher Geschichte auf das nachfolgend, durch die Schuldfrage gesteuerte, Verhältnis zu Juden in Deutschland nach 1945 gemeint."46

„Können wir verantworten, daß einige sagen: Seht her, selbst das Theater der Stadt Frankfurt sagt uns, daß der Jude ein perverser, geldheischender, böser Mensch ist."47

[Michel Friedmann am 16.O9.1985]

3. Einführung in die Ereignistheorie

3.1. Das Ereignis, viele mögliche Zugänge und Definitionen

Der jedem aus der Alltagssprache geläufige Begriff .Ereignis’ hat auch in verschiedensten wissenschaftlichen Disziplinen Einzug gehalten. So spricht die Mathematik, die Medizin, die Astronomie, die Chemie und nicht zuletzt die Geschichtswissenschaft in ihrem jeweiligen Kontext von Ereignissen. Aber auch innerhalb der Geisteswissenschaft gibt es unterschiedliche Ansätze und Traditionen einer Theorie des Ereignishaften, so in der Psychologie, der Sozialwissenschaft, der Kommunikations-, Medien-, Kunst- und Theaterwissenschaft und in der Politik-, Sozial- und Geschichtswissenschaft. In den meisten Fällen ist das Auftreten eines Ereignisses mit der spontanen Veränderung eines Normalzustandes verbunden. Im alltäglichen Gebrauch und vor allem auch in der Tagespresse gehören Aussprüche, wie .eine ereignisreiche Woche’, .Verkettung unglücklicher Ereignisse’, .das war ein Schlüsselereignis’ .ein historisches Ereignis’ zu einem Set allseits bekannter Wendungen. Die etymologische Herkunft des Begriffes im deutschsprachigen Raum liegt im mittelhochdeutschen „[erßugen = vor Augen stellen, zeigen"48 und hält dadurch die Verbindung zur Wahrnehmung, hier besonders zum Sehen, aufrecht. Ereignis ist demnach ganz allgemein, was sich eräugt, was ins Auge fällt, „ein Geschehen von öffentlicher Bedeutung [dass]nicht allein den jeweiligen Urheber betrifft, sondern weitere Kreise zieht."49 Lorenz Engeil erweitert diese allgemeine Definition von Willmar Sauter. Er definiert Ereignis als ein „auf einen Zeitpunkt datierbares, momenthaftes Vorkommnis, das durch Bedeutung, Folgenreichtum oder die bloße Tatsache seiner Selektion aus einem Horizont gleichförmiger Vorkommnisse herausgehoben wird."50

Weitere Kennzeichen von Ereignissen sind deren Vergänglichkeit und Einmaligkeit, zudem zeitliche Instabilität und Nicht-Reproduzierbarkeit.51 Von besonderer Bedeutung für das Erleben und die Kommunikation von Ereignissen ist deren Bedeutungszusammenhang, die Einordnung des Geschehenen in Kategorien und Strukturen, die das ereignete Geschehen für andere beschreib- und erzählbar machen.

„Ohne Zusammenhang sind Ereignisse [...] weder kommunizier- noch erinnerbar. Daher bleiben sowohl biographische als auch geschichtliche Ereignisse auf entsprechende Überformungen angewiesen."52

Zentrale Merkmale und Voraussetzungen einer allgemeinen Ereignisdefinition nach Sauter und Engell, die sich nicht auf eine spezielle Wissenschaftsdisziplin beziehen, sind demnach Alltagsferne, Öffentlichkeit, Selektion, Einmaligkeit, Folgenreichtum und Überformung durch den Einsatz von Narration.

Thomas Rathmann diskutiert in seiner Abhandlung .Ereignis. Konzeption eines Begriffs in Geschichte, Kunst und Literatur’ die Schwierigkeiten einer eindeutigen wissenschaftlichen Definition des Ereignis-Begriffes, besonders im Bezug auf dessen Verwendung in unterschiedlichen akademischen Disziplinen. „Das Phänomen des Ereignisses ist schon an sich Mythos und Dramenhandlung."53 Ausgangspunkt seiner Überlegungen zur Geschichte der Ereignisforschung ist die Verwendung des Begriffes in der Geschichtswissenschaft.

