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Gaius Gracchus - ein Reformer oder Gefälligkeitspolitiker?

Hausarbeit 2007 18 Seiten

Politik - Sonstige Themen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Quellenkapitel

3. Historischer Kontext und Sicherung der politischen Stellung
3.1 Die wichtigsten Gesetze des Reformprogrammes
3.1.1 Die Lex Frumentaria
3.1.2 weitere Gesetze
3.1.3 Die Lex Rubria – Das Verhängnis des Gaius Gracchus
3.2 Die Gegenbewegung des Livius Drusus
3.3 Der Notstandsbeschluss- senatus consultum ultimum

4.Fazit

5. Quellen und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der folgenden Arbeit soll die einleitende Fragestellung, ob Gaius Gracchus ein Reformer oder ein Gefälligkeitspolitiker gewesen war, thematisiert werden. Hierbei ergeben sich zwei verschiedene Ansatzpunkte. Zum einen muss man die Gesetze, die er erlassen hatte, auf ihren Zweck für die Bevölkerung hin untersuchen und zum anderen, in wie weit seine politische Karriere durch diese Maßnahmen vorangetrieben wurde. Am Ende der Arbeit soll herausgefiltert werden, dass Gaius ein Gerechtigkeitsgefühl entwickelt hatte und dieses durchsetzen wollte. Er ist für seine Reformversuche am Ende gestorben. Somit kann man durchaus von einem Reformer sprechen. Ob man auch soweit gehen kann, ihm absolutes soziales Engagement zuzuschreiben wird sich zeigen.

Um die vorangegangene Frage genauer zu untersuchen, soll der Blick auf den Forschungsstand und ein Quellenüberblick helfen.

Die Quellenlage ist für diesen Abschnitt der Geschichte als kompliziert einzustufen. Wie Bernhard Linke in seinem Werk „Die römische Republik von den Gracchen bis Sulla“ anmerkt.[1] Es fehlt eine Überblicksdarstellung der Epoche. Viele Autoren, wie Appian, Diodor, Cicero und Sallust geben zwar ausreichend Informationen, jedoch ist es schwierig diese ganzen Informationen in der heutigen Literatur zu sammeln und zusammenzufassen. Um das Thema und den heutigen Forschungsstand zu erschließen, haben sich im Laufe der Recherche folgende Werke als aufschlussreich erwiesen:

- Karl Christ- Krise und Untergang der römischen Republik[2]
- Bernhard Linke- Die römische Republik von den Gracchen bis Sulla[3]

Diese beiden Werke bieten die Möglichkeit, sich einen guten Überblick im breiten Informationsfeld zu verschaffen und wichtige Eckdaten zu fixieren. Um sich mehr mit der Person der Gracchen auseinanderzusetzen, bot sich das Werk von Hans von Rischma „Die Gracchen“[4] an. Hier wird im großen Umfang über das Leben der Gracchenbrüder und ihr familiäres Umfeld berichtet.

Das Buch „Römische Studien“[5] bietet die Möglichkeit sich über viele Probleme der Gracchenzeit Detailwissen zu verschaffen. Wie Karl Christ richtig feststellt[6],ist es schwierig, aus dem Pool von Wertungen und Sichtweisen die historische Realität adäquat darzustellen. Da der Forschungsstand aber umfassende Literatur bietet, gibt es kaum Probleme bei der Suche nach geeigneter Literatur.

2. Quellenkapitel

Die ersten verwendeten Quelle stammen von Plutarch[7]. Dieser war ein griechischer Schriftsteller und Verfasser zahlreicher Biographien. Er gilt als Geschichtsschreiber, da er ein reges Interesse an der Geschichte der Römer und Griechen zeigte. Er lebte ca. 45 v.Chr. – 125 n.Chr.. Plutarch stammte aus der Oberschicht und lebte in einer politisch eher beruhigten Zeit. Der wohlhabende Status ermöglichte ihm eine umfassende Bildung und viele Reisen (u.a. nach Rom). Somit konnte er sich ein Studium bei Ammonius (platonischer Philosoph) leisten und viele Philosophenschulen besuchen. Zudem bekleidete er einige politische Ämter. Für die Quellen bedeutet das, dass kein Zeitzeuge sie verfasst hat. Somit könnte es sein, dass einige Details vergessen oder teilweise falsch ausgelegt wurden. Jedoch sind die Quellen als Traditionsquellen einzustufen und das zeigt die besondere Intention, die Plutarch gehabt haben muss. Er gilt als ein Verfasser mit der größt möglichen historischen Korrektheit. Die Quellen sind in der parallelen Lebensbeschreibung („vitae parallelae“) zu finden, die ca. 96 n.Chr. verfasst wurden.

