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Coaching Essentials

Zentrale Erfolgsfaktoren für gelungene Coachinggespräche

Diplomarbeit 2010 52 Seiten

Führung und Personal - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. WAS 1ST COACHING (NICHT)?
2.1 Coaching ist
2.2 Coaching ist nicht ...
2.3 Formendes Coachings
2.4 Coaching als methodenubergreifende Perspective

3. ANFORDERUNGEN AN EINEN COACH

4. DER COACHINGPROZESS
4.1 Vor dem Coaching
4.2 Coaching konkret
4.2.1 Ablauf und Phasen
4.2.1.1 Das Erstgesprach - der Erstkontakt
4.2.1.2 Rapportaufbauen
4.2.1.3 Auftrag ist nicht Ziel
4.2.1.4 Situation schildern/Informationen sammeln
4.2.1.5 Ziel(e) definieren
4.2.1.6 Interventionen setzen
4.2.2 Der „Werkzeugkoffer"
4.2.2.1 DerZiele-Prozess
4.2.2.2 Das Drei-Positionen-Modell
4.2.2.3 Systemische Fragen
4.2.3 Erfolgsfaktoren fur erfolgreiche Coachinggesprache
4.3 Nach dem Coaching

5. SCHLUSSBETRACHTUNG

ABKURZUNGSVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

TABELLENVERZEICHNIS

LITERATURVERZEICHNIS

Kurzzusammenfassung:

Durch die inflationare Verwendung des Coaching-Begriffs, fallt es Coaching- Interessierten haufig schwer den Uberblick zu bewahren und es stellen sich Fragen wie: Was ist Coaching? Wann beginnt Coaching und wo endet es? Was unterscheidet Coaching von einer Therapie oder einem Training?

Die Beantwortung dieser Fragen, eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema sowie die Herausarbeitung von moglichen erfolgsentscheidenden Faktoren und Merkmalen gelungener Coachinggesprache sind Schwerpunkte der vorliegenden Arbeit.

Wahrend seit Mitte/Ende der 1990er Jahre eine zunehmende Verwasserung des Coaching-Begriffs stattgefunden hat, beginnt sich Coaching seit etwa 2002 verstarkt zu professionalisieren und findet auch an Hochschulen oder Akademien Raum fur Auseinandersetzung. Diese vertiefte Professionalisierung zeigt sich auch an der Intensivierung der Forschung rund um das Thema „Coaching" und dass, obwohl Coaching im deutschsprachigen Raum ein freies Gewerbe ist, sich zunehmend Qualitatsmerkmale und Qualifizierungsstandards etablieren.

Ziel der Arbeit ist es, diese Qualitatsmerkmale zu identifizieren, mogliche Erfolgsfaktoren fur gelungene Coachinggesprache darzustellen und dadurch sowohl fur Coaching-Laien als auch fur erfahrene Coaches einen Uberblick zum Thema zu bieten.

Schlagworte (mind. 3, max. 6):

Coaching, Coachingprozess, Coachingphasen, Erfolgsfaktoren

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Chinesisches Sprichwort

1. Einleitung

Wellness-Coach, Lifestyle-Coach, Ernahrungs-Coach, Business-Coach, Personal- Coach, Sport-Coach, Bewerbungs-Coach, Gesundheits-Coach, Karriere-Coach, Online-Coach, Life-Coach oder einfach nur "mein Coach" - die Coaching-Angebote sind in den letzten Jahren explodiert und aktuell wird nahezu alles und jeder gecoacht: Vom Studenten, zur werdenden Mutter, vom Arbeitslosen bis hin zum Ex-Manager.

Wahrend seit Mitte/Ende der 1990er Jahre eine zunehmende Verwasserung des Coaching-Begriffs stattgefunden hat, beginnt sich Coaching seit etwa 2002 verstarkt zu professionalisieren und findet auch an Hochschulen oder Akademien Raum fur Auseinandersetzung. Diese vertiefte Professionalisierung zeigt sich auch an der Intensivierung der Forschung rund um das Thema „Coaching" sowie an einem Anstieg an (international) Fachtagungen oder Kongressen, einer beginnenden Markttransparenz und nicht zu letzt durch erhohte Qualitatsanforderungen und Standardisierungen in Ausbildungen und in der Praxis.[1]

Nichtsdestotrotz ist in Osterreich, wie im gesamten deutschsprachigen Raum, Coaching an keine formale rechtliche Qualifikation gebunden und somit ein freies Gewerbe. Das heiBt, um Coaching auszuuben bedarf es keinen Befahigungsnachweis. Coaching stehtjedem frei.[2] Coachig boomt.

