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Die Finanzkrise - Das Vertrauensproblem von Finanzbeziehungen in Zeiten von Gier und Gewinnsucht

Hausarbeit 2010 16 Seiten

Soziologie - Wirtschaft und Industrie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wie es zur Finanzkrise kam
2.1. Die Schuldfrage
2.2. Das Risiko

3. Agieren am Finanzmarkt
3.1. Rekursives und reflexives Markthandeln
3.2. Dynamik des Finanzmarktes
3.3. Vertrauen in Finanzprofessionelle

4. Fazit

5. Literaturangaben

1. Einleitung

„Ja, man habe ‚Fehler gemacht‘, sagte Goldman- Sachs- Chef Lloyd Blanckfein. Ja, die Finanzbranche habe ‚eine Menge Schaden angerichtet‘, sagte Brian Moynihan, Boss der Bank of America. Und, ja ‚im Nachhinein muss man sagen, dass viele Unternehmen zu viele Risiken eingegangen sind und dann nicht die Ressourcen hatten, sie zu beherrschen‘, gab John Mack von Morgan Stanley zu“ (Hipp/ Hornig/ Mahler/ Pauly/ Rosenbach/ Schulz/ Tuma/ Winter in Der Spiegel 5/2010, S.65). Die Folgen der Finanzkrise beherrschen uns mittlerweile seit über einem Jahr. Diese Krise wird als „das düsterste Kapitel der Wirtschaftsgeschichte seit der Großen Depression vor 80 Jahren“ betitelt (vgl. Balzli/ Borger/ Höbel/ Hujer/ Pauly/ Reuter/ Schepp/ Schmitz/ Steingart in Der Spiegel 38/ 2009, S.109), schaut man sich die Zahlen dieser Finanzkrise einmal genauer an, kann man dem Titel eigentlich nur zustimmen: Milliarden kostete die Krise die Staaten bisher. Banken wurden verstaatlicht, tausende Millionen wurden in die Volkswirtschaft gepumpt und wertlose Immobilien von der Regierung aufgekauft. Firmen gingen Bankrott und über 59 Millionen Beschäftigte weltweit verloren ihren Arbeitsplatz, allein in den USA waren es bis zu 850.000 Menschen pro Monat (vgl. ebd., S.109 & Balzli/ Schiessl/ Schulz in Der Spiegel 47/2009, S.78). Das ist die Bilanz einer Krise, die die Menschen weltweit erreicht hat. Da stellt sich die Frage nach den Ursachen, nach den Gründen für die weltweit größte Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. Wer ist also Schuld an diesem Debakel? Woher kamen die plötzlichen Banken- und Firmenpleiten? Welche Rolle spielen die Finanzprofessionellen bei dem Ganzen? Gibt es Schuldige oder ist all dies nur eine Art „Naturkatastrophe“? Diese Fragen sollen im ersten Teil dieser Arbeit geklärt werden, bevor ich mich im zweiten Teil der Vertrauensfrage widme, dort möchte ich erst einmal rekursives und reflexives Markthandeln näher beleuchten um später insbesondere auf zweites meinen Schwerpunkt zu legen. Am Ende der Arbeit möchte ich mich damit befassen, wie eine Vertrauensbasis in Finanzbeziehungen, insbesondere in solchen mit kurzfristigen Anlagehorizonten, überhaupt aufgebaut und bestehen kann.

2. Ursachen der Finanzkrise

Wie es zur weltweiten Krise im Finanzsystem kam, dafür gibt es viele Ursachen, angefangen von der amerikanischen Subprime- Krise bis hin zu Leichtsinn, Gier und Größenwahn. „Im Kern ging es die ganze Zeit nur um das klassische, immer schon mehr oder minder riskante Geschäft der Banken: Geld zu beschaffen, zu verleihen und mit Gewinn zurückzubekommen“ (Balzli/ Brinkbäumer/ Brenner/ Fichtner/ Goos/ Hoppe/ Hornig/ Kneip in Der Spiegel 47/ 2008, S.46). Diesen Triebherd hier genau zu bearbeiten, würde den Rahmen der Arbeit sprengen[1], daher möchte ich mich insbesondere auf die Rolle des Bankerhandelns und die Risiken bestimmter Bankengeschäfte, sowie der damit verbundenen (fehlenden) Risikoüberwachung als wichtige Ursachen der Finanzkrise beschränken.

