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Preismodelle zur Bewertung von Terminkontrakten auf Öl

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 24 Seiten

BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung, Social Media

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

II. Abkurzungsverzeichnis

III Symbolverzeichnis

IV Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Besonderheiten des Energietragers Erdol
2.1. Stilisierte Fakten
2.2. Transport und Lagerung Fakten
2.3. Determinanten der Nachfrage auf den Erdolpreis

3. Eigenschaften von Terminkontrakten
3.1. Optionen
3.2. Forwards
3.3. Futures

4. Preismodelle zur Bewertung von Terminkontrakten auf Erdol
4.1. Normal Backwardation
4.2. Cost of Carry Ansatz
4.3. Optionspreisbewertung mit dem Black Scholes Modell

5. Schlussbetrachtung und kritische Wurdigung

V. Literaturverzeichnis

II. Abkurzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

III Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

IV Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Arbitrageportfolio zur Bestimmung des Forward Preises

1. Einleitung

Erdol kann zweifelsohne als der herausragende Energietrager unserer Zeit angesehen werden. Der Anteil des Erdols am weltweiten Primarenergieverbrauch betrug im Jahre 2009 ca. 35%/[1] Der uns zuteil gewordene Wohlstand und die wirtschaftliche Entwicklung im 20. Jahrhundert waren ohne den Einsatz des Primarenergietragers Erdol und seine Umwandlung in Energie, als einer der essentiellen Produktionsfaktoren, nicht moglich gewesen. Im Rahmen dieser Arbeit sollen die zentralen Modelle zur Bewertung von Terminmarktkontrakten fur endliche Energietrager am Beispiel des Erdols vorgestellt und auf ihre Evidenz gepruft werden.

Die Arbeit beginnt mit einer Charakterisierung des Energietragers Erdol und der Skizzierung seiner wesentlichen Eigenschaften. Im Anschluss daran werden die zentrale Einflussfaktoren auf die Preisbildung an den Erdol Spot- und Terminmarkten skizziert, die sowohl auf begrenzten Transportkapazitaten, als auch auf die Angebots- und Nachfragesituation zuruck zu fuhren sind.

Der Hauptteil dieser Arbeit ist auf die Darstellung und Analyse der zentralen Bewer- tungsmodelle fur Terminkontrakte auf Erdol ausgerichtet. Hierfur ist jedoch zunachst ein grundlegendes Verstandnis der Funktionsweise von Terminkontrakten auf den internationalen Kapitalmarkten notwendig. Aus diesem Grund befasst sich das dritte Kapitel dieser Arbeit ausschliefilich mit der Charakterisierung der wesentlichen Eigenschaften von bedingten Termingeschaften am Beispiel von Optionen, sowie unbedingten Termingeschaften am Beispiel von Forwards und Futures-Kontrakten.

Im Anschluss hieran werden in Kapitel vier mit der Theorie der Normal Backwardation, sowie dem Cost of Carry-Ansatz die beiden klassischen Bewertungsansatze fur endliche Verbrauchsguter dargestellt und kritisch betrachtet. Die Darstellung erfolgt jeweils auf Basis der Bewertung eines Forward-Kontraktes und stellt die unterschiedlichen Bewertungsansatze dar.

Den Abschluss des vierten Kapitels bildet die Analyse der Anwendbarkeit des mathematisch geschlossenen Black Scholes Modells zur Bewertung von europaischen Optionen. Hierbei wird untersucht, ob der von Black Scholes entwickelte Ansatz auch auf den Basiswert Erdol ubertragbar ist.

Die Arbeit schliefit mit einer Zusammenfassung und einer Einordnung der betrachteten Preismodelle hinsichtlich ihrer praktischen Anwendbarkeit.

2. Besonderheiten des Energietragers Erdol

Bei der Analyse zur Preisbestimmung des Primarenergietragers Erdol mussen explizit die Besonderheiten dieser endlichen und erschopfbaren Ressource beachtet werden. Neben der Erschopfbarkeit sind dies in erster Linie die geringe Preiselastizitat auf der Angebots- und Nachfrageseite, sowie die Heterogenitat des Gutes Erdol auf Grund seiner unterschiedlichen chemischen Eigenschaften.

