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Die Figuration des Sternenkinds in "2001 - Odyssee im Weltraum" von Stanley Kubrick und Arthur C. Clarke

Hausarbeit 2010 20 Seiten

Filmwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Inhaltsangabe von „2001: Odyssee im Weltraum“

3. Die drei Allegorien

4. „2001: Odyssee im Weltraum“ und die „drei Verwandlungen“

5. Das Motiv des Kindes
5.1 Die Entdeckung der Kindheit und das Kind als Symbol
5.2 Das Kind bei Heraklit, Nietzsches Konzeption der „ewigen Wiederkehr“ und seine Umsetzung in „2001: Odyssee im Weltraum“

6. Ein optimistisches Ende?

7. Literaturverzeichnis:

8. Filmografie:

1. Einleitung

Wenn in dem Film „2001: Odyssee im Weltraum“ zum zweiten Mal die Einleitungsmelodie von Richard Strauss´ „Also sprach Zarathustra“ ertönt, ist aus dem Affenmenschen Moon-Watcher der „Herr der Welt“ geworden[1].

Als die Musik ein drittes Mal ertönt, wird tausende Jahre später der Astronaut David Bowman auch zum „Herrn der Welt“[2]. Doch während Moon-Watcher durch die Entdeckung, einen Knochen als Waffe einsetzen zu können, das Überleben seiner ständig vom Aussterben bedrohten Art sichert und die nächste Stufe auf der Entwicklung zum Menschen erklimmt, wird Bowman durch Transformation zum „Herrn der Welt“, denn er wird vom Menschen zum Übermenschen[3].

Doch dieser Übermensch ist nicht so wie man ihn in Science Fiction-Filmen und -Büchern vielleicht erwartet: Es ist kein muskelbepackter He-Man, kein Laserschwert schwingender Jedi-Ritter oder teuflisch geniales Superhirn wie Dr. Zarkov. Der Übermensch in „2001: Odyssee im Weltraum“ ist ein Kind, das Star Child wie es in dem Roman zum Film von Arthur C. Clarke genannt wird[4].

Wie Riepe und Nagula feststellen, gibt es in diesem Film „keine Beliebigkeiten“, sondern „ein ausgeklügeltes Konzept“ mit mehrdeutigen Symbolen[5]. Warum haben Kubrick und Clarke dann das Bild eines Kindes benutzt, um die Verwandlung David Bowmans in den Übermenschen darzustellen? Bereits die Musik - Strauss´ „Also sprach Zarathustra“ - ist ein eindeutiger Verweis auf Friedrich Nietzsches Buch „Also sprach Zarathustra“, in dem er den Übermenschen postuliert. Das Motiv des Kindes aus „2001: Odyssee im Weltraum“ ist aber viel mehr als nur ein Zitat Nietzsches. Diese Arbeit wird zeigen, dass es Kubrick und Clarke um eine bildhafte Umsetzung zentraler Gedanken Nietzsches ging.

Denn in „Also sprach Zarathustra“ benutzt auch Nietzsche ein Kind um den Übermenschen zu symbolisieren[6].

Nietzsche hat sich praktisch von Beginn seiner schriftstellerisch-philosophischen Karriere immer wieder mit dem Motiv des Kindes beschäftigt, wenn er Gedanken über die Evolution des Menschen und seiner Rolle in Zeit und Kosmos formulierte.

Es wird deshalb auch Aufgabe dieser Arbeit sein, das Motiv des Kindes in Nietzsches philosophischen Schriften zu beleuchten.

Dafür muss auch beachtet werden, dass das Kind als Symbol nicht eindeutig ist, sondern im Laufe der Jahrhunderte unterschiedlich rezipiert wurde, weil sich auch die Stellung des Kindes in der Gesellschaft im Laufe der Jahrhunderte änderte. Auch diese Entwicklung wird diese Arbeit darstellen.

Diese Arbeit bezieht sich im Wesentlichen auf den Film „2001: Odyssee im Weltraum“, dessen Drehbuch gemeinsam von Stanley Kubrick und Arthur C. Clarke geschrieben wurde. Der Roman von Clarke, der parallel zum Film entstand, wird jedoch herangezogen, um Deutungsansätze zum Geschehen im Film zu geben oder auch um Personen und Dinge zu benennen, die im Film ungenannt bleiben und dort nur visuell erfahren werden können.