Durch die inflationare Verwendung des Coaching-Begriffs, fallt es Hilfesuchenden jedoch haufig schwer den Uberblick zu bewahren und es stellen sich Fragen wie beispielsweise: Was ist Coaching? Wann beginnt Coaching und wo endet es? Was unterscheidet Coaching von einer Therapie oder einem Training?

Die Beantwortung dieser Fragen, eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema sowie die Herausarbeitung von moglichen erfolgsentscheidenden Faktoren und Merkmalen gelungener Coachinggesprache sind Schwerpunkte dieser Arbeit. Dabei lautet die zentrale Frage: ,,Was ist Coaching und welche moglichen zentralen Erfolgsfaktoren fur gelungene Coachinggesprache gibt es?"

Im Mittelpunkt der Arbeit stehen somit Coachingbasics. Diese wurden auf Basis aktueller Coachingliteratur herausgearbeitet und sind sowohl fur Coaching-Laien als auch fur erfahrenen Coaches gedacht.

Die Arbeit gliedert sich in funf Kapitel. Nach Einfuhrung in das Thema wird in Kapitel 2 „Was ist Coaching (nicht)" der Begriff „Coaching" definiert und von verwandten Bereichen, wie beispielsweise Therapie oder Supervision abgegrenzt. Zusatzlich wird auf unterschiedliche Formen des Coachings (wie Team- oder Online-Coaching) eingegangen und Coaching als methodenubergreifende Dienstleistungsform dargestellt.

In Kapitel 3 „Anforderungen an einen Coach" geht es um den Coach selbst. Es wird den Fragen nachgegangen, was einen professionellen Coach auszeichnet und welche Fahigkeiten und Kompetenzen ein guter Coach mitbringen sollte.

Der Coachingprozess, die Coachingphasen sowie einzelne Coaching-Tools und zentrale Erfolgsfaktoren fur Coachings stehen im Mittelpunkt des vierten Kapitels „Der Coachingprozess", welches den Hauptteil der Arbeit darstellt.

Das funfte und letzte Kapitel ,,Schlussbetrachtung" fasst die wichtigsten Punkte der Arbeit zusammen und enthalt neben einem personlichen Fazit auch einen Ausblick auf weitere, mogliche Forschungsfelder auf diesem Gebiet.

2.Was ist Coaching (nicht)?

Jeder spricht von Coaching und selten ist wirklich klar was damit gemeint ist. Daher wird zu Beginn der Arbeit geklart, was Coaching ist und von welchen benachbarten Themenkreisen es abzugrenzen ist. Im Anschluss daran werden die aktuell gangigsten Coachingformen/-arten kurz dargestellt und im letzten Teil dieses Kapitels aufdie Einflusse und Ursprunge von Coaching eingegangen.

Doch zu Beginn die Frage: „Was ist Coaching?"

2.1 Coaching ist

Fur das Austrian Coaching Council (ACC) ist Coaching ein „Sammelbegriff fur individuelle Formen personenzentrierter Beratung und Betreuung auf der Prozessebene. [...] Generelles Ziel ist immer die Verbesserung der Selbstregulationsfahigkeiten ("Hilfe zur Selbsthilfe") durch die Forderung von Selbstreflexion und -wahrnehmung, Bewusstsein und Verantwortung. Coaching arbeitet mit transparenten Interventionen und erlaubt keine manipulativen Techniken, da ein derartiges Vorgehen der Forderung von Bewusstsein und Eigenverantwortung prinzipiell entgegenstehen wurde."[3]

Auch Bjorn Migge (2007), Mediziner und Verhaltenswissenschafter in der Schweiz definiert Coaching als eine „partnerschaftliche Zusammenarbeit eines

Prozessberaters mit einem Klienten", bei der es um die Gewinnung von Klarheit, Handlungs- und Bewaltigungskompetenz fur den Klienten geht.[4] Er sieht Coaching als eine „individuelle und kontextbezogene Lebensberatung". Im Zuge dieser individuellen Beratung geht es um das Bewusstmachen und die Klarung von Bedurfnissen, Ziele, Visionen und Ressourcen.[5]

