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Die Bildungstheorie Wilhelm von Humboldts und ihre Aktualität

Seminararbeit 2008 30 Seiten

Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Biographie und Themenüberblick
1.1 Wilhelm von Humboldt
1.2 Bildung und Beziehung
1.3 Das Menschenbild
1.4 Bildung, Staat und Gesellschaft
1.5 Bildung - Ästhetik – Kunst
1.6 Bildungstheorie
1.7 Bildung und Individuum
1.8 Bildungsreform und Aktualität
1.9 Schloss Tegel

2. Bildung und Sprache bei Wilhelm von Humboldt
2.1 Über den Nationalcharakter der Sprachen
2.2 Sprachphilosophie
2.3 Sprache (Grammatik) und Denken
2.2.1 Grammatik des möglichen Denkens
2.2.2 Grammatik der wirklichen Rede - Verbum und Pronomen
2.3 Sprache (Lexikon) und Welt
2.3.1 Die Individualität des Wortes
2.3.2 Die Nicht-Identität der Bedeutung
2.4 Sprachliche Weltansichten
2.5 Das Problem des Verstehens

3. Literatur

Einleitung

In der folgenden Arbeit werden einige Theorien und Gedanken Wilhelm von Humboldts dargestellt

Der erste Teil der Arbeit widmet sich einer kurzen Biographie Wilhelm von Humboldts und den in der Lehrveranstaltung referierten und diskutierten Themen. Diese sollen in einzelnen Punkten kurz erklärt und einige ausgewählte Aspekte Humboldts Ausführungen erläutert werden.

Der zweite Teil meiner Arbeit befasst sich näher mit dem von mir ausgewählten Schwerpunkt, den Themen der Sprachphilosophie und den Sprachansichten Humboldts. Diese werden hier näher erklärt und in den wesentlichen Aspekten veranschaulicht.

Die Arbeit insgesamt kann aber nur einen Einblick in die Gedanken Wilhelm von Humboldts darstellen, da seine umfassenden Theorien hier nur als Ausschnitt präsentiert werden können.

1. Biographie und Themenüberblick

1.1 Wilhelm von Humboldt

Wilhelm von Humboldt wird am 22. Juni 1767 in Potsdam geboren. Sein Bruder Alexander kommt zwei Jahre später im September auf die Welt. Die Familie des Vaters stammt aus Pommern. Vater Alexander Georg, welcher von 1720 bis 1779 lebt, ist Offizier und quittiert 1761 verletzt den aktiven Dienst. Danach wird er zum Kammerherrn bei der Gemahlin des Thronfolgers ernannt und gehört seitdem zum engeren Freundeskreis des späteren Königs Friedrich Wilhelm II, welcher auch die Patenschaft für Wilhelm von Humboldt übernimmt. 1766 heiratet der Vater die einundzwanzig Jahre jüngere Marie Elisabeth Colomb. Diese bringt aus erster Ehe Schloß und Gut Tegel mit in die Familie Humboldt. Dies ist Landwohnsitz der Familie während der Kindheit der Brüder Wilhelm und Alexander. Die Erziehung der Kinder ist von erlesener Art. Sie besuchen keine Schule, sondern werden von ausgewählten Privatlehrern unterrichtet und betreut. Im Jahr 1785 werden die Brüder in das gesellschaftliche Leben in Berlin eingeführt. Sie erhalten nun allein oder in kleinen Gruppen Privatunterricht (vgl. Borsche 1990, S. 19ff).

Im Alter von 20 Jahren verlässt Wilhelm von Humboldt zum ersten Mal Berlin und geht mit seinem jüngeren Bruder und dem Erzieher Gottlob Johann Christian Kunth nach Frankfurt an der Oder, um dort mit dem Studium für juristische Fachstudien zu beginnen. Wilhelm setzte sein Studium dann allein an der 1737 gegründeten Universität in Göttingen fort, welche zu dieser Zeit führend in Deutschland war. Im Eigenstudium macht er sich außerdem mit der kritischen Philosophie Kants vertraut (vgl. ebd.)

Im Jahre 1789 verlobt sich Wilhelm von Humboldt mit Caroline von Dacheroeden, welche er schließlich am 29. Juni 1791 heiratet. Das Paar bekommt acht Kinder von denen drei schon in jungem Alter sterben. Die Familie reist viel, und lebt auch für längere Zeit in anderen Städten, wie z.B. in Jena, vier Jahre in Paris oder in Rom. Sie kehren aber immer wieder nach Berlin zurück. Humboldt ist auch an der Gründung der Berliner Universität maßgeblich beteiligt, deren Typus zum Vorbild vieler Neugründungen im 19. Jahrhundert wird, und welcher auch heute noch in vielen amerikanischen Universitäten weiterlebt.

