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Hannibals Alpenübergang

Hausarbeit 2001 16 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I.) Einleitung

II.) Die Ausgangssituation und die Absichten Hannibals

III.) Der Alpenübergang
a.) Der Weg zu den Alpen
b.) Die Diskussion um den Aufstiegspass
c.) Der Aufstieg
d.) Der Abstieg von den Alpen
e.) Versuch einer Bilanz des Übergangs

IV.) Die Bedeutung der Elefanten

V.) Livius und Polybios als wichtigste Quellen

VI.) Schlussteil

VII.) Quellen- und Literaturverzeichnis

I.) Einleitung

Würde man heute Passanten auf der Straße befragen, was ihnen spontan zum Thema Hannibal einfiele, so würde wahrscheinlich auffallend oft Hannibals Alpenübergang genannt werden. Schon allein mit dem Namen Hannibals verbinden viele Menschen dieses Unternehmen des Karthagers, das ihn gerade so berühmt gemacht hat. In dieser Hausarbeit soll nun der Alpenübergang einmal näher betrachtet werden.

Wie kam es zu diesem Vorhaben? Welche Motive hatte Hannibal, mit einem für damalige Verhältnisse riesigen Heer über die Alpen zu ziehen? Wie verlief der Übergang? Und wie konnte der Karthager es schaffen, mit einigen 10000 Soldaten, dazu mit Kavallerie und Elefanten die steilen Gebirgspässe zu überwinden? Genau können diese Fragen sicher nicht beantwortet werden. Zu unsicher ist die Quellenlage. Archäologische Funde, die Anhaltspunkte zum wirklichen Hergang geben könnten, gibt es kaum. Wie so oft ist die Geschichtswissenschaft hier wieder einmal auf die schriftlichen Quellen angewiesen. Im Zusammenhang mit dem Alpenübergang sind die Werke von Livius und Polybios überliefert. Doch auch sie schrieben ihre Darstellungen erst Jahre nach dem Ereignis selbst nieder. Und schon bei ihnen ist nicht genau geklärt, wie sie überhaupt zu ihren Informationen kamen und ob sie diese sogar voneinander übernahmen. Gerade auf diese Frage soll im folgenden noch eingegangen werden.

Die antiken Autoren Livius und Polybios waren allerdings nur die ersten einer Vielzahl von Menschen, die sich mit Hannibals Alpenübergang auseinandergesetzt haben. Ende des 19. Jahrhunderts schätzte ein Spezialist aus Grenoble, dass bereits 300 Bücher und Artikel hierzu existierten[1]. Die meisten von ihnen beschäftigten sich damit, die genaue Wegstrecke herauszufinden. Gerade zu dieser Frage wurden zahllose Diskussionen geführt. Diese wiederzugeben, kann an dieser Stelle sicherlich nur eingeschränkt am Rande geleistet werden. Nicht zuletzt deshalb, weil der Schwerpunkt unter anderem auf eine andere Fragestellung gelegt werden soll, die diese Diskussion als ganzes beleuchtet: Wieso faszinierte der Alpenübergang ganze Generationen von Historikern so sehr, dass Hunderte von Büchern allein zu diesem Thema geschrieben wurden? Heute scheint Hannibals Wegstrecke ungefähr geklärt zu sein. Was allerdings an der Tatsache nichts ändert, dass Geschichtswissenschaftler auch weiterhin umfangreiche Literatur zum Thema veröffentlichen. Hannibals Alpenübergang hat, wahrscheinlich gerade wegen der bruchstückhaften Quellenlage, nichts von seiner Faszination und seinem Bekanntheitsgrad verloren.

II.) Ausgangsposition und Absichten Hannibals

Bevor man beginnt, den eigentlichen Alpenübergang Hannibals mit all seinen Einzelheiten zu untersuchen, ist es zunächst einmal sinnvoll, sich die Ausgangslage der Karthager vor dem Beginn dieses Unternehmens im Jahr 218 v. Chr. zu veranschaulichen.