Christoper Rauen (2008), Autor zahlreicher Coaching-Bucher und erster Vorsitzender des Deutschen Bundesverbandes fur Coaching erlautert Coaching als eine ,,absichtsvoll herbeigefuhrte Beratungsbeziehung, die von Freiwilligkeit, gegenseitige Akzeptanz, Vertrauen und Diskretion gekennzeichnet ist. Coaching definiert sich nach Rauen anhand folgender Eigenschaften:[6]

- interaktiver, personenzentrierter Beratungs- und Begleitungsprozess, der in mehreren Sitzungen, zeitlich begrenzt stattfindet.
- individuelle Beratung auf Prozessebene, das heiBt, der Coach gibt keine Losungsvorschlage vor, sondern ist unabhangig, neutral und begleitet den Coachee bei der Entwicklung eigener Losungen.
- Selbstreflexion und -wahrnehmung, Bewusstsein und Verantwortung des Coachee stehen im Mittelpunkt, es geht um Hilfe zur Selbsthilfe mit dem Ziel die Selbstmanagementfahigkeiten zu verbessern.
- transparente Interventionen, die in einem Coachingkonzept mit Rahmen, Vorgehen, Methoden und Techniken eingebunden sind.
- an eine bestimmte Person oder an eine bestimmte Gruppe von Personen.
- psychologische und betriebswirtschaftliche Kenntnisse sowie praktische Erfahrung des Coaches.

Im Coaching-Rad von Babak Kaweh, wie es in Abbildung 1 auf der nachsten Seite dargestellt ist, steht Coaching fur eine losungsorientierte, prozessorientierte, zeitlich begrenzte Beratung im beruflichen Kontext von psychisch gesunden Menschen.[7]

Zusatzlich enthalt das Babak Kaweh-Rad weitere zentrale Felder, die eng im Zusammenhang mit der Definition und einem ganzheitlichen Verstandnis von Coaching stehen, wie ,,Haltung eines Coaches" oder „Wie lauft Coaching ab?", Arten des Coachings oder Coaching-Kompetenzen. Das Rad kann daher auch als erster Uberblick uber den weiteren Verlauf der Arbeit dienen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Uberblick uber Coaching (Quelle: Kaweh, 2005, S. 15.)

Zusammenfassend und fur den Fortschritt der Arbeit wird Coaching als individuelle, prozessorientierte, zeitlich begrenzte Begleitung von psychisch gesunden Menschen gesehen. Ziel von Coaching ist die Hilfe zur Selbsthilfe. Dabei geht es um die Erweiterung des Handlungsspielraums und die Verbesserung der Selbstmanagementkompetenz sowie um Selbstreflexion und -wahrehmung und das Erkennen eigener Bedurfnisse, Ziele und Ressourcen.

Die Betonung der psychisch gesunden Menschen ist nach Auffassung der Autorin besonders wichtig, weil dies ein klares Abgrenzungskriterium zur Psychotherapie darstellt. Weitere Abgrenzungen und was Coaching nicht ist, erlautert der folgende Abschnitt.

2.2 Coaching ist nicht ...

Mentoring.

Als Mentoring wird eine personlich gestaltete, aber zeitlich befristete Beziehung zwischen einer erfahrenen Fach- oder Fuhrungskraft (Mentor) und Nachwuchspersonen (Mentee) bezeichnet. Diese Beziehung dient beispielsweise dazu, dem Mentee zu beruflich zu beraten und ihm/ihr Einblicke in Fuhrungsverhalten oder Kontaktnetze zu vermitteln. Der Mentor fungiert dabei als erfahrener Ratgeber und als Vorbild fur erfolgreiche Strategien fur das (berufliche) Weiterkommen.[8]

Supervision.

Supervision kann berufsbegleitend und/oder -unterstutzend in Anspruch genommen werden und dient zur Reflexion von beruflichen Angelegenheiten. Gemeinsam mit einer/eines Supervisorin/Supervisors werden konkrete berufliche Falle, Fragen und Themen erortert, geklart und zukunftige alternative Handlungsmoglichkeiten erarbeitet. Supervisioren benotigen eine spezielle Ausbildung und Fachkompetenz im Handlungsbereich des Kunden.[9]

Training.

