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Kompetenzentwicklung mit Neuen Medien

Eine Analyse des wissenschaftlichen Diskurses

Studienarbeit 2009 19 Seiten

Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Neue Medien im Bildungskontext
2.1 Ziel- und Aufgabenbereiche aus kompetenzorientierter Sicht
2.2 Ziel- und Aufgabenbereiche aus medienpadagogischer Sicht

3 Die Bedeutung der Medienkompetenz in der Kompetenzdebatte

4 Darstellung des wissenschaftlichen Diskurses
4.1 Arnold, Rolf/ Muller, Hans-Joachim (2006): Kompetenzentwicklung durch Schlusselqualifikations-Forderung
4.2 Kron, Friedrich W./ Sofos, Aliviosos (2003): Mediendidaktik
4.3 Erpenbeck, John/ Heyse, Volker (2007): Die Kompetenzbiographie. Wege der Kompetenzentwicklung

5 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Dieter Mertens, 1967-1987 Leiter des Instituts fur Arbeitsmarkt- und Berufsfor- schung der Bundesanstalt fur Arbeit, hat „mit seinen Beitragen zur beruflichen Flexibilitatsforschung einen berufs- und erwachsenenpadagogischen Stein ins Rol- len gebracht, der bis heute noch nicht zum Stillstand gekommen ist.“ Den Begriff „Schlusselqualifikation“ verwendete er zum ersten Mal auf einem Vortrag 1972, und gab 1974 eine erste schriftliche Definition. Er formuliert „[...] weniger Ver- mittlung additiven Wissens (to know what) und mehr „Schulung“ von Fahigkeiten und prozeduralem Wissen.“ (vgl. Arnold/ Muller, S. 31). Der Stellenwert speziali- sierten Fachwissens verandert sich zugunsten umfassender Kompetenzvermittlung. Es findet ein Paradigmenwechsel statt. „Es geht nicht mehr vorrangig um analy- tisch bestimmte und in Seminaren zu vermittelnde Qualifikationen, sondern um umfassende Kompetenzen, fur deren Erwerb das Lernen in der Arbeits- und Le- benswelt unerlasslich ist.“ (vgl. Dehnbostel, S. 1). Neue Medien dienen im Lehr- und Lernprozess nicht allein zur Unterstutzung der Wissensaufnahme bei Lernen- den[1], sondern eroffnen ihnen auch die Moglichkeit, handlungsorientiert und selbst- standig Wissen aufzunehmen um selbstverantwortlich und selbstorganisiert seinen Lern- und Qualifikationsprozess zu gestalten. Medienkompetenz ist eine wesentli- che Variable im Lehr- Lern- Prozess. Durch den Einsatz elektronischer Medien wird von den Lernenden und Lehrenden eine gewisse Erwartungshaltung in die Effektivitat von Unterricht gelegt. In der vorliegenden Arbeit mochte ich anhand von drei Veroffentlichungen das Thema Kompetenzentwicklung mit Neuen Medien recherchieren. Als Eingrenzung dient mir dabei die Fragestellung: Inwieweit wird Medienkompetenz als eine zentrale Qualifikation fur alle angesehen, die in Lehr- und Lernprozessen aktiv sind? Die von mir gewahlten wissenschaftlichen Quellen werden in Form eines wissenschaftlichen Diskurses dargestellt. Diesem vorausge- stellt stelle ich die Ziel- und Aufgabenbereiche fur Erziehung und Bildung sowohl aus kompetenzorientierter Sicht als auch medienpadagogischer Sicht heraus. In­wieweit Medienkompetenz in der Kompetenzdebatte von Bedeutung ist wird Be- standteil des folgenden wissenschaftlichen Diskurses sein. Im abschlieBenden Fa- zit verdeutliche ich meinen eigenen Standpunkt zum Thema.