Wie war ein militärisches Eingreifen, schon gar in Italien selbst, überhaupt möglich? Ein direkter Angriff, in dessen Verlauf Truppen über das Mittelmeer auf dem Seeweg nach Italien hätten gebracht werden können, war jedenfalls ohne Aussicht auf Erfolg. Zu groß war inzwischen die Übermacht der römischen Flotte. So verfügte allein Sempronius Longus auf Sizilien über 160 Fünfruderer[2]. Die einzige Möglichkeit, Truppen über das Mittelmeer zu transportieren, war über den relativ kurzen Seeweg nach Spanien. Von dort aus stand aber noch der lange Landweg nach Italien bevor. Hannibal erkannte jedoch durchaus die Möglichkeiten, die ein solcher Plan mit sich brachte: Wichtig ist hier vor allem der Überraschungseffekt, den er erzielen konnte. Wenn es dem Karthager gelang, mit einem Eilmarsch über die Alpen die Poebene zu erreichen, konnte er die Römer dort völlig überraschen. Diese rechneten kaum mit einem Angriff von dieser Seite, da die Alpen als Hochgebirge zu dieser Zeit für große Heeresverbände als unüberwindbar galten.[3]

Um mit einem solch verwegenen Plan aber überhaupt Erfolg haben zu können, hatte Hannibal einige weitere Faktoren zu berücksichtigen: So musste er die Alpen witterungsbedingt noch vor Einbruch des Winters überqueren[4]. Er war also entscheidendem Zeitdruck ausgesetzt, was sich später noch durch Eilmärsche bemerkbar machen sollte. Ein weiterer zu berücksichtigender Faktor war die gebotene Vorsicht vor militärischen Aktivitäten der Römer. Hannibal ließ Truppen in Spanien stationiert und schickte sogar Einheiten nach Karthago zurück. Damit hatte er die Vorhaben Roms wohl richtig eingeschätzt, denn unter neuen Konsuln Publius Cornelius Scipio und Tiberius Sempronius Longus waren zwei große militärische Operationen in Vorbereitung: Zum einen sollte Scipio mit seinen Truppen in Spanien eingreifen, zum anderen stand, wie schon erwähnt, in Sizilien T. Sempronius Longus mit einer großen Flotte bereit, und zwar mit der Absicht, Karthago selbst anzugreifen[5]. Das Vorhaben in Afrika kam allerdings später nie zustande, weil durch den Alpenübergang Hannibals die Römer ihre Truppen weitgehend zur Verteidigung Italiens einsetzen mussten. Zu einer wichtigen Voraussetzung gehörte es natürlich auch, dass Hannibal darüber informiert sein musste, was ihn in Italien erwartete. Die römische Truppenstärke kannte der karthagische Feldherr wahrscheinlich und wusste ebenso, dass den Römern noch zahlreiche Reserven zur Verfügung standen, etwa bei den Bundesgenossen. Es war dagegen mehr als unsicher, ob er selbst mit Verstärkungen rechnen konnte[6]. Dahingehend war sein Unternehmen durchaus risikoreich.

Allerdings hatte auch Hannibal zu diesem Zeitpunkt ein umfangreiches Heer. Es ist nicht genau bekannt, wie groß es war: Polybios spricht von einer Anfangsstärke von 90 000 Fußsoldaten und 12 000 Reitern[7], jedoch nehmen viele Wissenschaftler heute eine geringere Stärke an. So hält Lancel eine Zahl von insgesamt 60-70 000 Mann für wahrscheinlich. Das Heer hatte aber eine weitaus bessere Ausrüstung und Struktur als noch im Ersten Punischen Krieg[8]. Das gewaltige Vorhaben, das Hannibal nun von Spanien aus begann, war angesichts dieser Faktoren genauso risiko- wie chancenreich. Auf jeden Fall war es eine der wenigen Möglichkeiten für die Karthager, militärisch aktiv die Initiative zu ergreifen, die überhaupt in Frage kamen.