„Über Jahrzehnte hinweg war das Ereignis eine gleichsam objektive Kategorie für die Geschichtswissenschaften. Welthistorische Ereignisse [...] schien[en] keiner besonderen Begründung wert, ohne das je systematisch der Frage nachgegangen worden wäre, was Ereignisse eigentlich sind und wie Begebenheiten oder Vorfälle zu Ereignissen werden."54

Eine Annäherung an die komplexe Theorie des Ereignishaften kann und soll, so führt Rathmann weiter aus, nicht alleine durch die Geschichtswissenschaft gewährleistet werden, sondern muss diskursiv im Spannungsfeld anderer Disziplinen, zum Beispiel der Literatur- oder der Kommunikationswissenschaft, erarbeitet werden, wie am interdisziplinären Frankfurter Graduiertenkolleg ,Zeiterfahrung und ästhetische Wahrnehmung’. Dabei soll an Phänomene des Ästhetischen, Sprachlichen und Zeitlichen gedacht werden, da diese die Gestalt von Ereignissen mit ausmachen.55 Um dem Ereignis auf die Spur zu kommen muss „zum einen historisch, am konkreten Beispiel, zum anderen systematisch bzw. forschungspraktisch [gearbeitet werden], indem die Ereignisse ihren disziplinären Zuständig­keitsbereichen zeitweilig entzogen werden, um sie nach der Überprüfung auf ihre temporalen, praxeologischen, semantischen und performativen Strukturen der Obhut der Fächer wieder zu übereignen. [...] Die Möglichkeit dazu soll geschaffen werden durch das interdisziplinäre Gespräch."56

3.2. Ereignis: Medienereignis

Wie im vorangegangenen Kapitel bereits kurz aufgeführt, ist die Einbettung und Überformung von Ereignissen in eine Narration Voraussetzung für deren Kommunikation. Bei diesen Prozessen spielen Medien eine entscheidende und konstitutive Rolle. Hier trifft auch Niklas Luhmanns vielzitierter Einstieg in seine .Realität der Massenmedien’ zu: „Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien."57 Was wir respektive über Ereignisse aus dieser Gesellschaft und Welt, in der wir leben, wissen, scheinen wir folglich auch zum großen Teil von den Massenmedien zu wissen. Besonders in modernen visuellen Medien, wie der Fotografie und dem Fernsehen spiegelt sich auch die mittelhochdeutsche Grundbedeutung des Ereignis-Begriffes deutlich wider. Hier wird dem Betrachter das Ereignis sprichwörtlich vor Augen geführt, gleich wie weit entfernt sich das Geschehene vom Empfänger der medialen Repräsentation des Ereignisses befindet. In Ansgar Nünnings primär aus literatur- und kulturtheoretischer Sicht verfasster Definition des Ereignisbegriffes heißt es: „Massenmedien [spielen] eine konstitutive Rolle bei der Repräsentation bzw. Konstruktion von Tagesereignissen."58 Diesem Gedanken von Nünning zu Folge stellen die Massenmedien Ereignisse nicht nur medial dar, sie sind darüber hinaus auch aktiv an deren Konstruktion, vor allem auch für nachfolgende Ereignisse, beteiligt. Taz- Redakteur Bernhard Hübner zeigt an einem aktuellen Beispiel aus den Medien unter Zuhilfenahme des kommunikationswissenschaftlichen Terminus .Framing’, der eine öffentliche Akzentuierung bestimmter, meist politischer Ereignisse, durch massenmediale Akteure bezeichnet59, auf, dass „spektakuläre Ereignisse [...] bestimme[n ] wie Journalisten und ihr Publikum die Realität wahrnehmen und filtern."60 Thema der Berichterstattung war der falsche Sprengstoffalarm am Münchner Franz- Joseph-Strauss Flughafen vom 12.O1.2O1O, der nach dem vereitelten Terroranschlag auf den Flughafen in Detroit an Weihnachten, ein überwältigendes Medienecho zur Folge hatte. Der Framing-Theorie zu Folge, so Hübner, sorgen bestimmte Schlagwörter, in diesem Fall die Verbindung von Luftfahrt und Terroranschlag, für eine sofortige und gewollte Aktivierung eines Realitätsfilters bei medialen Akteuren und den späteren Empfängern, durch die das jeweilige aktuelle Ereignis automatisch kontextualisiert und mit vorangegangen Ereignissen verknüpft wird. In diesem Fall: 9/11 in New York, Weihnachten in Detroit und gestern dann auch in München.

