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Theo Lederer. Ein Flugzeugsammler aus Oberbayern

Fachbuch 2010 61 Seiten

Biographien

Leseprobe

Theo Lederer. Ein Flugzeugsammler aus Oberbayern 7

VORWORT

Ein Flugzeugsammler aus Oberbayern

Schon als kleines Kind interessierte sich Theo Lederer aus Bad Heilbrunn im oberbayerischen Landkreis Bad Tölz für Flugzeuge und Hubschrauber. Diese Leidenschaft ließ ihn auch später nicht mehr los. Er sammelte zahlreiche Modelle von Flugzeugen und Hubschraubern, Autogramme berühmter Flieger und Fliegerinnen, Bücher über Luftfahrt und flughistorische Objekte. Seine umfangreiche Sammlung reicht in- zwischen aus, um ein Museum zu gründen. Theo Lederer wäre eigentlich gerne Hubschrauberpilot ge- worden, aber er verwirklichte diesen Wunschtraum nicht, weil er dringend im elterlichen Geschäft gebraucht wurde. Seine Familie betreibt schon seit 1930 eine Versicherungsagentur. Statt Hubschrauberpilot wurde Theo Lederer ein Versicherungskaufmann sowie ein bekannter und geachteter Flugzeugsammler bzw. Flug- zeughistoriker. Die von ihm gesammelten Armaturen- bretter aller bekannten deutschen Jagdflugzeuge des Zweiten Weltkrieges sind weltweit in diversen Pub- likationen veröffentlicht. Sein profundes Wissen ist sehr gefragt. Bei den Dreharbeiten für den Film „Berlinger. Ein deutsches Abenteuer“ (1975) war er für die korrekte Bemalung der Flugzeuge verantwortlich. Immer wieder initiierte er Berichte in der Presse über Themen aus der Luftfahrt. Für die „Deutsche Luftwaffe“ und die Fliegerei im „Ersten Weltkrieg“ (1914-1918) interessiert er sich deshalb so sehr, weil es damals noch sehr ritterlich bei Fliegern zuging - speziell bei den Jagdfliegern. Den Krieg, der für die Menschen viel unnötiges Leid zur Folge hat, will er keineswegs verherrlichen. 2010 produzierte er zusammen mit dem Wiesbadener Autor Ernst Probst eine Biografie über die erste bayerische Fliegerin Christl-Marie Schultes (1904-1976), die in seinem Geburtsort Bad Heilbrunn aufgewachsen ist. Die Kurzbiografie „Theo Lederer. Ein Flugzeugsammler aus Oberbayern“ von Ernst Probst belegt eindrucksvoll, wie sich ein Laie auf einem Wissensgebiet zum Experten und zum Vorbild entwickeln kann.

Wie Theo Lederer

zum Flugzeugsammler wurde

Theo Lederer wurde am 22. Juni 1954 in Bad Heilbrunn im Landkreis Bad Tölz (Oberbayern) als ältestes von vier Kindern geboren. Bereits als kleines Kind interessierte er sich für Flugzeuge und Hubschrauber. Während andere Buben seines Alters oft in eine obere Ecke ihrer Bilder eine Sonne zeichneten oder malten, musste es bei ihm immer ein Flugzeug oder ein Hubschrauber sein.

Seine Liebe zur Fliegerei wurde so bereits in seiner Kindheit geweckt. Schon im Alter von acht Jahren hatten es ihm die Plastikmodelle von „Revell“ und „Airfix“ angetan. Hier baute er das eine oder andere Modell zusammen. Leider war damals das Taschengeld noch sehr bescheiden.

Bei der mündlichen Abschlussprüfung in Englisch in der Realschule wählte Theo Lederer das Spezialthema „Markierungen und Tarnanstriche von deutschen Jagdflugzeugen im Zweiten Weltkrieg“. Dies sollte ihm später noch von großem Nutzen sein.

Als junger Mann ging Theo Lederer zur Bundeswehr und wollte Hubschrauberpilot werden. Während seiner Bundeswehrzeit in Oberschleißheim unweit von

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Alte Werfthalle und Kommandantur der „ Flugwerft Schleißheim “ unweit von M ü nchen, erbaut zwischen 1912 und 1918

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Neue Werfthalle der „ Flugwerft Schlei ß heim “ (Neubau von 1992) nördlich von München. „ Flugwerft Schlei ß heim “ ist der Name eines technischen Museums (vollst ä ndiger Name: „ Deutsches Museum Flugwerft Schlei ß heim “ ).

Dabei handelt es sich um eine Au ß enstelle des „ Deutschen Museums “ in der M ü nchener Nachbargemeinde Oberschlei ß heim. Das Museum wurde am 18. September 1992 er ö ffnet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„ Halle 1 “ in der „ Flugwerft Schleißheim “ , einer Au ß enstelle des „ Deutschen Museums “

Kampfflugzeuge in der „ Flugwerft Schlei ß heim “ , einer Au ß enstelle des „ Deutschen Museums “

München war er bei den Dreharbeiten für den viel gelobten Abenteuerfilm „Berlinger. Ein deutsches Abenteuer“ (1975) mit Martin Benrath, Hannelore Elsner und Tilo Brückner für die korrekte Bemalung der Flugzeuge verantwortlich. Insgesamt war er einige Wochen lang mit der Filmcrew unterwegs. Sein Honorar für die Mitwirkung an diesem Film besserte seinen bescheidenen Wehrsold auf.