2 Neue Medien im Bildungskontext

„Die Entfaltung bereits vorhandener und die Entstehung neuer Kompetenzen ist Kompetenzentwicklung. (vgl. Erpenbeck/ Heyse, S. 157). Kompetenzentwicklung hat die personliche Entfaltung des Individuums zum Ziel, dessen gesellschaftliche Teilhabe und Beschaftigungsfahigkeit zu erlangen bzw. zu behalten. „Kompetenz- entwicklung wird damit als zentrale Komponente zur Sicherung der globalen Wettbewerbsfahigkeit und zum Uberleben unserer Gesellschaft angesehen: Sie gerat zu einem Schlusselelement zur Gestaltung der Zukunft.“ (vgl. Gnahs, S. 12). Bildung und Weiterentwicklung der eigenen Kompetenzen sind immer mehr Auf- gabe des Einzelnen und nicht nur von Bildungstragern initiiert. Medien dienen als Kanale zur Vermittlung von Informationen. Traditionell werden zur Unterstutzung des Lehrens und Lernens Lehrbucher und Lehrfilme also analoge Medien genutzt. Neue Medien gehen von der Einwegkommunikation weg und verbinden verschie- dene Kommunikationsformen miteinander. Die Verwendung von Film, Text, Gra- fik, Ton usw. basiert meist auf Computertechnik. Sie werden auch als digitale, elektronische oder interaktive Medien bezeichnet. Neu sind auch die Tragermedien wie DVD, CD-ROM, Blu-ray Disc usw. sowie die Art wie die Daten gespeichert und ubertragen werden. Das Internet, das sich erst in den 1980er Jahren durchsetz- te ist ein vergleichsweise junges Medium. (vgl. de Witt/ Czerwionka S. 16). In diesem Kontext sind die Begriffe Multimedia und Netzpublikationen gebrauchlich. Die Schnelligkeit und Dynamik, die den Nutzern oder Rezipienten zur Verfugung stehen, konnen aufgrund unterschiedlicher Mediensozialisation zu Hemmnissen in der Medienhandhabung fuhren.

Der Begriff „Neue Medien“ wird in der Literatur unterschiedlich definiert. Auf der Internetseite www.wissen.de ist u. a. die Definition zu finden: „Sammelbezeich- nung fur verschiedene Techniken im Bereich der Unterhaltungselektronik, der Datenverarbeitung und der Nachrichtentechnik sowie fur Neuentwicklungen bei der Informationsspeicherung und -ubertragung, im weiteren Sinne auch die neuen Formen der Massenkommunikation, insbesondere das Internet.“ Gegenuber den traditionellen Medien haben die Neuen Medien drei entscheidende Charakteristika: Interaktivitat (meint das wechselseitige Agieren zwischen den Menschen und den hochkomplexen technischen Systemen), Hypertext (hiermit ist ein Netz von Tex- ten oder Textteilen gemeint, die auf vielfaltige Weise miteinander verbunden sind) und Virtualitat (damit ist ein steuerbarer Raum, eine beeinflussbare kunstliche Welt gemeint). (vgl. http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/ressorts/bildung/ index,page=1662150.html).

2.1 Ziel- und Aufgabenbereiche aus kompetenzorientierter Sicht

„Das Wort „Kompetenz“ ist lateinischen Ursprungs. Das lateinische Wort „compe- tentia“ bezeichnet dabei in deutscher Ubersetzung das Substantiv „Zusammentref- fen“, das Adjektiv „competens“ lasst sich mit „angemessen“ ins Deutsche ubertra- gen. [...] Kompetenz zeigt sich offenbar, wenn beim Zusammentreffen situativer Erfordernisse und dem individuell zur Verfugung stehenden Potential an Kennt- nissen, Fertigkeiten etc. angemessen gehandelt werden kann.“ (vgl. Gnahs, S. 20). Die Begriffe „Qualifikation“, „Kompetenz“ und „Bildung“ werden in der bil- dungspolitischen Diskussion recht unterschiedlich definiert und nicht trennscharf genutzt. Dieter Gnahs versteht unter Qualifikation „[...] definierte Bundel von Wissensbestanden und Fahigkeiten, die in organisierten Qualifizierungs- bzw. Bil- dungsprozessen vermittelt werden [...].“ (ebd., S. 22). Im Gegensatz dazu versteht er unter Kompetenz: „Eine Kompetenz ist die Fahigkeit zur erfolgreichen Bewalti- gung komplexer Anforderungen in spezifischen Situationen. Kompetentes Han- deln schlieBt den Einsatz von Wissen, von kognitiven und praktischen Fahigkeiten genauso ein wie soziale und Verhaltenskomponenten (Haltungen, Gefuhle, Werte und Motivationen).“ (ebd., S. 21f). Der Sprachwissenschaftler Noam Chomsky unterscheidet neben der Kompetenz die „Performance, die im Gegensatz zur Kompetenz prinzipiell beobachtbar und registrierbar ist.“ (ebd., S. 20). Grundsatzlich werden bei der Vielzahl von Definitionen des Begriffes „Kompe- tenz“ zwei unterschiedliche Bedeutungen herausgearbeitet: Kompetenzen im Sin- ne von Zustandigkeit fur ein bestimmtes Handeln und Kompetenz im Sinne von Fahigkeit zu einem bestimmten Handeln.