Seit dem 1. Januar 1820 lebt Humboldt dann als Privatgelehrter in Tegel. Seine zahlreichen Kontakte ermöglichen ihm eine gewaltige wissenschaftliche Korrespondenz zu allen Teilen der gelehrten Welt. Im März 1829 stirbt Caroline und wird im Schloßpark von Tegel begraben. Dies ist für Humboldt ein einschneidendes Erlebnis. Wilhelm von Humboldt stirbt am 8. April 1835 (vgl. Borsche 1990, S. 21-29).

1.2 Bildung und Beziehung

Caroline von Dacheroeden wird am 23. Februar 1766 in Minden geboren.

Wilhelm von Humboldt und Caroline begegnen sich zum ersten Mal im Jahre 1788 und ein Jahr später findet am 16. Dezember die Verlobung statt. Schließlich heiraten die beiden im Jahre 1791 in Erfurt (vgl. Weisz 2004, S.33).

Von insgesamt 40 Ehejahren, haben Caroline und Wilhelm etwa 10 Jahre getrennt verbracht. Dies geschah aus verschiedenen Gründen. Die Gesundheit Carolines war ein Grund, warum immer wieder Kuraufenthalte nötig waren, welche sie vor allem in Norddeutschland verbrachte. Wilhelm von Humboldt übernahm zahlreiche, unterschiedliche politische Aufgaben und aus diesem Grund konnten die beiden oft ihre Zeit nicht gemeinsam verbringen (vgl. a.a.O., S. 34).

In diesen Trennungszeiten schrieben Caroline und Wilhelm von Humboldt sich zahlreiche Briefe, welche in mehreren Bänden veröffentlicht wurden (vgl. ebd.). Anhand einer Analyse der Briefkorrespondenz des Ehepaars findet Peter Weisz (2004) einige Gemeinsamkeiten hinsichtlich ihrer Persönlichkeiten. Beide verlieren relativ früh einen Elternteil, bei Caroline der Vater, bei Humboldt die Mutter. Zudem werden beide von Erziehern und Privatlehrern betreut und unterrichtet. Außerdem verbindet beide die Vorliebe für ein ruhiges und beschauliches Leben (vgl. a.a.O., S. 55f).

Weisz (2004) charakterisiert Caroline als eine sensible Frau, welche einen großen Respekt vor der eigenen Individualität besitzt. Sie setzt großes Vertrauen in andere Menschen und ihr Charakter weist eine große Leidenschaft und Direktheit auf. Ihre Beziehungen zu anderen Menschen sind von einem hohen Einfühlungsvermögen und einer guten Beobachtungsfähigkeit geprägt. Humboldt hat im Gegensatz dazu durch schlechte Erfahrungen mit anderen Personen ein gewisses Maß an Verschlossenheit, und tritt anderen oft mit Skepsis und Misstrauen gegenüber (vgl. ebd.).

Anhand der zahlreichen Briefe lässt sich jedoch sicherlich behaupten, dass die Beziehung für beide eine große Bedeutung hatte. Der gegenseitige Austausch über die unterschiedlichsten Themen und die Unterstützung war ihnen mit Sicherheit ein wichtiges Anliegen.

1.3 Das Menschenbild

Die Frage, was der Mensch ist und werden soll steht im Mittelpunkt des Bildungsdenkens von Wilhelm von Humboldt. Dabei ist der Zusammenhang mit dem Verhältnis des Menschen zur Welt entscheidend. Dieser besteht für Humboldt in der Kraft. Kraft, als das Letzte und Ursprüngliche im Menschen bedeutet, dass er nach Energeia, Tätigkeit strebt. Der Gegenstand in dem diese Kraft somit tätig ist, ist die Welt. Die Welt umfasst für Humboldt alle Gegenstandsbereiche und Hervorbringungen des Menschen, wie Sprache und Geschichte, Kunst und Wissenschaft, Werkzeuge und Verhältnisse, alles mit dem der Mensch umgeht und was er benutzen kann. Die Kraft der menschlichen Tätigkeit schafft und verändert diese Welt. Die Bildung ist dabei die dem Menschen gestellte Aufgabe, welche er durch die Ausbildung seiner Fertigkeiten erfüllt (vgl. Menze 1975, S. 47).

Die Eigentümlichkeit des Individuums ist für Humboldt nicht durch Erziehung oder andere Einwirkungen geprägt, sondern liegt von Natur aus vor.