2.1. Stilisierte Fakten zum Erdol

Die okonomisch bedeutendsten chemischen Eigenschaften des Erdols sind seine Dichte und sein Schwefelgehalt. Auf Basis der Dichte wird zwischen leichtem und schwerem Erdol, auf Basis des Schwefelgehalts zwischen sufien und sauren Sorten, unterschieden. Die chemischen Eigenschaften des Erdols fuhren dazu, dass es verschiedene Erdolsorten mit jeweils unterschiedlichen Preisen, abhangig von den Verarbeitungs- und Transportkosten, gibt. Prinzipiell kann festgehalten werden, dass leichte und sufie Erdole hoher bewertet sind als schwere und saure Erdole.[2] Im weiteren Verlauf dieser Arbeit wird kein Unterscheid zwischen einzelnen Referenzsorten gemacht, sondern ausschliefilich vom Erdol gesprochen.

2.2. Transport und Lagerung

Die Handelbarkeit von physischem Rohol hangt stark von den vorhandenen Transportkapazitaten ab, da diese die notwendige Bedingung fur einen funktionierenden Weltolmarkt, auf dem es zur einer Angleichung von Preisen in unterschiedlichen Regionen kommt, sind.[3] Auf einem vollkommenen Erdolmarkt, ohne Transportengpasse, gleichen sich die Preise fur Erdol der selben Qualitat so lange an, bis es keine Preisunterschiede mehr gibt. Die Ursache hierfur liegt in der Existenz von Arbitrageuren, die durch entsprechende Arbitragegeschafte fur einen Ausgleich der Preise sorgen. Die Bedeutung der geographischen Lage der Erdolforderung nimmt mit steigenden Transportkosten zu. Der Transport von Erdol erfolgt entweder mittels Tankern auf internationalen Wasserstrafien oder per Pipeline.[4] Erdol als physischer Rohstoff lasst sich im Gegensatz zu regenerativen Energietragern wie Wind- und Solarenergie speichern. Dies ist eine zentrale Eigenschaft des Erdols, die bei der Modellierung von Bewertungsansatzen fur Terminkontrakte eine wichtige Rolle spielt. Bei der Lagerung von Erdol- und Olprodukten unterscheidet man zwischen einer kommerziellen und einer strategischen Olreserve. Die kommerziellen Olreserven werden zum Grofiteil von Olproduzenten gehalten und dienen dem Ausgleich zeitlicher und saisonaler Preisschwan- kungen.[5] Die kommerzielle Lagerhaltung bildet einen Puffer zwischen dem preisunelas- tischen Angebot und der preisunelastischen Nachfrage, wobei die Nachfrage nach den kommerziellen Lagerbestanden negativ mit dem gegenwartigen Roholpreis korreliert ist.[6] Auf der anderen Seite werden strategische Reserven durch erdolimportierende Staaten aufgebaut, die der Uberbruckung von Versorgungsengpassen dienen. Problematisch hierbei ist die Identifizierung eines Versorgungsengpasses, der nicht zwangslaufg aus starken Preisanstiegen des Erdols abgeleitet werden kann.[7]