Ein Training bezieht sich auf ein abgegrenztes Thema und dient dem Aneignen und Uben von speziellen Fertigkeiten und Kenntnissen. In einem Training werden von einem Fachexperten klare Handlungsanweisungen fur die erfolgreiche Bewaltigung konkreter Fragestellungen vermittelt.[10]

Beratung.

Im Allgemeinen bezieht sich Beratung auf eine strukturierte Vorgehensweise zur Vermittlung praktischer Anleitungen. Ziel ist es, eine Aufgabe oder ein Problem zu losen oder sich einer Losung anzueignen. Beratung wird meist im Sinne von „jemandem in helfender Absicht Ratschlage erteilen" verstanden.[11]

Lebens- und Sozialberatung

Lebens- und Sozialberatung erfolgt in erster Linie in Einzelpraxen Oder in Beratungsstellen. Lebens- und Sozialberater beraten und betreuen Menschen in Problem- und Entscheidungssituationen, um belastende Oder schwer zu bewaltigende Situationen zu erleichtern, zu verandern und einer Losung zuzufuhren.[12]

Psychotherapie.

Bei einer Psychotherapie geht es um die Bearbeitung tiefgehender privater und personlicher (psychischer) Schwierigkeiten. Die individuelle Lebensgeschichte wird berucksichtigt und die thematisierten Probleme konnen auch weiter zuruckliegen. Ziel ist in erster Linie die Wiederherstellung der psychischen Gesundheit der jeweiligen Person. Psychotherapien konnen auch von langerer Dauer sein (Jahre).[13]

Die Abgrenzung von Coaching zu den oben genannten Bereichen ist zentral. In ist die Abgrenzung jedoch schwierig und sorgt haufig fur Kontroversen, da der Ubergang von Coaching zu den oben genannten Dienstleistungsformen flieBen ist. Gerade im Bezug auf die (Lebens- und Sozial-) Beratung verschwimmen die Grenzen. Wichtig ist, den eigenen Wirkungsbereich fur sich und die Umwelt klar zu benennen und abzugrenzen und bei Verlassen der eigenen Kompetenzen an die jeweiligen Experten weiterzuempfehlen. Denn wie im weiteren Verlauf der Arbeit gezeigt werden soll, gibt ein Coach weder Ratschlage oder Tipps, noch berat er/sie seine KlientInnen zu einem bestimmten Thema. Einen Coach kennzeichnet eine Haltung und Methode, die es ihm/ihr ermoglichen, Coachees beim Finden eigener Losungen zu unterstutzen. In welchen Formen diese geschehen kann, erlautern die Ausfuhrungen im folgenden Kapitel „Formen des Coachings".

2.3 Formen des Coachings

Je nach Rahmenbedingungen und Zielsetzung kann Coaching in unterschiedlichen

Formen in Anspruch genommen werden:

- Einzel-Coaching: Im Einzel-Coaching wird nur eine Person von einem Coach gecoacht. Dabei wird sehr konkret auf die individuellen Bedurfnisse des Coachee eingegangen. Der Coach hat dabei jedoch mogliche Wahrnehmungs- beschrankungen des Gecoachten zu berucksichtigen, die beispielsweise in einem Gruppen-Coaching eher vermieden werden.[14]
- Gruppen-Coaching: Gruppen-Coachings umfassen alle MaBnahmen, in denen mehrere Personen gleichzeitig gecoacht werden. Sollte ein Coach alleine arbeiten, sollte die gecoachte Gruppe nicht groBer sein als 15 Personen. Vorteile von Gruppen-Coachings sind, dass, unterschiedliche Sichtweisen und Erfahrungen miteinflieBen (konnen) und dadurch die Fokussierung auf Einzelinteressen vermieden werden kann.[15]
- Team-Coaching: 1st ein Spezialfall des Gruppen-Coachings. Der Unterschied zwischen einem Team und einer Gruppe ist, dass ein Team in einem festen Funktionszusammenhang, der sich in der Regel auf eine konkrete Aufgabe bezieht, steht. Haufigste Zielsetzungen von Team-Coachingprozessen sind die Forderung von Kommunikation, Motivation und Kooperation, um so das Fuhrungs- und Leistungsverhalten vom und im Team zu verbessern.[16]
- Online-Coaching: Fur das Online-Coaching bedarf es Computer, Internet und E-Mail-Adresse. In einem Online-Coachingforum kann anonymisiert ein Problem beschrieben werden. Das Anliegen wird an die fur dieses Forum tatigen Coaches weitergeleitet und sobald deren Antworten eingegangen sind, werden diese zusammen mit der Anfrage auf der Seite des jeweiligen Online- Coachingforums veroffentlicht - ohne Angabe von Namen und E-Mail-Adresse derjenigen Person, die die Anfrage gestellt hat.[17]
- Selbstcoaching: Selbstcoaching bezeichnet die eigene personliche Kompetenzerweiterung. Durch spezielle Selbstmanagementmethoden, Ablaufmuster oder Selbstlerntechniken, sollen Fahigkeiten auf Beziehungs- und Verhaltensebene optimiert und das Leistungsvermogen gestarkt werden.[18] [19]
- Coaching mit mehreren Coaches: Der gleichzeitige Einsatz zwei oder mehr Coaches ist zwar selten, aber moglich. Vor allem bei Gruppen- und/oder Team-Coaching kann dies der Fall sein. Auch auf Wunsch des Coachee kann ein weitere Coach hinzugezogen werden.19

