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Die präoperative Visite als Kriterium der Qualitätssicherung im Krankenhaus

Examensarbeit 2010 24 Seiten

Gesundheit - Pflegewissenschaft - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

1 Vorwor

2 Einleitung

3 Qualitätsmanagement-Definitionen

4 Qualitätsmanagement Entstehung
4.1 Ursprung
4.2 Mittelalter bis Industrialisierung
4.3 Neuzeit
4.4 Heute

5 Qualitätsmanagement Globa

6 Qualitätsmanagement Europa
6.1 Grafik zur Qualitätsmanagementtradition in Europa

7 Qualitätsmanagement Deutschland

8 Qualitätsmanagement im OP.

9 Präoperative Visite-Definition

10 Die präoperative Visite als Beitrag zur KTQ - Zertifizierung

11 Praktische Ausführung der präoperativen Visite
11.1 Vorbereitungen
11.2 Fragebogen
11.3 Rahmenbedingungen
11.4 Durchführung
11.4.1 Patientenauswahl
11.4.2 Rahmenbedingungen
11.4.3 Der präoperative Erfassungsbogen
11.4.4 Im Operationstrakt
11.4.5 Der postoperative Bewertungsbogen
11.5 Auswertung

12 Auswirkungen und Erfahrungen der präoperativen Visite
12.1 für den Patienten
12.2 für den/die Mitarbeiter/Durchführenden
12.3 für die Stationen
12.4 für das Krankenhaus

13 Zusammenfassung

15 Literaturverzeichnis

1 Vorwort

Den Patienten beschäftigen vor einer anstehenden Operation mannigfaltige Gefühle, Ängste und Hoffnungen. Einerseits hofft er auf Heilung seiner Erkrankung, Wiederherstellung seiner gewohnten Lebensqualität und rasche Genesung, andererseits beschäftigt ihn die Sorge um postoperative Schmerzen, bösartige Befunde oder regelrechte Todesangst. Hinzu kommen am Operationstag die Anonymität und der hohe technische Standard einer Operationseinheit, welche auf viele Patienten beängstigend wirken.

Um den Patienten umfassend zu versorgen und individuelle Bedürfnisse des Einzelnen zu berücksichtigen, so dass er auch seine Ängste und Bedenken äußern kann, hat sich die präoperative Visite durch OP-Pflegepersonal als ein sehr sachdienliches Werkzeug bewährt. Der Patient wird vom ärztlichen Dienst über seine Krankheit, das gewählte Operationsverfahren und seine Narkoseart aufgeklärt, bisher aber nicht auf die speziellen Bedingungen im Operationssaal hingewiesen. Trotz modernster Technik, einzuhaltender Hygienerichtlinien und gesetzlichen Vorgaben ist das Pflegepersonal in Funktionsabteilungen angehalten den Umgang mit Patienten stets zu evaluieren und ihn mit seinen Ängsten und Bedürfnissen in den Vordergrund zu stellen.

Im Rahmen des gesetzlich geforderten Qualitätsmanagements für Krankenhäuser trägt die präoperative Visite weiterhin zur Erfüllung mehrerer Kriterien der Qualitätssicherung wie zum Beispiel Patientensicherheit oder Patientenzufriedenheit bei.

Ebenso ist sie ein geeignetes Instrument um Schwachstellen in der Strukturqualität, der Prozessqualität und der Ergebnisqualität zu erkennen und dient damit zusätzlich der Qualitätssicherung. In der entsprechenden Fachliteratur finden sich Angaben zur Pflegevisite für den stationären Bereich, jedoch ist kaum ein Hinweis auf eine Visite durch Funktions- beziehungsweise OP-Pflegepersonal zu finden.

Auch Nachfragen bei verschiedenen Krankenhäusern im Großraum Köln zeigen das niemand, bis auf geringe Ausnahmen und dort auch nur temporär, dieses Instrument im Funktionsdienst einsetzt, beziehungsweise sich Gedanken darüber gemacht hat.

2 Einleitung

In dieser Arbeit soll die präoperative Visite durch OP-Pflegepersonal als ein Kriterium der Qualitätssicherung vorgestellt werden.

Bevor der Zusammenhang zum Qualitätsmanagement und damit auch zu einem Beitrag der Zertifizierung geklärt wird, soll der Begriff „Qualitätsmanagement“ kurz verständlich gemacht, seine Entstehung und seine Verbreitung bis heute dargestellt werden.

