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Die Geschichte des Bertelsmannkonzerns bis 1945

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 19 Seiten

Medien / Kommunikation - Mediengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Carl Bertelsmann (1791 – 1850)

3. Heinrich Bertelsmann (1827 – 1887)

4. Johannes Mohn (1856 – 1930)

5. Heinrich Mohn (1885 – 1955)

6. Fazit

Literatur

1. Einleitung

In dieser Referatsausarbeitung soll die Geschichte des C. Bertelsmann Verlages von seiner Gründung bis Kriegsende 1945 aufgezeigt werden. Die genannten Daten und Fakten beruhen fast ausschließlich auf der Darstellung „Bertelsmann im Dritten Reich“ der 1998 gegründeten unabhängigen Historikerkommission und der Arbeit Thomas Schulers „Die Mohns“ über die Familie hinter Bertelsmann. Bis zum Jahr 2002, in dem die 1. Auflage von „Bertelsmann im Dritten Reich“ erschien, gab es ausschließlich Literatur aus dem Hause Bertelsmann über die Geschichte des Konzerns, z.B. die Festschrift zum 150jährigen Bestehen.

Die unabhängige Historikerkommission ist auf Wunsch von Reinhard Mohn und dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Thomas Middelhoff gegründet worden, um Vorwürfen zur Stellung des Unternehmens während der NS-Zeit begegnen zu können. Freiwillig taten sie dies allerdings nicht, denn es hatte zuvor einen Eklat bei einer Preisverleihung im Juni 1998 gegeben. In New York wurde Thomas Middelhoff in seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender der „Vernon A. Walters Award“ verliehen, gestiftet von der „Atlantik-Brücke“ und dem „Armonk-Institute“, welches von dem Präsidenten des „American Jewish Committee“ gegründet worden war. In seiner Dankesrede bezeichnete Middelhoff Bertelsmann als one of the few non-Jewish media companies closed down by the Nazi regime[1] . Grund für die Schließung waren nach seinen Worten, die von Bertelsmann verlegten Bücher, die als subversiv eingestuft wurden. Ein Sturm der Entrüstung brach daraufhin los, sodass Reinhard Mohn sich zum Handeln veranlasst sah. Zunächst versuchte man den Vorwürfen mit einer verlagsinternen Klärung zu begegnen, entschloss sich dann aber aufgrund des zunehmenden Drucks den Historiker Saul Friedländer mit der Leitung einer unabhängigen historischen Kommission zu beauftragen. Friedländer sagte zu, unter der Bedingung freien Zugang zu den Archiven zu haben, sowie Interviews mit den Mitarbeitern und der Familie führen zu können. Eine Veröffentlichung sollte ohne jegliche Kontrolle von Verlagsseite stattfinden. Nach Middelhoffs Zusage konnte Friedländer den Zeithistoriker Norbert Frei, den Theologen Trutz Rendtorff sowie den Literatur- und Buchhandelshistoriker Reinhard Wittmann für deren Mitwirkung gewinnen. Um dem komplexen Thema gerecht werden zu können, dehnte die UHK den Untersuchungszeitraum um einige Jahre vor 1933 (1921) und nach 1945 aus.

Strukturell ist diese Ausarbeitung nach den einzelnen Betriebsinhabern aufgeteilt, da die Entwicklung des Unternehmens bis 1945 im direkten Zusammenhang mit dem jeweiligen Firmenchef steht.

2. Carl Bertelsmann (1791 – 1850)

Carl Bertelsmann wurde am 11. Oktober 1791 als jüngstes von sechs Kindern in Gütersloh geboren. Sein Vater, Johann Friedrich, starb zwei Jahre nach Carls Geburt im Alter von nur 35 Jahren. Die Mutter, Friederike Luise, hatte große Schwierigkeiten die Familie zu ernähren, Carl wuchs in Armut auf. Das Leben in Gütersloh jener Zeit war recht einfach. Gütersloh war ein kleiner Ort von ungefähr 2400 Einwohnern und 300 kleinen eng aneinander liegenden Häusern. Die Straßen waren ungepflastert, kaum ein Haus war mit einem Schornstein ausgestattet. Trotz aller Primitivität um die Jahrhundertwende war Gütersloh eine Stadt, in der Handel getrieben wurde, in erster Linie mit Garn, das bis nach Berlin oder Holland verkauft wurde.[2]