In der Praxis finden alle oben genannten Coachingformen Anwendung. Welche dieser Formen letztendlich gewahlt wird, hangt von der Arbeitsweise und Ausbildung des Coaches sowie von der konkreten Zielsetzung ab. Die in der Praxis haufigste Form ist das Einzel-Coaching. Auch in den weiteren Erlauterungen wird von Einzel-Coachings ausgegangen. In den Unternehmen sind auch Team- Coachings (Coaching von Fuhrungs- oder Managementteams oder temporaren Arbeitsteams) gangig. Online-Coaching hat sich erst in den letzten Jahren entwickelt und steckt noch in den Kinderschuhen.

Coaching insgesamt ist eine noch sehr junge Disziplin. Auf Ursprunge und Einflusse des Coachings wird im folgenden Abschnitt eingegangen.

2.4 Coaching als methodenubergreifende Perspektive

In den folgenden Ausfuhrungen werden Herkunft und Einflusse des Coachings erlautert.

Dieser Arbeit liegt der Ansatz der methodenubergreifenden Perspektive zu Grunde, welche an den Erlauterungen von Bjorn Migge anschlieBen:[20]

Die Grundlage von Coaching ist eine tiefenpsychologische und psychodynamische Sichtweise, in die ungezwungen (das heiBt keiner Schule streng folgend) Methoden aus dem

- Neurolinguistischen Programmieren (NLP)[21],
- der Gestalttherapie[22],
- dem Psychodrama[23],
- der Hypnotherapie[24],
- der Kurzzeittherapie[25],
- der kognitiven Verhaltenstherapie[26]
- und der systemischen Therapie und Beratung[27] integriert werden.

Ziel ist „ein bunter StrauB an Blumen" oder ein ungezwungener Werkzeugkoffer, bei dem speziell aufeinander abgestimmte und miteinander kombinierte Methoden einen sinnvollen Mix von Coaching-Tools und -methoden ergeben, um Personen effektiver zu helfen.

Das Kombinieren von Methoden unterschiedlicher Disziplinen wird „eklektisch" genannt (griechisch und neu-lateinisch: Methoden verschiedener Schulen

aufsammeln). Auszuge aus den Grundzugen dieser modernen methodenubergreifenden Tiefenpsychologie sind:[28]

