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Pädagogik und Gesellschaft

Über Humboldt und Goethe

Essay 2010 12 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Wilhelm Meisters Wanderjahre

3 Wilhelm von Humboldt über das Verhältnis von Staat und Pädagogik
3.1 Zeitpunkt und Zielgruppe
3.2 Natur
3.3 Höchstes Ziel des Staates
3.3.1 Freiheit der Kräfte
3.3.2Mannigfaltigkeit der Situationen
3.3.3 Verlust der Eigeninitiative
3.3.4 Soziale Verantwortung
3.3.5 Freiheit und Sicherheit

4 Gemeinsamkeiten

II Literaturverzeichnis

II Literaturverzeichnis

Goethe, Johann Wolfgang von: Wilhelm Meisters Wanderjahre (1821). Bibliographisch ergänzte Ausgabe 2002. Stuttgart: Reclam 2007.

Humboldt, Wilhelm von: Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen (1791/92) (Quellen: Projekt Gutenberg-DE sowie: Werke in fünf Bänden. Hrsg.

v. Andreas Flitner u. Klaus Giel. Bd. 1. 3. Aufl., Stuttgart: Cotta, 1980, S. 56-233.)

1 Einleitung

Im folgenden Essay sollen ausgewählte Textpassagen aus Wilhelm von Humboldts Werk „Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen“ über das Verhältnis von Gesellschaft und Pädagogik vorgestellt werden. Humboldts Ausführungen werden gleichzeitig erläutert und kommentiert. Aufgrund dieser Analyse sollen Gemeinsamkeiten für die Beziehung von Pädagogik und Gesellschaft mit Johann Wolfgang Goethes Werk „Wilhelm Meisters Wanderjahre“ gefunden werden, beziehungsweise divergente Ansätze aufgezeigt werden. Goethes Roman wird dafür zunächst nur ganz kurz skizziert. Nähere Ausführungen über Goethes Werk und den Untersuchungsgegenstand werden direkt an die Vorstellung Humboldts Ausführungen angebunden.

2 Wilhelm Meisters Wanderjahre

Goethe erzählt in seinem Roman „Wilhelm Meisters Wanderjahre“ (Erstausgabe: 1821) von dem Titelhelden, der sich zusammen mit seinem Sohn Felix in die Weite begibt, um dem Sohn die bestmögliche Bildung angedeihen zu lassen. Dabei verweilt Wilhelm nie lange an einem Ort und stellt dabei die unterschiedlichsten Teile der Gesellschaft seiner Zeit mannigfach da. (Es werden explizit nur die Kapitel 1 bis 6 beachtet.)

3 Wilhelm von Humboldt über das Verhältnis von Staat und Pädagogik

Humboldt hat sich in seinem Werk zum Ziel gesetzt, zu definieren, welche Aufgaben der Staat erfüllen muss und welche seine Zuständigkeit überschreiten. Der Zeitpunkt und die Zielgruppe stechen bei Humboldts Werk hervor, da sie die nötigen Voraussetzungen für die Richtigkeit seiner Darstellungen erläutern. Humboldt beruft sich in seinen Vorstellungen auf einen Naturzustand, der all seinen Vorschlägen pauschal eine Daseinsberechtigung geben. Erst danach werden Humboldts Gedanken zu den „Grenzen der Wirksamkeit des Staates“ genauer Vorgestellt.

3.1 Zeitpunkt und Zielgruppe

Humboldt beschreibt die Reform, welche er vorstellt, als besonders für das Zeitalter passend, wenn sich dieses Zeitalter „wirklich mit Recht eines Vorzugs an Kultur und Aufklärung rühme“ (Humboldt, 1791/92, S.1). Die Reform richtet sich also an ein aufgeklärtes und kulturell bewandertes Volk. Humboldt sagt nicht ausdrücklich, dass dieses an Kultur und Aufklärung reiche Volk derzeit existiere. Sollte also die von ihm angestrebte Reform in diesem Zeitalter keinen Erfolg haben, so liegt dies nicht an der Reform selbst, sondern an dem Volk, welchem es an ausreichendem aufklärerischem und kulturellem Geiste fehle.

Humboldt verhindert durch diese Einleitung einerseits, dass sich eine jede Obrigkeit genötigt fühlt seine Reformen durchzusetzen (die Obrigkeit kann abstreiten, dass die Vorbedingungen erfüllt sind) und andererseits, dass seine Reform bei einem Misslingen als falsch bewertet wird (Humboldt kann abstreiten, dass die Vorbedingungen erfüllt waren).

Wilhelm - Goethes Titelheld - versucht für seinen Sohn und sich selbst die bestmögliche Bildung zu erlangen. Da sein Sohn zum Zeitpunkt des Romans heranwachsend ist und Bildung somit nötig hat, ist es für Wilhelm hinfällig über den richtigen Zeitpunkt nachzudenken. Er muss das Beste aus der Situation machen.

