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Leni Riefenstahl: Künstlerin in der Weimarer Republik und Vorzeigefrau im Dritten Reich

von René Ide

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 31 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Fragestellung

2. Forschungsstand

3. Vom Kind zu einer Berühmtheit
3.1. Kindheit und Jugend
3.2. Tänzerin und Schauspielerin
3.3. Die Regisseurin

4. Leni Riefenstahl und ihre Rolle im Nationalsozialismus
4.1. Im Kreis der politischen Führung
4.2. Die Reichsparteitagsfilme
4.2.1. „Sieg des Glaubens“
4.2.2. „Triumph des Willens“
4.2.3. „Tag der Freiheit! - Unsere Wehrmacht“
4.3. Die Olympiafilme
4.4. Leni Riefenstahl und die Kriegsjahre

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

1. Fragestellung

Leni Riefenstahl gehörte zweifelsohne zu den populärsten, aber auch zu den umstrittensten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Mit ihren Propagandafilmen „Triumph des Willens“ und „Olympia“ prägte sie das Bild des Nationalsozialismus mit und wies doch nach 1945 jede moralische Schuld weit von sich.[1]

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Leben und dem Werk Leni Riefenstahls bis 1945. Beginnend mit dem Werdegang bis 1933 wird dabei zunächst die Frage beantwortet wie es einem jungen Mädchen gelang, dem strengen Elternhaus zu entweichen und ihre Ziele eine Künstlerkarriere zu starten verfolgte und erreichte. Welche Charaktereigenschaften prägten sich dabei aus und wie ging die junge Frau mit dem Erfolg um? Welche Arbeiten übte sie als Tänzerin, Schauspielerin und Regisseurin aus? Hinführend zum zweiten Teil der Arbeit wird herausgestellt welche Intention Leni Riefenstahl hatte, im Gegensatz zu vielen ihrer Kollegen, im nationalsozialistischen Deutschland zu bleiben und dort als Künstlerin zu arbeiten. Welche Faszination übten die Nazis und vor allem Hitler auf sie aus. War es die Sucht nach Erfolg oder eine rein ideologische Intention?

Im zweiten Teil wird zunächst ihr Einstieg in die Kunst des Nationalsozialismus ab 1933 beleuchtet. Im weiteren Verlauf wird auf die Hauptpunkte der Arbeit eingegangen. Diese bilden die Reichsparteitagstrilogie mit ihrem Hauptwerk Triumph des Willens sowie der Olympiafilm. Welche filmerischen Mittel nutzte sie für diese? Was war das Besondere an diesen Filmen? Welche Unterstützung erfuhr sie durch das Regime und vor allem welchen Nutzen hatten diese Filme für das Regime und Riefenstahl selbst?

Des Weiteren wird die Arbeit die Arbeit Riefenstahls während der Kriegsjahre betrachten, dar diese bei der Betrachtung ihrer Person besonders kritisch gesehen wurden. Was wusste Leni Riefenstahl über die Gräueltaten an den Juden und an der Zivilbevölkerung? Wusste sie von Arbeits- beziehungsweise Vernichtungslagern? Wie ging sie nach Kriegsende mit den Anschuldigungen gegen ihre Person um?

In der Arbeit wird die Betrachtung der Privatperson Leni Riefenstahl weitestgehend außen vor gelassen. Außerdem wird lediglich die Arbeit Riefenstahls vor und während des Dritten Reiches beleuchtet, denn diese ist aus heutiger Sicht ist ihre spätere Tätigkeit eher unwesentlich wenn es um ihr Lebenswerk geht. Dass sie auch nach dem Krieg als Künstlerin, Photographin, Taucherin (mit einem Alter von über 90 Jahren), Regisseurin und Autorin aktiv war, sei hier kurz erwähnt.

2. Forschungsstand

Die Literaturlage ist trotz, oder gerade durch das erreichte hohe Alter relativ bescheiden. Zwar gibt es einige Biographien über ihr Leben, jedoch hat Riefenstahl oftmals selbst dafür gesorgt, dass vielerlei Aspekte ihres Lebens unerforscht blieben. Auch ihre Memoiren lassen vieles offen und geben teilweise noch mehr Rätsel auf.[2]„Mittels Schutzbehauptungen und Unterlassungsklagen hat sie alles daran gesetzt, ihre Sicht der Dinge als die einzig gültige zu zementieren.“[3]

Die vorhandenen Biographien zum Einen „Riefenstahl. Eine deutsche Karriere“ von Jürgen Trimborn zum Anderen die vom Filmmuseum Potsdam herausgegebene „Leni Riefenstahl“ aus dem Jahr 1999[4]sind als Standardwerke anzusehen. Die wissenschaftliche Ausarbeitung kommt jedoch im Werk vom Filmmuseum Potsdam teilweise zu kurz.