- Menschen werden von Handlungsmotive, Gefuhlen etc. geleitet, die ihnen nicht unmittelbar bewusst sind.
- In einer Beziehung zwischen Klient und Therapeut/Berater/Coach kommt es zu Ubertragungen und Gegenubertragungen, die sinnvoll genutzt werden konnen.
- Menschen tragen Objektreprasentanzen (innere Abbilder) von sich selbst und von anderen mit sich.
- Menschen haben innere Konflikte, die nicht bewusst erkannt und/oder bearbeitet werden konnen.
- Die Arbeit an unbewusste Abwehrmechanismen, die den Menschen vor dem Erkennen innerer Konflikte schutzen, eroffnet neue Handlungsspielraume.
- Grundvoraussetzung eines gelungenen Prozesses ist eine kooperative Beziehung zwischen Klient und Berater (siehe Kapitel 4.2.1.2 „Rapport").
- Die fokussierte Zielsetzung ist zentraler Bestandteil des Prozesses.
- Das Einnehmen einer Ressourcen- und Losungsperspektive ist ein wesentliches Element des Prozesses.
- Die Losung des Problems kann unabhangig von der Entstehung des Problems sein.
- Klienten haben das Recht ein Problem zu haben (Werstschatzung in allen Phasen des Prozesses).
- Probleme sind oft verschlusselte komplexe Beziehungswunsche.
- Ressourcenaktivierung als zentraler Hebel im Prozess.

Der Coachingbegriff an sich kommt ursprunglich von ,,Coach", ,,Kutscher", ,,Kutsche" - jemanden schnell ans Ziel bringen - und wurde in den 1960er Jahren in den Sport ubertragen. Denn im Sport wurde erkannt, dass Erfolge nicht nur von den Fahigkeiten des Betreffenden abhangen, sondern auch von der Einstellung: Was traue ich mir zu? Wie gehe ich mit Erfolgen und Misserfolgen um?

In den 1980er Jahren wurde Coaching auch im Business-Bereich popular, wobei der Coach die Aufgabe hatte, eine Fuhrungskraft, einen Projektleiter, einen Fachexperten oder auch Mitarbeiter und Teams zu unterstutzen, schnell und sicher bestimmte Ziele zu erreichen.[29]

Seit Mitte/Ende der 1990er Jahre entwickelt sich eine zunehmende Verwasserung des Coaching-Begriffs. Vor allem in der Beratung kommt es zu einer populistischen Verwendung und Coaching wird als jede beliebige Form der Beratung (Finanz-Coaching, Gesundheits-Coaching etc.) bezeichnet. Nichtsdestotrotz oder gerades deshalb beginnt sich Coaching seit etwa 2002 verstarkt zu professionalisieren und findet auch an Hochschulen oder Akademien Raum fur Auseinandersetzung. Diese vertiefte Professionalisierung zeigt an der Intensivierung der Forschung rund um das Thema „Coaching" sowie an einem Anstieg an (internationalen) Fachtagungen oder Kongressen, einer beginnenden Markttransparenz und nicht zu letzt durch erhohte Qualitatsanforderungen und Standardisierungen in Ausbildungen und in der Praxis.[30]

Was Coaching-Interessierte von einem Coach erwarten konnen und wodurch sich ein professioneller Coach auszeichnet, wird im folgenden Kapitel 3 „Anforderungen an einen Coach" erlautert.

[...]


[1] Vgl. Rauen, 2005, S. 28ff.

[2] Vgl. Austrian Coaching Council, 2010, S. 1.

[3] Austrian Coaching Council, 2010, http://www.coachingdachverband.at/index_html?sc=411685440&xo=15801&searchkey=&buchstabe=C, Stand vom 23. Februar 2010.

[4] Vgl. Migge, 2007, S. 22.

[5] Vgl. Migge, 2007, S. 28.

[6] Vgl. Rauen, 2008, S. 2ff.

[7] Vgl. Kaweh, 2005, S. 15ff.

[8] Vgl. Von Dewitz, 2006, S. 316f.

[9] Vgl. Osterreichische Vereinigung fur Supervision, http://www.oevs.or.at.

[10] Vgl. Migge, 2007, 25.

[11] Vgl. Wikipedia, Beratung, Stand vom 24.4.2010.

[12] Vgl. Offizielles Portal der Lebens- und Sozialberater Osterreich, Stand vom 24.4.2010.

[13] Vgl. Rauen, 2008, 6f.

[14] Vgl. Rauen, 2008, S. 37f.

[15] Vgl. Rauen, 2008, S. 38.

[16] Vgl. Rauen, 2008, S. 41.

[17] Vgl. Managementwissen, Stand vom 24.4.2010.

[18] Vgl. Rauen, 2008, S. 43.

[19] Vgl. Rauen, 2008, S. 45f.

[20] Vgl. Migge, 2007, S. 17.

