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Ästhetisches Lernen im Religionsunterricht

Ästhetische Bildung und Pädagogik

Hausarbeit 2008 16 Seiten

Theologie - Religion als Schulfach

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsentwicklung

3. Ästhetische Bildung und Pädagogik

4. Dimensionen ästhetischer Bildung
4.1 Aisthesis
4.2 Poiesis
4.3 Katharsis

5. Ästhetisches Lernen in der Religionsdidaktik

6. Elemente eines ästhetischen Religionsunterrichts

7. Zusammenfassung

8. Literatur

1. Einleitung

Inwieweit lassen sich die Begriffe „Ästhetik“ und „Schule“ vereinbaren, wo doch die Schule und alles, was mit ihr zusammenhängt, von vielen grundsätzlich als gänzlich „unästhetisch“ angesehen wird?

Die Idee des „ästhetischen Lernens“ ist jedoch keine völlig neue Erfindung. Im Bereich der Religionspädagogik wird es bereits seit den achtziger Jahren im Hinblick auf religionspädagogisches Handeln reflektiert.[1]

In der heutigen Zeit stellt sich in besonderer Weise die Frage, wie der Religionsunterricht für Schülerinnen und Schüler noch erfahrbar und interessant gestaltet werden kann. Denn in unserer leistungsorientierten Lebenswelt mit ihrem selektiven Schulsystem werden Kinder und Jugendliche häufig Opfer einer (medialen) Reizüberflutung, und es stellt sich die Frage, wie man Kinder und Jugendliche für eine bestimmte Wahrnehmung sensibilisieren kann, damit sie beispielsweise alltägliche Probleme besser bewältigen können.

Die vorliegende Arbeit versucht, sich dieser Fragestellung anzunehmen. Es soll veranschaulicht werden, dass „ästhetischer Religionsunterricht“ möglicherweise einen didaktischen Beitrag leisten kann, die Lebenswirklichkeit von Kindern und Jugendlichen mit den Inhalten des Glaubens zu verknüpfen. Dazu ist es selbstverständlich erforderlich, die zentralen Charakteristika des „ästhetischen Religionsunterrichts“ darzustellen und zu bewerten.

Zunächst erscheint es notwendig, die historische Entwicklung des „Ästhetik“-Begriffs aufzuzeigen. Anschließend soll geklärt werden, was genauerhin mit „ästhetischer Bildung“ gemeint ist, um dann zu zeigen, wie diese in der praktischen Religionsdidaktik bzw. Religionspädagogik angewandt und umgesetzt werden kann.

2. Begriffsentwicklung

Um den Begriff der „Ästhetik“ zu verdeutlichen, soll zunächst eine allgemeine Definition versucht werden.

Allgemein übersetzt beschreibt der Begriff „Ästhetik “ „ursprünglich die Lehre von der sinnlichen Erkenntnis, dann Lehre vom Schönen.(…) Die Gegenwart steht im Zeichen einer Phänomenologie und Ontologie des Ästhetischen“[2].

Der Begriff stammt von dem griechischen „ aisthesis“ und meint die sinnliche Wahrnehmung eines Menschen bzw. die Lehre von der Wahrnehmung, der Sinnlichkeit, der Rezeptivität.[3]

Setzt man diese allgemeine Beschreibung voraus und sucht nach einer Spezifisierung des Begriffes, stößt man auf den Philosophen Alexander Gottlieb Baumgarten (1714-1762), der Ästhetik in der Mitte des 18. Jahrhunderts begrifflich enger gefasst hat. Baumgarten wird auch als Begründer der Ästhetik angesehen.[4]

Insbesondere hat er das Verständnis von ästhetischer Bildung in der Schule maßgeblich beeinflusst.[5] Für Baumgarten war die Erkenntnis durch die Sinne eine fundamentale Fähigkeit des Menschen zur Erkenntnis der Welt. Ein vollständiges Erkennen der Weltwirklichkeit sei seiner Auffassung nach nur möglich, wenn sich der Mensch durch wissenschaftliches und ästhetisches Denken seiner Welt gegenüber öffne. Nur wenn man wissenschaftliche Erkenntnisse durch ästhetische Erfahrungen ergänze, ließe sich die gesamte Komplexität der Welt erst richtig erfassen. „Für Baumgarten war ästhetisches Erkennen also die notwendige erweiterte Sicht auf das nicht auf den Begriff zu bringende Phänomen der Welt“.[6]