Des Weiteren ist eine Reihe an Literatur vorhanden, die sich auf das Wirken Riefenstahls in der Zeit des Nationalsozialismus bezieht. Hierbei ist sowohl ihre Arbeit als Regisseurin für die Propagandamaschinerie der Nationalsozialisten bearbeitet, als auch die Karrieristin Riefenstahl, die sich nur zu gerne im Kreis der Machthaber aufhielt. An oberster Stelle ist hierbei das Werk „Die Scheinwerferin“ von Lutz Kinkel zu nennen.[5]Weiterhin bietet das Buch: „Die Verführung des Talents“ von Rainer Rother, einem Filmwissenschaftler, einen guten Überblick über die Biographie, aber vor allem über die filmerische Leistung Riefenstahls.[6]

Außerdem gibt es eine Reihe von Zeitschriftenaufsätzen zum Thema, die jedoch weitestgehend im Ausland publiziert worden sind.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Literaturlage zwar überschaubar ist, es jedoch einige sehr gut nutzbare Werke gibt. Diese finden auch in dieser Arbeit ihre Geltung.

3. Vom Kind zu einer Berühmtheit 3.1. Kindheit und Jugend

Am 22. August 1902 wurde Helene Bertha Amalia Riefenstahl, kurz Leni, im Berliner Bezirk Wedding geboren.[7]Berlin war zu diesem Zeitpunkt die Machtzentrale des deutschen Kaiserreiches und wurde zum wirtschaftlichen, sozialen aber auch gesellschaftlichen und kulturellen Zentrum mit, für diese Zeit beachtlichen, drei Millionen Einwohnern.[8]Leni Riefenstahl war die Tochter von Bertha Ida Riefenstahl, welche in einer Handwerksfamilie zusammen mit 17 Geschwistern aufwuchs und Alfred Theodor Paul Riefenstahl, einem selbstständigen Installateurmeister. Während sich die Mutter Leni Riefenstahls sehr viel für Kunst und Kultur interessierte und selbst einmal den Wunsch hatte Schauspielerin zu werden, war ihr Vater ein eher kühler, autoritärer, teilweise jähzorniger Charakter, der seine Freizeit der Jagd und dem Kartenspiel widmete. Gerade die enorme Autorität und die stets vom Vater geforderte Disziplin prägten das Bild der Familie in der Kindheit Leni Riefenstahls. Häufige Umzüge und strenge Regeln waren die Folge. Einen guten Freund fand die junge Leni in ihrem drei Jahre jüngeren Bruder Heinz, mit dem sie sich Zeit seines Lebens eng verbunden fühlte.[9]

Leni Riefenstahl selbst beschreibt ihren Vater jedoch keineswegs als Unmenschen sondern als sehr fleißigen Mann, der gut für seine Familie sorgte. Dennoch fand sie es schwierig mit ihm auszukommen und machte sie sich Sorgen um ihre Mutter, der sie sehr nahe stand.[10]„Meine Mutter war eine großartige Frau, aber sie wurde zur Sklavin meines Vaters. Sie hat ihn sehr geliebt, aber was sie mitmachen musste war entsetzlich. Ich habe mit ihr gelitten. [...] Zum Glück war mein Vater oft auf seiner Jagd, und wenn er dorthin fuhr, dann fühlten wir uns zu Hause endlich frei.“[11]

Seit ihrer frühesten Kindheit begeisterte sich Leni Riefenstahl für den Sport. Sie widmete sich hierbei vor allem dem Schwimmsport und war dem Element Wasser bis zu ihrem Tod sehr verbunden. Gerade die Aufenthalte in der Natur hatten es ihr von klein auf angetan, wie sie später in ihren Memoiren bekundete.[12]1908 wurde Leni Riefenstahl in Berlin-Neukölln eingeschult. Während ihrer Schulzeit fiel sie den Lehrern als aufgewecktes und vor allem wissbegieriges Mädchen auf, dass sehr reif für ihr Alter war. Gerade ihren Wissensdurst, der sich über eine ungeheure Breite erstreckte, versuchte sie in der Schule zu stillen. Dadurch empfand sie die Schule nicht als angstbesetzte Institution sondern vielmehr als ein Mittel zum Zweck. Bereits während dieser Zeit bildete sich eine entscheidende Charaktereigenschaft Riefenstahls heraus: „Wenn etwas ihr Interesse fesselte, gab sie sich nicht eher zufrieden, als bis ihr Wissensdurst restlos gestillt war.“[13]Nach der Volksschule besuchte sie das Kollmorgensche Lyzeum, eine reine Mädchenschule und absolvierte dort 1918 die mittlere Reife. Deutschland stand zu dieser Zeit vor einem Scherbenhaufen und auch einem gewaltigen Umbruch. Vier Jahr des Krieges hatten Deutschland außenpolitisch teilweise isoliert und in eine tiefe Krise gestürzt. Auf den Berliner Straßen tobte der Bürgerkrieg. Ein großes Maß an Orientierungslosigkeit und Existenzangst machte sich in der Bevölkerung breit.[14]

