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Die hochschulische E-Mail-Kommunikation zwischen Lehrenden und Studierenden

Eine normenkofliktorientierte Genderanalyse

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 24 Seiten

Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Forschungsstand - Korpus - Methode

3 Norm - Normverletzung - Handlungsmuster

4 Analyse
4.1 Kommunikationssituation.
4.2 Normabweichungen

5 Reaktionen der Lehrenden auf Normenverstöße in studentischen E-Mails

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis.

1 Einleitung

Die E-Mail als mittlerweile nicht nur beliebtes, sondern auf Grund der hohen Studentenzahl, die eine Lehrkraft zu betreuen hat1, auch notwendiges Kommunikationsmedium, ist die meist genutzte Methode der Studenten, um in den direkten Kontakt zum Dozenten zu treten, ohne auf die Sprechzeit warten zu müssen und sich somit den zeitökonomischen Bedingungen der Institution Universität/Hochschule anzupassen. Die Verwendung von E-Mails beinhaltet zudem weitere Vorteile wie die einfachere, schnellere sowie günstigere Übermittlung/Archivierung der Nachrichten im Gegensatz zum Briefverkehr, der persönlichen Flexibilität hinsichtlich des Lesens und Beantwortens der E-Mail sowie der Möglichkeit, Attachments mitzusenden (Beutner 2002, 26-27).

Nahezu alle Studenten verfassen während ihrer Hochschullaufbahn eine hohe Anzahl von Mails an ihre Lehrenden. Um die vom Studierenden präferierte Wirkung zu erzielen und somit eine missglückte Kommunikation zu vermeiden, sollte sich jeder Studierende im Klaren sein, ob die von ihm verwendete Nutzungsstrategie angemessen hinsichtlich des kommunikativen Rahmens2 ist, da es mitunter vorkommt, dass Lehrende die digitale Konversation auf Grund einer vom Studierenden vorgenommenen Normenverletzung einstellen (Vgl. Kiesendahl 2009, 326). Um dies zu verhindern, sollte sich der Studierende nicht an Konventionen bzw. Normen der alltäglich-privaten Kommunikation orientieren, sondern an denen der Formellen.

Es ist bekannt, dass in den Mails Studierender Normabweichungen enthalten sind (Kiesendahl 2006, 2009), allerdings nicht, ob es möglich ist, bestimmte Normabweichungen einem jeweiligen Geschlecht zuzuordnen. Dies soll den Schwerpunkt dieser Arbeit bilden. Zudem soll betrachtet werden, ob und wie Lehrende auf geschlechterspezifische bzw. generell auf Normverletzungen Studierender reagieren. Das Prinzip der Angemessenheit, also die Frage, „[…] [ob] die Wahl jener sprachlichen Mittel, die einer Sprachverwendungssituation adäquat sind […]“ (Schiewe/Wengeler 2005, 5) gut - im Sinne von angemessen - getroffen wurde, dient hierbei immer als Bewertungskriterium.

2 Forschungsstand - Korpus - Methode

Die Analyse der institutionellen, universitären E-Mail-Kommunikation nimmt derweil noch keinen sehr großen Raum im Rahmen sprachwissenschaftlicher Tätigkeitsfelder ein. Es gibt zwar Arbeiten, die sich mit der digitalen Kommunikation an sich bzw. mit dem Medium des Internets sowie der E-Mail beschäftigen (u.a. Beutner 2002) und auch solche, die sich genauer mit der institutionellen E-Mail-Kommunikation befassen (Voigt 2003; Owens/Neale 2003), allerdings nur wenige, die explizit auf die universitätsinterne E-Mail- Kommunikation beziehen (Kiesendahl 2006, 2009). Weitaus weitreichender untersucht erscheint hierbei der Bereich der Sprechstundengespräche, da für diesen eine quantitativ höhere Zahl an Arbeiten vorliegt (Vgl: Zegers 2004; Meer 2003), die sich einem breiteren Spektrum unterschiedlicher Analyseaspekte widmen. Die mir vorliegenden Arbeiten beziehen sich hauptsächlich auf die Angemessenheit in studentischen E-Mails sowie den damit verbundenen Abweichungen, die als Normenkonflikte charakterisiert werden (Kiesendahl 2006, 2009). Explizite Literatur, dich sich mit der von mir untersuchten Fragestellung beschäftigt, konnte ich nicht ermitteln.