III.) Der Alpenübergang

a.) Der Weg zu den Alpen

Bevor man sich nun aber mit dem Alpenübergang selbst sowie mit all seinen Ereignissen und Problemen beschäftigt, ist es wesentlich, den Weg der Karthager von der Iberischen Halbinsel bis zu den Alpen näher zu beleuchten. Denn gerade hier kann man wichtige Aspekte erkennen, die für die spätere Entwicklung wesentlich sind. Zunächst zog das karthagische Heer durch das heutige Katalonien, wo noch nicht unterworfene Stämme Widerstand zu leisten versuchten. Hannibal beauftragte daraufhin seinen Bruder Hanno, mit einigen Truppen zurückzubleiben und das Gebiet zu sichern. Das erste große natürliche Hindernis stellten die Pyrenäen dar. Die problematischen Bergpässe sowie die Aussicht auf die noch schwieriger zu überquerenden Alpen sorgten für Unruhe bei den Soldaten, so dass Hannibal 7000 ihm unzuverlässig erscheinende Söldner zurückließ. Nach Vogelsberger blieben ihm nach dieser Maßnahme noch 40 000 Soldaten, 9 000 Reiter sowie die 37 mitgeführten Elefanten[9]. Der Weitermarsch durch gallisches Gebiet verlief zunächst relativ ruhig, da Hannibal die ansässigen Stämme durch Verhandlungen zu einer Durchreiseerlaubnis bewegen konnte. Als die Karthager dann aber die Rhone überschreiten wollten, kam es zu den nächsten Problemen. Zunächst versuchte der Stamm der Volker am anderen Ufer, das Übersetzen zu verhindern. Hannibal schickte daraufhin einige Einheiten los, um die Rhone weiter nördlich zu überqueren und die Volker so von hinten angreifen zu können. Nach dem Gelingen dieser Maßnahme mussten zunächst große Flöße gebaut werden, um die Elefanten ans andere Ufer zu transportieren[10].

Doch nach diesen ersten Schwierigkeiten ereignete sich nun etwas, das große Auswirkungen auf die weitere Entwicklung hatte: Die Karthager trafen nach der Rhone-Überquerung auf Scipios Armee. Doch zu einer großen Schlacht kam es noch nicht: Nach einem Scharmützel zwischen Kavallerie-Spähtrupps versuchte Scipio zwar, Hannibal zu einer Schlacht zu zwingen. Die Karthager hatten sich aber schon entlang der Rhone ins Landesinnere abgesetzt[11]. Dennoch hatte diese erste Begegnung wichtige Folgen: Scipio wusste nun von Hannibals Absichten und reagierte entsprechend: Die römische Armee setzte ihren Zug nach Spanien zwar fort, jedoch übergab Scipio den Oberbefehl an Gnaeus und ging selbst zurück nach Italien, um die Karthager in der Poebene zu erwarten. Gerade bei der Bewertung dieser Vorgänge herrscht in der Literatur Uneinigkeit: Lancel findet das Verhalten Scipios strategisch weitsichtig: Schließlich konnte durch die römischen Truppen in Spanien über Jahre hinweg ausgeschlossen werden, dass Hasdrubal von Spanien aus Hannibal in Italien zu Hilfe eilte[12]. Andere Geschichtswissenschaftler urteilen eher negativ: So habe Scipio die Truppen nur nach Spanien weitergeschickt, um nicht gegen den ursprünglichen Plan des Senats zu verstoßen. Hannibal habe diesen Fehler genutzt und die Geschwindigkeit des Übergangs noch beschleunigt[13].

[...]


[1] Lancel, Hannibal, S. 123f

[2] Lancel, Hannibal, S.102

[3] Vogelsberger, Hannibal, S. 120

[4] Vogelsberger, Hannibal, S. 127

[5] Vogelsberger, Hannibal, S. 121

[6] Lancel, Hannibal, S. 104f

[7] Polybios III, 35.1

[8] Lancel, Hannibal, S. 107, sowie Pauly, 2327, Zeilen 14-57

[9] Vogelsberger, Hannibal, S. 122f

[10] Lancel, Hannibal, S. 121

[11] Vogelsberger, Hannibal, S. 132

[12] Lancel, Hannibal, S. 123

[13] Pauly, 2326, Zeile 53-66

Details

Seiten
16
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783640714865
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v157973
Institution / Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf – Lehrstuhl für Alte Geschichte
Note
2,0
Schlagworte
Karthago Rom Hannibal Antike Römisches Imperium Alpenübergang

Autor

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Titel: Hannibals Alpenübergang