Im Februar 1812 floh Carl Bertelsmann vor den Truppen Napoleons, die für ihren Russlandfeldzug auch in Gütersloh Soldaten rekrutierten. Kurz zuvor war sein Bruder Fritz auf eben jenem Feldzug gestorben. Er ging gewissermaßen auf Wanderschaft von Fürstenwalde über Frankfurt an der Oder bis nach Breslau, dann kehrte er nach Fürstenwalde zurück, da er dort bei seinem ersten Aufenthalt einen Herrn Lindemann kennengelernt hatte, dem er versprochen hatte bei ihm zu arbeiten. Dieser Lindemann war Alkoholiker und hatte wohl einen Großteil seines Vermögens in Alkohol investiert. Für Carl muss dies ein sehr abschreckendes Beispiel gewesen sein, denn er schwor sich zu dieser Zeit in seinem Tagebuch, niemals Alkohol zu trinken.[3] 1814 wanderte er weiter nach Berlin, dann Potsdam, Brandenburg, Fehrberlin, Neuruppin und Rostock. 1815 konnte er in einem kleinen Ort in Mecklenburg in einer Buchbinderei arbeiten. Nach den Notizen in seinem Tagebuch zu urteilen, machte er seine Sache gut und erhielt größte Anerkennung für seine Arbeit. Von Mecklenburg zog er weiter nach Hamburg, Lübeck, Celle und Hannover. Im Oktober 1815 kehrte er schließlich nach Gütersloh zurück. Dort gab es jedoch im Buchbindergewerbe keine Arbeit, denn sein Bruder Arnold war bereits in Gütersloh als Buchbinder tätig. So ging er in die Nachbarorte Bielefeld und Vlotho um dort Arbeit zu finden, doch ohne Erfolg. Erst als sein Bruder 1819 starb, konnte er dessen Arbeit übernehmen.

Bereits vor seiner Abreise aus Gütersloh 1812 lernte er Friederike Helling kennen. Sie kam aus dem Nachbarort Borgholzhausen und war Tochter eines Gastwirts. Carl und Friederike waren entfernte Verwandte und sprachen sich als Vetter und Base an. Nach seiner Rückkehr dauerte es noch einige Jahre bis die beiden 1822 schließlich heirateten. Fünf Kinder gingen aus dieser Ehe hervor: Luise, Carl Friedrich Wilhelm (der als Säugling starb), Heinrich, Anna und Wilhelm.

Die Geschäfte in der Buchbinderei liefen für Carl Bertelsmann offenbar von Anfang an gut, denn 1823 konnte er den ersten Lehrling, Ernst Vogelsang, einstellen. Im Jahr darauf begann er neben dem Buchbinderhandwerk auch das Steindruckerhandwerk zu betreiben. Diese Steindruckerei war eine der ersten in der Gegend. Die Lithografieplatten mussten aus Bayern geliefert werden. Vielleicht war er sich seiner Sache nicht ganz sicher, denn erst nach fünf Jahren als Drucker beantragte er bei der königlich-preußischen Regierung eine Lizenz für die „lithografische Anstalt“.[5]

Er druckte Liederbücher für Schulen. Dabei handelte er von Anfang an als harter Kalkulierer. Zunächst war das Papier minderwertig und die Tonschritte in den Liedern gab Carl in Ziffern an, um das teure Notenausstechen zu sparen. Erst als die Geschäfte gut angelaufen waren, druckte er auf besserem Papier und auch Noten fanden sich fortan in den Liederbüchern. Diese verkaufte er aber auch gleich teurer als zuvor die “Sparversion“. Diese Anekdote scheint bezeichnend für den weiteren Verlauf des Bertelsmann-Verlages, denn auch in Zukunft war das Geschäftsgebaren der Söhne zu einem großen Teil von jener Sparsamkeit und Disziplin geprägt, mit der Carl den Grundstein des Erfolges legte. Carl Bertelsmann kaufte ein größeres Wohn-und Geschäftshaus, in dessen Türbalken er den 55. Psalm schnitzen ließ: „Wirf dein Anliegen auf den Herrn/Der wird den Gerechten nicht ewiglich in Unruh lassen.“[6]

