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Der Kulturbegriff im Fach Deutsch als Fremdsprache

Hausarbeit 2010 11 Seiten

Didaktik - Germanistik

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Der Begriff Kultur
II.1. Kultur für das Fach Deutsch als Fremdsprache
II.2. Der Kulturbegriff bei Claus Altmayer
II.2.1. Traditioneller und erweiterter Kulturbegriff
II.2.2. Offener und normativer Kulturbegriff
II.2.3. Realer Kulturbegriff
II.2.4. Tendenzen zur Subjektivierung
II.2.5. Der kulturwissenschaftliche Kulturbegriff
II.2.6. Kultur als „sozialer Habitus“ bei Norbert Elias

III. Fazit

I. Einleitung

Wird in einem alltäglichen Gespräch das Wort Kultur erwähnt, so glaubt jeder zu wissen, was damit gemeint ist. Doch eine genaue Definition, die weder zu viele noch zu wenige Aspekte berücksichtigt, ist nicht einfach zu formulieren. Dies beweisen unter anderem die vielen unterschiedlichen kulturtheoretischen Ansätze, die in der Literatur zu finden sind. Doch auch die Schwierigkeit, das Phänomen Kultur für sich selbst zu beschreiben, ist bezeichnend für die Vagheit des Begriffs.

Etymologisch gesehen entstand das Wort Kultur aus dem lateinischen „cultus“, was soviel heißt wie Bearbeitung, Erziehung oder auch Lebensweise[1]. Allgemein bezeichnet Kultur die Gesamtheit des vom Menschen Geschaffenen. Doch die Fülle an spezifischeren Theorien bietet sehr viele verschiedene Ansätze, abhängig von der jeweiligen Epoche, dem Wissenschaftscharakter und dem Kontext.

Im Folgenden soll nun versucht werden, den Begriff Kultur im Kontext des Faches Deutsch als Fremdsprache zu vertiefen. Basis hierfür ist die von Claus Altmayer verfasste Abhandlung „Zum Kulturbegriff des Faches Deutsch als Fremdsprache“, in welcher er verschiedene kulturtheoretische Ansätze vorstellt.

II. Der Begriff Kultur

II. 1. Kultur für das Fach Deutsch als Fremdsprache

Kultur und Sprache sind untrennbar. Sie beeinflussen sich gegenseitig und lassen sich kaum unabhängig voneinander betrachten; allein schon die unterschiedlichen Redewendungen und Metaphern, die meist nicht wörtlich übersetzt werden können und ihren Ursprung in der Kultur haben, sind maßgeblich für dieses Verhältnis und sind Ursache von Fehlern beim Fremdsprachenlernen. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, auch die Kultur und nicht nur die Sprache des Ziellandes zu verstehen bzw. zu beherrschen. Hierfür müssen interkulturelle Vermittlungsprozesse gestaltet werden; ein „dritter Ort“ (Roche, 2008, S. 231), also eine Art erweiterte Perspektive, muss geschaffen werden, wodurch es den Lernern möglich ist, die fremde Kultur zu verstehen, ohne die eigene Wahrnehmung aufzugeben. Dafür müssen die Lerner sensibilisiert werden; doch zunächst muss klar sein, was der Begriff Kultur für das Fach Deutsch als Fremdsprache überhaupt aussagt. Oft wird Kultur beschrieben als „Orientierungssystem“, immer gebunden an eine bestimmte Gruppe von Menschen, die durch dieses System in ihrem Denken, Handeln und Empfinden beeinflusst werden[2]. Dieser Definition kann zugestimmt werden, sie ist jedoch für die Belange des Fremdsprachenunterrichts zu vage.

II. 2. Der Kulturbegriff bei Claus Altmayer

Mit der Ablösung des kommunikativen durch den interkulturellen Ansatz[3] in der Fremdsprachendidaktik erfuhr das Wort Kultur für den Unterricht eine Art Affirmation. Infolgedessen wurde es nahezu inflationär in jedem nur denkbaren Kontext verwendet, was zwangsläufig mit einem inhaltlichen Bedeutungsverlust einherging: Eine genaue Definition ist aufgrund des wiederholten unpräzisen Gebrauchs schwierig geworden. Dabei zählt der Begriff „Kultur“ durch den unauflösbaren Zusammenhang zwischen dem Erlernen einer Fremdsprache und dem Verstehen der Kultur des Zielsprachenlandes zu einem der Kernbegriffe des Faches. Diese zentrale Position des Begriffs steht jedoch im Kontrast zu der Unwissenschaftlichkeit der Terminologie. Aus diesem Grund versucht Altmayer, den Kulturbegriff mit Hilfe unterschiedlicher Ansätze genau zu beschreiben.

