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Die Situation und Empfindungen von Krankenschwestern in konföderierten Krankenhäusern

Seminararbeit 2004 15 Seiten

Amerikanistik - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Probleme der konföderierten Staaten bei der Versorgung verwundeter Soldaten

3. Situation und Empfindungen von Krankenschwestern in konföderierten Krankenhäusern
3.1. Aufgaben und Arbeit als Krankenschwester
3.2. Alltag und Empfindungen von Krankenschwestern

4. Die Veränderung der Rolle der Frauen in den Südstaaten während des Krieges

5. Schlußbetrachtung

Quellen und Literaturangaben

1. Einleitung

Zu Beginn des amerikanischen Bürgerkrieges standen die Armeen beider Seiten vor dem Problem, über kein ausreichend funktionierendes System zum Transport und zur Versorgung verwundeter oder erkrankter Soldaten zu verfügen. Man war auf eine so große Anzahl Verwundeter, die der Krieg produzierte, nicht vorbereitet. Auf Seiten der Südstaaten wurden zwischen September 1862 und August 1864 412.958 verwundete oder kranke Soldaten in den Krankenhäusern Virginias behandelt.1 Die durch effektivere und modernere Waffen verursachten Verwundungen waren für Ärzte und Helfer neu und in einem solchen Ausmaß nicht erwartet worden. Oftmals lagen verwundete oder sterbende Soldaten nach einer Schlacht tagelang auf dem Schlachtfeld, ohne versorgt oder abtransportiert zu werden. Erst im Verlauf des Krieges gelang es die Versorgung der Verwundeten und Kranken, sowohl im Norden als auch im Süden, besser zu organi-sieren.

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Situation und den Empfindungen von Kranken- schwestern in Krankenhäusern der konföderierten Staaten. Arbeit, Belastung und Alltag der Krankenschwestern sollen dargestellt werden. Frauen wurden bei ihrer Arbeit als Krankenschwestern täglich mit dem grausamsten Teil eines Krieges konfrontiert.

Sie erlebten unmittelbar Leid und Verzweiflung der teils schwer verwundeten Soldaten. Trotzdem waren viele Frauen bereit zu helfen. Wie stark sich das Leben der Frauen, die sich freiwillig um die Versorgung verwundeter Soldaten kümmerten, im Verlauf des Krieges veränderte, soll in diesem Zusammenhang thematisiert werden.

Hierzu werden als Grundlage der Untersuchungen dieser Arbeit drei unterschiedliche, zeitgenössische Quellen herangezogen. Es handelt sich hier um Auszüge aus den Tage- büchern der Krankenschwestern Kate Cumming und Ada W. Bacot so wie einen Zei- tungsartikel über ein Krankenhaus in Staunton, Virginia. Beide Tagebücher vermitteln einen genauen Einblick in Alltag, Erlebnisse und Empfindungen beider Frauen während ihrer Arbeit als Krankenschwestern. Sowohl Kate Cumming als auch Ada W. Bacot scheuen sich nicht ihre teilweise unangenehmen und belastenden Erfahrungen bei der Pflege verwundeter Soldaten zu schildern. Beide beschreiben Konfliktsituationen mit anderen Krankenschwestern und mit Ärzten. Ebenso deutlich äußern sie ihre Meinung über Zustände und Arbeitsbedingungen in den jeweiligen Krankenhäusern.

Kate Cumming (1835-1909) stammte ursprünglich aus Schottland und kam als Mädchen

nach Mobile, Alabama. Sie arbeitete freiwillig als Krankenschwester in verschiedenen Feldlazaretten der konföderierten Armee im Verlauf der Kampagnen in Tennessee, Ken- tucky und Georgia.2 Ada W. Bacot (1832-1911) stammte aus Roseville, South Carolina und arbeitete freiwillig als Krankenschwester im „Monticello Hospital“, Charlottesville, Virginia.3

Der Zeitungsartikel erschien am 20. August 1861 im „Staunton Spectator“, Stounton, Virginia. Die Zeitung wurde 1823 erstmalig veröffentlicht. In der Regel umfasste jede Ausgabe vier Seiten, jede Seite enthielt sieben Artikel. Der Artikel berichtet über die Belegung des Krankenhauses mit erkrankten Soldaten und beschreibt die Situation im Krankenhaus. Des Weiteren wird auf die Schwierigkeiten der Stadt, ausreichend für die Versorgung der Patienten zu sorgen, eingegangen.4

Diese Arbeit befaßt sich schwerpunktmäßig mit den oben genannten Quellen. Es erfolgt zunächst eine kurze Erläuterung der Probleme, mit denen die konföderierten Staaten bei

der Versorgung verwundeter Soldaten zu kämpfen hatte. Die enorme Bedeutung privater Initiative und freiwilliger Hilfe, um die unerwartete Flut Verwundeter besser bewältigen zu können, soll hier herausgestellt werden.