Der oben genannte allgemeinere Ästhetikbegriff enthält für Immanuel Kant ein ganz entscheidendes Merkmal. „Als ästhetisch gilt die sinnliche Beziehung zu Gegenständen, objektiv, die Wahrnehmung; zugleich aber auch unsere sinnliche Beziehung zu uns selbst, subjektiv, das Gefühl“.[7]

Im Gegensatz zu Baumgarten wollte Kant die Begriffe „cognitio confusa“ und „cognitio sensitiva“ nicht separat voneinander betrachten. Wo kommen diese Begriffe her???? Übersetzen!! Kant stellte einige Jahre nach Baumgarten heraus, dass einerseits alle Kräfte des Erkennens an der ästhetischen Wahrnehmung beteiligt sind und dass andererseits sinnliche Wahrnehmung Voraussetzung für jede Form des Erkennes ist. Durch eine ästhetische Sichtweise spielt der Mensch nach Kants Ansicht seine höchsten Fähigkeiten aus.[8]

Im 19. Jahrhundert vertritt Friedrich Nietzsche eine gegensätzliche Position durch eine neue Auffassung der „cognitio confusa“. Seiner Meinung nach sei die Begegnung mit Kunst zu vergleichen mit einem „ideenlosen Rauschen“[9]. Nietzsche betont, dass Ästhetik einen Abstand zur Welt der Erscheinungen schaffe und letztendlich nur verwirre.[10]

Diese Auffassung setzte sich im 20. Jahrhundert weiter fort und ist prominent von Theodor W. Adorno weitergeführt worden, der das ästhetische Objekt als „Artikulationsobjekt“ ansieht, das seine Position fortwährend zur Disposition stellt. Diese Fähigkeit macht es revolutionär und auch chaotisch.[11]

Insgesamt lässt sich feststellen, dass über den Begriff der Ästhetik einerseits interessante Positionen vorherrschen, die sich im Verlaufe der Jahrhunderte von Baumgarten bis Adorno unterschieden haben. Andererseits ist damit jedoch auch evident, dass es keine einheitliche Definition dessen gibt, was das Phänomen der „Ästhetik“ meint.

Da der Begriff nicht aus dem alltäglichen Sprachgebrauch,, sondern aus dem Zeitalter der Aufklärung stammt, ist mit ihm eine gewisse Uneindeutigkeit verbunden. Sein spezifischer Sinn kann somit immer nur vor dem Hintergrund des jeweiligen theoretischen Kontextes verdeutlicht werden, in dem er verwendet wird. Dies hat sich auch bis in die heutige Zeit nicht geändert, und der Begriff ist kaum eindeutig zu gebrauchen.[12]

3. Ästhetische Bildung und Pädagogik

Inwieweit lässt sich nun der Begriff der Ästhetik mit Bildung bzw. Erziehung verknüpfen?

Wie bereits erwähnt, hatten Baumgartens Ansichten Folgen für die ästhetische Erziehung. Die von ihm vertretenen Vorstellungen lassen sich als Rechtfertigung für den Einsatz ästhetischer Elemente in einer Pädagogik verwenden, deren Ziel darin besteht, Einseitigkeiten zu verhindern und Ganzheitlichkeit zu gewährleisten.[13]

In diesem Zusammenhang ist auch Friedrich Schiller (1759-1805) zu nennen. Bei ihm erhält die ästhetische Erziehung erstmals zentrale Bedeutung für die Entwicklung des Menschen. Er stellt die Begriffe der Sinnlichkeit und Vernunft gleichermaßen in den Vordergrund. Erst die Wechselwirkung beider Begriffe sei seiner Meinung nach das Ideal menschlicher Entwicklung in moralphilosophischer Absicht.[14]

Seine Überlegungen bilden in der Zeit des ästhetischen Humanismus’ den Grundstein der klassischen Bildungstheorie, „deren Kern die Entdeckung der ästhetischen Dimension des Bildungsprozesses ist“.[15]

Die Pädagogik soll somit trotz wechselnder Wissenschafts- und Rationalitätsstrukturen Sinnlichkeit und Vernunft in eine neue Balance bringen. Diese Aufgabe reicht bis in die heutige Zeit hinein.[16]

