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Arbeitsmigration in der globalisierten Welt

Über das Konfliktfeld Individuum, Ökonomie und Nationalstaat im Zuge der Globalisierung

Hausarbeit 2010 17 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Der Begriff „Migration“

2. Ursachen von Arbeitsmigration
2.1 Individuelle Migrationsentscheidung und das Push and Pull Modells
2.2 Politische Ökonomie der Migration
2.3 Nationalstaat und Migration

3. Auswirkungen von Arbeitsmigration

4. Entwicklungstrends von Arbeitsmigration.11 in der globalisierten Welt

5. Fazit

Bibliographie

Graphiken:

Das Dreieck nationalstaatlicher Ausländerpolitik9

0. Einleitung

In der vorliegenden Arbeit werden ökonomische und politische Gründe für Arbeitsmigration aus sozialwissenschaftlicher Perspektive dargestellt.

Nach einer Erläuterung des Begriffs der Migration, werden die Ursachen von Arbeitsmigration dargestellt.

Anschließend werden die Gesetzmäßigkeiten der Arbeitsmigration in der globalisierten Welt aufgezeigt.

Der Autor geht hierbei den Fragen nach, welche Faktoren Arbeitsmigration bedingen und welche Rolle der globalisierte Arbeitsmarkt hierbei spielt.

1. Der Begriff „Migration“

Migration (engl. migration) leitet sich von dem lateinischen Wort „migrare bzw. migratio“ (wandern, wegziehen, Wanderung) ab und meint in den Sozialwissenschaften Bewegungen von Personen oder Personengruppen mit dem Ziel eines dauerhaften Wohnortwechsels. Es wird generell unterschieden zwischen a) Binnenmigration (internal migration) und b) Internationaler Migration (international migration). (vgl. Han, 2005)

Als Migration kann also der Bevölkerungsprozess der Zu- /Einwanderung (Immigration) und der Ab-/Auswanderung (Emigration), mit dem Ziel eines Wohnortwechsels von „relativer Dauer“, also unter Ausschluß von Pendlern, Touristen, Vagabunden, Nomadismus bezeichnet werden. (vgl. Endruweit/Trommsdorff, 2002) „Migrationen sind vor allem ein Ausdruck der Mobilität der Arbeitskräfte. Sie sind in der Regel an bestimmte Gruppen in der Berufs- und Altersstruktur der Bevölkerung gebunden. Mit der Entwicklung der wissenschaftlich - technischen Revolution und dem mit ihr verbundenen Prozessen der Standortverteilung der Industrie und der Urbanisierung nehmen die Migrationen zu.“ (Wörterbuch Marxistisch - Lenistisches Soziologie, 1972: 293)

Gegenstand dieser Arbeit, ist die Arbeitsmigration und der scheinbare Gegensatz, zwischen rationaler Migrationsentscheidung ökonomischer Akteure und der wirtschaflich generierten globalisierten Arbeitskräftenachfrage unter Berücksichtigung der nationalstaatlichen Rolle.

2. Ursachen von Arbeitsmigration

„Ein großer Teil der Migration erfolgt als Reaktion auf die Nachfrage nach Arbeitskräften. Wenn Migranten wissen, dass sie an einem bestimmten [Ort] ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten können, weil es dort keine Arbeit gibt, würden sie vermutlich einen anderen Ort wählen. Und umgekehrt liegen zahllose Berichte vor, wonach ganze Industriesektoren und Industrien von der Verfügbarkeit von Wanderarbeitern abhängig sind.“ (Düvell, 2006: 183)

„Migration und Arbeitsmigration sind essentielle Bestandteile wirtschaftlicher Integration. …Migration ist ökonomisch effizient und förderlich.“ (Straubhaar, 1996: 11).

Wenn also in einem kapitalistischen Wirtschaftssystem ein Merbedarf an Arbeitskräften durch das einheimische Angebot an Arbeitskräften nicht, oder nur teilweise befriedigt werden kann, „wird die Nachfrageseite alles unternehmen, den Fehlbedarf durch die Arbeitskräfte des ausländischen Arbeitsmarktes auszugleichen.“ (Han, 2005: 86)

Neben der individuellen Migrationsbereitschaft und der ökonomisch generierten Arbeitskräftenachfrage, ist die faktische Einwanderung von Migranten, auch von der spezifischen, nationalstaatlichen Ausländer- und Arbeitsmarktpolitik abhängig.