2. Die Probleme der konföderierten Staaten bei der Versorgung verwundeter Soldaten

Entgegen allen Einschätzungen dauerte der amerikanische Bürgerkrieg länger als erwar- tet. Die Kämpfe zwischen beiden Armeen waren zudem wesentlich blutiger und inten- siver als man dies von vorherigen Kriegen kannte. Auf eine so enorm große Anzahl ver- wundeter Soldaten war das Sanitätswesen der Konföderation nicht ausreichend vorbe- reitet. In den ersten Kriegsmonaten wurden verwundete Soldaten überwiegend in Zelten behandelt. Schwer Verwundete brachte man zur weiteren Versorgung und Erholung in private Wohnhäuser.

Von offizieller Seite wurde dem Sanitätswesen zunächst wenig Beachtung geschenkt.5 Den Armeeärzten fehlte es an Praxis und Erfahrung zur Behandlung von Wunden und

Krankheiten, welche die Soldaten im Verlauf von Gefechten oder im Feldlager erlitten.6

Die Situation wurde durch die immer größer werdende Zahl erkrankter Soldaten zusätz- lich erschwert. Krankheiten wie Typhus, Ruhr oder andere bakterielle Infektionen hatten ihre Ursache in den unhygienischen Verhältnissen, die in den Feldlagern herrschten. Neben den Kranken aus den eigenen Reihen, mußten ebenfalls verwundete oder kranke Gefangene der Unionsarmeen versorgt werden.

Am 26. Februar 1861 wurde mit der Einführung des „Medical Department“ durch den

Kongreß der konföderierten Staaten in Montgomery, Alabama, eine entsprechende Ab- teilung zur Organisation des Sanitätswesens geschaffen.7

In unmittelbarer Nähe zu einem Schlachtfeld konnten die Verwundeten vorerst in einem Feldlazarett versorgt werden. Zur Weiterbehandlung wurden die Verwundeten dann in die vom Kampfgebiet weiter entfernt liegenden Krankenhäuser transportiert. Nach den ersten Auseinanderstetzungen zu Beginn des Krieges dienten in den Städten sämtliche Arten von Gebäuden, wie Hotels, Kirchen, Wohnhäuser, Lagerhäuser, Läden oder sogar Bars als Krankenhäuser.8

Der Transport der Verwundeten von den Feldlazaretten zu den Krankenhäusern erwies sich aufgrund fehlender geeigneter Transportmittel als problematisch. Man benutzte für den Transport normale Passagier- oder Güterwaggons, sofern die Möglichkeit bestand die Verwundeten mit der Eisenbahn zu transportieren. Im Gegensatz hierzu entwickelte die Unionsarmee spezielle Waggons für den Transport von Verwundeten.9

Erst im Verlauf des Krieges begann man neue Krankenhäuser zu bauen. Richmond, die Hauptstadt der konföderierten Staaten, wurde nun zum Zentrum der medizinischen Ver- sorgung. Hier entstanden die meisten vom „Medical Department“ neu errichteten Kran- kenhäuser. Als Beispiel sei hier das „Chimborazo“ Krankenhaus mit einer Kapazität für über 8000 Patienten genannt. Zusammen mit den durch private Initiative gegründeten Krankenhäusern wies Richmond die größte Anzahl von Krankenhäusern für eine Stadt in den Südstaaten auf. Die neu gebauten Krankenhäuser eigneten sich zur Behandlung von Kranken und Verwundeten wesentlich besser als Hotels oder Lagerhäuser.10 Für die gesamte Kriegsdauer war das Sanitätswesen der konföderierten Staaten auf solche Be- helfslösungen angewiesen. Vor allem zu Kriegsbeginn waren die durch private Initiative

gegründeten Krankenhäuser unersetzlich. Juliet Opie Hopkins aus Alabama gründete, alarmiert durch Berichte über die schlechten Zustände in den Feldlazaretten und der steigenden Anzahl an Infektionen erkrankter Soldaten, in Richmond insgesamt drei Krankenhäuser. Bis zur ihrer Schließung im Oktober 1863 kümmerte sie sich um die gesamte Organisation und Verwaltung dieser Krankenhäuser.11