Ersichtlich wurde uns die weltweite Finanzkrise im September 2008, mit dem Zusammenbruch der Lehman Brothers in New York am 15.des Monats. Vor 159 Jahren als Geldhaus von drei Deutschen gegründet, fand die Ära dieser Bank 2008, geprägt von Gier und Größenwahn, ihr jähes Ende (vgl. Balzli/ Borger/ Höbel/ Hujer/ Pauly/ Reuter/ Schepp/ Schmitz/ Steingart in Der Spiegel 38/ 2009, S.108). Die Pleite dieser Bank war wahrlich ein Schock: „Der Tod einer Investmentbank galt bis zum Morgen des 15. September 2008 als undenkbar. Götter sterben nicht. [...] Es zeigt sich, dass die Mächtigen der Finanzwelt die Risiken, die sich aufgetürmt hatten, nicht tragen konnten. Es zeigt sich vor allem, dass sie keine realistische Einschätzung dieser Risiken besaßen“ (ebd., S.108). Den Bankern wird also ein Großteil der Schuld für das Entstehen dieser Krise zuteil. Mit Zusammenbruch der Lehman Brothers begann eine lange Phase von weltweiten Banken- und Firmenpleiten, diese Phase hält bis heute an, trotzdem sind viele Banker bis heute (wieder) beschäftigt- wenn auch mittlerweile in anderen Unternehmen.

2.1. Die Schuldfrage

Mittlerweile laufen die ersten Prozesse gegen Banker, sie sollen zur Verantwortung gezogen werden. „Die Ermittlungen erstrecken sich von Frankfurt am Main und Zürich bis Madrid, Hongkong und Tokio“ (Hipp/ Hornig/ Mahler/ Pauly/ Rosenbach/ Schulz/ Tuma/ Winter in Der Spiegel 5/2010, S.66). Doch wie diese Suche nach den Schuldigen endet, ob es zu Gerichtsverfahren und zu Verurteilungen kommen wird, bleibt gegenwärtig noch abzuwarten.

Hier zeigt sich, dass den Bankern mitunter eine große Bedeutung für die Beantwortung der Schuldfrage zukommt, viele Menschen wollen diese Leute verurteilt und bestraft, möglichst hinter Gittern sitzend, sehen. Während die Einen auf eine gerechte Strafe für die vermeintlich Schuldigen hoffen, arbeiten viele Banker wieder wie zuvor, als wäre nichts gewesen, kommen sogar in den Genuss hoher Boni (vgl. ebd., S.67). Zweifelsfrei ist nicht jeder Banker schuld an dem Debakel, genauso zweifellos kann behauptet werden, dass die derzeitige Finanzkrise „keine Naturkatastrophe, sondern das Werk- und das Versagen- von Menschen“ (Hipp/ Hornig/ Mahler/ Pauly/ Rosenbach/ Schulz/ Tuma/ Winter in Der Spiegel 5/2010, S.69) war.

Ein Blick hinter die Fassade eines großen US- Immobilien- Finanzierers soll zeigen, was wirklich ablief, wie es wirklich zur Krise kam: Das Unternehmen New Century wurde innerhalb kurzer Zeit zum zweitgrößten Anbieter von Subprime- Hypotheken der USA. Täglich wurden neue Kredite herangeschafft, „aus denen Banker an der Wall Street dann Pakete schnürten für ihre weltweiten Kunden- Hedgefonds, Pensionskassen und deutsche Landesbanken. [...] Die Geschäftsidee funktionierte, eine der tollsten Erfolgsgeschichten Amerikas hatte begonnen. Doch in Wahrheit war es ‚eine tickende Zeitbombe, die 2007 explodierte‘, heißt es im Untersuchungsbericht des Konkursgerichts von Delaware“ (ebd., S.70). Mittlerweile wurden Ex- Führungskräfte sowie der New- Century- Chef Morrice wegen Betruges verklagt, doch funktionierte dieses System der Hypothekengeschäfte vorher jahrelang recht gut. Die Qualitäten dieser Hypotheken waren Schrott, jedoch verkaufte New Century sie in Pakten geschnürt an verschiedene Investmentbanken, welche immer mehr davon verlangten. Wie das funktionieren kann? Indem man seine Qualitätskontrollen außer Betrieb setzt, sich von den geltenden Standards verabschiedet und die Augen vor den wachsenden Risiken einfach verschließt, nicht hinsieht, die Zahlen manipuliert und schließlich auch den Zusammenbruch verschleiert (vgl. ebd., S.70f). Dieses Unternehmen steht beispielhaft für viele andere Firmen in den USA. Hier spielen unmoralische Verhaltensweisen mancher Manager und Banker eine große Rolle: „Gier und Leichtsinn wurde bei manchen Managern nicht nur durch satte Boni geweckt, sondern auch durch zu wenig Haftung und persönliche Verantwortung gefördert“ (ebd., S.73). Wie können diese Menschen zu einem rationaleren Handeln ermutigt werden, wenn sie gleichzeitig für ihre Skrupellosigkeit belohnt werden? Unmoralisches, verantwortungsloses Handeln mit hohen Geldsummen zu belohnen, ist zweifellos der falsche Weg um diese riskanten Geschäfte zu unterbinden. Auch Ex- Lehman- Banker scheinen von der zum Teil auch von ihnen verursachten Krise verschont geblieben zu sein. „So kommt es, dass der Durchschnittsverdienst der Ex- Lehman- Banker in Europa auch in den Krisenjahren 2008 und 2009 bei rund 4000.000 Dollar lag. [...] Schuld- oder Schamgefühle haben die Investmentbanker nicht“ (ebd., S.72).

