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Augustinus "De vera religione" - Über die wahre Religion

Hausarbeit 2008 15 Seiten

Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte

Leseprobe

Gliederung

2. Narrative Darstellung des 24. Kapitels, „Die doppelte Arznei, Autorität und Vernunft“ und des 25. Kapitels, „Das Kennzeichen der rechten Autorität und die vorübergehende Bedeutung der Wunder“.

3. Systematische Interpretation des 24. Kapitels, „Die doppelte Arznei, Autorität und Vernunft“ und des 25. Kapitels, „Das Kennzeichen der rechten Autorität und die vorübergehende Bedeutung der Wunder“.

4. Literaturverzeichnis

2. Narrative Darstellung des 24. Kapitels, „Die doppelte Arznei, Autorität und Vernunft“ und des 25. Kapitels, „Das Kennzeichen der rechten Autorität und die vorübergehende Bedeutung der Wunder“.

„Dementsprechend ist auch die Arznei der Seele, welche die göttliche Vorsehung in unsäglicher Güte darreicht, sehr köstlich“[1]. Dass 24. Kapitel wird eröffnet durch die Beschreibung von Heilmitteln, die von Gott verabreicht werden. Es handelt sich um zwei verschiedene Heilmittel, die nach einer ganz bestimmten Reihenfolge eingenommen werden müssen ( „Es sind zwei verschiedene Heilmittel, die aufeinanderfolgend zur Anwendung kommen müssen, nämlich Autorität und Vernunft.“[2] ). Für die Autorität ist der Glauben von Notwendigkeit ( „Die Autorität verlangt Glauben ( … )“[3] ), nur so kann der Mensch auf die Vernunft vorbereitet werden, die dann wiederum zur „Einsicht und Erkenntnis“[4] führt. Allerdings gibt es hier einen Einschub, denn Einsicht ist auch für die Autorität von Nöten, „da man sich überlegen muß, wem man glauben soll, und nicht minder eignet auch der bereits einleuchtenden und erkannten Wahrheit unzweifelhaft höchste Autorität“[5]. Im Folgenden wird die Situation ins „Zeitliche“[6] übertragen. Es muss sich also auch um eine „Zeitliche Arznei“[7] handeln, um auch hier, im Zeitlichen helfen zu können ( „Denn ebenda, wo jemand hingefallen ist, muß er sich auch aufstemmen, um wieder hochzukommen.“[8] ). Es wird von den „fleischlichen Formen“[9] gesprochen, die die Verantwortung dafür tragen, dass die Menschen gefesselt sind. Und genau auf diese „fleischlichen Formen“ gilt es sich zu „stützen, um zur Erkenntnis derer zu gelangen, von denen das Fleisch keine Kunde geben kann“[10]. Im Folgenden werden auch diejenigen Körperteile benannt, die dafür verantwortlich sind, die „fleischlichen oder körperlichen Formen“[11] aufzunehmen ( „freilich nenne ich diejenigen Formen, die durchs Fleisch, nämlich die Augen, Ohren und übrigen Sinne, wahrgenommen werden können.“[12] ). Je jünger der Mensch ist, desto mehr verfällt er

diesem ( „( … ) haften naturgemäß die Knaben, und auch bei den Jünglingen macht sich dieser Zwang mehr oder weniger noch geltend.“[13] ). Im Alter dagegen fällt der Zwang, sich diesen hinzugeben[14]. Eröffnet wird dass 25. Kapitel durch die Feststellung, dass Gott für die gesamte Menschheit vorhanden ist: „Die göttliche Vorsehung nimmt sich nun nicht nur gewissermaßen privat der einzelnen Menschen an, sondern auch und sozusagen öffentlich des gesamten Menschengeschlechts.“[15]. Wie genau Gott sich den einzelnen Menschen zeigt, dass wissen nur eben diese Menschen oder Gott selbst ( „Wie Gott mit den einzelnen verfährt, das weiß er, und sie selber, denen es widerfährt, wissen es auch.“[16] ), wie er sich aber dem Menschengeschlecht im Allgemeinen zeigt, dass soll die Geschichte oder die Weissagung erklären ( „( … ) nach seinem Willen Geschichte und Weissagung