Im Folgenden, werden die drei oben genannten Aspekte, welche in ihrem Zusammenspiel, die individuelle Migrationsentscheidung bedingen, näher ausgeführt.

2.1 Individuelle Migrationsbereitschaft und das Push and Pull Model

In den Sozialwissenschaften wird in Anlehnung an Everett S.Lee („Eine Theorie der Wanderung“), von den „Push und Pull Faktoren“ gesprochen. Unter den Push - Faktoren („Vertreibungs“Faktoren) werden dabei all diejenigen Faktoren des Heimatortes verstanden die den Migranten zur Auswanderung zwingen. „Dabei kann es sich um politische und religiöse Verfolgung, wirtschaftliche Krisen, zwischenstaatliche Kriege, Bürgerkriege, Umwelt- und Naturkatastrophen usw. handeln, um nur einige Beispiele zu nennen.“ (Han, 2005: 15)

Faktoren wiederum, die für einen bestimmten Aufnahmeort sprechen, bzw. diesen für eine Migration attraktiv machen, werden Pull - Faktoren („Anziehungs-“Faktoren) genannt. Dies können Vorstellungen des Migranten von Sicherheit, höherem Einkommen, anderen politischen Systemen u.ä. sein.

Das „Push and Pull“ - Modell versucht also ökonomische und demographische Faktoren (Arbeitsmarktsituation, Lohnniveau, Bevölkerungsentwicklung etc.) zu verbinden.

Als zentraler Faktor für eine Migrationsentscheidung, wird dabei die gegensetzliche Situation des Arbeitsmarktes von Herkunfts- und Zielregion betrachtet. Der Gegensatz besteht einerseits in der akuten Beschäftigungssituation des potentiellen Migranten, nämlich Arbeitslosigkeit oder Unterbeschäftigung (in der Herkunftsregion) und der Vorstellung von geringerer oder keiner Arbeitslosigkeit in der Zielregion. Zum anderen, besteht der Gegensatz in der Einkommenssituation, nämlich in geringeren Löhnen in der Herkunfts- als in der Zielregion. (vgl. Treibel, 1999)

„Hinzu kommt noch ein dritter Faktor, die Informationshypothese (migrant - stock - Variable). Sie besagt, daß die persönliche Beziehungen und „Informationskanäle“ zwischen denen, die bereits gewandert sind und denen, die u.U. wandern wollen, entscheidend zum Wanderungsentschluß beitragen.“ (Treibel, 1999, 40)

Die Ursachen für Arbeitsmigration unterliegen also einem multikausalen, individuellem Entscheidungsprozess: die dominierenden ökonomischen Faktoren werden um individuelle und strukturelle Aspekte erweitert, „ansonsten wäre nicht zu erklären, weshalb so viele Menschen, die in derselben sozio - ökonomischen Lage sind wie die Wanderinnen und Wanderer, selbst nicht wandern.“ (Treibel, 1990, 41)

Die subjektivierte Weitergabe von Informationen über den Zielort aus dem Kreise der persönlichen Beziehungen, führt dabei häufig zu einer Fehleinschätzung der tatsächlichen Gegebenheiten, sowie zu einem besonderen Motivations - Stimulus das wandern zu beginnen.

2.2 Politische Ökonomie der Migration

Unabhängig von der Gewichtung einer rational fundierten Migrationsentscheidung läßt sich feststellen, dass besonders der Faktor Lohnarbeit, und die sie bedingende Armut, in der kapitalistischen Gesellschaft Hauptmotivator für Migration ist.

„Die Einwanderung von Arbeitsmigranten in größerer Zahl ist auch in der deutschen Geschichte nicht neu.“ (Han, 2005, 87)

Das läßt sich u.a. am Beispiel der Gastarbeiter betrachten, die ab 1955, bis in die 1970er Jahre, in die BRD angeworben wurden.