2.3. Determinanten der Nachfrage auf den Erdolpreis

Bei der Preisbildung des Erdols auf den internationalen Rohstoffmarkten gibt es eine Vielzahl an Einflussfaktoren. Neben der Angebots- und Nachfragesituation sind dies auch diverse Kapitalmarktfaktoren. Die Nachfrage eines Importlandes nach Olprodukten hangt im Wesentlichen von vier zentralen Determinanten ab. Dies sind neben der wirtschaftlichen Entwicklung, gemessen an der Veranderung des BIP zum Vorjahr, die Energieeffizienz der verwendeten Technologien, die Energiepolitik des betrachteten Importlandes, sowie Preise und Verfugbarkeit von Substitutionsprodukten.[8] Zunachst einmal beeinflusst die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes die Nachfrage nach Olprodukten, da wirtschaft- liches Wachstum empirisch gesehen mit einem hoheren Energiebedarf einhergeht. Eine weitere Determinante der Energienachfrage ist die Energieeffizienz, die den Energieinput pro Outputeinheit beschreibt. Die Energieeffizienz wird stark durch technischen Fortschritt und verbesserte Produktionstechnologien bestimmt. Mit steigenden Roholpreisen nehmen Investitionen in energieeffiziente Produktionstechnologien zu. Auf der anderen Seite kann eine erhohte Energieeffizienz auch zu einem absolut hoheren Energieverbrauch fuhren. Dies ist der Fall, wenn durch sinkende Energiepreise der Verbrauch der nun gunstigeren Energie- einheit auf Grund des positiven Einkommenseffekts zunimmt. Dieses Phanomen wird in der Literatur als Rebound Effekt bezeichnet. Die Nachfrage nach Olprodukten wird daruber hinaus stark von der jeweiligen Energiepolitik eines Landes beeinflusst. Durch die jeweilige Steuer- und Subventionspolitik konnen Anreize fur eine hohere Energieeffizienz gesetzt werden, die zu einer Steigerung der Wettbewerbsfahigkeit alternativer Energietrager fuhren.[9] In Deutschland wurde die Forderung regenerativer Energien insbesondere durch das Erneuerbare Energiengesetz (EEG) begunstigt. Gleichzeitig fuhrt eine Steueranhebung auf Olprodukte jedoch auch zu einer Entkoppelung der Olproduktpreise vom Roholpreis.[10] Dies lasst sich sehr gut am Beispiel des Benzinpreises nachvollziehen. So betrug der Steueranteil am Benzinpreis, bestehend aus Mineralolsteuer und Mehrwertsteuer in Deutschland, im Jahre 2008 in etwa 63% des Benzinpreises. Die Diskrepanz zwischen der Entwicklung des Roholpreises, der von 1998 bis 2008 um circa 500% stieg und der Entwicklung der Benzinpreise, die im gleichen Zeitraum nur um 70% stiegen, lasst sich durch den hohen Steueranteil erklaren.[11] Die letzte hier vorgestellte Nachfragedeterminante sind die Preise und die Verfugbarkeit von Substitutionsprodukten wie z. B. Windenergie, die im theoretischen Hotelling Modell den Backstop Preis der betrachten Ressource Erdol determinieren. Bei der unbegrenzten Verfugbarkeit von vollstandigen Substituten fur Erdol, determinieren die Preise des Substituts den theoretisch maximalen Preis des Erdols.

3. Eigenschaften von Terminkontrakten

Terminkontrakte sind Handelsgeschafte in einem bestimmten Basiswert, die zu heute festgelegten Bedingungen uber Preis, Menge und Falligkeit an einem Terminmarkt abgeschlossen, jedoch erst zu einem spateren Zeitpunkt erfullt werden.[12] Terminkontrakte konnen entweder borslich an Terminborsen oder aber auch aufierborslich im sog. OTC Geschaft gehandelt werden. Es lassen sich nach den Erfullungsbedingungen zwei Typen von Termingeschaften unterscheiden. Auf der einen Seite sind dies unbedingte Termingeschafte, bei denen beide Vertragspartner die Verpflichtung zur Erfullung des eingegangenen Termin- geschafts haben. Das Pendant hierzu sind bedingte Termingeschafte, bei denen nur ein Vertragspartner die Pflicht zur Erfullung des eingegangenen Termingeschafts hat, wahrend dem anderen Vertragspartner gegen Zahlung einer Pramie ein Wahlrecht zur Erfullung des Termingeschafts eingeraumt wird.

Auf dem Terminmarkt lassen sich drei Gruppen von Marktakteuren unterscheiden. Die erste und wohl wichtigste Gruppe sind die Hedger, die mit Hilfe von Termingeschaften real existierende Preisrisiken absichern wollen.[13] Hedger besitzen eine physische Position Rohol, die sie durch das Eingehen von Termingeschaften gegen Preisschwankungen absichern wollen. Auf der anderen Seite stehen Spekulanten, die bewusst und in Erwartung bestimmter Preisentwicklungen, offene Positionen eingehen, um hiermit Gewinne zu erzielen.[14] Spekulanten stellen also Risikokapital in Terminmarkten und erhohen hiermit signifikant die Marktliquiditat. Die letzte Gruppe der Marktteilnehmer bilden die Arbitragegeure, die durch Ausnutzung von Preisdifferenzen zwischen raumlich, zeitlich und sachlich verschiedenen Markten zu einem gleichen Zeitpunkt, einen risikolosen Gewinn ohne Kapitaleinsatz erzielen wollen.[15]

