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Freiheit als transzendentale Idee - Eine Untersuchung der Freiheitsantinomie nach Kant

Hausarbeit 2009 11 Seiten

Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Freiheitsantinomie
2.1 Die Entstehung der Antinomie
2.2 Kausalität durch Freiheit vs. Naturkausalität
2.3 Die Auflösung der Freiheitsantinomie

3. Kritische Beurteilung

4. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Zuge der Erkenntnisse der Hirnforschung behält die uralte Frage nach der Möglichkeit von Freiheit respektive freien Willens angesichts der empirisch erkennbaren Kausalität der Naturgesetze ihre aktuelle Relevanz. Besteht die Möglichkeit einer Kausalität aus Freiheit? Sind wir Menschen in unseren Handlungen frei oder vollständig determiniert durch Naturgesetze? Lässt sich die Vorstellung von Freiheit überhaupt mit den Gesetzen der Natur vereinbaren oder schließt das eine das andere aus? In der Geschichte der Philosophie haben diese Fragen bereits im Rahmen rationalistischer und empiristischer Theorien zu widerstreitenden Thesen und Auffassungen geführt. Erst innerhalb der Transzendentalphilosophie des neuzeitlichen Philosophen Immanuel Kant sollten diese widerstreitenden Thesen in Bezug auf die Freiheitsthematik innerhalb der sogenannten Freiheitsantinomie aus einer völlig unterschiedlichen Perspektive behandelt werden.

In diesem Zusammenhang ist es das Ziel dieser Arbeit, die Freiheitsantinomie unter der folgenden Fragestellung zu untersuchen: Wie löst Kant die Freiheitsantinomie auf und wie ist dieser Lösungsansatz zu beurteilen? Um diese Frage adäquat beantworten zu können, wird die Arbeit in der folgenden Weise vorgehen: Zunächst erfolgt in 2.1 die Untersuchung des Ursprungs bzw. der Entstehung der Antinomie sowie im Zuge dessen eine Begriffsklärung derselben. Weiterhin werden anschließend in 2.2 diejenigen Thesen beschrieben, welche letztlich zu der Antinomie der Freiheit führen, um schließlich in 2.3 Kants Ansatz zur Auflösung der Freiheitsantinomie zu präsentieren. Im Anschluss an diese Erörterung erfolgt im dritten Kapitel der Arbeit eine kritische Beurteilung der Kant’schen Konzeption, die den Anspruch erhebt, einige Schwachstellen in Kants theoretischem Gedankengebäude hervorzuheben, ohne dabei die philosophische Bedeutsamkeit der Gedanken Kants entwerten zu wollen. Schließlich endet die Arbeit mit einer abschließenden Schlussbetrachtung. Textgrundlage dieser Arbeit bildet dabei die Freiheitsantinomie aus dem zweiten Abschnitt des zweiten Buches der Transzendentalen Dialektik: Die Antinomie der reinen Vernunft aus Kants Hauptwerk Kritik der reinen Vernunft.[1]

2. Die Freiheitsantinomie

Im zweiten Abschnitt: Antithetik der reinen Vernunft befasst sich Kant mit den vier Antinomien der reinen Vernunft. Dort beabsichtigt er die Fehlschlüsse bzw. Irrtümer der traditionellen Metaphysik im Rahmen der rationalen Kosmologie zu entlarven.[2] Dieses Kapitel widmet sich in diesem Zusammenhang der Untersuchung der dritten, sogenannten Freiheitsantinomie. Zu diesem Zweck wird daher im Folgenden zunächst erläutert, wie es nach Kant zur Entstehung der Antinomie kommt bzw. wodurch sie charakterisiert ist.

2.1 Die Entstehung der Antinomie

Im Hinblick auf die Entstehung der Antinomie ist es erforderlich, Kants Unterscheidung von Verstand und Vernunft zu berücksichtigen. Der Verstand ist neben der Sinnlichkeit dasjenige Erkenntnisvermögen, das die Sinneswahrnehmungen bzw. Erscheinungen der empirischen Welt durch die Verstandesbegriffe bzw. Kategorien ordnet.[3] Im Gegensatz dazu verlangt die Vernunft

„[…] angesichts eines jeden Bedingten absolute Totalität der Bedingungen. Sie verfährt nach dem Grundsatz‚ ‚wenn das Bedingte gegeben ist, so ist auch die ganze Summe der Bedingungen, mithin das schlechthin Unbedingte gegeben‘.“[4]

In diesem Bestreben, die Welt als ein zusammenhängendes Ganzes begreifen und erkennen zu wollen, versucht sie unter anderem nach dem Unbedingten hinsichtlich der vollständigen Kausalreihe der Welterscheinungen zu suchen.[5] Dabei stößt sie auf die Frage, „[…] ob außer der Naturkausalität noch eine Kausalität aus Freiheit anzunehmen ist.“[6] Nach Kant ist allerdings der Versuch der Vernunft, das Unbedingte zu erkennen, unmöglich, da es jenseits aller Erfahrungserkenntnis liegt. Aus diesem Grunde ist auch die Vorstellung des Unbedingten der Kausalreihe nur eine kosmologische Idee, die die Vernunft notwendigerweise in dialektische Widersprüche bzw. Antinomien führt.[7] Hierzu Kant:

[...]


[1] siehe KrV, A 444-450/B 472-478.

[2] Vgl. Kreimendahl, Lothar (1998): Die Antinomie der reinen Vernunft, 1. und 2. Abschnitt. In: Mohr, Georg / Willaschek, Marcus [Hgg.]: Klassiker Auslegen. Immanuel Kant – Kritik der reinen Vernunft. Band 17/18. Berlin: Akademie Verlag, S.413f.

[3] Vgl. Ludwig, Ralf (2008): Kant für Anfänger. Die Kritik der reinen Vernunft. 13. Auflage . München: Deutscher Taschenbuch Verlag, S.58,114f.

[4] Kreimendahl, Lothar (1998): Die Antinomie der reinen Vernunft, 1. und 2. Abschnitt. A.a.O., S.421.

[5] Vgl. Tetens, Holm (2006): Kants „Kritik der reinen Vernunft“. Ein systematischer Kommentar. Stuttgart: Reclam, S.226f.

[6] Kreimendahl, Lothar (1998): Die Antinomie der reinen Vernunft, 1. und 2. Abschnitt. A.a.O., S.422.

[7] Vgl. Gölz, Walter (2008): Kants „Kritik der reinen Vernunft“ im Klartext. 2., erweiterte Auflage . Tübingen: Mohr Siebeck, S.120, 122.

Details

Seiten
11
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640707768
ISBN (Buch)
9783640707911
Dateigröße
472 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v158198
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Note
2,0
Schlagworte
Freiheitsantinomie Transzendentalphilosophie Kritik der reinen Vernunft Immanuel Kant absolute Spontaneität Antinomie der reinen Vernunft Kausalität durch Freiheit Freiheit freier Wille

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