Quelle 26[8] behandelt die unterschiedlichen Gesetze, die Gaius bereits erlassen hatte. In der Breite der Informationen konzentriert er sich eher auf das Richtergesetz. Er berichtet über den enormen Einsatz des Gaius in der Umsetzung dieses Gesetzes. Insbesondere schildert Plutarch die Wirkung des Gaius auf das Volk. In Bezug auf das Thema der Hausarbeit ist es interessant zu sehen, wie überzeugend Gaius seine Gesetze dem Volk vortragen konnte.

Quelle 29[9] schildert die unvorhergesehene Wiederwahl des Gaius im Zusammenhang mit der Bitte, Fannius zum Konsul zu wählen. Zudem wird geschildert, wie der Senat auf die Wiederwahl des Gaius reagiert. In Bezug auf die Hausarbeit ist es wichtig zu sehen, wie der Senat explizit auf Gaius reagiert hatte.

Die Quellen bieten einen guten Überblick über die Situation und wie Gaius vorgegangen ist. Plutarch ist allerdings (wie schon erwähnt) kein Zeitzeuge, was unter Umständen dazu führen kann, dass die historische Korrektheit nicht immer gewährleistet ist. Jedoch eilte Plutarch der Ruf voraus, als Geschichtsschreiber die Intention zu haben möglichst gut belegte Informationen zu verwenden.

Insgesamt lässt sich sagen, dass die Quellen einen großen Wert für die Darstellung des Themas haben.

Die beiden anderen Quellen stammen von Appian.[10] Er war ein römischer Geschichtsschreiber und lebte ca.90-160n.Chr.. Er war Mitglied der städtischen Oberschicht und besaß das römische Bürgerrecht. Ca. um das 2.Jh. n.Chr. verfasste er die römische Geschichte.. Allerdings war die Quellenlage zu dieser zeit sehr unsicher. Er benutzte viele Autoren und äußerte sich positiv über Rom, da die politische Lage gerade sehr entspannt war. Teilweise schreibt Appian chronologisch, aber teilweise benutzt er auch einen romanhaften Stil. Sein Werk über den Bürgerkrieg, aus dessen ersten Buch die Quellen stammen, war allerdings sehr anerkannt und gilt deswegen als seriöse Traditionsquelle.

In Quelle 21[11] beschreibt Appian die Anfänge des Gaius Gracchus und die Ereignisse zum Zeitpunkt der Wahl als Tribun. Ebenso beschreibt er die Wirkung des Gaius auf das Volk. Auch hier ist es interessant zu sehen, wie Gaius das Volk beeinflusste und zum Tribun gewählt wurde.

In Quelle 22[12] berichtet Appian über das Richtergesetz und wie die Verhältnisse vor diesem Gesetz in Rom gewesen waren. Hier kann man sich einen Überblich darüber verschaffen, warum ein Richtergesetz mehr als nötig war.

Auch bei Appian ist zu kritisieren, dass er kein Zeitzeuge war. Das er gerne romanhaft schrieb, macht nicht den besten Eindruck. Jedoch gilt sein Werk der römischen Bürgerkriege als sehr anerkannt, sodass man feststellen kann, dass die Quelle einen enormen Wert haben muss.

APPIANUS: Appian's von Alexandrien römische Geschichten, übers. a .d. Griechischen von Ferdinand L. J., DILLENIUS, Stuttgart 1830.

21. […]Unter diesen Umständen trat als willkommener Bewerber um das Tribunat einer von den Länderverthleilern, Gaius Gracchus, auf, der jüngere Bruder des Gesetzgebers Gracchus. Lange hatte Dieser nach dem Unglücke seines Bruders ganz ruhig gelebt. Wie ihn aber Viele im Senate verächtlich behandelten, da bewarb er sich um’s Tribunat.