3.1. Optionen

Optionen gehoren zu der Gruppe der bedingten Termingeschafte. Mit einer Option erwirbt der Kaufer das Recht, aber nicht die Pflicht, wahrend der Kontraktlaufzeit (amerikanische Option) bzw. am Ende der Kontraktlaufzeit (europaische Option) eine bestimmte Menge eines Gutes (Basiswert) zu einem im Voraus festgelegten Preis (Ausubungspreis) zu kaufen (Call Option) oder zu verkaufen (Put Option). Der Kaufer der Option besitzt eine Long Position und muss dem Verkaufer einer Option, dem Stillhalter bzw. der Short Position, fur das ihm eingeraumte Ausubungswahlrecht mit Kontraktabschluss eine Optionspramie zahlen.

Der Stillhalter in einer Option muss die Ausubungsentscheidung der Long Position grds. erfullen, d. h., er geht eine einseitige Verpflichtung zur physischen Lieferung bzw. zur finanziellen Erfullung gegegenuber der Long Position ein.[16] Es existieren somit vier mogliche Typen von Optionspositionen: Long Call (Kauf einer Kaufoption), Long Put (Kauf einer Verkaufoption), Short Call (Verkauf einer Kaufoption) und Short Put (Verkauf einer Verkaufoption), die entsprechend der jeweils verfolgten Absicherungs- oder Spekulations- strategie beliebig untereinander, aber auch mit anderen Derivaten wie Forwards, kombinier- bar sind.[17] Optionen konnen sowohl borslich, als auch im OTC-Markt gehandelt werden. Der borsliche Optionshandel ist standardisiert, d. h. es gibt Optionen auf bestimmte Basiswerte, mit festgelegter Laufzeit und einem festgelegten Ausubungspreis. OTC Optionen sind hingegegen individuell zwischen den Vertragsparteien vereinbar, bergen hierfur jedoch im Gegensatz zu borslichen Optionen ein Kontrahentenausfallrisiko. Der Wert einer Option ergibt sich aus der Summe von innerem Wert und Zeitwert der Option. Der innere Wert einer Option entspricht der Differenz aus dem Marktpreis des Basiswertes und dem Ausubungs- preis der Option. Ist der Marktpreis grofier als der Ausubungspreis, befindet sich die Option “im Geld“. Entsprechen sich Marktpreis und Ausubungspreis, ist die Option “am Geld“,ist der Marktpreis kleiner als der Ausubungspreis, ist die Option “aus dem Geld“. Der Zeitwert einer Option spiegelt die Stochastizitat, also die Unsicherheit uber die Kursentwicklung des Underlyings wider und bepreist die Moglichkeit, dass eine Option wahrend der Restlaufzeit noch ins Geld kommt. Der Zeitwert einer Option ist daher maximal, wenn die Option genau am Geld notiert, er nimmt jedoch mit der Restlaufzeit der Option ab und konvergiert gegen Null.[18] Die funf Determinanten des Optionspreises sind demnach der Ausubungspreis der Option, der aktuelle Marktpreis des Basiswerts, die Restlaufzeit der Option, die Volatilitat des Marktpreises des Basiswerts und der risikofreie Zinssatz. Bei der Bewertung von Optionen lasst sich zwischen drei unterschiedlichen Optionsbewertungsverfahren unterscheiden.[19] Auf der einen Seite konnen Optionen uber mathematisch geschlossene Ansatze, wie das in Kapitel vier erlauterte Black-Scholes-Modell, bestimmt werden. Der Vorteil mathematisch geschlossener Ansatze ist die relativ einfache Implementierbarkeit in der Praxis. Alternativ zu den mathematisch geschlossenen Ansatzen zur Bestimmung eines fairen Optionspreises existieren numerische Ansatze, die auch amerikanische und exotische Optionen bewerten konnen. Das zentrale numerische Bewertungsmodell ist das von Cox/Ross/Rubinstein entwickelte rekombinierende Binomialmodell. Hierbei werden ausgehend vom heutigen Marktpreis des Basiswerts mogliche Preisentwicklungspfade wahrend der Restlaufzeit der Option aufgezeigt, die jeweils mit den Wahrscheinlichkeiten fur steigende und fallende Marktpreise belegt werden. Der faire Wert einer Option ergibt sich durch die Summierung der mit dem Marktzins abgezinsten inneren Werte der Option.[20]

