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Formen, Ursachen und Verlauf von Schizophrenie

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 14 Seiten

Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie

Leseprobe

1.Einleitung

Aufgrund der bedeutenden Fortschritte in der modernen Wissenschaft begreift die Öffentlich- keit allmählich, dass der schizophrene Patient mit seiner Abweichung von der Norm, keine Gefahr für die Gesellschaft darstellt. Dennoch bleibt die Schizophrenie immer noch ein Rät- sel. Ein Rätsel, das aus vielen Vorurteilen, Halbwissen und Faszination besteht. Oft ist es die Angst vor Geisteskrankheit, die unsere Gesellschaft hindert, sich mit der Schizophrenie aus- einender zu setzen. Wir sorgen uns, dass auch wir irrtümlich, als schizophren bezeichnet wer- den können, wenn wir uns unkonventionell verhalten, oder umstrittene Einsichten vertreten. Wir leugnen die Krankheit, weil wir uns selbst fürchten, dass auch wir an der „ unheilbaren „ Krankheit erkranken können.1

Doch nur wer versteht, wie Schizophrenien entstehen und was dabei im Gehirn geschieht, kann den Patienten und seinen Angehörigen wirkungsvoll helfen.

In vorliegender Arbeit wird zunächst versucht die Begriffe der Schizophrenie und der Psycho- se zu erläutern. Darauf aufbauend werden das Verständnis und die Abgrenzung zur Psychoti- schen Erkrankungen skizziert. Anschließend werden die Formen, warnende Anzeichen, sowie Verlauf und die Ursachen der schizophrenen Störungen kurz charakterisiert. Ferner sollen die wichtigsten Behandlungsformen der Schizophrenie dargestellt werden. Um anschließend Be- teiligung und Rolle der Familie in dem Familientherapeutischen Verfahren zu untersuchen.

2. Definition und Begriffsbestimmungen der Schizophrenie

Der Name der Krankheit"-schizophren ist altgriechisch und bedeutet übersetzt: schizein = spalten; phren = Seele).2 Deshalb bringen viele Menschen die Schizophrenie mit einer gespal- tenen Persönlichkeit in Verbindung. Tatsächlich handelt es sich dabei um eine psychische Erkrankung mit unterschiedlichen neuropsychiatrischen Störungen, die mit der gespaltenen Persönlichkeit nichts zu tun haben.3

Der Begriff „Schizophrenie“ wurde am 24. April 1908 von dem Schweizer Psychiater Eugen Bleuler in einer Sitzung des deutschen Vereins für Psychiatrie erstmals öffentlich vorgestellt. Er beschrieb den Zustand von Schizophrenie, als eine Situation in der solche Vorgänge wie: Denken, Fühlen und Wollen von den Betroffenen zunehmend auseinanderfallen.

Sein Konzept der Schizophrenie trat in Konkurrenz zum Hauptwerk der Dementia praecox4 von Emil Kraepelin. Er verfasste sein Konzept 1896 mit einer Einsicht, dass jeder Fall von Schizophrenie, unweigerlich zu einer fortschreitenden Verschlechterung ohne Möglichkeit der Genesung oder Besserung führt.5 Heute wissen wir, dass die schizophrenen Erkrankungen relativ gut behandelt werden können und nur bei 30 % der Betroffenen verläuft die Erkran- kung chronisch.6

2.1 Klassifikation der Störung und Abgrenzung zur Psychose

In der traditionellen Psychiatrie werden schizophrene Störungen den Psychosen zugeordnet. Der Begriff Psychose bezeichnet schwere psychische Störungen, bei denen, die Betroffenen an den grundlegenden Veränderungen und Störungen ihres Denkens und ihrer Wahrnehmung leiden.7 Menschen im psychotischen Zustand können Halluzinationen8 oder Wahnvorstellun- gen9 haben, oder sie ziehen sich in ihre eigene Welt zurück, die von den Menschen und Er- eignissen um sie herum fast überhaupt nicht beeinflusst wird10.

Die Psychose erscheint meistens als Schizophrenie11, eine Störung, bei der die persönliche, soziale und berufliche Rollenerfüllung sich derart verschlechtert, dass sie in ein Chaos aus verzerrten Wahrnehmungen, gestörten Denkprozessen, abweichenden emotionalen Zuständen und motorischen Auffälligkeiten zerfällt.12 Oder das Denken und die Wahrnehmungen verän- dern sich und werden präziser, dann spricht man von einer kognitiven Psychose.

Wenn aber hauptsächlich die Stimmung und der Antrieb sich auffällig verändern, und zwar in eine Richtung, dann wird die Psychose als manisch oder depressiv bezeichnet, wenn in beide Richtungen dann manisch und depressiv.

Wenn sich das Denken und die Wahrnehmungen so weit, verändern, dass man die Realität nicht mehr erfassen kann, dann wird die Psychose affektiv.13

In der ICD-10 werden die schizophrenen abgegrenzt und wie folgt klassifiziert:

- F 20 Schizophrenien,
- F 20.0 Paranoider Typus,
- F 20.1 Hebephrener Typus,
- F 20.2 Katatoner Typus,
- F 20.3 Undifferenzierte Schizophrenie,
- F 20.4 Postschizophrene Depression,
- F 20. 5 Schizophrenia Residuum,
- F 20.6 Schizophrenia simplex,
- F 20.8 Sonstige Schizophrenien.14

3. Die Prävalenz

Die Schizophrenie ist eine relativ häufige Erkrankung, sie trifft ca. bei 1 % der Bevölkerung auf. Bei der Erkrankung spielt das Geschlecht, die soziale Schicht oder die Kultur eines be- stimmten Landes keine Rolle. Die Schizophrenie findet man gleichermaßen bei Männern und Frauen in allen sozialen Schichten und in verschiedenen Kulturen.