kundmachen“[17] ). Für alle Vorgänge, die in der Vergangenheit geschehen sind, sowie alles, dass in der Zukunft eintreffen wird, gilt, dass der Mensch auf seinen Glauben vertrauen soll, weniger auf seine eigene Einsicht: “( … ) sei es vergangene, sei es zukünftige, so ist man mehr auf Glauben als auf Einsicht angewiesen“[18]. Durchaus obliegt es aber dem Menschen selbst, zu sondieren, welche Werke und welche Schriften denn nun die Rechten sind, Gott zu verehren: ( „Doch bleibt es unsere Aufgabe, zu erwägen, welchen Menschen oder Schriften man glauben soll, um Gott recht zu verehren, worin unser alleiniges Heil

besteht.“[19] ). Dem Autor stellt sich an dieser Stelle die Frage, welcher Glaube nun der Rechte ist. So gibt es diejenigen, die nur an den Einen Gott glauben und diese, die viele Götter als die Rechten bezeichnen: „ ( … ) die uns zur Verehrung viele Götter aufrufen,

( … ), die nur von einem Gotte wissen wollen.“[20] Die Antwort wird direkt im nächsten Satz geliefert, es ist der eine Gott, an den man glauben soll. Selbst die Menschen, die viele Götter in ihrem Glauben besitzen, haben „den Einen“[21] Gott als den Gott, der über allen anderen Göttern steht ( „Wer aber möchte da zweifeln, dass man am ersten denen folgen muß, die uns zu dem Einen rufen, zumal auch die Verehrer der vielen Götter mit ihnen darüber übereinstimmen, daß dieser Eine Herr und Gebieter aller übrigen sei?“[22] ). Im Folgenden wird diese Aussage, es gibt nur den Einen Gott, durch zahlreiche Beispiele weiter unterstrichen. So wird beispielsweise die uns bekannte Zahlenreihe aufgeführt. Diese

nämlich beginnt mit der Zahl Eins ( „Ohne Zweifel beginnen die Zahlen ja mit der Eins“[23] ),

die Zahl, die alles zu einer „Einheit“[24] vereint. Ein weiteres Beispiel wird zu Hilfe gezogen, dass Beispiel einer Menschenmenge, die ohne die gleiche Meinung zu haben, auch nichts ausrichten kann: „( … ) und wie im Menschengeschlecht die Menge machtlos ist, wenn sie nicht übereinkommt ( … )“[25]. Es wird klargestellt, dass also auch die „Autorität derer größer sein muss“[26], die an den Einen Gott glauben. Auch auf die Wunder wird im 25. Kapitel eingegangen. So heißt es aus Überlieferungen, dass Menschen, die im Sterben lagen, „sichtbaren Wunderzeichen folgten“[27]. Es gilt es ihnen zu verdanken. Denn in der heutigen Zeit sind sichtbare Wunderzeichen nicht mehr von Nöten, die katholische Kirche hat sich nun über den gesamten Erdball ausgebreitet. Durch jene Festigkeit, die die Katholische Kirche nun erreicht hat, „mußten jene Wunder aufhören“[28]. Hintergrund dessen ist, dass Menschen sich nicht daran gewöhnen sollten ( „Denn der Geist sollte nicht immer am sichtbaren hängen und das Menschengeschlecht nicht durch Gewöhnung an die Wunder erkalten, die es einst, als sie neu waren, in Begeisterung versetzt hatten“[29] ). Bevor man also mit Vernunft an die „göttlichen und unsichtbaren Dinge“[30] herangeht, muss der Mensch entscheiden, wem er seinen Glauben schenkt. Auch der Hochmut findet im Bezug hierauf seinen Platz, denn nur durch ihn gibt es die Ungläubigen, gebe es aber sie nicht, dann würde viel zu unnachgiebig nach der Wahrheit gesucht werden ( „Gäbe es diesen nicht, dann gäbe es keine Ketzer, keine Sektier, keine Verfechter der Beschneidung des Fleisches, keine Anbeter der Kreatur und der Götzenbilder. Gebe es aber diese nicht, ehe das Volk zur verheißenden Vollendung gelangt, würde die Wahrheit viel lässiger gesucht werden“[31] ).