Ein weiterer Ansatz zur Bestimmung des fairen Optionswertes sind Simulationsansatze, wie Monte Carlo Simulationen. Hierbei wird aufbauend auf den Gesetzmafiigkeiten der Stochastik, und hier insbesondere auf dem Gesetz der Grofien Zahlen, der faire Optionspreis durch sehr haufige Parametervariationen der Determinanten des Optionspreises bestimmt. Simulationsansatze stellen insbesondere unter Risikoaspekten eine sinnvolle Erganzung mathematisch geschlossener Ansatze dar.[21]

3.2. Forwards

Ein Forward ist ein individuell ausgestaltetes, bilaterales, unbedingtes Termingeschaft, bei dem sich die Geschaftspartner mit Vertragsabschluss auf den Preis des Basiswerts, die Liefermenge und den Falligkeitszeitpunkt einigen. Der Handel von Forwards erfolgt im OTC- Markt, die Erfullung der beidseitigen Verpflichtung kann entweder physisch oder durch Cash Settlement erfolgen. Da es sich bei einem Forward um einen individuell und bilateral verhandelten Vertrag handelt, wird der Wert eines Forwardvertrages erst am Ende seiner Vertragslaufzeit realisiert, mit dem Vertragsabschluss kommt es zu keinen Geldzahlungen. Somit ist jeder Forward einem Kontrahentenausfallrisiko unterworfen, welches in der Nichterfullung der Gegenpartei besteht.[22] Der Kaufer eines Forwards besitzt eine Long Position, wahrend der Verkaufer eines Forwards eine Short Position besitzt. Die vertragliche Position ist jedoch von der physischen Position abzugrenzen. Ein Unternehmen, welches einen Rohstoff fur seinen Produktionsprozess benotigt, befindet sich in einer physischen Short Position, wahrend der Rohstoffproduzent eine phsische Long Position inne hat.[23]

3.3. Futures

Ein Future ist ebenso wie ein Forward ein unbedingtes Termingeschaft, bei dem die beiden Vertragsparteien vereinbaren, ein bestimmtes Gut zu einem zukunftigen Zeitpunkt zu einem im Vertragsabschluss festgelegten Preis zu kaufen (Long Position) bzw. zu verkaufen (Short Position). Im Gegensatz zu Forward-Kontrakten sind Futures standardisierte und borsen- gehandelte Produkte, bei denen zumeist ein Cash Settlement, also ein finanzieller Ausgleich zwischen dem Handler und der Borse als zentralem Vertragspartner, vereinbart wird.[24] Aus diesem Grund gibt es bei Future-Kontrakten im Unterschied zu Forward-Kontrakten kein Kontrahentenausfallrisiko. Die finanzielle Erfullung von Future-Kontrakten wird durch die Borse als zentralem Kontrahenten sichergestellt. Hierfur fuhrt die Borse einen taglichen Gewinn- und Verlustausgleich zwischen den Handelsteilnehmem uber das sog. Margining durch. Jeder Handelsteilnehmer muss fur den Handel von Futures ein Marginkonto als Sicherheit bei der Borse fuhren, auf dem schon vor dem ersten Handelsgeschaft eine Sicherheit in Form der Initial Margin zu hinterlegen ist. Daruber hinaus werden dem Margin- Konto taglich auf Basis des jeweiligen Kassa Settlementpreises des Basiswerts Variation Margin gutgeschrieben bzw. belastet. So erhalt der Kaufer eines Future-Kontrakts bei steigendem Settlementpreis eine Gutschrift in Hohe der Preisdifferenz zwischen Settlementpreis und Basispreis, multipliziert mit dem Kontraktvolumen des abgeschlossenen Futures auf seinem Margin Konto.[25] Der Grofiteil der offenen Future Positionen wird durch Eingehen einer entsprechenden Gegenposition vor Falligkeit des Kontrakts glattgestellt, so dass die Mehrheit der Kontrakte nicht in die Lieferung geht.

