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Der erzieherische Gedanke bei Janusz Korczak und Martin Buber im Vergleich

von Karsten Flederer (Autor)

Seminararbeit 2007 7 Seiten

Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie

Leseprobe

Vorwort

Diese Arbeit beschaftigt sich mit den erzieherischen Gedanken Janusz Korczaks und Martin Bubers.

Beide lebten etwa zur selben Zeit, namlich in der ersten Halfte des letzten Jahrhunderts. Beide waren judische Gelehrte und beide entwickelten eine Art der Erziehung, die sich von den damals verbreiteten Auffassungen stark unterschied.

Wie sehen ihre jeweiligen Konzepte aus und in wie weit lassen sie sich vergleichen? Gibt es Paralellen? Gibt es gravierende Unterschiede?

Bevor genauer auf die erzieherischen Theorien von Korczak und Buber eingegangen wird, folgen erst einmal einige Informationen zu ihrem Leben, um sie auch unter diesem Gesichtspunkt in Relation bringen zu konnen.

Janusz Korczak wurde am 22. Juli 1878 oder 1879 mit dem Namen Henryk Goldszmit in Warschau geboren. Seine Eltern waren judischer Abstammung und mosaischer Konfession. Korczak fuhrte zwar kein streng traditionell judisches Leben, war jedoch durchaus religios.

Seine Familie war seit langem polonisiert, sodass sich Korczak als Pole judisch-Kultureller Herkunft verstand.[1]

Korczak beginnt 1898 das Studium der Medizin und promoviert 1904 an der polnischen „fliegenden Universitat“. Neben Medizin studiert er auch noch Philosophie, Soziologie und zeitgenossische Literatur. In dieser Zeit arbeitet er als freier Mitarbeiter der Zeitung „Kolce“ und als Hauslehrer. Nach seinem Studium eroffnet er eine Arztpraxis, die nicht zuletzt durch seine diversen Veroffentlichungen unter seinem Pseudonym Korczak, sehr erfolgreich ist. 1912 jedoch gibt er die Praxis auf, um die Leitung des Waisenhauses „Dom Sierot“ zu bernehmen. Im Jahr 1918 wird ihm die Leitung eines weiteren Waisenhauses ubertragen, „Nasz Dom“.

In den nachfolgenden Jahren lehrt er nebenher am Institut fur Sozialpadagogik und an der Freien Polnischen Universitat, halt Seminare fur Kindergartnerinnen und schreibt Bucher und Artikel. Aufierdem hat er zwischen 1935 und 1936 eine eigene Radiosendung.

Durch dem wachsenden Antisemitismus in Polen, wird er jedoch gezwungen mit der Sendung aufzuhoren und auch spater die Leitung von „Nasz Dom“ aufzugeben.

Nach Besetzung durch die Deutschen setzt er die Leitung von „Dom Sierot“ auch im Warschauer Ghetto fort, bis er im Jahre 1942 zusammen mit seinen Waisenkindern nach Treblinka deportiert wird.

Martin Buber wurde am 8. Februar 1878 in Wien geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Galizien, wo er ein polnisches Gymnasium besuchte.

Von 1896 bis 1904 studierte er Philosophie, Kunstgeschichte, Germanistik, Psychologie und Psychiatrie in Wien, Berlin, Leipzig und Zurich.

Buber betatigte sich fruh aktiv in der Zionistenbewegung und wurde 1901 herausgeber der judischen Zeitung „Die Welt“. Im Jahre 1916 grundete er die Zeischrift „Der Jude“, welche die geachtetste Publikation des deutschen Judentums wurde.[2]

Zusammen mit Franz Rosenzweig grundet er 1920 das Freie Judische Lehrhaus in Frankfurt am Main. 1925 beginnt er zusammen mit Rosenzweig eine deutsche Ubersetzung des hebraischen Alten Testaments.

In den Jahren 1924 bis 1933 lehrt er an der Universitat Frankfurt am Main judische Religionsphilosophie und Ethik. Nach 1933 wurde Buber verboten weiter zu lehren und er durfte nur noch in judischen Zeitschriften publizieren.

Er verliefi Deutschland 1938 und erhielt in Jerusalem eine Professur fur Religionssoziologie, die er bis 1951 behielt.

Buber setzte sich fur eine Arabisch-Judische Verstandigung und einen Zweinatioalitatenstaat ein. Er forderte aufierdem die Versohnung mit den Deutschen.[3]Er starb 1965 in Jerusalem.