Das Drucken von Liederbüchern und Liedsammlungen war die Basis des Geschäfts. Diese regelmäßigen Druckaufträge verdankte Carl Bertelsmann der in Gütersloh aufstrebenden Erweckungsbewegung[7] jener Zeit. Wie Carl war auch der Organist und Komponist Johann Eickhoff Mitglied dieser Bewegung. Eickhoffs heute noch bekanntes Werk „Ihr Kinderlein kommet“ war eines von vielen Kompositionen, die Carl Bertelsmann druckte. Neben den Geschäftsbeziehungen bestand auch eine freundschaftliche Verbindung, denn Eickhoff hielt sich oft im Hause Bertelsmann auf und heiratete später dessen Tochter. Eine andere freundschaftliche Beziehung war ebenso wichtig und lukrativ. Johann Heinrich Volkening wurde 1826 in Gütersloh zum Pastor der lutherischen Gemeinde gewählt. Zudem war auch er Mitglied der Minden-Ravensburgischen Erweckungsbewegung. Sehr wahrscheinlich konnte Volkening Carl Bertelsmann für die Bewegung interessieren. Sowohl sein christliches Verständnis als auch sein Interesse an neuen geschäftlichen Verbindungen ließen die Erweckungsbewegung für Bertelsmann attraktiv erscheinen. Der Historiker Bavendamm ging im Gegensatz zu Thomas Schuler nicht davon aus, dass die Verbindung zu Eickhoff geschäftsfördernd war. Er hielt eher die Erweckungsbewegung für ausschlaggebend, da die Kommunikation innerhalb dieser Gruppe durch Mund-zu-Mund-Propaganda in den vielen Bibelkreisen sehr weitreichend war.[8] Bertelsmann konnte so auch außerhalb Güterslohs Druckaufträge erhalten. Für die Minden-Ravensburgische Bewegung druckte er die Schriften, später dann auch für Gemeinden außerhalb Güterslohs. Die Geschäfte liefen so gut, dass Carl Bertelsmann im Frühjahr 1835 bei einem Schlossermeister eine Buchdruckpresse bestellte. Bei der Regierung in Minden beantragte er eine Konzession für eine Buchdruckerei, die ihm am 18. März gewährt wurde. Er war nun in der Lage, Bücher in größeren Auflagen zu drucken. Das erste von ihm gedruckte Werk hieß „Theomele“ und stammte von dem bereits erwähnten Organisten Eickhoff. Als offizielles Gründungsdatum des Unternehmens gilt aber der 1. Juni 1835. An diesem Tag schrieb Carl Bertelsmann an die Behörden: „Da ich mit dem ersten July d. J. eine Buchdruckerei anlegen werde, und die Liedersammlung die erste Arbeit derselben sein sollte, so bitte ich hochgeneigt dahin zu sehen, dass ich bis dahin mindestens einen Theil dieses Werkes wieder in Händen habe, um nicht wegen Beschäftigung des Arbeiters in Verlegenheit zu geraten“.[10] Der erste Andruck konnte jedoch erst am 3. August erfolgen, es gab wahrscheinlich technische Probleme. Carl Bertelsmann wählte für diesen Probedruck den 24. Psalm, der zum Leitmotto des Verlages wurde. „Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehren einziehe! Wer ist derselbe König der Ehren? Es ist der Herr, stark und mächtig, der Herr, mächtig im Streit.“[11]

Um eine dauerhafte Auslastung der Druckerei zu gewährleisten, wurde Bertelsmann sein eigener Kunde. Der Verleger Bertelsmann gab dem Drucker Bertelsmann Aufträge. Auf diese Weise konnten Zeiten, in denen es an Fremdaufträgen mangelte, überbrückt werden. Schon in dieser frühen Zeit ließ sich eine Strategie erkennen, die auch später das dauerhafte Bestehen des Unternehmens begründete.

Doch ohne die beiden Freunde der Familie, Volkening und Eickhoff, hätte der Aufstieg des Unternehmens Bertelsmann sicher nicht so schnell und reibungslos stattgefunden. Wie bereits erwähnt war die „Theomele“ von Eickhoff der erste große Erfolg. 20 Jahre später konnte Carls Sohn Heinrich mit Volkening und der Veröffentlichung dessen Liederheftes „Die kleine Missionsharfe“ den ersten Bestseller landen. Zwei Millionen mal verkaufte sich dieses Werk.[12] 1941 erschien im Verlag C. Bertelsmann die 86. Auflage.[13]

[...]


[1] Friedländer/Frei/Rendtorff/Wittmann: Bertelsmann im Dritten Reich. München 2002, S. 9

[2] Vgl. Schuler, Thomas: Die Mohns, Frankfurt/Main 2004, S. 20

[3] A.a.O., S. 21

[4] Schuler, S. 24

[5] Ebd.

[6] A.a.O., S. 25

[7] Aus England kommend, fand die Erweckungsbewegung in ganz Europa und Nordamerika unter den Protestanten Anhänger. Sie wandte sich gegen vernunftbetonte und bibelkritische Deutungen des Christentums. Ebenso war sie gegen die Aufklärung gerichtet. In Deutschland hatte sie ihren Höhepunkt zwischen 1815 und 1830. Bibel- und Missionshäuser wurden eingerichtet, außerdem viele caritative Einrichtungen. Mit der Industrialisierung verlor die Erweckungsbewegung an Bedeutung.

[8] Vgl. Schuler, S. 25

[9] Vgl. a.a.O., S. 27

[10] Kempowski, Walter: „Schwarzbrod und Freiheit sei mir beschieden…“-Die Chronik der Familien Bertelsmann und Mohn, in: 1835 bis 1985 – 150 Jahre Bertelsmann. München 1985, zitiert nach Schuler. Frankfurt/M. 2004

[11] Schuler, S. 27

[12] Vgl. a.a.O., S. 28

[13] Vgl. Friedländer u.a., S. 22

Details

Seiten
19
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640701742
ISBN (Buch)
9783640700899
Dateigröße
589 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v157144
Institution / Hochschule
Universität Lüneburg – Medien & Öffentlichkeitsarbeit
Note
1,5
Schlagworte
Geschichte Bertelsmannkonzerns

Autor

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Titel: Die Geschichte des Bertelsmannkonzerns bis 1945