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Die Vitalienbrüder in Nord- und Ostsee

Seminararbeit 2002 18 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die wichtigsten Schiffsklassen zur Zeit der Vitalienbrüder

3. Die Bewaffnung hansischer Schiffe in Nord- und Ostseeraum

4. Die Vorgeschichte (1375 – 1389)

5. Die Vitalienbrüder im Dienste Mecklenburgs

6. Die Hauptleute der Vitalienbrüder

7. Kaperkriegführung (1394 – 1395)

8. Folgen des Friedensschlusses zwischen Mecklenburg und Dänemark

9. Operationsbasis Gotland

10. Die Vertreibung der Vitalienbrüder aus der Ostsee

11. Fazit

12. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Jährlich finden in Ralswiek auf der Insel Rügen die Störtebeckerfestspiele statt. Diese Veranstaltung ist ein Besuchermagnet bei jung und alt. Viele haben von Störtebecker, dem Seeräuber der Hansezeit, gehört. Er soll die reichen hansischen Kaufleute ihres Geldes und Goldes „erleichtert“ und dieses dann an die arme Bevölkerung der Küste verteilt haben.

Bekannt sind die Geschichten des Seeräubernestes auf Helgoland, oder wie Störtebecker das Gold in den Masten seines Schiffes verstecke, ebenso wie Störtebeckers Hinrichtung in Hamburg, bei der er sogar noch ohne Kopf weitergelaufen sein soll, um seine Mannschaft vor dem Tode zu retten. Bringt man jedoch den Begriff Vitalienbrüder ins Spiel sieht man in fragende Augen. Wer war nun dieser Störtebecker, was war er, hat es ihn tatsächlich gegeben? Wer waren die berüchtigten Vitalienbrüder und was hat Klaus Störtebecker damit zu tun?

Auf diese Fragen soll diese Hausarbeit eine Antwort geben. Der Schwerpunkt dieser Arbeit soll nicht, die im Volk tief verwurzelte Mythen- und Legendenbildung, sondern die historische Realität sein. Schnell wird deutlich werden, dass Störtebecker zwar keine Erfindung ist, aber seine historische Bedeutsamkeit weit hinter der allgemein vertretenen Meinung zurück tritt.

Im Mittelpunkt dieser Seeräuberproblematik steht hier der Konflikt der damaligen Ostseemächte Dänemark und Mecklenburg.

Ich werde zuerst auf einige materielle Gegebenheiten, wie Schiffe und deren Bewaffnung eingehen, um ein besseres Verständnis für die Auseinandersetzungen auf See zu schaffen. Mit diesem Basiswissen im Rahmen der Seekriegführung des 14. – 15. Jahrhunderts wende ich mich dann dem Entstehen der Vitalienbrüder zu. Es folgt der Konflikt zwischen Dänemark und Mecklenburg zwischen den Jahren 1391-1394 die zum Aufstieg und der Blüte der Vitalienbrüder in der Ostsee führten. Danach gehe ich auf die veränderte strategische Lage und die weitere Entwicklung im Ostseeraum bis 1398 ein. Eine weitere Behandlung der Geschichte der Vitalienbrüder in der Nordsee von 1398 bis 1401 würde den Rahmen dieser Hausarbeit sprengen. Ich beschränke mich daher auf die Ostsee.

Aufgrund der schwierigen Quellenlage, z.B. ist ein Großteil des Hamburger Archivbestandes beim Stadtbrand von 1842 vernichtet worden, ist es nicht immer möglich ein genaues Bild der damaligen Lage darzustellen. Einige Ereignisse werden wohl für immer im dunkeln bleiben.

Zum Abschluss fasse ich die gewonnenen Erkenntnisse zusammen.

2. Die wichtigsten Schiffsklassen zur Zeit der Vitalienbrüder

Um den Krieg zur See, zu dem ja zweifelsohne auch die Piraterie und der Kaperkrieg gehörten, verstehen zu können bedarf es der Kenntnis über Kriegsmittel und Kriegswaffen, welche im 14. und 15. Jahrhundert zum Einsatz kamen.

Eine wesentliche Grundlage einer Seemacht waren die Plattformen, von denen der Krieg auf See geführt wurde: die Schiffe. Deshalb soll hier auf die damals vorhandenen Schiffsklassen eingegangen werden.

Die bekannteste Schiffsklasse des 14. und 15. Jahrhunderts im hansischen Seeraum war die Kogge. Sie entstand aus einem ursprünglich friesischen Wattenschiff, das als Coga beziehungsweise Coggo bezeichnet wurde.[1] Im 8. Jahrhundert kam die Kogge aus den Wattengebieten Frieslands in die Ostsee. Sie wurde in den darauffolgenden Jahrhunderten kontinuierlich weiterentwickelt und wurde zum wichtigsten Schiffstyp im europäischen Seeraum.