3. Systematische Interpretation des 24. Kapitels, „Die doppelte Arznei, Autorität und Vernunft“ und des 25. Kapitels, „Das Kennzeichen der rechten Autorität und die vorübergehende Bedeutung der Wunder“.

Um Augustinus und sein Werk „De vera religione“ besser zu verstehen, ist vorab ein Blick in die Biographie von Augustinus selbst zu werfen. Augustinus kam als Sohn eines heidnischen

Grundbesitzers und einer überaus frommen Christin zur Welt[32]. Auch wurde Augustinus bei seiner Geburt nicht getauft[33], zwar wurde er von seiner Mutter christlich erzogen, während seines Studiums aber kam Augustinus völlig von seinem christlichen Glauben ab

( „Studium der Rhetorik in Karthago, dort Verbindung mit einer Konkubine“[34] ). Schließlich fand Augustinus Zugang zum Manichäismus[35]. Mittelpunkt der Lehre des Manichäismus „ist ein dualistisches Konzept von Licht und Finsternis, Geist und Materie als den von Anbeginn an unversöhnlichen Guten und Bösen Prinzipien. In der Welt und im Menschen sind diese schuldhaft vermischt. Erlösung ( Heimkehr der im Leib gefangenen Seele ins Reich des Lichts im Moment des Todes ) setzt diese Erkenntnis und ein völlig asketisches Leben ( vor allen Dingen die völlige geschlechtliche Enthaltsamkeit ) voraus“[36]. Erst später dann fand Augustinus den Glauben an das Christentum ( „( … ) in Gebet und Arbeit in klösterlicher Stille Christus zu dienen.“[37] ) wieder. Die jüngeren Jahre des Augustinus waren also durchaus geprägt von zahlreichen Gegensätzen. Auf der einen Seite der heidnische Vater, auf der anderen Seite die christliche Mutter. Augustinus, der nichtgetaufte Sohn, dennoch nach christlichen Werten erzogen. Das Verhältnis zu einer Geliebten während seines Studiums, aus dessen Verhältnis sogar ein Sohn entsprungen ist[38], dann dass Bekenntnis zum Manichäismus, worauf das Bekenntnis zum Christentum erscheint. Gleich zu Beginn des 24. Kapitels ist von einer Arznei die Sprache, die von Gott verabreicht wird und die Seele reinigt ( „Dementsprechend ist auch die Arznei der Seele, welche die göttliche Vorsehung in unsäglicher Güte darreicht, sehr köstlich.“[39] ). Allerdings ist hierfür der Glaube an Gott von Nöten. Es handelt sich hierbei um zwei verschiedene Arzneimittel, die zum Tragen kommen. Zum einen gibt es die „Autorität“[40], zum anderen gibt es die „Vernunft“[41]. Auch die Reihenfolge ist vorgegeben. Wird diese nicht eingehalten, so kommt es nicht zum erwünschten Ergebnis, denn „die Autorität verlangt Glauben und bereitet den Menschen auf die Vernunft vor. Die Vernunft wiederum führt dann anschließend zu Einsicht und

[...]