2. Inhaltsangabe von „2001: Odyssee im Weltraum“

Den Film „2001: Odyssee im Weltraum“ kann man in 4 Kapiteln gliedern, wobei es allerdings nur 3 Einblendungen von Kapitelnamen gibt.

Die Handlung von „2001: Odyssee im Weltraum“ beginnt zu einem nicht näher bestimmbaren Zeitpunkt in der Urzeit, lange nachdem die Dinosaurier bereits ausgestorben sind[7], im Film mit dem Titel „The Dawn of Man“ überschrieben.

Eine Horde pflanzenfressender Affenmenschen kämpft einen brutalen Überlebenskampf – ständig auf der Suche nach pflanzlicher Nahrung und bedroht von Raubkatzen gegen die sie sich nicht zu verteidigen wissen. Die Auseinandersetzungen um eine Wasserstelle mit einer rivalisierenden Gruppe anderer Affenmenschen bleibt zwar auf Drohgebärden beschränkt, ist aber von Aggressivität geprägt.

Eines Morgens findet die Affenmenschen-Horde vor ihrer Höhle einen ca. 3 Meter großen rechteckigen Monolithen. Nachdem sie ihn berührt haben, führt sie bei einem der Affenmenschen zu der Erkenntnis, dass er einen großen Knochen als Waffe einsetzen kann. Der Monolith verschwindet wieder, die Erkenntnis bleibt den Affenmenschen. Erstmals kann die Horde nun Fleisch eines selbst getöteten Tieres essen, anstatt auf der ständigen Suche nach pflanzlicher Nahrung zu sein. Und mit der Waffe können die Affenmenschen auch die rivalisierende Horde von der Wasserstelle vertreiben, indem sie den Anführer dieser Gruppe töten.

Millionen Jahre später finden amerikanische Astronauten auf dem Mond einen weiteren Monolithen, der vor 4 Millionen Jahren im Krater Tycho vergraben wurde und nur durch seine starke magnetische Strahlung gefunden wurde. Den Fund halten sie geheim. Der Wissenschaftler Dr. Heywood Floyd kommt mit einem Sonderflug zu einer Krisensitzung zum Mond. Als Floyd mit einer Gruppe von Wissenschaftlern den Monolithen in Augenschein nimmt und berührt, sendet der Monolith plötzlich ein durchdringendes Radiosignal in Richtung Jupiter (im Buch: Saturn).

18 Monate später bricht das Raumschiff Discovery zu einer Reise zum Jupiter (im Buch: Saturn) auf – so heißt das Kapitel auch „Jupiter Mission: 18 Months Later“. An Bord der Discovery befinden die Astronauten David Bowman und Frank Poole, sowie drei Wissenschaftler, die sich in einer Art künstlichem Tiefschlaf in speziellen Tiefschlaf-Kammern befinden und erst am Ziel der Reise aufgeweckt werden sollen. Das „sechste Besatzungsmitglied“[8] ist der Supercomputer HAL 9000, genannt Hal. Er gilt als fehlerfrei, steuert das Raumschiff, kontrolliert alle technischen Anlagen, ist mittels Kameraaugen im gesamten Schiff präsent, hat eine menschliche Stimme und kann mit den Besatzungsmitgliedern Unter­haltungen führen wie ein Mensch. Ob Hal auch ein Bewusstsein hat, bleibt offen. Seine Handlungen und Reaktionen im Laufe der Handlung lassen jedoch darauf schließen.

Bei einer Unterhaltung Hals mit Bowman wird deutlich, dass der Astronaut den Zweck der Mission gar nicht kennt. Die Entdeckung des Monolithen wird also auch 18 Monate nach seiner Entdeckung noch geheim gehalten.

Hal meldet plötzlich, dass eine Kommunikationsantenne auszufallen droht, die den Kontakt mit der Erde herstellt. Um dies zu verhindern, muss eine technische Einheit an der Antenne, also an der Außenseite des Raumschiffs, ausgetauscht werden.