Der Beginn der stärkeren Verbreitung der Hansekogge wird um das Jahr 1200 angesetzt. Schon in den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts hatten Koggen beachtliche seetechnische Qualitäten aufzuweisen, so das sie als bevorzugtes Handels- und auch Kriegsschiff eingesetzt wurden. Die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit betrug annährend 4,5 bis 7,5 Knoten, welche erst von den Segelschiffen des 18. Jahrhunderts übertroffen wurde.[2]

Ursprünglich gab es drei Größenordnungen hansischer Koggen: Schiffe bis zu 5 Lasten, von 9 bis 12 Lasten und über 12 Lasten, wobei eine Last heute einer Tonne entsprechen würde. Ab dem Jahre 1358 wurde nur noch zwischen zwei Gruppen unterschieden: unter und über 60 Lasten. Die Abmessungen der Koggen waren durchaus unterschiedlich, je nachdem welchen Zweck die Kogge zu erfüllen hatte. So hatte z.B. die bekannte Bremer Kogge, bei einer Tragfähigkeit von 60 Lasten, folgende Abmessungen: Länge über alles: 23,23 Meter, größte Breite: 7,78 Meter; Rumpfhöhe: 7,04 Meter, Höhe von Kiel bis Oberkante Vordersteven: 7,16 Meter, Mastlänge: etwa 23 Meter, Segelfläche etwa 200 Quadratmeter, Tiefgang ohne Ladung 1,25 Meter, Tiefgang mit Ladung 2,25 Meter.[3]

In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erhielten die Koggen vorn und achtern Plattformen zur Aufnahme von Kriegern, die sogenannten Kastelle. Sie bildeten zusammen mit dem Mastkorb die Gefechtsstationen, von denen Armbrust- und Bogenschützen besonders gut wirken konnten.

Ab dem 15. Jahrhundert wurde die Kogge vom Holk abgelöst. Der Holk war eine Synthese aus Kogge und neuen schiffbaulichen Merkmalen. Mit dieser neuen Schiffsklasse konnten größere Lasten, bis 150 Lasten, transportiert werden. Der Hauptunterschied zur Kogge war die Anzahl der Masten. Der Holk hatte, aufgrund seiner Größe, drei Masten, während die Kogge nur einen Masten besaß.

Neben den größeren, wurden bei der Hanse auch kleinere Schiffstypen eingesetzt. Dazu gehörte auch die Schnigge. Die Schnigge war ein kleines, wendiges und vor allem schnelles Segelschiff, dass hauptsächlich in der Küstenschifffahrt und zu Kontrollzwecken eingesetzt wurde. Die Schnigge war zahlenmäßig häufig im Bestand hansischer Flotten vertreten.

Die Schiffsklasse Ewer, wahrscheinlich friesischen Ursprungs, wurde im Jahre 1252 zum ersten mal urkundlich erwähnt. Der Name Ewer ist vermutlich eine Ableitung vom holländischen Wort „envarer“, was soviel bedeutet wie Einfahrer, was auf die Einmannbesatzung hindeutet.

Der Ewer war ein kleines seefähiges Segelschiff mit maximal 25 bis 50 Lasten Tragfähigkeit.

3. Die Bewaffnung hansischer Schiffe im Nord- und Ostseeraum

Wenn man einen Blick auf die Bewaffnung der hansischen Schiffe im 14. und 15. Jahrhundert wirft, kann man sich leichter verbildlichen, wie der Kampf auf See ausgesehen hat. Gleichzeitig kann man von der Bewaffnung hansischer Schiffe auf die Bewaffnung der Schiffe der Vitalienbrüder schließen, da die vorhandene Quellenlage diesbezüglich äußerst dürftig ist.

Die auf hansischen Schiffen genutzten Waffen entsprachen, vom 13. Jahrhundert bis zum ausgehenden 15. Jahrhundert, der auch im Landkrieg eingesetzten Bewaffnung. Die Soldaten an Bord waren mit Schwert, Enterbeil, Streitaxt sowie mit Bogen und Armbrust ausgerüstet. Die Schiffe waren mit verschiedenen Wurfmaschinen, später Feuergeschützen versehen.

[...]


[1] Vgl. FRITZE, KRAUSE : Seekriege der Hanse, Berlin 1989, S.41.

[2] Ebd., S. 46.

[3] Ebd., S. 47.

Details

Seiten
18
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638207447
ISBN (Buch)
9783656902713
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v15703
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg – Fachbereich Geschichte
Note
2,3
Schlagworte
Vitalienbrüder Nord- Ostsee Einführung Geschichtswissenschaft Konflikte Ende Formen Auseinandersetzung Mittelalter

Autor

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Titel: Die Vitalienbrüder in Nord- und Ostsee