Der Kurs eines Futures konvergiert mit abnehmender Restlaufzeit gegen den Spotkurs des Basiswerts und entspricht in seiner Falligkeit genau dem Spotpreis des Basiswerts.[26] Diese empirisch beobachtbare Erkenntnis lasst sich an Hand einer einfachen Arbitrageuberlegung sehr gut nachvollziehen. Wenn der Future Kurs wahrend des Lieferzeitraums uber dem Spotkurs liegt, kann ein Arbitrageur durch Verkauf des Future-Kontraktes und gleichzeitigem Kauf des Basiswerts am Spotmarkt einen sicheren Gewinn in Hohe der Differenz zwischen Futures- und Spotkurs machen. Dies fuhrt so lange zu einem Ruckgang des Future Kurses, bis keine Arbitragemoglichkeiten mehr moglich sind. Daruber hinaus lasst sich nachweisen, dass der Preis eines Future-Kontraktes dem eines identischen Forwards auf einem vollkommenen Kapitalmarkt mit konstanten risikolosen und fur alle Laufzeiten identischen Zinssatzen, entspricht. Die in der Praxis beobachtbaren Abweichungen von Forward- und Future-Kursen, die insbesondere bei Kontrakten mit langen Laufzeiten beobachtbar sind, resultieren aus dem Faktum nicht vollkommener Kapitalmarkte mit Steuern, Transaktionskosten und Ausfallrisiken bei Forwards.[27]

Die im weiteren Verlauf dargestellten Bewertungsmodelle von Terminkontrakten auf Erdol basieren auf der Annahme vollkommener Kapitalmarkte, auf denen es keine Friktionen durch Steuern und Transaktionskosten, eine beliebige Teilbarkeit und Handelbarkeit von Gutern und Dienstleistungen, keine Informationsasymmetrien, vollkommenen Wettbewerb unter Marktteilnehmern, sowie die ausschliefilich ihren Erwartungsnutzen maximierenden Marktteilnehmer gibt.[28] Somit entsprechen sich die im weiteren Verlauf der Arbeit mit F0 dargestellten Forward- und Future-Kurse.

4. Preismodelle zur Bewertung von Terminkontrakten auf Erdol

Bei der Bewertung von Termingeschaften ist es erforderlich zwischen Investitions- und Konsumgutern zu unterscheiden. Investitionsguter werden vom GroBteil der Anleger im wesentlichen zu Anlagezwecken gehalten. Zu den Investitionsgutern zahlen neben Aktien und Obligationen auch Silber und Gold. Im Unterschied zu den Investitionsgutern werden Konsumguter wie Ol vorrangig fur den Verbrauch gehalten und dienen nicht in erster Linie Anlagezwecken.[29] Diese Unterscheidung ist fur die Ableitung von Forward- und Future- Preisen von zentraler Bedeutung, da diese bei Investitionsgutern aus einem einfachen Arbitragekalkul abgeleitet werden konnen, wahrend dies bei Konsumgutern nicht moglich ist. Marktteilnehmer halten Konsumguter wie Ol in der Regel mit einem bestimmten Plan zu deren physischer Verwendung. Sie sind daher nicht gewillt, unter Arbitragegesichtspunkten das physische Konsumgut Ol gegen nicht konsumierbare Forward- und Future-Kontrakte einzutauschen.[30] Aus diesem Grund existieren eigene Preismodelle zur Bewertung von Terminkontrakten auf endliche Energietrager wie Ol.

