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Vergleich des Priviligium minus mit der Überlieferung Ottos von Freising

Seminararbeit 2007 15 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Symbolik: Fahnenübergabe versus Urkunde

II. Motivation: Geschichtsschreibung versus Gesetzgebung
II.1 Ausgleich zwischen Staufern und Welfen
II.2 Aufrechterhaltung der babenbergischen Ehre

III. Die besonderen Vorrechte für Heinrich Jasomirgott
III.1 Die babenbergischen Forderungen
III.2 Die Verbriefung des Rechts
III.2.1 Wahrung der fürstlichen Ehre
III.2.2 Dynastisch- familiäre Interessen

Fazit

Literatur

Einleitung

Mit der Herauslösung der Markgrafschaft Österreich aus dem bayrischen Herzogtum gelang Friedrich I. Barbarossa 1156 nicht nur die Beilegung des staufisch-welfischen Gegensatzes. Dank seines diplomatischen Geschicks blieb auch die Ehre und das Ansehen des davon maßgeblich betroffenen Babenbergers Heinrich II. Jasomirgott in vollem Umfang erhalten1. In der hier vorliegenden Analyse sollen nun die dafür relevanten Quellen gegenübergestellt und untersucht werden. Zum einen ist dies das Privileg selbst,2von dessen Echtheit nach neuestem Forschungsstand unbedingt auszugehen ist.3Auf der anderen Seite steht der Augenzeugenbericht des Belehnungsaktes durch den zeitgenössischen Historiker Otto von Freising.4

Die Vorgehensweise ist systematisch. Nach einen Vergleich der jeweils zugrundeliegenden Symbolik zur Konstituierung der Rechtshandlung soll in einem weiteren Kapitel auf die Motivation zur Ausfertigung des Privilegs und die besondere Intention, die die Geschichtschreibung Ottos von Freising bestimmte, eingegangen werden. Auf dieser Grundlage können die besonderen Vorrechte, die Heinrich Jasomirgott erhielt, analysiert und eingeordnet werden. Damit kann aufgezeigt werden, wie sich die Urkunde und die erzählende Quelle ergänzen.

I. Symbolik: Fahnenübergabe versus Urkunde

Grundsätzlich unterscheiden sich Privileg und erzählende Quelle in der Darstellung der Legitimation der zugrundeliegenden Rechtshandlung. Otto von Freising schildert eindringlich die Übergabe des Lehens „per vexilla“. Er war unmittelbarer Zeuge der Fahnenübergabe, woraus sich seine eigene Rechtmäßigkeit als Chronist ableitet:

Der Augenzeugenbericht ist deshalb so wertvoll, weil er am meisten dem Wahrheitsprinzip entspricht, das Otto als die Pflicht des Geschichtsschreibers (officium scriptoris) schlechthin bezeichnet.5

Da diese Fahnenübergabe im Privileg selbst jedoch unerwähnt bleibt, stehen sich zwei Traditionslinien gegenüber. Der Augenzeuge bleibt der nichtschriftlichen Handlungssymbolik treu, das Privileg ist Zeugnis einer neuer Tendenz. Es spiegelt das Wiederaufleben der Legitimation einer Rechtshandlung durch Verschriftlichung im 12. Jahrhundert mit den die Urkunde konstituierenden Beglaubigungsmitteln

Trotzdem beziehen sich beide Quellen aufeinander. So verweist Otto auf das Privileg („privilegio suo conformavit“). Die Urkunde wiederum nimmt die Rechtshandlung insofern auf, indem sie sich als deklaratorische Urkunde, also „einen (zusätzlichen) Beweis für die vorher mündlich-rechtssymbolisch vollzogene Rechtshandlung“ darstellt.6 Aufgrund dieser genauen Differenzierung wird die jeweils zugrundeliegenden Tendenz ersichtlich. Auf Seite des Chronisten legitimiert sein Selbstverständnis als Augenzeuge auch sein Werk. Gerade weil er vor Ort war, wurde er in die Lage versetzt, das Gesehene seinem Wertesystem gemäß zu deuten. Dabei blieb er der traditionellen Handlungssymbolik verbunden.

Der Kaiser hingegen war, wie die Intitulatio „Fridericus divina favente clementia Romanorum imperator augustus“ nahelegt, nach göttlichem Willen sowohl als Staatsmachtträger als auch als Person fest in der römischen Kaisertradition verortet. Die von Otto vertretene Geschichtstheologie, die noch näher zu erläutern sein wird, fügte sich homogen in das durch ihn repräsentierte Herrscherbild, wie Appelt mit Blick auf die Arenga der Urkunde konstatiert:

....rerum commutatio, der Wandel, die Vergänglichkeit der Dinge ist ein zentraler Begriff hochmittelalterlicher Geschichtsphilosophie, der besonders bei Otto von Freising eine große Rolle spielt.7

Barbarossa blieb den Traditionen verbunden und trotzdem präsentierte er sich als moderner Herrscher. Er zeigte sich in der Lage auf sein, nach mittelalterlicher Vorstellungswelt, verlängertes Selbst, die Reichskanzlei zurückzugreifen, um die Taten seiner Herrschaft festzuschreiben, obwohl er selbst illiterat war.8

[...]


1Vgl. Hoke, Rudolf: Art. „Privilegium minus, Privilegium maius“. In: Lexikon des Mittelalters. Bd. 3 (1. Aufl. 1984). Sp. 2014-2O25.

2MGH Const. I., Nr. 159.

3Vgl. Appelt, Heinrich: Privilegium minus. Das staufische Kaisertum und die Babenberger in Österreich. Wien 1973. S. 14 f.

4MGH SS rer. Germ. in us. schol. 154.

5Goetz, Hans-Werner: Das Geschichtsbild Ottos von Freising. Ein Beitrag zur historischen Vorstellungswelt und zur Geschichte des 12. Jahrhunderts. Köln, Wien 1984. S.52.

6Brandt, Ahasver von: Werkzeug des Historikers. Eine Einführung in die Historischen Hilfswissenschaften. Stuttgart, 17. Auflage 2007. S. 84.

7Appelt: Privilegium minus. S. 29.

8Vgl. Krieg, Heinz: Herrscherdarstellung ind der Stauferzeit. Friedrich Barbarossa im Spiegel seiner Urkunden und der staufischen Geschichtsschreibung. Ostfildern 2003. S. 43f.

Details

Seiten
15
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640721535
ISBN (Buch)
9783640722020
Dateigröße
535 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v158386
Institution / Hochschule
Universität Stuttgart – Historisches Institut
Note
1,0
Schlagworte
Vergleich Priviligium Ottos Freising

Autor

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Titel: Vergleich des Priviligium minus mit der Überlieferung Ottos von Freising