Leni Riefenstahl nahm diese Zeit nur am Rande wahr. Sie konzentrierte sich vielmehr auf die eigenen Ziele und versuchte ihre Interessen gegenüber dem Vater durchzusetzen. In ihren Memoiren sagt sie über diese Zeit des Umbruchs folgendes: „Daß der Weltkrieg inzwischen beendet war, dass wir ihn verloren hatten, dass eine Revolution stattfand, es keinen Kaiser und keinen König mehr gab, dies alles erlebte ich nur wie im Nebel. Mein Bewusstsein kreiste um eine kleine winzige Welt.“[15]

So widmete sie sich in dieser Zeit lieber der Poesie, der Malerei und kurze Zeit später ihrer lang anhaltenden Leidenschaft, dem Tanzen, zu.

3.2. Tänzerin und Schauspielerin

Wie bereits erwähnt war Leni Riefenstahl eine sehr sportbegeisterte Frau. Die sportlichen Interessen waren dabei sehr vielseitig. Sie reichten vom Schwimmen über das Geräteturnen bis hin zum damals sehr populären Ausdruckstanz, welcher in sehr vielen Berliner Theaterhäusern sehr großen Anklang fand. Gerade letzteres begeisterte sie sehr stark und forcierte ihren Drang selbst im Rampenlicht zu stehen. Riefenstahls Sehnsucht nach öffentlicher Anerkennung und Selbstdarstellung dauerte bis zu ihrem Tod an. Ihre Eltern waren zunächst sehr stolz auf ihre Vielseitigkeit und präsentierten ihre Tochter als „Wunderkind“ ihren Gästen. Eine berufliche Zukunft in eine künstlerische Richtung konnten sich beide Eltern jedoch überhaupt nicht vorstellen. Gerade für Riefenstahls Vater Alfred war eine berufliche Zukunft seiner Tochter als Bühnendarstellerin oder Tänzerin völlig indiskutabel. Er bezeichnete Schauspieler, besonders Schauspielerinnen als „Halbseidene“ oder sogar als „Halbwelt“.[16]

Leni Riefenstahl ließ sich jedoch nicht von ihrem Ziel abbringen und trug sich ohne das Wissen ihrer Eltern für den Anfängerkurs an der Berliner Tanzschule Helene Grimm-Reiters ein. Sie beschrieb dies später als einen der Wendepunkte in ihrem Leben. Sie sah den jungen Schülern bei Ballettübungen zu und sagte später: „Mich überfiel ein unbändiges Verlangen mitzumachen.“[17]

Hinter dem Rücken des zornigen Vaters und mit Hilfe der Mutter nahm Leni Riefenstahl heimlich Tanzunterricht an der vorher genannten Tanzschule. Hierbei war sie von einem ungeheuren Ehrgeiz gepackt und kam so recht schnell zu ihrem ersten Bühnenauftritt. Trotz aller Ablenkungsmanöver erfuhr der Vater vom Auftritt seiner Tochter. Dies hatte eine schwere Familienkrise zur Folge, denn der Vater drohte seiner Frau mit der Scheidung. Der Familie und vor allem der Mutter zu Liebe gab Leni Riefenstahl ihre Tanzpläne zunächst auf und meldete sich, dem Vater zu Liebe, zum Studium der Malerei an der Kunstgewerbeschule an. Doch auch dort misstraute der Vater seiner Tochter und er schickte sie daraufhin im Sommer 1919 in ein Mädchenpensionat in der Nähe von Quedlinburg (Harz). Dort sollte sie seiner Meinung nach endlich zur Vernunft kommen und einen ordentlichen Beruf in seinem Sinne erlernen. Leni Riefenstahl beugte sich, wenn auch widerwillig, der Entscheidung des Vaters und kehrte erst im Frühjahr 1920 zurück nach Berlin.[18]