Nach dem Ende der Dreharbeiten wollte sein Kom- mandant - ein bekannter deutscher Nachtjäger - die alte, heruntergekommene Flugwerft in Oberschleißheim in die Luft sprengen lassen. Doch Theo Lederer konnte ihm diesen Plan ausreden. Die Flugwerft blieb erhalten, wurde renoviert und ist heute ein bekanntes Zweig- museum des „Deutschen Museums“. Bei der Ein- weihung der renovierten „Flugwerft Schleißheim“ wurde Lederer am 18. September 1992 als Ehrengast eingeladen. Dabei unterhielt er sich nett mit einer ihm bis dahin unbekannten Dame, die sich, nachdem er sie nach ihrem Namen gefragt hatte, als Elly Beinhorn (1907-2007) vorstellte. Da Lederer erwähnte, dass er in Bad Heilbrunn lebt, fragte ihn die legendäre Fliegerin Elly Beinhorn, ob er die in der Gegend von Bad Heilbrunn aufgewachsene Pilotin Christl-Marie Schultes kenne. Er hatte zwar von einigen Einwohnern aus Bad Heilbrunn gehört, dass Christl-Marie Schultes früher geflogen sei, dem bisher aber keine große Bedeutung beigemessen.

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Legend ä re Fliegerin Elly Beinhorn (1907-2007)

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Das Haus, in dem Christl-Marie Schultes aufwuchs, steht heute noch in Bad Heilbrunn

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Christl-Marie Schultes (1904-1976), die erste bayerische Fliegerin

Fortan interessierte sich Theo Lederer auch für das Leben berühmter Fliegerinnen aus Deutschland. Zum Kaffeetrinken, zu dem ihn die damals 85-jährige Elly Beinhorn eingeladen hatte, kam es leider trotz eines Anrufes und eines Briefes vom ihm nicht. Seinen Traum, Hubschrauberpilot zu werden, hat Theo Lederer nicht verwirklicht. Um dieses Ziel zu erreichen, hätte er sich länger als Zeitsoldat verpflichten müssen. Dies tat er aber nicht, weil er dringend im elterlichen Geschäft gebraucht wurde. Seine Familie betreibt seit 1930 in der dritten Generation in Bad Heilbrunn eine Versicherungsagentur.

Noch heute bedauert Theo Lederer manchmal ein wenig, dass er kein Hubschrauberpilot geworden ist. Ungeachtet dessen blieb er mit der Luftfahrt eng verbunden. Er trug eine beachtliche Sammlung rund ums Fliegen zusammen, erwarb sich einen guten Ruf als Luftfahrtsammler, lernte im Laufe der Zeit viele Pilotinnen/innen kennen und flog oft bei Flugtagen mit.

Für die „Deutsche Luftwaffe“ und die Fliegerei im „Ersten Weltkrieg“ (1914-1918) interessiert sich Theo Lederer deshalb so sehr, weil es damals noch sehr ritterlich bei Fliegern zuging - speziell bei den Jagdfliegern. „Piloten, die sich gegenseitig abschossen und dies überlebten, luden sich später gegenseitig zu einem Besuch ein, feierten miteinander und waren sehr fair zueinander. Auch zu Beginn des Zweiten Weltkrieges (1939-1945) sei dies noch so gewesen, erzählt er.

Beim Sammeln flughistorischer Objekte ist Theo Lederer ein Perfektionist. So dauerte es zum Beispiel mehr als 20 Jahre, bis er das Armaturenbrett des Flugzeuges „TA 152“, der letzten Weiterentwicklung von Focke-Wulf, komplettieren konnte. Der so genannte Schusszählerkasten stammt von einem Warngauer Bauern, der ein solches Gerät in seinem Schuppen entdeckte. Die Kabinendruckanzeige kam sogar aus Australien.

In der Sammlung von Theo Lederer befinden sich heute Armaturenbretter aller bekannten deutschen Jagdflugzeuge des Zweiten Weltkrieges. Diese Arma- turenbretter sind weltweit in diversen Publikationen veröffentlicht.

1994 bot sich dem leidenschaftlichen Sammler aus Bad Heilbrunn sogar die seltene Gelegenheit, vom „Flugzeugmuseum Hannover-Laatzen“ einen Flug- zeugrumpf zu bekommen. Diesen hätte er als Gegen- leistung dafür erhalten, wenn er bei der Restauration dreier Flugzeuge mitgearbeitet hätte. Doch dazu kam es nicht, weil sich die Lederers kurz zuvor dazu ent- schlossen hatten, ein Haus zu bauen und im neuen Keller kein Platz mehr für große Objekte war. „Gott sei Dank, hat das nicht geklappt“, erzählte Theo Lederer dem „Tölzer Kurier“ und fügte hinzu: „Hätte ich das ge- macht, dann hätte mich meine Frau wohl erschlagen“.

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Details

Seiten
61
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640714681
ISBN (Buch)
9783640714773
Dateigröße
4.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v158162
Note
Schlagworte
Theo Lederer Flugzeugsammler Oberbayern

Autor

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Titel: Theo Lederer. Ein Flugzeugsammler aus Oberbayern