Bausteine von Kompetenz sind Wissen, Fertigkeiten, Dispositionen, Werte, Moti- vationen und Fahigkeiten. „Bei „Wissen“ handelt es sich um Kenntnisse von Fak- ten und Regeln, die dem Individuum abrufbar zur Verfugung stehen.“ (ebd., S. 123). „Fertigkeiten stellen auf die sensumotorischen Aspekte des individuellen Leistungsvermogens ab.“ „Dispositionen sind Personlichkeitseigenschaften, die vergleichsweise stabil im Lebenslauf sind.“ (ebd., S. 117). „Bei Werten handelt es sich um Haltungen und Einstellungen, die Personen gegenuber Dingen, Personen oder Personengruppen sowie gegenuber Ideen und Verhaltensweisen entwickeln bzw. entwickelt haben.“ (ebd., S. 26, 123). „Bei Motivationen handelt es sich um die emotionalen Antriebskrafte und Interessen, die das individuelle Handeln anre- gen, auslosen und in seiner Intensitat bestimmen.“ (vgl. ebd., S. 26f, 119). Fahig­keiten bilden den Oberbegriff fur Kenntnisse und Fertigkeiten.

Weiterhin werden verschiedene Arten von Kompetenzen in der Literatur unter- schieden. Eine erste Unterscheidung ist die der Fachkompetenzen und der uber- fachlichen Kompetenzen. „Bei der Fachkompetenz handelt es sich um spezialisier- te und auf eingegrenzte Gebiete bezogene Kompetenzen.“ Zu den uberfachlichen Kompetenzen zahlen insbesondere die Methoden-, Sozial- oder die personale Kompetenz. (vgl. ebd., S. 27f). Diese drei Teilkompetenzen beziehen sich auf „[..] solche Aspekte, die praktisch in allen Lebenslagen prinzipiell einsetzbar sind.“ (vgl. ebd., S. 28).

Eine andere Aufteilung wird in Spezial- und Schlusselkompetenzen vorgenommen entsprechend des Wirkungsgrades der Kompetenzen. Spezialkompetenzen sind mit dem Begriff der Fachkompetenzen ahnlich. „Schlusselkompetenzen sind diejeni- gen Kompetenzen, die alle Menschen fur ihre personliche Entfaltung, soziale In­tegration und Teilhabe, aktive Burgerschaft und Erwerbstatigkeit benotigen.“ (vgl. ebd., S. 121).

Im medienpadagogischen Zusammenhang wird der Begriff „Sprachkompetenz“ im Sinne des Linguisten Noam Chomsky oder „kommunikative Kompetenz“ im Sin- ne des Interaktionstheoretikers Jurgen Habermas diskutiert. Dieter Baacke schreibt zum Begriff kommunikative Kompetenz: “Die Kommunikative Kompetenz reali- siert sich, so die Theorie, in der 'Lebenswelt' oder 'Alltagswelt' von Individuen. Die Lebenswelt ist die fur einen Menschen oder eine Gruppe (etwa: Familie, Schulklasse, Arbeitskollegen) konstituierte reale Umwelt von Erfahrungen und Handlungsmoglichkeiten. Sie ist der Lebensraum, in dem sich Erziehung und So- zialisation abspielen und der damit alle Kommunikationen eines Menschen be- stimmt und erfasst.“ (Baacke, Medienpadagogik, S. 52)

Jean Piaget bringt 1967 mit den Begriffen „Akkomodation“ (Anpassung der Schemata an die Wirklichkeit) und „Assimilation“ (Anpassung eines Gegenstan- des in ein geistiges System) „[...] zwei Mechanismen in die Diskussion, nach der die Ausbildung von Kompetenzen als Interaktionsprozess des Menschen mit seiner Umwelt zu begreifen ist.“ (vgl. Tulodziecki, Mediennutzung und Medienkompe- tenz als medienpadagogische Aufgabe, S. 79).

[...]


[1] Bei der Verwendung der mannlichen Form wird die weibliche Form selbstverstandlich eingeschlossen

Details

Seiten
19
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640744657
ISBN (Buch)
9783640745128
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v158560
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Kultur- und Sozialwissenschaften
Note
2,3
Schlagworte
Mediale Bildung und Medienkommunikation

Autor

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