„So praktisch das Phänomen für uns Journalisten ist, um schnell kleine Ereignisse zu packenden Sensationsgeschichten aufzupumpen, so sehr untergräbt es alles Versuche, gelassene gesellschaftliche und politische Debatten über aktuelle Probleme zu führen. Die Politiker sind dank der aufgeblasenen Berichterstattung gezwungen, schnell zu reagieren. Das Ergebnis sind schnelle, einfache Antworten, auch auf eigentlich komplexe Fragen.61

Für eine spätere ereignistheoretische Analyse von Fassbinders .Müll’ ist dieses Phänomen ebenfalls interessant. Da die Einbettung eines Ereignisses in eine übergeordnete Narration von besonderer Bedeutung zu sein scheint, macht es Sinn einen genaueren Blick auf Nünnings literaturwissenschaftliche Ereignis-Definition zu werfen. Unter Einbeziehung strukturalistischer Erzähl- und Dramentheorie (Jurij Lotmann, Roland Barthes) präsentiert er das Ereignis als kleinste und untrennbare Einheit des Sujetaufbaus. „Ein Ereignis treibt den Plot voran und führt zu einer Zustands- bzw. Situationsveränderung auf der Ebene der Strukturen."62 Roland Barthes unterscheidet in diesem Zusammenhang Ereignisse in Kardinalfunktionen (.Kernen’), die handlungsvorantreibende neue Optionen für den Erzählverlauf eröffnen, sowie in Satellitenereignisse (.Katalysen’), deren Wegfall für den logischen Fortschritt und den Zusammenhang einer Erzählung nicht zwingend notwendig ist.63 Darüber hinaus möglich sind Verkettungen von Ereignissen, die auf der gleichen Erzählebene nachfolgen, und die Einbettung eines Ereignisses in den logischen Wirkungszusammenhang eines anderen Ereignisses.64 Wie schon Rathmann in seiner Forderung nach einer interdisziplinären Theorie des Ereignisses, beschreibt auch Nünning die Verwendung von literaturwissenschaftlichen Analysemethoden für die Geschichtsschreibung, wie in Hayden Whites poststrukturalistischem Konzept der .Metahistory’, in dem die Geschichte und deren Abfolge von Ereignissen als Text, als Narration angesehen wird und somit auch literaturwissenschaftlich analysierbar wird.65 Einen weiteren Schwerpunkt im Bezug auf die mediale Repräsentation von Ereignissen legt Friedrich Lenger in seiner Einführung in die gleichnamige Publikation .Medienereignisse der Moderne’ auf das Verhältnis von medial kommunizierten Ereignissen und der gesellschaftlichen Dynamik ihres Auftretens. Lenger beschreibt, dass die allgemeine „Thematisierung kultureller Problemlagen an Schlüsselereignisse geradezu gebunden"66 zu sein scheint, die wiederum durch ihre mediale Repräsentation zu Medienereignissen werden können. Als Medienereignisse bezeichnet er Schlüsselereignisse, die „einen Prozess gesamtgesellschaftlicher Kommunikation ausgelöst [haben] und deshalb als Medienereignisse bezeichnet werden können. In ihnen verdichten sich nicht allein zentrale Thematiken der jeweiligen Zeit, sondern anhand ihrer medialen Repräsentation lässt sich auch sehr gut die Entstehung transnationaler Kommunikationsräume nachzeichnen."67

Die Verdichtung von gesellschaftlichen und politischen Themen, von Problemen und Debatten einer bestimmten Zeitperiode in einem Medienereignis ist auch bezogen auf die Fassbinder-Kontroversen, ebenso interessant, wie die Frage nach der gewollten Hervorrufung und Inszenierung solcher Schlüsselereignisse. Man wird die оgroße Bedeutung von Ereignissen zugestehen müssen, die auch wegen ihrer medialen Wirkung inszeniert worden sind."68 (Mehr dazu im Kapitel 6.3.) Auch Medienereignisse sind streng an eine Narration gebunden. Ihr Sinn als Zäsur ergibt sich erst durch deren Einbettung zwischen ein Vorher und Nachher.

„Diese Sinnhaftigkeit, die überhaupt erst ein Ereignis konstituiert, ist also gebunden an die Integration des Geschehens in eine Erzählung. Letzteres erfährt im Prozess der medialen Repräsentation regelmäßig einen Prozess der Konzentration und Verdichtung bis hin zur Kristallisation in einem einzigen Bild."69

Diesen Prozess beschreibt Lenger als mediale Ikonisierung (Bsp: Einstürzende Zwillingstürme des World Trade Centers, das Foto des RAF-Entführten Hanns Martin Schleyer). Zusätzlich weist er auf das Spannungsfeld zwischen dem repräsentierten Ereignis einerseits und dessen medialer Präsentation bzw. Narration andererseits hin70, dass nicht nur im Hinblick auf die Konstruktion von Medienereignissen, sondern auch in der Historiographie allgemein problematisch ist, da auch jede Geschichtsschreibung vergangene Ereignisse zwangsläufig narrativ rekonstruieren und durch Medien kommunizieren muss. Auch hier scheint eine interdisziplinäre Ereignisforschung als sinnvoll, die historische Ereignisse beispielsweise nicht nur mit den Methoden der Geschichtswissenschaft zu beschreiben versucht, sondern sich eben auch anderer Disziplinen, wie der Medien- oder der Kommunikations­wissenschaft zu bedienen weiß.