Der Beginn der Erkrankungen ist meistens im Alter von 16 - 30 Jahren, wobei Männer früher erkranken als Frauen. So erkranken die Männer durchschnittlich im Alter von 21 Jahren, die Frauen im Alter von 26 Jahren.15

4. Die Anzeichen einer beginnenden Schizophrenie

Im folgenden Kapitel beschäftigen wir uns mit den warnenden Anzeichen eines bevorstehen- den Ausbruchs von der Schizophrenie. Dabei schauen wir ob sich die Krankheit durch eine Reihe von warnenden Anzeichen ankündigt oder völlig unerwartet auftritt.

Wichtig ist zu wissen, dass keiner dieser Anzeichen als sicherer oder auch nur möglicher Symptom der Schizophrenie ist.16

4.1 Akute Anzeichen

Die schizophrene Erkrankung tritt manchmal unerwartet auf infolge eines besonderen und ungewöhnlichen Ereignisses, in anderen Fällen nach einem unbedeutenden Erlebnis, etwa nach einem kleinen Unfall, das der Durchschnittsmensch ohne außergewöhnliche Beschwer- den bewältigen könnte. Oft gerät die menschliche Psyche aus dem Gleichgewicht durch Situa- tionen, die bis dahin als harmlos eingestuft waren. Jeder Fall der Schizophrenie ist individuell und deshalb ist die Schwelle, bei der die Psyche in ein Zustand der präschizophrener Panik übergeht ist für jeden nicht gleich.17

Folgende Anzeichen könnten als Beginn der schizophrene Erkrankung zu deuten sein: akute, unbegründete Angstzustände, kognitive Beeinträchtigung, Depression, sozialer Rückzug An- spannung, Verzerrungen der Realität, psychotische Symptome, Schlafstörungen.18

4.2. Schleichende Anzeichen

In den meisten Fällen sind die Signale für eine schizophrene Erkrankung schleichend. Sie entwickeln sich über lange Zeiträume.

In den folgenden Punkten, werden Gefahren aufgeführt, die als mögliche Anzeichen der be- vorstehenden Schizophrenie zu deuten wären. Es könnte der Fall sein, wenn:

- die Persönlichkeit sich auffallend verändert und der Wandel sich sehr langsam voll- zieht, so, dass die Menschen, die mit dem Betreffenden zusammenleben, es nicht be- merken. Dagegen, andere Menschen, die zum Beispiel in einer anderen Stadt leben und den Patienten lange nicht gesehen haben, stellen fest, dass der Mensch sehr be- fremdet zu wirken scheint. Die Veränderung vollzieht sich sehr unterschiedlich. In ei- nigen Fällen wirken die Menschen weniger wach, unentschiedener und langsamer als sonst. In anderen Fällen werden die Betreffenden extravertierter, offener und prova- kanter als sonst;19
- der Betreffende immer ruheloser und aktiver wird und/oder die Missverständnisse ab- surd werden und sich immer wieder häufen;
- der Betreffende sich aus dem Leben zurückzieht und wird reservierter und verschlos-sener. Dabei versucht er in manchen Fällen so unauffällig wie möglich zu wirken. In anderen Fällen wirkt er weniger spontan, sehr unsicher und ängstlich oder sogar gleichgültig gegenüber seiner Umwelt. Oft hat er das Gefühl bei allem was er macht zu scheitern, deshalb bezeichnen viele Menschen sein Zustand fälschlicherweise als pessimistisch und depressiv.20

[...]


1 Arieti 1989, S.25-27.

2 Das deutsche Wörterbuch 1985, S.844.

3 Vgl. Arieti 1989, S.57-59.

4 Der Begriff bezeichnet eine früh einsetzende Form der Schizophrenie bei den Jugendlichen. Das deutsche Wörterbuch 1985, S.261.

5 Vgl. Dörner 1978, S.152- 153.

6 Vgl. Blaumann 2003, S.15.

7 Vgl. Bock 2005, S.12.

8 Der Begriff bezeichnet krankhafte Sinnestäuschung ohne Reiz von außen. Vgl. Das deutsche Wörterbuch 1985, S. 458.

9 Der Begriff bezeichnet irrige, falsche Vorstellung. Vgl. Das deutsche Wörterbuch 1985, S.1057.

10 Vgl. Bock 2005, S. 18-19.

11 Vgl. Bock 2005, S. 12.

12 Vgl. Arieti 1989, S.57-59.

13 Vgl. Bock 2005, S.12.

14 Vgl. Blaumann 2003, S.9.

15 Vgl. Blaumann 2003, S.15.

16 Vgl. Arieti 1989, S.45.

17 Vgl. Arieti 1989, S.42-44.

18 Vgl. Dörner 1996, S.236.

19 Vgl. Arieti 1989, S.45-46.

20 Vgl. Arieti 1989, S.46-48.

Details

Seiten
14
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640702190
ISBN (Buch)
9783640702329
Dateigröße
553 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v157624
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen – Erziehungswissenschaft
Note
1,5
Schlagworte
Psychische Erkrankungen Schizophrenie Sozialpädagogisches Handeln Sozialpsychiatrische Praxis Psychose Psyche sozialer Ruckzug Krankheit

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