„Die Beschäftigung von Ausländern sollte, so war zumindest die offizielle Leitlinie, eine vorrübergehende Erscheinung sein. Die politische Ideologie der „Gastarbeiter“ - Beschäftigung, für die es in den USA und anderen Einwanderungsländern keine Parallele gibt, war das Rotationsprinzip: offen wurde dieses jedoch nur von Teilen der Wirtschaft und der CDU/CSU vertreten. Es sah „den rotierenden Ex- und Import jeweils „junger, frischer Gastarbeiter (Filbinger)“(Thränhardt 1984: 123) vor. Die anwerbenden Staaten und Unternehmen und die Angeworbenen selbst gingen davon aus, daß sie einige Zeit im Anwerbeland blieben, um Geld für eine selbstständige Existenz oder für längerfristige Anschaffungen anzusparen und über kurz oder lang (eher: „über kurz“) zurückzukehren.“ (Treibel, 1999, 55)

Hierbei ist zu beachten dass die Auswahl der Arbeiter keineswegs zufällig geschah, sondern dass die Wirtschaftsunternehmen und Lobbyisten den Bedarf nötiger Arbeitskräfte branchenspezifisch kalkulierten und anforderten. Der Staat kam dem Bedarf der Unternehmer mit Hilfe von sogenannten Anwerberbüros unter Leitung der Bundesanstalt für Arbeit nach, indem er die Tauglichkeit der Bewerber, die unter Konkurrenz der europäischen Nachbarstaaten, (speziell Frankreich und der Beneluxstaaten) angeworben worden waren, prüfte.

Wie Freerk Huisken feststellt hat z.B. der Wirtschaftsstandort Deutschland heute nicht minder Interesse an menschlichem Humankapital dass auf Basis des kapitalitischen Wirtschaftssystems „den gesammten Weltmarkt ( … ) als Ansammlung menschlicher Ressourcen“ betrachtet. (vgl. Huisken, 2001, 24)

Huisken weist in diesem Zusammenhang auch auf die neueren Formen und die Maxime der Ausländerpolitik in der BRD insgesamt hin: „Als nützlich gilt nur noch der Ausländer, der seinen Beitrag zum ökonomischen Erfolg des deutschen Standortes leistet.“ (Huisken, 2001, 25)

„Einwanderer sind eine biegsamere Arbeitskraft, … im Unterschied zur einheimischen kann die eingewanderte Arbeitskraft flexibler eingesetzt werden, wodurch die urbanen Hersteller die Möglichkeit erhalten, ihre Produktion auf den Kunden zuzuschneiden (…).“ (Cross und Waldinger, 1997; siehe auch Baldwin - Edwards, 1998)

„[Immigranten sind] unentbehrliche Arbeiter, die unser Essen kochen, unsere Häuser reinigen, unsere Maschinen bedienen, unsere Alten pflegen, unsere Rasen mähen, unsere Autos waschen, in den Hotels arbeiten und eine ganze Menge Sachen machen, [die Deutsche nicht machen wollen und] deren Vorhandensein unserem nationalen Mosaik Reichtum und Struktur hinzufügen.“ (Endelmann, 2000)

Die, der neueren Ausländer- und Arbeitsmarktpolitik zu Grunde liegende politische Ökonomie des Neoliberalismus, mit zunehmender Privatisierung, Präkariserung der Arbeit und sinkenden Reallöhnen führt zu einer Vergrößerung der Märkte und einem erhöhtem ökonomischen Druck auf die Arbeitnehmer. Gleichzeitig besteht ein Zusammenhang zwischen der Nachfrage nach billigen Arbeitskräften und internationaler Migration, so dass letztere, als inhärenter Bestandteil, der kapitalistischen Marktwirtschft betrachtet werden muß. (vgl. Düvell, 2006)

2.3 Nationalstaat und Migration

Die endgültige Migrationsentscheidung wird neben der individuellen Migrationsbereitschaft und den ökonomischen Anforderungen des kapitalistischen Wirtschaftssystems, maßgeblich von der nationalstaatlichen Ausländer- und Arbeitsmarktpolitik des Zuwanderunglandes beeinflußt.

„Die Existenz von Nationalstaaten bildet die Grundlage zur Entwicklung einer spezifischen „Ausländerpolitik“ mit entsprechenden gesetzlichen Regelungen der Zuwanderung, der (Aufenthalts- )Rechte Zugewanderter und ihrer Integration. Anders ausgedrückt: Ohne Nationalstaaten gibt es keine „In- und Ausländer“ mit unterschiedlichem Rechtsstatus.“ (Krummacher, 2009, 62)

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Details

Seiten
17
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640720996
ISBN (Buch)
9783640720927
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v158240
Institution / Hochschule
Evangelische Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe
Note
1,0
Schlagworte
Arbeitsmigration Welt Konfliktfeld Individuum Nationalstaat Zuge Globalisierung

Autor

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Titel: Arbeitsmigration in der globalisierten Welt