[...]


1 Vgl. Fassbinder ohne Ende - eine Dokumentation anlässlich der Uraufführung von Rainer Werner Fassbinders Theaterstück "Der Müll, die Stadt und der Tod" im Kammerspiel von Schauspiel Frankfurt am 31. Okt. 1985. Herausgegeben von der Intendanz des Schauspiel Frankfurt. Frankfurt am Main: Stadt Frankfurt 1985.

2 Wetzel, Daniel: Fassbinder, Rainer Werner. In: Harenberg Kulturführer „Schauspiel". 4., völlig neu bearbeitete Auflage. Mannheim: Meyers Lexikonverlag 2OO7, S. 162.

3 Peisker, Ingrid: Vergangenheit, die nicht vergeht. Eine psychoanalytische Zeitdiagnose zur Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus. Gießen: Haland und Wirth 2OO5, S. 417.

4 http://www.fassbinderfoundation.de/de/werk.php, [23.O1.2O1O].

5 Schönborn, Susanne: Juden reden über Gefühle, und die anderen über Kunst. In: Hödl, Klaus (Hg.]: Der virtuelle Jude - Konstruktionen des Jüdischen. Innsbruck 2OO5: Studienverlag, S. 1O9.

6 Bodek, Janusz: Die Fassbinder-Kontroversen: Entstehung und Wirkung eines literarischen Textes; zu Kontinuität und Wandel einiger Erscheinungsformen des Alltagsantisemitismus in Deutschland nach 1945, seinen künstlerischen Weihen und seiner öffentlichen Inszenierung. Frankfurt am Main: Peter Lang 1991, S. 146.

7 Vgl. http://www.fassbinderfoundation.de/node.php/de/theaterstuecke [21.1O.2OO9].

8 Rossmann, Andreas: Uraufführung in Mülheim. Weichzeichnungstheater mit Fassbinder. In: FAZnet [O4.1O.2OO9].https://www.faz.net/s/Rub4D7EDEFA6BB3438E85981CO5ED63D788/Doc~EA 15873653O6648OD99EOA1E8C294518F~ATpl~Ecommon~Scontent.html [11.12.2OO9].

9 Vgl. Bodek, S. 113.

10 Ebd. S. 145.

11 Zwerenz, Gerhard: Die Erde ist unbewohnbar wie der Mond. Frankfurt am Main: Fischer Verlag 1973, S. 19.

12 Ebd. S. 201.

13 Bodek, Janusz: Fassbinder ist nicht Shakespeare, Shylock kein Überlebender des Holocaust. Kontroversen um ,Müll, die Stadt und der Tod." In: Bogdal, Klaus-Michael/Holz, Klaus/Lorenz, Mathias N. (Hg.): Literarischer Antisemitismus nach Auschwitz. Stuttgart/Weimar: Metzler 2007, S. 194.

14 Vgl. Bodek 1991, S. 107.

15 Zwerenz, S. 117.

16 Ebd. S. 374.

17 Bodek 2OO7, S. 194.

18 Ebd. 2OO7, S. 193.

19 Bodek 1991, S. 76.

20 Bergmann, Werner: .Störenfriede der Erinnerung’. Zum Schuldabwehrantisemitismus in Deutschland. In: Bogdal, Klaus-Michael/Holz, Klaus/Lorenz, Mathias N. [Hg.]: Literarischer Antisemitismus nach Auschwitz. Stuttgart/Weimar: Metzler 2OO7, S. 13.

21 Bodek 2OO7, S.193.

22 Ebd.

23 Vgl. ebd., S. 194.

24 Ebd. S. 195.

25 Fassbinder, Rainer-Werner: Der Müll, die Stadt und der Tod. Frankfurt/Main: Verlag der Autoren 1981, S. 42.

26 Ebd., S. 35.

27 Altendorfer, Norbert: Absage an jeden Milieu-Realismus. In: Arnold, Heinz-Ludwig [Hg.]: Text n Kritik - Heft 103, Rainer Werner Fassbinder. München: Edition Text und Kritik 1989.

28 Ebd.

29 Friedrich, Hannes: Antisemitismus, Grausamkeit und Sexualität. In: Arnold, Heinz-Ludwig [Hg.]: Text n Kritik - Heft 103, Rainer Werner Fassbinder. München: Edition Text und Kritik 1989.