Die präoperative Visite durch OP-Pflegepersonal wurde im Rahmen dieser Arbeit über mehrere Monate praktisch ausgeführt und es werden nachfolgend die Vorbereitungen, die Durchführung sowie eine Auswertung der dabei verwendeten Patienten-Fragebögen vorgestellt. Anschließend sollen die Auswirkungen und Erfahrungen der präoperativen Visite für den Patienten, den durchführenden Mitarbeiter und die Stationen, beziehungsweise das Krankenhaus beleuchtet werden.

Den Abschluss bilden eine Zusammenfassung sowie eine persönliche Stellungnahme des Verfassers, abgeschlossen vom Literaturverzeichnis, mehreren Anlagen und einer Bestätigung über die selbstständige Verfassung dieser Hausarbeit.

3 Qualitätsmanagement-Definitionen

Nach DIN EN ISO 9001 wird Qualitätsmanagement definiert als „aufeinander abgestimmte Tätigkeiten zur Leitung und Lenkung einer Organisation bezüglich Qualität“. Um diese Tätigkeiten zu verdeutlichen werden im folgenden die Aufgabenbereiche des Qualitätsmanagements beschrieben.

- Qualitätspolitik: bestimmt die übergeordneten Absichten und die Ausrichtung einer Organisation.
- Qualitätsplanung: soll die Qualitätsziele und die notwendigen Prozesse festlegen; Ressourcen zur Erfüllung der Qualitätsziele festlegen und Qualitätsanforderungen festlegen.
- Qualitätslenkung: erstellt Maßnahmen zur Erfüllung der Qualitätsanforderungen, überwacht die Umsetzung und Wirksamkeit der eingeführten Maßnahmen.
- Qualitätssicherung: dokumentiert das Qualitätsmanagement und stellt dessen Einbindung in Aufbau- und Ablauforganisation dar.
- Qualitätsverbesserung: erstellt Maßnahmen zur Verbesserung der Effektivität und Effizienz von Tätigkeiten und Prozessen.

Das Qualitätsmanagement ist in Absprache mit dem Gesamtmanagementsystem verantwortlich für das Festlegen der Qualitätspolitik, das Festlegen von Qualitätszielen und das Erreichen der Qualitätsziele.

Im Sozialgesetzbuch (SGB V §135 und §137; SGB XI §112 - §115) werden Krankenhäuser verpflichtet ein umfassendes Qualitätsmanagement zu etablieren, hausintern ein Qualitätsmanagement einzuführen und weiter zu entwickeln sowie sich an einrichtungsübergreifenden Maßnahmen zur Qualitätssicherung zu beteiligen um die Ergebnisqualität zu erhöhen.

Qualitätsmanagement im Krankenhaus dient der/dem

- Transparenz (klare Prozesse, „auf das Wesentliche konzentriert“)
- Effizienz (geringere Fehlerquote, Kosteneinsparungen)
- Kundenzufriedenheit (interne und externe Kunden)
- Akzeptanz (Mitarbeitermotivation)
- Kooperation (Krankenkassen, Lieferanten, niedergelassene Ärzte)
- Image (Kassen, Patienten, Angehörige)
- Vorbeugung (Haftungsansprüche, Organisationsmängel)

4 Qualitätsmanagement Entstehung

4.1 Ursprung

Qualität wird wahrscheinlich so alt sein wie die Menschheit.

Wann dieser Begriff zum ersten Mal auftaucht ist nicht genau zu bestimmen, aber wenn immer etwas von „qualifizierten“ Personen ausgeführt worden ist, so war dies bereits ein Zeichen von „Qualität“. Der früheste heute noch existierende Fund der Menschheit der in Bezug zur Qualität zu setzen ist, ist wahrscheinlich der „Codex Hammurapi“, eine vom König Hammurapi[1] von Babylon erstellte Gesetzesstele. Unter anderem wird dort auch die Haftung bestimmter Berufsgruppen definiert. Besonders Ärzte und Handwerker lebten gefährlich falls durch ihre Schuld (oder mangelnde Qualität) jemand getötet oder verletzt wurde. Starb ein Patient nach einer Operation beziehungsweise wurde schwer behindert, konnte dem Arzt als Strafe die Hand amputiert werden. Stürzten vom Baumeister errichtete Häuser ein und der Besitzer kam ums Leben, so verlor der Baumeister sein eigenes Leben als Strafe.