Das von mir untersuchte Korpus beinhaltet insgesamt 32 E-Mails Studierender sowie 18 Reaktionen der Lehrenden. Jedem Geschlecht werden hierbei 16 Mails zugewiesen, so dass die Anzahl ausgeglichen ist und die Relationen sich nicht zugunsten eines Geschlechts verschieben können. Die meisten der E-Mails entstammen dem von mir zusammengetragenen Korpus, einige allerdings jenem, welches den Studenten und Studentinnen der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald am Institut für Deutsche Philologie im Rahmen eines Hauptseminars zur Verfügung gestellt wurde. Alle Probanden sind Angehörige der Institution Universität, wobei sowohl die Universität als auch der Studiengang und das Studienfach variieren. Allen Mails ist gemein, dass in ihnen die dominierende Illokution, also die Hauptaussage der E-Mail, „Bitte um einen Termin“ festzustellen ist, so dass allen ein Handlungsmuster3 zu Grunde gelegt werden kann, nach dem sich während der Analyse die jeweiligen Normenabweichungen/ - verletzungen richten werden. Da mir alle E-Mails meines Korpus von Lehrenden und Studierenden zugesandt worden sind, sind einige Header unvollständig. Zumeist fehlt das Datum und die Uhrzeit des Versendens, bei manchen auch der Betreff. Alle E-Mails sind anonym, so dass nur das Geschlecht der Studierenden erkennbar ist. Die E-Mails wurden hinsichtlich der Schriftart und der Schriftgröße vereinheitlicht und geschlechterspezifisch zugeordnet und gekennzeichnet. So sind alle Mails unter „W“ den weiblichen Probanden und sämtliche Mails unter „M“ den männlichen Studierenden zugeordnet. Hinsichtlich der Lehrenden ist es irrelevant, ob die Antwort von einer männlichen oder einer weiblichen Lehrkraft stammt, so dass diese nicht extra klassifiziert wurden.

Im nachfolgenden Teil der Arbeit möchte ich mich nun mit der Frage auseinandersetzen, ob es möglich ist, bestimmte Normverletzungen geschlechterspezifisch zuzuordnen und ob bzw. wie die Lehrkräfte auf solche Normenverstöße reagieren. Hierbei geht es allerdings insbesondere um die Frage, ob und wie Lehrkräfte geschlechterspezifische Normenverstöße kommunizieren, als auch um den generellen Aspekt des Verbalisierens von Fehlern gegenüber den Verfassern institutioneller Mails. Im ersten Schritt lege ich meiner Analyse ein theoretisches Konzept, bestehend aus einem Handlungsmuster und dem Hartung’ schen Normenmodell zugrunde, welches ich erklärend im dritten Kapitel meiner Arbeit darlegen werde. Dann werde ich im zweiten Schritt allen E-Mails dieses Handlungsmuster zugrunde legen, welches sich mit dem Inhalt einer E- Mails beschäftigt. Dieses Modell bezieht sich nur auf das „Was“ einer Nachricht und noch nicht auf die Gestaltung des Dargelegten.

An ausgewählten E-Mails soll geklärt werden, ob alle notwendigen Informationen gegeben wurden bzw. ob die Kontextualisierung der dominierenden Illokution erfolgreich erfolgte. Anschließend wird die Frage nach dem „Wie“ - ebenfalls exemplarisch an ausgewählten E-Mails - diskutiert werden. Dies wird basierend auf dem Hartung’ schen Normenmodell erfolgen. Abschließen werde ich versuchen aufzuzeigen, ob und wie Dozenten auf die Normenverstöße im Rahmen studentischer E-Mails reagieren.

Im Fazit sollen alle Ergebnisse zusammengefasst dargelegt und eine Antwort auf die der Arbeit basierenden Fragestellung gegeben werden, obwohl auf Grund des quantitativ geringen Korpus keine absoluten Ergebnisse präsentiert, sondern nur Tendenzen dargestellt werden können.