[21] Neurolinguistisches Programmieren (NLP) ist eine Methode zur Erweiterung und konstruktiven Veranderung menschlichen Erlebens und Verhaltens. Es ist eine Summe neuer Erkenntnisse der Psychologie, Sprach- und Gehirnforschung. NLP wurde Anfang der 1970er von Richard Bandler und John Grinder entwickelt. (Quelle: Vgl. http://www.nlpzentrum.at/nlp/index.html, Stand: 30.5.2010.)

[22] Die Gestalttherapie ist eine Schule der Psychotherapie und befasst sich mit ganzheitlich organismischem Verhalten und Motivation zum Handeln, das heiBt, die Figur in einer Gestalt wird das, was das Zentrum unserer Aufmerksamkeit anzieht, was die Aufmerksamkeit verliert, wird zum Hintergrund, der die Figur unterstutzt. Als Begrunder gelten Fritz Perls und Laura Perls, sowie Paul Goodman. (Quelle: Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Gestalttherapie, Stand 30.5.2010.)

[23] Das Psychodrama ist eine gruppen- wie auch eine einzelpsychotherapeutische Methode und geht auf Jacob Levi Moreno zuruck. Beim Psychodrama werden Anliegen nicht nur erzahlt, sondern auch dargestellt, zum Beispiel in Form von Rollenspielen oder Aufstellungsarbeiten. (Quelle: Vgl. http://www.psychodrama- austria.at/, Stand 30.5.2010)

[24] In der Hynotherapie arbeiten Therapeut und Klient kooperativ zusammen: Der Klient ist dabei meist nur in einer leichten Trance und erlebt gleichzeitig bewusst die gemeinsame Arbeit. Zentral sind dabei bestimmte Sprachmuster des Therapeuten. Die Hynotherapie wurde wesentlich vom amerikanische Arzt und Psychiater Milton Erickson beeinflusst. (Quelle: Vgl. Migge, 2007, S. 47ff.)

[25] Die Kurzzeittherapie ist eine pezielle Art der Gesprachstherapie, die vom Psychotherapeuten Steve de Shazer und Insoo Kim Berg Anfang der 1980er erstmals vorgestellt wurde. Bei der Kurzzeittherapie wird davon ausgegangen, dass es hilfreicher ist, sich auf Wunsche, Ziele, Ressourcen, Ausnahmen vom Problem (zukunfts- und losungsorientiert) zu konzentrieren anstatt auf Probleme und deren Entstehung (vergangenheitsorientiert) einzugehen. (Quelle: Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%B6sungsorientierte_Kurztherapie, Stand 30.5.2010.)

[26] Als Begrunder von kognitiven Therapien gelten gelten Aaron T. Beck und Albert Ellis. Es geht darum (Kognition) Einstellungen, Gedanken, Bewertungen und Uberzeugungen bewusst zu machen, lernen damit zumzugehen und konstruktiv einzusetzen. Es wird davon ausgegangen, dass wie wir denken, bestimmt, wie wir uns fuhlen und verhalten und wie wir korperlich reagieren. (Quelle: Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Kognitive_Verhaltenstherapie, Stand 30.5.2010.)

[27] Die systemische Therapie hat viele Grundungsorte und ist eine psychotherapeutische Fachrichtung, die systemische Zusammenhange und interpersonelle Beziehungen in einer Gruppe als Grundlage fur die Diagnose und Therapie von seelischen Beschwerden und interpersonellen Konflikten betrachtet. Als Grundlagen des systemischen Ansatzes sind die Systemtheorie (Niklas Luhmann) und der Konstruktivismus (Ernst von Glasersfeld, Heinz von Foerster) anzusehen. (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Systemische_Therapie, Stand vom 30.5.2010.)

[28] Vgl. Migge, 2007, S. 17ff.

[29] Vgl. Konig/Volmer, 2003, S. 9f.

[30] Vgl. Rauen, 2005, S. 28ff.

Details

Seiten
52
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640706518
ISBN (Buch)
9783640706570
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v157590
Institution / Hochschule
Bildungsforum Wien Gesellschaft für Aus- und Weiterbildung
Note
1
Schlagworte
Coaching Erfolgsfaktoren Coach Coachingprozess Coachingphasen Coaching-Tools Führungskräfteentwicklung Personalentwicklung Changemanagement Coachee Thema Coaching

Autor

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Titel: Coaching Essentials