Kaum war er auf’s ruhmvollste gewählt, so fing er schon an, gegen den Senat zu handeln, in dem er festsetzte, daß jeder Volksangehörige monatlich eine gewisse Summe Lebensmittel auf Kosten des öffentlichen Schatzes erhalten sollte. Vorher war ein solche Austheilung nicht gewöhnlich gewesen. Durch diese einzige öffentliche Handlung, wozu ihm auch Fulvius Flaccus behilflich war, zog er das Volk schnell auf seine Seite. Gleich darauf wurde er infolge Dessen auf für’s kommende Jahr zum Tribun gewählt. Denn es war indessen ein eigenes Gesetz hierfür durchgegangen: wenn ein Volkstribun neue Bewerbungen nöthig hätte, so solle ihn das Volk vor allen Andern wählen.

22. So war denn Gaius Gracchus zum zweiten male Tribun. Nach dem er einmal das Volk wie im Solde hatte, so zog er nun auch die sogenannten Ritter, die an Würde zwischen Senat und Volk in der Mitte stehen, durch folgendes Staatsgeschäft anderer Art auf seine Seite. Er übertrug die Gerichtsstellen, welche wegen Bestechlichkeit in übelm Rufe waren, von den Mitgliedern des Senats auf die Ritter, in dem er Jenen die neuerlichen Beispiele zum Hauptvorwurfe machte, daß Arnelius Gotta, und Salinator, und noch ein Dritter aus Diesen, Manius Aquilius, der Eroberer von Asien, unerachtet ihre Bestechlichkeit am Tage gewesen, von den Richtern freigesprochen worden seien. Noch waren die als Ankläger gegen sie erschienenen Gesandten in Rom und äußerten sich aller Orten in den gehässigsten Reden darüber.

[...]


[1] LINKE, Bernhard: Die römische Republik von den Gracchen bis Sulla (Geschichte kompakt:Antike), Darmstadt 2005.S.9.

[2] CHRIST, Karl: Krise und Untergang der römischen Republik, Darmstadt 2007. [künftig zitiert: CHRIST: Krise]

[3] LINKE, Bernhard: Die römische Republik von den Gracchen bis Sulla (Geschichte kompakt:Antike), Darmstadt 2005.

[4] VON RISCHMA, Hans: Die Gracchen. Charakterbild einer Revolution und ihrer Gestalten, München 1947. [künftig zitiert: RISCHMA: Gracchen]

[5] VON UNGERN-STERNBERG, Jürgen: Römische Studien. Geschichtsbewusstsein - Zeitalter der Gracchen - Krise der Republik (Beiträge zur Altertumskunde;232), München 2006.

[6] CHRIST: Krise.S.149.

[7] PLUTARCH: vitae parallelae. Gaius Gracchus, übers. a. d. Griechischen von Walter, WUHRMANN, Zürich 1965.

[8] PLUTARCH: vitae parallelae. Gaius Gracchus, übers. a. d. Griechischen von Walter, WUHRMANN, Zürich 1965.S. 264/265. [künftig zitiert: Quelle 26]

[9] PLUTARCH: vitae parallelae. Gaius Gracchus, übers. a. d. Griechischen von Walter, WUHRMANN, Zürich 1965.S.267. [künftig zitiert: Quelle 29].

[10] APPIANUS: Appian's von Alexandrien römische Geschichten, übers. a .d. Griechischen von Ferdinand L. J., DILLENIUS, Stuttgart 1830.

[11] APPIANUS: Appian's von Alexandrien römische Geschichten, übers. a .d. Griechischen von Ferdinand L. J., DILLENIUS, Stuttgart 1830. Fünftes Buch S.903-905. [künftig zitiert. Quelle 21.]

[12] APPIANUS: Appian's von Alexandrien römische Geschichten, übers. a .d. Griechischen von Ferdinand L. J., DILLENIUS, Stuttgart 1830. Fünftes Buch S.903-905. [kümftig zitiert. Quelle 22.]

Details

Seiten
18
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640720309
ISBN (Buch)
9783640720774
Dateigröße
428 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v157733
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
Schlagworte
Gaius Gracchus Reformer Gefälligkeitspolitiker

Autor

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Titel: Gaius Gracchus - ein Reformer oder Gefälligkeitspolitiker?