[1] De vera religione, Über die wahre Religion, Augustinus , Seite 73, Zeile 14ff

[2] De vera religione, Über die wahre Religion, Augustinus , Seite 73, Zeile 16ff

[3] De vera religione, Über die wahre Religion, Augustinus , Seite 73, Zeile 18/19

[4] De vera religione, Über die wahre Religion, Augustinus , Seite 73, Zeile 20

[5] De vera religione, Über die wahre Religion, Augustinus , Seite 73, Zeile 20ff

[6] De vera religione, Über die wahre Religion, Augustinus , Seite 73, Zeile 25

[7] De vera religione, Über die wahre Religion, Augustinus , Seite 73, Zeile 26

[8] De vera religione, Über die wahre Religion, Augustinus , Seite 73, Zeile 29ff

[9] De vera religione, Über die wahre Religion, Augustinus , Seite 73, Zeile 32

[10] De vera religione, Über die wahre Religion, Augustinus , Seite 73, Zeile 36

[11] De vera religione, Über die wahre Religion, Augustinus , Seite 75, Zeile 4

[12] De vera religione, Über die wahre Religion, Augustinus , Seite 75, Zeile 1ff

[13] De vera religione, Über die wahre Religion, Augustinus , Seite 75, Zeile 5/6

[14] De vera religione, Über die wahre Religion, Augustinus , Seite 75, Zeile 7

[15] De vera religione, Über die wahre Religion, Augustinus , Seite 75, Zeile 10ff

[16] De vera religione, Über die wahre Religion, Augustinus , Seite 75, Zeile 13/14

[17] De vera religione, Über die wahre Religion, Augustinus , Seite 75, Zeile 15/16

[18] De vera religione, Über die wahre Religion, Augustinus , Seite 75, Zeile 17ff

[19] De vera religione, Über die wahre Religion, Augustinus , Seite 75, Zeile 20ff

[20] De vera religione, Über die wahre Religion, Augustinus , Seite 75, Zeile 25

[21] De vera religione, Über die wahre Religion, Augustinus , Seite 75, Zeile 26

[22] De vera religione, Über die wahre Religion, Augustinus , Seite 75, Zeile 26ff

[23] De vera religione, Über die wahre Religion, Augustinus , Seite 75, Zeile 30

[24] De vera religione, Über die wahre Religion, Augustinus , Seite 77 Zeile 2

[25] De vera religione, Über die wahre Religion, Augustinus , Seite 77 Zeile 3/4

[26] De vera religione, Über die wahre Religion, Augustinus , Seite 77 Zeile 5/6

[27] De vera religione, Über die wahre Religion, Augustinus , Seite 77 Zeile 11/12

[28] De vera religione, Über die wahre Religion, Augustinus , Seite 77 Zeile 17

[29] De vera religione, Über die wahre Religion, Augustinus , Seite 77 Zeile 17ff

[30] De vera religione, Über die wahre Religion, Augustinus , Seite 77 Zeile 18/19

[31] De vera religione, Über die wahre Religion, Augustinus , Seite 77 Zeile 32 ff

[32] http://www.augustiner.de/html/inhalt_set.htm?biografie

[33] http://www.augustiner.de/html/inhalt_set.htm?biografie

[34] http://www.khg-wuerzburg.de/bwo/dcms/sites/bistum/extern/zfa/augustinus/leben/index.html?f_gallery_id=1970&f_image_id=67914

[35] http://www.khg-wuerzburg.de/bwo/dcms/sites/bistum/extern/zfa/augustinus/leben/index.html?f_gallery_id=1970&f_image_id=67914

[36] http://lexikon.meyers.de/wissen/Manich%C3%A4ismus+(Sachartikel)

[37] http://www.augustiner.de/html/inhalt_set.htm?biografie

[38] http://www.augustiner.de/html/inhalt_set.htm?biografie

[39] De vera religione, Über die wahre Religion, Augustinus , Seite 73, Zeile 14/15

[40] De vera religione, Über die wahre Religion, Augustinus , Seite 73, Zeile 16

[41] De vera religione, Über die wahre Religion, Augustinus , Seite 73, Zeile 16

Details

Seiten
15
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640705375
ISBN (Buch)
9783640705993
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v157379
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – Institut für Religionswissenschaft
Note
1,5
Schlagworte
Augustinus Religion

Autor

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