Die Finanzkrise und die dort Handelnden haben zweifelsfrei auch das Vertrauen der Anleger und das ganzer Gesellschaften gegenüber diesem Finanzsystem verloren. Sie haben zweifelhafte Geschäfte gemacht und mit Kreditpaketen gehandelt, deren Risiken sie nicht kannten und nicht abzuschätzen wussten (vgl. ebd., S.76).

2.2. Das Risiko

Viel wurde bisher bereits gesprochen vom Risiko, dem Risiko von Geschäften mit Schrotthypotheken, dem Risiko vom Handel mit gebündelten Paketen. Worin dieses Risiko nun genau besteht, soll hier geklärt werden. Eine nicht ganz unwichtige Rolle spielen hierbei die Rating- Agenturen: „Wer aus Gammelfleisch Leberkäse macht und damit die Verbraucher schädigt, macht sich zweifellos strafbar; die Rating- Agentur, die aus 100.000 wackeligen Kleinhauskrediten ein AA+- Papier macht, nicht“ (ebd., S.76), so vergleicht der Münchner Strafrechtsprofessor Volk das Geschäft der Rating- Agenturen mit einem Leberkäse. Viele Kreditgeschäfte waren ohne diese guten Ratings einfach unverkäuflich, daher wurde auch viel Geld für Bestnoten gezahlt. Leute wurden engagiert, die die Aktienkurse hochtrieben, die nicht aufs Risiko schauten. In Wirklichkeit jedoch, sind diese häufig als „toxisch“ bezeichneten Produkte überhaupt nicht bewertbar, es fehlen Erfahrungswerte und statistische Erhebungsmethoden. Die Kunden der Rating- Agenturen beharrten im Übrigen auf eine gute Benotung, andernfalls gingen sie zur Konkurrenz, irgendwo kamen sie sicherlich an eine gute Benotung ihres nicht selten wertlosen Finanzproduktes (vgl. Balzli/ Schiessl/ Schulz in Der Spiegel 47/2009, S.76f).

Erwähnenswert ist an dieser Stelle zudem, dass auch die Landesbanken, die sich bekanntlich unter staatlicher Obhut befinden, in das Geschäft mit den Kreditpaketen und Derivaten eingestiegen sind. Hier ist die Frage nach der Mitschuld der Politik an den Folgen der Finanzkrise in Deutschland angebracht: „So kamen die Landesbanken auf die Idee, mit ihren parteipolitischen Aufsehern im Rücken international aktiv zu werden. Geld dafür gab es günstig auf dem Kapitalmarkt, weil die Rating- Agenturen den Landesbanken dank der staatlichen Obhut immer Bestnoten ausstellten. [...] Die Politik jedenfalls, früher und auch heute noch immer in den Kontrollorganen der Landesbanken federführend, hat kaum Interesse an einer Abrechnung, die dann ja auch sie selbst treffen würde“ (ebd., S.71).

Rating- Agenturen haben nachgewiesenermaßen ihre Kontroll- und Bewertungspflicht vernachlässigt, sie haben häufig Bestnoten für unseriöse bzw. wertlose Produkte vergeben, statt Firmen, Finanzprodukte und sogar komplette Staaten auf ihre Kreditwürdigkeit hin zu überprüfen (vgl. Balzli/ Schiessl/ Schulz in Der Spiegel 47/2009, S.72). Speziell in Europa kommt dazu, dass diese Agenturen bis zum 22.04.2009 nicht unter staatlicher Aufsicht standen, seither brauchen sie jedoch „eine Zulassung, müssen sich von Behörden kontrollieren lassen und dürfen keine Beratungen bei Deals leisten, die sie bewerten“ (ebd., S.74). An dieser Stelle ist zudem die fehlende Moral der Chefetagen einzubeziehen, um die Handlungslogik vieler Banker und Manager verstehen zu können: „Der Chefetage ist Umsatzmaximierung wichtiger als die Rating- Qualität [...]“ (Balzli/ Schiessl/ Schulz in Der Spiegel 47/2009, S.74).

[...]


[1] Weitere Ausführungen hierzu in: Der Bankraub. Erschienen in Der Spiegel 47/2008, S.45- 80.

Details

Seiten
16
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640720200
ISBN (Buch)
9783640720668
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v157102
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Soziologie
Note
14 Punkte
Schlagworte
Finanzkrise Vertrauensproblem Finanzbeziehungen Zeiten Gier Gewinnsucht Punkte

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