Um die Patienten verpflegen und versorgen zu können waren die Krankenhäuser ständig

auf die Unterstützung von Städten und Privatleuten angewiesen. Um dies dauerhaft zu gewährleisten, wurden zahlreiche Hilfsorganisationen, wie die „South Carolina Hospital Aid Association“, häufig auf lokaler aber auch auf Staatenebene gegründet. Den enga- gierten Bürgern war klar, daß die Armee der Südstaaten ihre Soldaten nicht ausreichend ausrüsten und medizinisch versorgen konnte.12

Oft waren es gerade Frauen aus allen Gesellschaftsschichten der Südstaaten, die Hilfs- ganisationen gründeten und sich in diesen engagierten. Frauen stellten in Heimarbeit Kleidung und Verbandsmaterial her, sammelten Geld und organisierten Lebensmittel.13

Dieses Engagement war unerlässlich für die Versorgung der Patienten und zur Unterstützung des Krankenhauspersonals. Obwohl Krankenschwestern auf freiwilliger Basis arbeiteten, wurden sie durch die konföderierte Regierung entsprechend entlohnt.14

Alltag, Arbeit und Belastung von Frauen, die in Krankenhäusern als Krankenschwestern

arbeiteten, sollen im Folgenden dargestellt werden.

[...]


1. Cunningham, Horace H., Doctors In Gray, The Confederate Medical Service. Glaucester, Massachusetts: Louisiana State University Press, 1958, S. 4 1.

2. Kate Cumming, an Alabama Nursing Volunteer, Writes in Her Journal About Conditions in the Con- federate Army Hospital Service, 1862, in: Major Problems in the History of American Medicine and

Public Health, Documents And Essays. Hrsg. John Harley Warner & Janet A. Tighe. Boston u. New York, 2001, S.181-194

3. A Confederate Nurse, The Diary of Ada W. Bacot, 1860-1863. Hrsg. Jean V. Berlin. Columbia, South

Carolina: University of South Carolina Press, 1994

4. Staunton Spectator, August 20, 1861: The Sick in Staunton, in: The Valley Of The Shadow, Civil War-Era Newspapers, Virginia Center for Digital History, University of Virginia, http://valley.vcdh.edu, 2004

5. Bridges, Edwin C., “Juliet Opie Hopkins and Alabama´s Civil War Hospitals in Richmond, Virginia”, in: Alabama Review, Vol. 53 Nr. 2 (2000), S 84 2.

6. Cunningham, Doctors in Gray, (s. Anm. 1), S. 3

7. ebenda, S. 21

8. ebenda, S. 45

9. Hawk, Alan, “An Ambulating Hospital: or, How the Hospital Train Transformed Army Medicine”, in: Civil War History, Vol. XLVIII Nr. 3 (2002), S. 217

10. Cunningham, Doctors in Gray, (s. Anm. 1), S. 51 3.

11. Bridges, “Juliet Opie Hopkins and Alabama´s Civil War Hospitals in Richmond,Virginia”, (s. Anm. 5), S 87 u. 98

12. A Confederate Nurse, The Diary of Ada W. Bacot, 1860-1863. (s. Anm. 3), S. 7

13. Hoy, Suellen, “American Wives and Mothers Join the Civil War Struggle in a Battle Against Dirt and Disease” in: Major Problems in the History of American Medicine and Public Health, Documents And Essays. Hrsg. John Harley Warner & Janet A. Tighe. Boston, New York, 2001, S.184

14. A Confederate Nurse, The diary of Ada W. Bacot, 1860-1863. (s. Anm.3), S. 74.

Details

Seiten
15
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783656024385
ISBN (Buch)
9783656024378
Dateigröße
472 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v158683
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
2,0
Schlagworte
Amerikanischer Bürgerkrieg Conföderierte Sanitätswesen Krankenhäuser

Autor

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Titel: Die Situation und Empfindungen von Krankenschwestern in konföderierten Krankenhäusern