3 Norm - Normverletzung - Handlungsmuster

Der Begriff der Norm beinhaltet vielerlei Definitionen. So versteht das Fremdwörterbuch Langenscheidts darunter den zur Pflicht gewordenen Standard einer Sache bzw. jene Regeln der Gesellschaft, deren Einhaltung zur Pflicht eines jeden geworden sind. Es definiert als solches auch das allgemein Übliche (http://services.langenscheidt.de/fremdwb/fremdwb.html, 2.4.2010, 13:26). Da in dieser Arbeit das Hauptaugenmerk auf die Sprache bzw. Kommunikation gelegt werden soll, wird eine Definition der sprachlich-kommunikativen Norm notwendig. Auch diese kann nicht absolut, sondern nur subjektiv gefasst werden.

Der sprachlich-kommunikative Normenbegriff auf dem diese Arbeit basiert, beinhaltet die Grice’ schen Konversationsmaximen4, nach welchen beide Sprachaktanten um Kooperation und somit um die korrelative Einhaltung dieser veranlasst sind bzw. sein sollten, damit die jeweiligen Erwartungsbilder erfüllt werden können (Fix/Poethe/Yes 2001, 183 f.). Eine geglückte Kommunikation kann somit nur erfolgen, wenn innerhalb der kommunikativen Interaktion beide Aktanten sich weitgehend an die Norm halten, da es ansonsten zu Missverständnissen kommen kann und die von den Aktanten präferierten Ergebnisse nicht vorliegen. Zwar wird in dieser Arbeit nicht die mündliche, sondern die schriftlich-interaktive interpersonale Kommunikation zwischen Aktanten untersucht, allerdings sind die Grice’ schen Maximen auf jedes beliebige Medium übertragbar.

Die genannten Prinzipien werden in dem von Hartung angefertigten und von Fix überarbeiteten Modell, welches sich immer auf das Tätigkeitsprodukt, also auf den Text bzw. auf die Aussage bezieht, zwar nicht explizit genannt, dennoch bilden sie deren Grundlage (Fix/Poethe/Yes 2001, 184 f.). Dieses Modell beinhaltet sprachlich-kommunikative Normen, welche sich in die Normen zur Beschaffenheit des Tätigkeitsprodukts und die Normen zur Regelung der Rahmenbedingungen gliedern. Weitere Unterpunkte der Norm zur Beschaffenheit des Textes5 beschäftigen sich mit der Frage, ob der Text stilgerecht und der Kommunikationssituation adäquat erscheint.

Im Folgenden wird eine Abbildung des Modells zur Visualisierung und Komplettierung der Normeneinteilung gegeben:

Abb.1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus: http://wulv.uni-greifswald.de/2009_kommunikation/userdata/HandoutNormen.pdf (2.4.2010, 11:24)6

Hinsichtlich der gegeben Definition der sprachlich-kommunikativen Norm gelten somit alle Abweichungen von den Grice’ schen Kommunikationsmaximen sowie vom Hartung’ schen Normenmodell als Normverletzung bzw. als Normkonflikt, soweit diese nicht von den Verfassern der E-Mails intendiert worden sind. Als Ausgangspunkt wird auf die schriftliche Standardsprache verwiesen.

[...]


1 Dies trifft vor allem für geisteswissenschaftliche Studienrichtungen zu, da hier die Zahl der immatrikulierten Studierende sehr hoch, die Zahl der betreuenden und lehrenden Dozenten allerdings eher gering ist.

2 Zu diesem zähle ich die Kommunikationssituation, den Kommunikationspartner und auch das gewählte Kommunikationsmedium.

3 Dieses wird im Kapitel „Norm - Normverletzung - Handlungsmuster“ näher erläutert.

4 Gemeint sind hier die Maximen der Qualität, Quantität, der Relevanz sowie der Modalität.

5 Da in dieser Arbeit nur schriftlich vermittelte Kommunikation untersucht wird, wird das Tätigkeitsprodukt immer als Text gefasst werden.

6 Auf Grund des Copy-Paste-Verfahrens ließ sich das Modell nur in dieser Gestaltungsvariante übernehmen. Die Hintergrundfarbe ließ sich leider nicht verändern.

Details

Seiten
24
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640710522
ISBN (Buch)
9783640710768
Dateigröße
871 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v157697
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Deutsche Philologie
Note
1,3
Schlagworte
E-Mail-Kommunikation Sprachkritrik Kommunikation institutionelle Kommunikation

Autor

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