4.1. Normal Backwardation

Der Begrunder der Theorie der Normal Backwardation ist John Maynard Keynes in seiner Arbeit „Treatise on Money“ aus dem Jahre 1930. In dieser Arbeit leitet Keynes einen funktionalen Zusammenhang zwischen Terminmarktpreisen auf Basis von Forwards- bzw. Futures-Kontrakten und erwarteten zukunftigen Spotpreisen her.[31] Terminmarktpreise sind hiernach als nach unten verzerrte Prognose der erwarteten Spotpreise zu verstehen. Der Terminmarktpreis in Form des Forward-Preises Fo T ergibt sich als Summe des zum Falligkeitszeitpunkt T erwarteten Spotpreises £o[S(T)] und einer marktabhangigen Risikopramie RP. Die Risikopramie ist hierbei als eine Art Versicherungspramie zu verstehen, die die Unsicherheit des zukunftigen Spotpreises abbildet.[32]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Forward-Preis Fo T liegt im Fall der Theorie der Normal Backwardation stets unterhalb des erwarteten zukunftigen Spotpreises iT0[S(T)]. Daher muss die Risikopramie RP im Fall der Normal Backwardation stets negativ sein. Die Ableitung einer negativen Risikopramie setzt risikoaverse Spekulanten voraus, die bereit sind, das Preisrisiko des Basiswerts, hier des Erdols, durch Eingehen einer Long Forward Position von den Erdolproduzenten, den Hedgern, die eine Short Position eingehen, gegen Zahlung einer Risikopramie zu uberneh- men.[33]

[...]


[1] Vgl. Bundesanstalt fur Geowissenschaften und Rohstoffe (2009), S. 17.

[2] Vgl. Heuterkes, M. (2008), S. 9 f.

[3] Vgl. Gulen, S. (1997), S. 112 ff.

[4] Vgl. Heuterkes, M. (2008), S. 24.

[5] Vgl. Heuterkes, M. (2008), S. 26.

[6] Vgl. Ye, R./Zyren, J./Shore, J. (2005), S. 494.

[7] Vgl. Teisberg, T. (1981), S. 544.

[8] Vgl. Mabro, M. (2005), S. 2 ff

[9] Vgl. Heuterkes, M. (2008), S. 27.

[10] Vgl. Heuterkes, M. (2008), S. 17.

[11] Vgl. Heymann, E. (2008)

[12] Vgl. Czakainski, M. (2007), S. 43.

[13] Vgl. Bergschneider, C./ Karasz, M./ Schumacher, R. (1999), S. 90.

[14] Vgl. Zenke, I./ Schafer, R. (2009), S. 78.

[15] Vgl. Czakainski, M. (2007), S. 17.

[16] Vgl. Horstamnn, K./ Cieslarczyk, M. (2005), S. 535 ff.

[17] Vgl. Bergschneider, C./ Karasz, M./ Schumacher, R. (1999), S. 138 ff.

[18] Vgl. Bergschneider, C./ Karasz, M./ Schumacher, R. (1999), S. 139.

[19] Vgl. Schafer, H. (2005), S. 356 f.

[20] Vgl. Cremers, H. (1999), S. 27.

[21] Vgl. Bergschneider, C./ Karasz, M./ Schumacher, R. (1999), S. 174 f.

[22] Vgl. Horstamnn, K./ Cieslarczyk, M. (2005), S. 532.

[23] Vgl. Bergschneider, C./ Karasz, M./ Schumacher, R. (1999), S. 86.

[24] Vgl. Hull, J. (2009), S. 29.

[25] Vgl. Horstamnn, K./ Cieslarczyk, M. (2005), S. 535.

[26] Vgl. Hull, J. (2009), S. 521.

[27] Vgl. Hull, J. (2009), S. 150 f.

[28] Vgl. Freixas und Rochet (1997), S. 7.

[29] Vgl. Hull, J. (2009), S. 138.

[30] Vgl. Hull, J. (2009), S. 157 f.

[31] Vgl. Korn, O. (2000), S. 91.

[32] Vgl. Schnorrenberg, B. (2006), S. 60.

[33] Vgl. Korn, O. (2000), S. 91.

Details

Seiten
24
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640706730
ISBN (Buch)
9783640707119
Dateigröße
594 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v157456
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
Schlagworte
Preismodelle Bewertung Terminkontrakten Öl Cost of Carry Ressourcenökonomie Risikoprämien Determinanten Erdölpreis Normal Backwardation Bewertung von Optionen auf Erdöl mittels Black Scholes Modell Transport und Lagerhaltung Erdöl

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