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Die kirchliche Ämterlaufbahn im 4. Jahrhundert

Hausarbeit 2008 17 Seiten

Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Aufkommen der kirchlichen Ämterlaufbahn
2.1.1. – 2. Jahrhundert
2.2.3. Jahrhundert
2.2.1. Tertullian
2.2.2. Cyprian
2.2.3. Apostolische Überlieferung

3. Weihestufen im 4. Jahrhundert
3.1. Das 4. Jahrhundert
3.2. Siricius
3.3. Siricius, Epistula
3.3.1. Epistula
3.3.2. Epistula 1, 9,
3.3.3. Epistula 1, 10,
3.3.4. Vergleich beider Laufbahnen
3.3.5. Durchsetzung und Ausnahmen

4. Weiterführende Änderungen
4.1. Ende des vierten Jahrhunderts
4.2. Das fünfte Jahrhundert
4.3. Das sechste Jahrhundert

5. Schlussfolgerungen

6. Literaturangaben

7. Quellenangaben

1. Einleitung

Betrachtet man das Neue Testament genauer, wird man feststellen, dass der Begriff „Amt“ nicht im direkten Zusammenhang mit den kirchlichen Funktionen zu finden ist. Dies liegt daran, dass das Wort eine Gewisse Art von Herrschaft voraussetzen könnte. Um dies zu vermeiden, verwendete schon Paulus das Wort „Dienst (diakonia)“, dessen Wortsinn die Aufforderung zum Dienen mit sich brachte[1]. In der Diakonia gab es keine Bestimmungen der Organisationen, womit eine Über- oder Unterordnung ausgeschlossen und die Gestaltung für eine Entwicklung der Ämter völlig offen war. Die erforderten Führungsrollen übernahmen, zumindest in den Gemeinden Palästinas, die Verwandten Jesu. Das erworbene Amt des Presbyters, welches von Älteren oder im Glauben Erprobten besetzt wurde, beinhaltete laut Dassmann eine amtliche Autorität, die von der persönlichen Autorität als abhängig erschien[2]. Unter den auszuführenden Tätigkeiten verstand man die Gemeindeleitung und das Beschützen vor Irrlehren.

Im Neuen Testament beschreibt Paulus die Gemeinde als eine Verkörperung des Leibes Christi, in der der Geist eine Fülle von Gaben (hier definiert als Charisma) weckt.[3] Um diesen Vergleich gerecht zu werden, führte kein Weg daran vorbei, wichtige Gemeindeaufgaben mit geeigneten Kandidaten zu besetzen. In den kommenden Jahrhunderten führte eine Vielzahl von Entwicklungen zur Entstehung einer Ämterlaufbahn mit klaren Strukturen und ersten Vorschriften. Entscheidenden Einfluss zu diesem Thema hatte im vierten Jahrhundert Papst Siricius, welcher von 384 – 399 dieses Amt besetzte.

Aus diesem Grund befasst sich meine Hausarbeit mit dem Thema der kirchlichen Ämterlaufbahn während des vierten Jahrhunderts – mit besonderer Berücksichtigung auf die Vorschriften von Papst Siricius und dessen Durchsetzungskraft. Um einen kurzen Einblick in die Materie zu bekommen, beschäftigt sich mein erster Themenabschnitt mit dem Aufkommen der kirchlichen Ämterlaufbahn, welche das erste bis dritte Jahrhundert beansprucht. In diesem Teil möchte ich sowohl die Gründe als auch die Weiterentwicklung der einzelnen Ämterstufen benennen und aufzeigen. Entscheidend für die kommende Entwicklung empfand ich den 1. Klemensbrief und die Briefe von Ignatius von Antiochien. Daher wird sich der Zeitabschnitt der ersten beiden Jahrhunderte hauptsächlich mit diesen Schriften befassen. Im dritten Jahrhundert soll eine Unterscheidung zwischen den beiden Kirchenvätern Tertullian und Cyprian helfen, entstandene Fortschritte zu verdeutlichen.

Mit dem entstandenen Verständnis für die bisherige Geschichte und die derzeitige Situation, möchte ich im zweiten Teil auf das eigentliche Thema der Hausarbeit eingehen. Zu Beginn soll ein kurzer Abriss des vierten Jahrhunderts dazu dienen, um zu zeigen, wie sich die einzelnen Ämter in der ersten Hälfte des Jahrhunderts entwickeln konnten. Mit der Synode von Serdika, welche erste Bestimmungen festlegte, möchte ich diesen Abschnitt beenden, um auf Siricius zusprechen zukommen. Um die Person etwas näher zu bringen, dient der erste Teil als kurze Biographie, wo wichtige Daten und Fakten des Papstes darlegt werden. Im darauffolgenden Punkt gehe ich auf seine Vorschriften bezüglich der Ämterweihen ein, die er in seinem ersten Brief an Bischof Himerius von Tarragona verfasst hat.

Um dessen Wirkung und Durchsetzungskraft besser betrachten zu können, geht der darauffolgende dritte Teil meiner Hausarbeit auf die weiterführenden Änderungen ein. Mit diesem Punkt möchte ich erneut untersuchen, wie groß die Wirkung der päpstlichen Vorschriften von 385 tatsächlich war.