Riefenstahl kehrte freudig und mit einem Kompromiss zurück nach Berlin. Sie bot ihrem Vater an, bei ihm im Betrieb als Privatsekretärin tätig zu sein, wollte dafür aber weiterhin Tanzunterricht nehmen. Der Vater willigte ein und es kam im Februar 1921 zum ersten offiziellen Auftritt. In den folgenden zwei Jahren nahm Leni Riefenstahl auch mit der Unterstützung des Vaters, Tanzunterricht bei verschiedenen berühmten Tanzschulen Berlins und Dresdens. Im August 1923, mit einundzwanzig Jahren verließ sie das Elternhaus und zog in eine kleine Wohnung am Kurfürstendamm. Kurz darauf war Leni Riefenstahl auch finanziell unabhängig von ihren Eltern._Sie widmete sich nun auch erstmals der Männerwelt, jedoch ist nur ein Name zu merken: der vier Jahre ältere österreichische Bankier Harry Sokal.

Er wurde in den folgenden Jahren ein Verehrer, Liebhaber, ständiger Begleiter, aber auch Mittel zum Zweck um die Ideen Leni Riefenstahls auch finanziell umzusetzen.[19]Beruflich drängte sich Leni Riefenstahl ins Rampenlicht. Sie wollte endlich auch als Solotänzerin Erfolg haben. Trotz des Abratens ihrer Trainer bat sie den Vater um Unterstützung bei der Organisation eines Soloabends. Er mietete für sie den Berliner Blüthner-Saal, in dem mehrere hundert Zuschauer Platz fanden. „Sie wollte, dass der Applaus endlich ihr galt, sie wollte Aufmerksamkeit und unmittelbare Wirkung erzielen.“[20]Sie selbst sagte: „Ich konnte den Augenblick, auf der Bühne zu stehen, kaum abwarten.“[21]Der Abend wurde ein voller Erfolg und Leni Riefenstahl gelang über Nacht der Durchbruch als Tänzerin. Sie wurde als kommender Star der deutschen Tanzszene von der Presse gefeiert und sie ging für die nächsten Monate auf Tournee durch ganz Deutschland.[22]Die Tanzkarriere, welche der große Traum Leni Riefenstahls war, dauerte nur kurz an. Zu groß war die Belastung für ihren Körper nach nur wenigem Jahren des Trainings. Die Warnungen ihrer Trainer hatten sich bewahrheitet. Bereits nach einem halben Jahr musste sie ihre Tournee durch Deutschland und weiteren Teilen Europas wegen einer Knieverletzung beenden. Damit war Leni Riefenstahls Karriere als Tänzerin beendet. Die Kritiker standen ihr während dieser Zeit weitestgehend wohlwollend gegenüber, wobei festzuhalten ist, dass Riefenstahl während ihres gesamten Lebens kaum zu Selbstkritik fähig war. Sie nahm größtenteils nur positive Kritiken aus der Umgebung auf, die negativen hingegen blendete sie konsequent aus.[23]Dazu passt auch ihr eigener Rückblick auf ihre Tanzkarriere: „Überall erlebte ich denselben unbeschreiblichen Erfolg bei Publikum und Presse.“[24]Leni Riefenstahl schien laut den Äußerungen in ihren Memoiren nach dem Ende der Tanzkarriere durch ihre Knieverletzung ein wenig orientierungslos zu sein. „Es schien mir vom Schicksal bestimmt, dass nur der Tanz, den ich mir hatte ertrotzen müssen, ausschließlich mein Leben bedeuten würde, heute und für alle Zukunft. Und dann dieser Sturz.“[25]

Wie Leni Riefenstahl zur Schauspielerei kam und in Hitler einen ihrer größten Bewunderer fand soll nun im Folgenden geklärt werden.

Zur Stellung des Kinos in der Gesellschaft ist zu sagen, dass es sich zunehmend immer größerer Beliebtheit erfreute. Galt es zunächst als „Theater der kleinen Leute“, so änderte sich dies damit, dass sich zunehmend bekannte Theaterschauspieler tur den Film gewinnen ließen. Hohe Gagen, landesweite Popularität und Bekanntheit und größere berufliche Aufstiegsmöglichkeiten waren dabei Anreiz genug. Die Kinoindustrie expandierte dementsprechend in den 1920er Jahren sehr stark und man suchte nach neuen, vor allem weiblichen Gesichtern, die man zu zukünftigen Stars machen konnte. Riefenstahl passte hierbei sehr gut ins Muster, hatte sie doch schon als Tänzerin einen beachtlichen Bekanntheitsgrad erlangt. Ihre Karriere als Filmschauspielerin begann 1924 während ihrer Knieverletzung. Sie sah ein Plakat des populären Bergfilmes „Der Berg des Schicksals“ von Regisseur Arnold Fanck und war sofort gefesselt. Das Genre des Bergfilms war neu und begeisterte die Zuschauer durch beeindruckende Naturaufnahmen, denn Studiokulissen wurden rigoros abgelehnt. Alles sollte echt, nichts gestellt oder nachgedreht sein, wobei die Storys sehr schlicht waren. Arnold Fanck war der Name, der mit diesem Genre maßgeblich in Verbindung gebracht wurde und wird.[26]