Die Würde des Menschen soll nach Humboldt von dem Mensch selbst aufgesucht werden, und die Frage, welche er beantworten muss ist, was dasjenige ist, wonach mit einem allgemeinen Maßstab der Wert der Dinge für den Menschen und der Wert

der Menschen gegeneinander bestimmt werden kann. Um dies zu beantworten muss der Mensch sein Augenmerk auf die gesamte Menschheit richten und trotzdem die Individualität nicht außer Acht lassen. Humboldt erklärt auch, dass es gerade der unterschiedliche Charakter ist, wonach wir streben (vgl. Humboldt 1960, S. 508ff).

„Der Begriff der Menschheit aber ist nichts anders, als die lebendige Kraft des Geistes, der sie beseelt, aus ihr spricht, sich in ihr thätig und wirksam erweist“ (a.a.O., S. 515).

1.4 Bildung, Staat und Gesellschaft

Bildung kann nach der Ansicht Humboldts nur gedeihen, wenn Freiheit des Handelns und eine Mannigfaltigkeit der Situationen vorhanden ist. Je eher dies gegeben ist, desto eher kann sich die Kraft des Einzelnen ausbilden (vgl. Borsche 1990, S. 47).

Nach Humboldt kann der Staat demnach nur über seinen Zweck definiert werden. (vgl. Borsche 1990, S. 41). Humboldt kritisierte den Zweck des absolutistischen Staates nach Macht und Reichtum eines Einzelnen, nämlich des Fürsten, zu streben. Mittel zu diesem Zweck ist der Wohlstand der Nation, welcher somit zum eigentlichen Zweck des Staates erhoben wird (vgl. a.a.O., S. 40f).

Humboldt meint auch, Träger der Rechtmäßigen Gewalt sei der Staat, in dem er die Aufgabe übernimmt, die Handlungsfreiheit seiner Bürger zu sichern und ihre freie Tätigkeit zu ermöglichen. Der Staat dürfte demnach nur Maßnahmen treffen, die diesen Zweck unterstützen (vgl. a.a.O., S. 41).

Der Staat sollte, so Humboldt, die freie Wirksamkeit seiner Bürger anerkennen. Die Freiheit ist dabei für Humboldt die wesentlichste Bedingung. Humboldt plädierte für ein System, welches die Ruhe und das Glück jedes Einzelnen zum Zweck hat. (vgl. Benner 1990, S. 59).

1.5 Bildung - Ästhetik – Kunst

Sowohl Kunst als auch Ästhetik hatten für Humboldt viel mit Bildung zu tun. Er war der Meinung, die Ästhetik sei für diejenigen bestimmt, die durch die Werke der Kunst ihren Geschmack und somit den Charakter zu bilden wünschen (vgl. Humboldt 1986, S. 130). Humboldt vertrat nach Menze (1975) die Ansicht, dass Kunst den Menschen nicht nur ästhetische stimme, sondern auch moralisch bilde.

Er interessierte sich auch sehr für die Dichtkunst, und hatte einen regen Briefwechsel mit Goethe und Schiller.

Von 1794 bis 1797 hatte er einen näheren Kontakt mit Schiller, und hier fand auch ihr Briefwechsel statt. Humboldt bezeichnet diese Zeit als die bedeutendste Zeit in der geistigen Entwicklung Schillers (vgl. a.a.O., S. 357).

In zahlreichen Briefen der 90ger Jahre lassen sich kunstkritische Anmerkungen Humboldts über Werke, Künstler, Epochen und Gattungen finden, welche gelegentlich zu kleineren Abhandlungen ausgeweitet werden und auch veröffentlicht wurden. Sein Hauptwerk der Ästhetik findet man jedoch in dem von ihm selbst publizierten Buch „Ästhetische Versuche. Erster Theil. Über Göthes Hermann und Dorothea“ von 1799. Dies soll einerseits als eine Kritik eines einzelnen Kunstwerkes gelesen werden, hält sich andererseits aber nicht an die üblichen Grenzen einer Kritik. Humboldt entwickelt in ihr auch eine eigene Theorie des Epos und auch der Kunstgattungen im Allgemeinen, sowie er über das Wesen der Kunst und ihre Bedeutung für den menschlichen Geist nachdenkt (vgl. Borsche 1990, S: 127f).

Weiteres Interesse Humboldts galt auch den Griechen, welche er sehr verehrte. Sie stellten für ihn ein Ideal dar, und er bewunderte nicht nur ihre Kunstfähigkeit, sondern beschrieb ihren gesamten Charakter mit dem Ausdruck der Genialität (vgl. Humboldt 1986, S. 66).

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Details

Seiten
30
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640702237
ISBN (Buch)
9783640701070
Dateigröße
472 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v157790
Institution / Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt
Note
2
Schlagworte
Bildungstheorie Wilhelm Humboldts Aktualität Wilhelm von Humboldt Humboldt Bildung

Autor

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Titel: Die Bildungstheorie Wilhelm von Humboldts und ihre Aktualität