Der erzieherische Gedanke bei Janusz Korczak

Die Erziehung bei Janusz Korczak war immer sehr praxisbezogen, er hat nie tatsachlich wissenschaftliche Theorien und Gedanken zur Erziehung formuliert.[4]Vielmehr handelt es sich bei seinen Schriften um Berichte und Reflektionen uber Erfahrungen, die er in Folge seines Umgangs mit Kindern gemacht hat und die Schlusse, die er daraus zog.

Insofern kann man nicht von der korczakschen Erziehung sprechen, da sie als solche nicht definiert ist.

Was jedoch deutlich wird, ist der Grundgedanke, der hinter Korczaks Uberlegungen und Methoden steckt. Namlich das Kind als vollwertigen Menschen zu sehen und ihm, aus diesem Grund, von Angesicht zu Angesicht und auf Augenhohe entgegenzutreten.

Im Gegensatz zu der allgemein verbreiteten Vorstellung, die das Kind den Erwachsenen unterordnet. Korczak formulierte diese Situation aus kindlicher Perspektive folgendermafien:

„Es gibt anscheinend zwei Arten von Leben: das ihre - ernstzunehmende, das Achtung verdient, und das unsere, eine Art Scherz. Kleiner und schwacher, sind wir so eine Art Spielzeug. Daher die Mifiachtung. Die Kinder - das sind die zukunftigen Menschen. Also werden sie erst sein, es gibt sie also noch gar nicht recht. Dabei sind wir da: Wir leben, fuhlen, leiden.“[5]

Er sieht Kinder nicht als eine Art minderwertiges Vorstadium des Menschen, ihre Welt sei genauso wie die der Erwachsenen „eine richtige Welt mit ihren Werten, Tugenden, Lastern, Bestrebungen und Wunschen, die durchaus nicht klein und gering, sondern wichtig sind, und nicht unschuldig, sondern eben menschlich.“[6]

Das bedeutete nicht, dass das Kind vollig unabhangig sei und nicht erzogen werden sollte.

Die Erwachsenen verfugten uber Erfahrungen, die sich ein Kind erst aneignen musse. Es musse lernen.[7]Die Erwachsenen konnten ihm dabei helfen, ohne dies aus einer ubergeordneten Position zu tun.

„Das Kind kann nicht „denken wie ein Erwachsener“, aber es kann auf kindliche Weise uber ernste Probleme der Erwachsenen nachdenken; der Mangel an Wissen und Erfahrung zwingen es zu einer anderen Denkweise.“[8]

Erwachsene erkennten und akzeptierten das Recht des Kindes auf Autonomie oftmals nicht.

Sie nahmen fur sich die Unterdruckung und Bevormundung des Kindes als naturliches Recht in Anspruch.[9]

Statt dessen sollten Erwachsene dem Kind offen und ehrlich gegenubertreten und sich die eigene Unvollkommenheit eingestehen konnen, denn nicht nur das Kind konne von ihnen lernen, sondern auch umgekehrt.

[...]


[1] vgl. Hermeier, Philipp: Die politische Relevanz der Erziehung bei Janusz Korczak, 1. Aufl. Gottingen 2006, S. 9

[2] vgl. Dilger, Irene: Das Dialogische Prinzip bei Martin Buber, Frankfurt a. M. 1983, S. 5

[3] vgl. Ebd. S. 6

[4] vgl. Hermeier, Philipp, a.a.O., S. 105f

[5] Korczak, Janusz: Wenn ich wieder klein bin und andere Geschichten von Kindern, Gottingen 1973, S. 270f

[6] Korczak, Janusz: Wie man ein Kind lieben soll, 3. Aufl. Gottingen 1971, S.162

[7] vgl. Hermeier, Philipp, a.a.O., S. 118

[8] Korczak, Janusz: Wie liebt man ein Kind, in: Janusz Korczak SamtlicheWerke Bd. 4, Gutersloh 1999, S. 101

[9] vgl. Hermeier, Philipp, a.a.O., S. 119

Details

Seiten
7
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640702053
ISBN (Buch)
9783640700615
Dateigröße
391 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v157393
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Erziehungswissenschaften
Note
3
Schlagworte
Gedanke Janusz Korczak Martin Buber Vergleich

Autor

  • Karsten Flederer (Autor)

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