Zurück an Bord untersuchen die beiden Astronauten die technische Einheit, können aber keine Fehlfunktion feststellen. Die Bodenkontrolle auf der Erde unterstellt, dass Hal einen Fehler gemacht haben muss. Der Supercomputer weist dies zurück und führt den Fehler auf menschliches Versagen zurück. Im Buch empfiehlt die Bodenkontrolle schließlich die Abschaltung Hals, im Film macht Astronaut Poole im Rahmen eines Gesprächs mit Bowman in einer Raumgondel diesen Vorschlag. Zwar haben die Astronauten dabei die Kommunikations­verbindung mit Hal ausgeschaltet, doch dieser beobachtet sie durch das Gondelfenster und liest von ihren Lippen. Bei einer weiteren Außenmission tötet Hal den Astronauten Poole, der an Bord gebliebene Bowman will ihn mit einer Raumgondel retten, was ihm nicht gelingt. Hal verweigert Bowman die Rückkehr zur Discovery. Bowman gelingt es schließlich, sich gewaltsam Zutritt zu verschaffen. Im Buch verlässt Bowman das Raumschiff nicht, Hal versucht ihn zu töten, in dem er den Sauerstoff aus dem Raumschiff lässt. Bowman kann sich jedoch retten und rechtzeitig einen Raumanzug mit Sauerstofftank anlegen. Die drei Wissenschaftler im Tiefschlaf werden von Hal in Buch und Film getötet.

Bowman beschließt, Hal abzuschalten. Als er Speicher für Speicher des Computers entfernt, degeneriert Hal und singt schließlich ein Kinderlied bevor seine Stimme erstirbt.

Nun erfährt Bowman erstmals von der Existenz des Monolithen und auch den Zweck seiner Mission – im Film durch eine Aufzeichnung, im Buch durch ein Gespräch mit Wissenschaftler Floyd: Er soll, wenn möglich, den Empfänger des Radiosignals des Monolithen finden.

Der Titel „Jupiter and Beyond the Infinite“ läutet das letzte Kapitel des Films ein. Am Ziel stößt Bowman auf einen riesigen Monolithen. Im Buch steht dieser auf dem Saturnmond Japetus, im Film schwebt er im Jupiterorbit. Bowman fliegt mit einer Raumgondel in den Monolithen, der sich als Star Gate, als Sternentor erweist[9] und ihn nach einer spektakulären Reise durch Raum und Zeit auf eine fremde Welt führt. Doch Bowman findet sich dort in nahezu vertrauter Umgebung wieder: in einem Zimmer, das im Film Louis Seize-Stil mit nüchternder Moderne kombiniert, im Buch ein Hotelzimmer des ausgehenden 20. Jahrhunderts ist. Während Bowman im Buch nun eine Reise zurück durch sein Leben bis zur Geburt unternimmt, wird Bowman im Film rapide älter. Am Ende liegt er als Greis auf dem Bett, als ihm am Fußende erneut der Monolith erscheint. Er versucht ihn mit der Hand zu berühren. In der nächsten Szene ist aus dem Greis Bowman ein Fötus geworden, der in einer Fruchtblase auf dem Bett schwebt. Dieser Fötus bewegt sich auf den Monolithen zu, der wieder wie ein Sternentor fungiert. Am Ende schwebt das Kind in einer schützenden Atmosphäre, einer Fruchtblase gleich, planetengroß im All und nähert sich dem Erdorbit. In einer letzten Szene dreht sich das Kind so zur Kamera, dass das Kind den Betrachter direkt anguckt.

[...]


[1] Vgl. Clarke, Arthur C.: „2001: A Space Odyssey“, Orbit, London, 2009, Seite 28.

[2] Vgl. ebd., Seite 252.

[3] Vgl. Wheat, Leonard F.: „Kubrick´s 2001 - A Triple Allegory“, Scarecrow Press, Maryland, 2000, Seite 99.

[4] Vgl. Clarke: „2001: A Space Odyssey“, Seite 252.

[5] Vgl. Riepe, Manfred /Nagula, Michael: „2001 - Odyssee im Weltraum. Ein Film für alle und keinen“, In: Jeschke, Wolfgang (Hg.): „Das Science Fiction Jahr / Ausgabe 1987“ Heyne, München, 1987, Seite 309.

[6] Vgl. Nietzsche, Friedrich: „Also sprach Zarathustra“, dtv/de Gruyter, Berlin/New York, München, 1988, Seite 31.

[7] Vgl. Clarke.: „2001: A Space Odyssey“, Seite 3.

[8] Vgl. Clarke.: „2001: A Space Odyssey“, Seite 96.

[9] Vgl. Clarke.: „2001: A Space Odyssey“, Seite 217.

Details

Seiten
20
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640716623
ISBN (Buch)
9783640716760
Dateigröße
395 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v157953
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Institut für neuere deutsche und europäische Literatur
Note
2,3
Schlagworte
2001 Kubrick Clarke Odysee im Weltraum Sternenkind

Autor

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