Durch Schiller ist das „ästhetische Spiel“ zudem für die pädagogische Entwicklung ein großer Einflussfaktor geworden. „Diese Bereiche umfassen mit der Förderung der Wahrnehmungs- und Empfindungsfähigkeit nicht nur die Erkenntnisfähigkeit, sondern auch sozialerzieherische und moralische Entwicklung“.[17]

Damit ist beispielsweise die Entwicklung von Phantasie und Welterkenntnis durch spielerische Darstellung, Empathiefähigkeit, die Ausbildung von Verstehen in unterschiedlichen menschlichen Bereichen, die Stärkung von Verantwortung, die Disziplinierung durch freiheitliche Gewöhnung an Regeln usw. gemeint. Durch beabsichtigte Gestaltung und Begleitung von ästhetischen Spielprozessen können diese Ergebnisse erzielt werden.

[...]


[1] Da müsste eine Lit-Angabe hin.

[2] „Das moderne Lexikon in zwanzig Bänden“, Band 2, S. 40, Gütersloh 1970. (kursiv im Original?)

[3] Vgl. Lehnerer, Thomas. Ästhetische Bildung. In: Staudte, Adelheid (Hrsg.): „Ästhetisches Lernen auf neunen Wegen“. Weinheim 1993. S.38.

[4] Ebd. S.38f.

[5] Brenk, Markus. „Ästhetisch-kulturelle Bildung, Ein Profilbereich katholischer Schulen“. In: „Kirche und Schule“ Nr. 142, 34. Jahrgang S. 4.

[6] Vgl. Meurer, Thomas. „Bibeldidaktik als ästhetische Rekonstruktion“. In: „Zeitschrift des Bundesverbandes der katholischen Religionslehrer/innen an Gymnasien e.V.“ Hrsg.: Kiesow, Klaus. Düsseldorf: 2004, S. 80. (kursiv im Orginal?)

[7] Lehnerer, Thomas. Ästhetische Bildung. In: Staudte, Adelheid (Hrsg.): „Ästhetisches Lernen auf neunen Wegen“. Weinheim 1993. S. 38.

[8] Vgl. Meurer, Thomas. „Bibeldidaktik als ästhetische Rekonstruktion“. In: „Zeitschrift des Bundesverbandes der katholischen Religionslehrer/innen an Gymnasien e.V.“ Hrsg. Kiesow, Klaus:. Düsseldorf: 2004, S. 80.

[9] ???

[10] Ebd. S.81.

[11] Vgl. Meurer, Thomas. „Bibeldidaktik als ästhetische Rekonstruktion“. In: „Zeitschrift des Bundesverbandes der katholischen Religionslehrer/innen an Gymnasien e.V.“ Hrsg. Kiesow, Klaus:. Düsseldorf: 2004, S. 81.

[12] Lehnerer, Thomas. Ästhetische Bildung. In: Staudte, Adelheid (Hrsg.): „Ästhetisches Lernen auf neunen Wegen“. Weinheim 1993. S.38.

[13] Brenk, Markus. „Ästhetisch-kulturelle Bildung, Ein Profilbereich katholischer Schulen“. In: „Kirche und Schule“ Nr. 142, 34. Jahrgang S. 4.

[14] Staudte, Adelheid. „Ästhetisches Lernen auf neunen Wegen“. Weinheim 1993. S. 8f.

[15] Schneider, Gerhard. Ästhetische Erziehung in der Grundschule. Argumente für ein fächerübergreifendes Unterrichtsprinzip. Weinheim 1988. S. 203ff.

[16] Staudte, Adelheid. „Ästhetisches Lernen auf neunen Wegen“. Weinheim 1993. S. 9.

[17] Brenk, Markus. „Ästhetisch-kulturelle Bildung, Ein Profilbereich katholischer Schulen“. In: „Kirche und Schule“ Nr. 142, 34. Jahrgang S. 5.

Details

Seiten
16
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640704842
ISBN (Buch)
9783640704965
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v157820
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – FB 02 Katholische Theologie
Note
1,3
Schlagworte
Bibel Ästhetische Bildung und Pädagogik Aisthesis Poiesis

Autor

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Titel: Ästhetisches Lernen im Religionsunterricht