30 Ebd.

31 Fest, Joachim: Reicher Jude von links. In: Fassbinder ohne Ende - eine Dokumentation anlässlich der Uraufführung von Rainer Werner Fassbinders Theaterstück "Der Müll, die Stadt und der Tod" im Kammerspiel von Schauspiel Frankfurt am 31. Okt. 1985. Herausgegeben von der Intendanz des Schauspiel Frankfurt. Frankfurt am Main: Stadt Frankfurt 1985, S. 20.

32 Iden, Peter: Ist Fassbinder ein linker Faschist. Zu Vorwürfen gegen sein Stück „Der Müll, die Stadt und der Tod." In: theater heute 5/76, S. 10.

33 Peisker, S. 421.

34 Ebd.

35 Fassbinder 1981, S. 65.

36 Peisker, S. 421.

37 Ebd., S. 422.

38 Ebd., S. 423.

39 Siehe auch Bodek 1991, S. 75-95.

40 Bodek 2OO7, S. 196.

41 Vgl. ebd., S. 197.

42 Peisker, S. 424.

43 Ebd. S. 423.

44 Ebd. S. 422, sowie Vgl. Broder, Henryk M.: Der ewige Antisemit - über Sinn und Funktion eines beständigen Gefühls. Fischer Verlag: Frankfurt am Main 1986.

45 Bodek 1991, S. 78.

46 Ebd.

47 Friedmann, Michel: Ich schäme mich. In: Fassbinder ohne Ende, S. 92.

48 Sauter, Willmar: Ereignis. In: Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias: Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart: Metzler 2OO5, S. 92.

49 Ebd.

50 Engell, Lorenz: Ereignis. In: Pethes, Nicolas/Ruchatz, Jens [Hg.]: Gedächtnis und Erinnerung. Ein interdisziplinäres Lexikon. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 2001, S. 149.

51 Ebd.

52 Ebd.

53 Rathmann, Thomas: Ereignis. Konzeption eines Begriffs in Geschichte, Kunst und Literatur. Köln/Weimar/Wien: Böhlau Verlag 2003, S. 2.

54 Ebd. S. 4.

55 Vgl. Rathmann, S. 3-13.

56 Ebd. S. 12.

57 Luhmann, Niklas: Die Realität der Massenmedien. 4. Auflage, Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften, S. 9.

58 Nünning, Ansgar: Ereignis. In: Nünning, Ansgar [Hg.]: Metzler Lexikon Literatur- und Kulturtheorie. Ansätze - Personen - Grundbegriffe. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart/Weimar: Metzler 2OO1, S. 148.

59 Hübner, Bernhard: Reflexhafte Aufregung Panikmache. In: die tageszeitung vom 22.O1.2O1O, S. 14., Vgl dazu auch Frank Marcinkowski: Agenda Setting als politikwissenschaftlich relevantes Paradigma. In: Winard Gellner/Gerd Strohmeier [Hg.]: Freiheit und Gemeinwohl - Politikfelder und Politikvermittlung zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Baden-Baden: Nomos, 2OO2.

60 Hübner, S. 14.

61 Ebd.

62 Nünning, S. 147.

63 Vgl. ebd., sowie Lotman, Jurij M.: Die Struktur literarischer Texte. München: Fink 1989.

64 Nünning, S. 147-148.

65 Vgl. ebd,, S. 148, sowie White, Hayden: Metahistory : die historische Einbildungskraft im 19. Jahrhundert in Europa. Frankfurt am Main: Fischer, 1991.

66 Lenger, Friedrich: Einleitung: Medienereignisse der Moderne. In: Lenger, Friedrich/Nünning Ansgar (Hg.): Medienereignisse der Moderne. Darmstadt: WBG 2OO8, S. 9.

67 Ebd., S. 8.

68 Lenger, S. 10.

69 Ebd., S. 9.

70 Vgl. ebd.

Details

Seiten
115
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640721092
ISBN (Buch)
9783640721610
Dateigröße
910 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v158693
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Institut für Theater- und Medienwissenschaft
Note
1,6
Schlagworte
Fassbinder Theaterskandal Erinnerungskultur Der Müll die Stadt und der Tod Theaterstück Event Ereignistheorie Frankfurt am Main Westendkonflikt Frankfurter Häuserkampf Linksfaschismus Schulddebatten Unschuldsdebatten

Autor

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Titel: "Der Aufstand der Gegenwart" - Ereignistheoretische Analyse der Kontroversen um Rainer-Werner Fassbinders Skandalstück "Der Müll, die Stadt und der Tod"