4.2 Mittelalter bis Industrialisierung

Vom Mittelalter bis zum Einsetzen der Industrialisierung waren es vornehmlich Zünfte und „Berufsorganisationen“, welche Regeln zur Arbeit oder zu Produkten aufgestellt haben. Während langer Lehr- und Gesellentätigkeit ist zu dieser Zeit das „Qualitätsdenken“ geübt worden und die Handwerker übernahmen die gesamte Produktion und die Qualitätskontrolle. Vor Beginn der Industrialisierung waren Produktionsverfahren langlebig und sind über Generationen hinweg weitergegeben worden.

Es kam aber auch zu fruchtbaren Überlegungen zur Erzeugung von Qualität beziehungsweise zum Vermindern von Ausschuss. In den zwanziger Jahren entwickelten Mathematiker und Statistiker Modelle zur Überwachung der Produktion und Verbesserungen der Berechnung von Stichproben (auch die „Stichprobe“ stammt aus der alten Zeit: Ein Käufer „stach“ in einen Sack Getreide um eine Probe daraus zu entnehmen).

4.3 Neuzeit

Neben der Statistik als wichtige Facette der Entwicklung des Qualitätswesen kamen in den fünfziger und sechziger Jahren weitere hinzu. Immer mehr Unternehmensbereiche als nur die Produktion wurden mit einbezogen und eine ganze Reihe von „Management-Instrumenten“ wurden und werden entwickelt. Vor allem die Japaner konnten sich zu dieser Zeit auf dem Weltmarkt etablieren was der Verdienst von W. Edward Deming[2] war, dessen Ideen in den USA keine Beachtung fanden und in Japan auf fruchtbaren Boden fielen. Die Deming-Kette[3] und besonders der Deming-Kreis (PDCA-Kreis)[4] werden noch heute vielfach verwendet. Ende der siebziger Jahre wurde in den USA, in Europa einige Jahre später, die Krise durch verlorene Marktanteile immer sichtbarer. Nach und nach sind daher weitere Modelle zuerst zur Qualitätssicherung, dann zum Qualitätsmanagement entwickelt und eingeführt worden.

4.4 Heute

In fast allen Industrieländern existieren heute Qualitätsorganisationen die über Qualität und Qualitätsmanagement informieren, denn Qualitätsmanagement wird immer unfangreicher und komplexer in seiner Struktur und es müssen alle Bereiche eines Unternehmens oder einer Organisation berücksichtigt werden. Längst ist Qualität und deren Management nicht nur eine Angelegenheit von produzierenden Betrieben, vor allem dienstleistende Unternehmen wie Krankenhäuser beschäftigen sich mehr und mehr damit um für die Zukunft gewappnet zu sein und langfristig ihre Existenz zu sichern.

5 Qualitätsmanagement Global

Die weltweite Entwicklung und Verbreitung des Qualitätsmanagements hat ihren Ursprung im Amerika zu Beginn des letzten Jahrhunderts, wobei zu dieser Zeit das Hauptaugenmerk auf der Qualitätskontrolle bestand. Erwähnenswerte Personen aus dieser Zeit sind Henry Ford[5] und Frederick W. Taylor[6]. Ford ließ in seinen Werken bereits zu dieser Zeit eine Qualitätskontrolle durchführen die sich auf Qualitätsprüfungen des Endproduktes beschränkte, während Taylor sich bereits mit dem Arbeitsablauf und dessen Optimierung beschäftigte („Taylorismus“). Um 1930 kam ebenfalls durch einen US-Amerikaner, Walter A. Shewhart[7], die Statistik als weiteres Kriterium der Qualitätsoptimierung hinzu.

Shewhart entwickelte Grundlagen zur statistischen Prozesskontrolle, die Methoden zur Überwachung und Optimierung des Kernprozesses vorgeben.

[...]


[1] 1810 v. Chr. – 1750 v. Chr.

[2] US-amerikanischer Physiker und Statistiker, Pionier des Qualitätsmanagements, 14.10.1900 – 20.12.1993

[3] Verzahnung und Folgen einer Maßnahme und ihre Auswirkung

[4] PDCA-Zyklus: Plan, Do, Check, Act = Planen, Tun, Checken, Aktion

[5] Gründer der „Ford Motor Company“, USA 30.07.1863 – 04.04.1947

[6] US-amerikanischer Ingenieur, Mitbegründer der Arbeitswissenschaft, 20.03.1856 – 21.03.1915

[7] US-amerikanischer Physiker, Ingenieur und Statistiker, 18.03.1891 – 11.03.1967

Details

Seiten
24
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640728541
ISBN (Buch)
9783640728961
Dateigröße
534 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v157672
Note
sehr gut
Schlagworte
präoperative Visite Qualitätssicherung Qualitätsmanagement OP-Pflege Krankenhaus OP-Personal

Autor

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