II. 2. 1. Traditioneller und erweiterter Kulturbegriff

Im ausgehenden 18. Jahrhundert belief sich das europäische Verständnis von Kultur (welches in etwa die gleiche inhaltliche Bedeutung hatte wie das Wort Zivilisation) nicht etwa auf die Ergebnisse („Artefakte“(S.2)[4] ) der Kultur, sondern auf den Prozess der Kultivierung selbst, d.h. auf die Entwicklung einer Kultur. Jener erweiterte Begriff war auf alle Lebensbereiche bezogen, also sehr weit gefasst. Erst im Deutschland des 19. Jahrhunderts verschob sich dieses Verständnis hin zu einem weit weniger umfassenden Kulturbegriff, der vor allem die Kunst und die Wissenschaft zum Gegenstand hatte, dementsprechend also resultatsbezogen war. Dieser traditionelle deutsche Kulturbegriff, der hauptsächlich das Ästhetische berücksichtigte, blieb bis in die Nachkriegszeit erhalten. Erst in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde der Begriff wiederum ausgedehnt, diesmal auf jede Form der Literatur, der Musik und der Wissenschaft; sogar sozialpolitische und ökonomische Themen waren inbegriffen. Es ist naheliegend, dass diese Form des Kulturbegriffs dahingehend kritisiert werden muss, dass sie zu weitläufig und beliebig ist.

II. 2. 2. Offener und normativer Kulturbegriff

Als Alternative zu oben beschriebenen Begriffen von Kultur formulierte der Beirat Deutsch als Fremdsprache des Goethe-Instituts (1992, S.112) eine Art „offenen Kulturbegriff“. Dieser soll dadurch definiert sein, dass er „ethisch verantwortet, historisch begründet und ästhetisch akzentuiert ist“. Allerdings sei dies, wie Götze (1993, S. 53) kritisch anmerkt, eher eine Rückentwicklung, da diese Beschreibung ebenfalls sehr vage sei und gewissermaßen keinen Fortschritt zum erweiterten Kulturbegriff darstelle; zudem sei die „ethische Verantwortbarkeit“ bereits durch die Verpflichtung gegenüber der Menschenrechtserklärung der UN gegeben. Stattdessen schlägt Götze einen normativen Kulturbegriff vor, in dem Kultur die durch Symbole erlernten Verhaltensmuster, Fähigkeiten und Artefakte des Menschen beinhaltet.[5] Allerdings würden durch ein derartiges Kulturverständnis bestimmte Fragestellungen[6] nicht erlaubt werden können, wodurch dieser normative Begriff redundant für die Wissenschaftlichkeit des Faches Deutsch als Fremdsprache wird. Kultur soll eine deskriptive Kategorie für die Wissenschaft sein; der Kulturbegriff sollte demnach für eine Kultur stehen, die dem Menschen als „Individuum und soziales Wesen“(S. 5) innewohnt und die verschiedenen (bzw. auch gemeinsamen) menschlichen Lebensweisen (also „übereinstimmende und sich unterscheidende Verhaltens-, Denk-, Empfindungs- und Wahrnehmungsweisen von Menschen und Menschengruppen“ (S. 5)) begrifflich fassen kann.

[...]


[1] Vgl. Stowasser, 2004, S. 132

[2] Vgl. Thomas (1993, S. 380 f.)/ Litters (1995, S.70); zitiert nach: Zeuner, 2009, S. 25 f.

[3] Der interkulturelle Ansatz hat zum Ziel, dass im Fremdsprachenunterricht sowohl die kommunikative als auch die kulturelle Kompetenz geschult werden; man soll sich selbst und andere besser verstehen lernen.

[4] Alle Seitenangaben ohne nähere Quellenangabe sind Zitate nach Claus Altmayer (1997): Zum Kulturbegriff des Faches Deutsch als Fremdsprache

[5] Vgl. Altmayer, S. 4

[6] Beispiel: Goldhagen-Debatte

Details

Seiten
11
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640702015
ISBN (Buch)
9783640700431
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v157368
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Germanistik
Note
1,7
Schlagworte
Kultur Deutsch als Fremdsprache Landeskunde

Autor

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