2. Aufkommen der kirchlichen Ämterlaufbahn

2.1.1. – 2. Jahrhundert

Schon frühchristliche Gemeinden haben kirchliche Ämter geschaffen, die alle Funktionen und Aufgaben erfüllen sollten um den Fortbestand der Kirche zu fördern. Dies machten sie, indem man strukturelle Elemente aus der synodalen Gemeinde und dem hellenistischen Vereinswesen übernommen hatte. Erst gegen Ende des zweiten Jahrhunderts war die Ausbildung des dreistufigen Amtes weitestgehend abgeschlossen, so dass jede Gemeinde einen Bischof, Presbyter und Diakon besaß und niemand an dieser Ordnung zweifelte. Laut Karl Suso Frank war diese Dreiteilung der Gemeinde üblich und überall gleich.[4]

Unmittelbar in der nachapostolischen Zeit, etwa um 96, entstand der 1. Klemensbrief, welcher eine Mahnung – und doch gleichzeitig eine Unterstützung von einer Gemeinde zur Anderen darstellte. Klemens stellte die Ämter mit Hilfe von Sukzession auf göttliches Recht und war, so scheint es, der Auffassung, dass jeder an seinen berufenen Platz gehöre, da dies Gottes Wille wäre. Diesbezüglich heißt es: „Wo und durch wen er es verrichtet wissen will, hat er nach seinem allerhöchsten Willen selbst bestimmt, damit alles heiligmäßig geschehe und so in Wohlgefallen aufgenommen werde von seinem Willen.“ (40, 1)[5]. „Die Apostel haben uns das Evangelium verkündet, (das sie) vom Herrn Jesus Christus (bekommen haben), Jesus Christus aber ist gesandt von Gott. … beides ist demnach geschehen in aller Ordnung nach dem Willen Gottes. … So nämlich sagt einmal die Schrift: „Ich will einsetzen ihre Bischöfe in Gerechtigkeit und ihre Diakone in Treue“ (42, 1/5)[6].

Erst im zweiten Jahrhundert, um 110, wurden unter Ignatius von Antiochien erstmals die Ämter anhand von Leistung unterschieden. „Daher ist es notwendig - wie ihr es ja haltet - daß ihr ohne den Bischof nichts tuet, und daß ihr vielmehr auch dem Presbyterium euch füget wie den Aposteln Jesu Christi, unserer Hoffnung, in dem wandelnd wir erfunden werden sollen. Auch ist es nötig, daß die Diakonen, welche Geheimnisse Jesu Christi verwalten, auf jede Weise allen genehm seien. Denn sie sind nicht Diener für Speise und Trank, sondern Gehilfen der Kirche Gottes.“ (Trallianer 2,2/3)[7]. Demnach besaß der Bischof den Vorsitz und hatte den Presbyter zusätzlich zur Seite, während der Diakon die Funktion des Helfers in der Gemeinde einnahm. Das Hauptanliegen in seinen Briefen war die klare Stellung des Bischofes, welcher für die Einheit der Kirche stehen sollte. „Alle sollt ihr dem Bischof gehorchen wie Jesus Christus dem Vater, und auch dem Presbyterium wie den Aposteln; die Diakonen aber ehret wie Gottes Anordnung. Keiner tue ohne den Bischof etwas, das die Kirche angeht.“ (Smyrnäer 8,1)[8].

Demnach scheute Ignatius in seinen Schreiben keinerlei Vergleiche und setzte den Bischof mit Gott und den Presbyter mit den Aposteln gleich. Der Bischof könnte, diesem Abschnitt zufolge, als Abbild Gottes gesehen werden, der die Einheit der Kirche zusammenhält und auf dessen Wort die Gemeinde zuhören hat. Es entsteht zusätzlich der Eindruck, dass sich im Laufe dieser zwei Jahrhunderte das Verständnis über die Aufgaben des Bischofes vom Priester-ähnlichen, das heißt Verantwortung im Bereich der Eucharistie, zu einem monarchistischen Amt entwickelt hat.

2.2.3. Jahrhundert

Zu Beginn des dritten Jahrhunderts entstand eine Ausdifferenzierung der klerikalen Ämter und eine Ämterhierarchie wurde erkennbar, die das Episkopat, Presbyterat und Diakonat beinhaltete. Diese drei Amtsstufen bildeten sogleich die drei Höchsten der Ämterhierarchie, welche sich im Laufe der Zeit immer weiter verfestigten. Zugleich entstanden die niedrigen Dienstämter, die aufgrund eines stetigen Gemeindewachstums neue Aufgaben zu erfüllen hatten. Beispielsweise stand, laut Frank, der Subdiakon dem Diakon zur Seite und Lektoren, Akolyten sowie Exorzisten wurden mit der Ordnung des Gottesdienstes beauftragt.[9]

[...]


[1] Vgl. HENTSCHEL, Anni: Diakonia im Neuen Testament, S. 6.

[2] Vgl. DASSMANN, Erich: Kirchengeschichte 1, S. 163.

[3] Ebd.

[4] Vgl. FRANK, Karl- Suso: Grundzüge der Geschichte der Alten Kirche, S. 44ff.

[5] Klemens, 1.Klemensbrief 40,5 (BKV,35,52/53 Zeller).

[6] Ebd.

[7] Ignatius, Trallianer 2,2/3 (BKV,35,132 Zeller).

[8] Ignatius, Smyrnäer 8,1 (BKV,35,150 Zeller).

[9] Vgl. FRANK, Karl-Suso: Grundzüge der Geschichte der Alten Kirche, S. 44ff.

Details

Seiten
17
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640729494
ISBN (Buch)
9783640730018
Dateigröße
543 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v158041
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
2,3
Schlagworte
katholische Religionslehre Presbyter Ämter Kirche Tertullian Bischof Siricius 4. Jahrhundert Glauben Religion Histprische Theologie

Autor

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