3.2 Natur

Wilhelm von Humboldt bezeichnet „Die […] menschlichen Operationen […, die] die Operationen der Natur am getreuesten nachahmen“ (Humboldt, 1791/92, S.1) als die besten. Er versäumt jedoch deutlicher auszuführen, was mit dem Wort „Operation“ gemeint ist. Geht man davon aus, dass das Wort Operation hier als Synonym für menschliches Handeln verwendet wird, so kann man sagen, dass dasjenige menschliche Handeln am besten sei, welches sich an den Operationen der Natur orientiert. Was sind nun aber Operationen der Natur? Operationen der Natur kann man als natürliche Abläufe oder Verhaltensweisen (zum Beispiel bei Tieren) übersetzten. Daraus ergibt sich, dass das menschliche Handeln am besten sei, welches sich an den Abläufen in der Natur orientiert, oder sich am besten in die Natur einfügt. Humboldt führt weiter aus, dass die Natur mehr gutes Potenzial birgt als nötig („einen reicheren und holderen Segen als der gewiß notwendige“, Humboldt, 1791/92, S.1), aber auch, dass der Tod in der Natur schlummert („Ausbruch tobender Vulkane“, Humboldt, 1791/92, S.1). Mit anderen Worten geht es also Humboldt darum, den Menschen durch die natürliche Ordnung (durch die Nachahmung derselben) zu verbessern oder vielleicht sogar zu perfektionieren. Was der Staat zu dieser Perfektionierung beitragen kann und wie dieser perfekte Mensch aussehen kann/soll, muss noch geklärt werden.

Der Roman Goethes ist - schon wie der Titel zeigt - auf besondere Art mit der Natur verknüpft, denn wandern kann man nun einmal nur in der Natur. Auch ist die Wanderschaft Wilhelms dazu gedacht, auf dem Weg sozusagen zur Perfektion zu gelangen. Die Entsagenden, denen Wilhelm angehört (vgl. Goethe, 1821, S.47), haben sich zum Ziel gemacht, zu einem höheren Menschsein zu gelangen, indem sie auf die niederen Bedürfnisse verzichten. Dazu gehört auch die Nähe zu den Liebsten, denn Wilhelm lässt seine Frau allein (vgl. Goethe, 1821, S.19f), um nach Höherem zu streben.

3.3 Höchstes Ziel des Staates

In jedem Falle müsse der Staat eine „höhere Freiheit der Kräfte und größere Mannigfaltigkeit der Situationen“ (Humboldt, 1791/92, S.1) für das Volk anstreben, um „die höchste und proportionierlichste Bildung seiner Kräfte [die Kräfte jedes einzelnen Menschen] zu einem Ganzen“ (Humboldt, 1791/92, S.2) anzustreben. Das sei der höchste Endzweck des menschlichen Daseins (vgl. Humboldt, 1791/92, S.2) und die eigentliche Aufgabe des Staates.

In Goethes Roman übernimmt nicht der Staat diese Aufgabe. Am ehesten, kann man die Gesellschaft der Entsagenden als die Vereinigung ansehen, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die proportionierlichste Bildung der menschlichen Kräfte seiner Mitglieder anzustreben.

3.3.1 Freiheit der Kräfte

Die „höhere Freiheit der Kräfte“ (Humboldt, 1791/92, S.1) bedeutet für Humboldt, dass jeder Mensch sich individuell - also frei - nach seinen eigenen Bedürfnissen und Neigungen entwickeln darf (vgl. Humboldt, 1791/92, S.2f) und in dieser Entwicklung nur „durch die Grenzen seiner Kraft und seines Rechts“ (Humboldt, 1791/92, S.3) eingeschränkt werden soll. Humboldt bezeichnet diesen Vorgang auch als „die höchste und proportionierlichste Bildung [der menschlichen] Kräfte zu einem [harmonischen] Ganzen“ (Humboldt, 1791/92, S.2). Humboldts Worte könnten also in der Richtung interpretiert werden, dass er in seiner Theorie eine Vorreiterrolle für das Recht auf Individualisierung eines jeden Menschen spielt. Das kann als Reaktion auf die französische Revolution bewertet werden, in der das Bürgertum für die freiheitlichen (Menschen-)Rechte kämpfte. Einen weiteren Hinweis auf eine solche Verbrüderung stellt Humboldts Textpassage dar, in der er beschreibt, wie ein Fürst freiwillig auf seine absolutistische Macht verzichtet und es als die höchste seiner Pflichten ansieht das Volk in die Freiheit zu entlassen (vgl. Humboldt, 1791/92, S.1). Es stellt sich jedoch die Frage, ob Humboldt, da er zu diesem Zeitpunkt (1790) im Staatsdienst war, wirklich eine solch sympathisierende Einstellung zur französischen Revolution haben durfte. Humboldt hat sich aber eine Hintertür offen gelassen. Einerseits benennt er den Zeitpunkt nicht fest, zu dem diese Lösung der Fesseln (vgl. Humboldt, 1791/92, S.1) stattfinden soll, sondern macht diese vom Zeitalter abhängig - an das er noch weitere Anforderungen stellt.

[...]

Details

Seiten
12
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640701957
ISBN (Buch)
9783640702336
Dateigröße
407 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v157249
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Humanwissenschaftliche Fakultät, Fachgruppe Erziehungs- und Sozialwissenschaften, Institut II
Note
1,0
Schlagworte
Pädagogik Gesellschaft Goethe Humboldt Wilhelm Meister Wanderjahre Grenzen Wirksamkeit Staat

Autor

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