Leni Riefenstahl sah sich gespannt den Film an und sagte später über ihre Empfindungen: „Schon nach den ersten Blicken bin ich seltsam gefangen - Berge und Wolken, Almhänge und nackte Felstürme ziehen an mir vorüber, ich schaue in eine fremde Welt. Daß Berge so schön sind - wer hätte das gedacht! Ich kannte sie ja nur von Postkarten - leblos und starr sahen sie da aus, und nun rauscht es vor mir auf in ungeahnter Herrlichkeit.“[27]Riefenstahl sah in diesen Filmen ihr Ideal der sportlichen Betätigung mit ihrem beruflichen Kindheitstraum, der Schauspielerei, verbunden.[28]

Im Folgenden spielt Riefenstahls bereits erwähnter Freund Harry R. Sokal eine entscheidende Rolle. Er begleitet sie auf eine Reise in die Berge um sich mit der Umgebung vertraut zu machen, denn ihr Ziel ist es eine Rolle in den zukünftigen Bergfilmen Arnold Fanck zu bekommen. Sokal macht sie mit Luis Trenker dem späteren Filmstar der 1920er und 1930er Jahre bekannt. Sie erzählte ihm selbstbewusst von ihrem Vorhaben im nächsten Film von Arnold Fanck die Hauptrolle spielen zu wollen. Trenker räumte ihr zwar wenig Chancen ein, da sie weder Bergsteigen noch klettern konnte und der Bergfilm damals eine Männerdomäne war, stellte jedoch den Kontakt mit Fanck her. Bei einem Treffen Riefenstahls mit Fanck bemerkte dieser ihre Begeisterung für seine Filme sofort, dennoch schien sie unqualifiziert wegen ihrer fehlenden bereits erwähnten Kenntnisse. Warum sie trotzdem als Laie die Hauptrolle in seinem nächsten Film „Der heilige Berg“ erhielt bleibt bis heute Spekulation.

[...]


[1]Trimborn, Jürgen: Riefenstahl. Eine deutsche Karriere, Berlin 2005, S. 2.

[2]Riefenstahl, Leni: Memoiren. Köln 1987.

[3]Trimborn,, S. 12.

[4]Filmmuseum Potsdam (Hrsg.): Leni Riefenstahl. Berlin 1999.

[5]Kinkel, Lutz: Die Scheinwerferin. Leni Riefenstahl und das »Dritter Reich«, Hamburg 2002.

[6]Rother, Rainer: Leni Riefenstahl. Die Verführung des Talents, München 2003.

[7]Trimborn, S. 24 und Filmmuseum Potsdam, S. 14.

[8]Vgl. Trimborn, S. 21.

[9]Vgl. Trimborn, S. 21 ff. und Filmmuseum Potsdam, S. 14 ff.

[10]Riefenstahl, S. 30.

[11]Ebenda, S. 30.

[12]Ebenda, S. 20.

[13]Trimborn. S. 29.

[14]Ebenda, S. 29 ff.

[15]Riefenstahl, S. 15.

[16]Vgl. Ebenda, S. 16 und Trimborn, S. 30 ff.

[17]Riefenstahl, S. 26 f.

[18]Vgl. Trimborn, S. 39 und Filmmuseum Potsdam, S. 16.

[19]Vgl. Trimborn, S. 42 ff.

[20]Trimborn, S. 48.

[21]Riefenstahl, S. 61.

[22]Trimborn, S. 48 ff.

[23]Vgl. Trimborn, S. 51 ff.

[24]Riefenstahl, S. 64.

[25]Ebenda, S. 69.

[26]Trimborn, S. 61 ff.

[27]Riefenstahl, Leni: Kampf in Schnee und Eis. Leipzig 1933, S. 10 f.

[28]Filmmuseum Potsdam, S. 31 f.

Details

Seiten
31
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640710652
ISBN (Buch)
9783640710812
Dateigröße
522 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v158427
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Historisches Institut
Note
1,0
Schlagworte
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