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Bilanzpolitik

Theoretische und empirische Grundlagen

Referat (Ausarbeitung) 2009 12 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen
2.1 Bilanzpolitische Maßnahmen
2.2 Ziele der Bilanzpolitik..
2.3 Wirkung und Grenzen von Bilanzpolitik

3. Empirische Grundlagen
3.1 Methoden und Modelle
3.2 Empirische Belege

4. Zusammenfassung

Anmerkungen

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Aus einer Analyse des Konzernabschlusses der Babcock Borsig AG gehe hervor, dass der Maschinen- und Anlagenbauer sein Eigenkapital offenbar massiv "schön gerechnet" hat. Aus einem Minus von mindestens 45 Millionen Mark wurde dank geschickter Bilanzpolitik ein Plus von 201 Millionen Mark. Nach den internationalen Rechnungsstandards IFRS[1] und US-GAAP[2] wäre ein negatives Eigenkapital von minus 289 Millionen Mark herausgekommen.“[i]

Was genau verbirgt sich hinter dem Begriff Bilanzpolitik? Welche formalen und materiellen Gestaltungsmöglichkeiten stehen im Rahmen der Erstellung des Jahresabschlusses zur Verfügung? Wie können bilanzpolitische Maßnahmen empirisch überprüft werden? Das vorliegende Referat soll Aufschluss über wesentliche bilanzpolitische Grundlagen geben.

2. Theoretische Grundlagen

Die Unternehmensführung ist für gewöhnlich daran interessiert, ihr Unternehmen in der Öffentlichkeit möglichst positiv zu präsentieren. Um die vorgegebenen Ziele erreichen zu können, werden die verschiedenen Anspruchsgruppen häufig bewusst und zweckorientiert beeinflusst. Als Bestandteil der Unternehmenspolitik soll auch die Bilanzpolitik, oft auch Creative Accounting oder Earnings Management bezeichnet, einen Beitrag hierzu leisten.[ii] Hinter dem Begriff verbergen sich üblicherweise alle legalen Maßnahmen, die ein Bilanzierender im Rahmen der Erstellung des Jahresabschlusses ergreifen kann, um Informationen über Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens inhaltlich und formal so zu gestalten, dass bei verschiedenen Adressaten bestimmte Reaktionen hervorgerufen oder aber vermieden werden.[iii] Bilanzpolitik ist immer abhängig von den Zielen eines Unternehmens und greift auf Gestaltungsspielräume der Rechnungslegung zurück.[iv] Letztlich spiegelt die Bilanzpolitik eines Unternehmens die generelle Ausrichtung des Bilanzierenden bei der Nutzung so genannter Ausweis-, Gliederungs- und Erläuterungswahlrechten, auch als formale Bilanzpolitik bezeichnet, sowie im Weiteren die Anwendung von Bewertungswahlrechten, Ermessensspielräumen und Sachverhaltsgestaltungen wider.[v] Zu den wesentlichen Aufgaben von Finanzanalysten und Wirtschaftsprüfern gehört es daher, bilanzpolitische Manipulationen zu erkennen und die tatsächlichen wirtschaftlichen Verhältnisse eines Unternehmens offen zu legen.[vi]

2.1 Bilanzpolitische Maßnahmen

Bilanzpolitische Maßnahmen lassen sich zunächst in Sachverhaltsgestaltung und Sachverhaltsabbildung unterteilen, wobei sich die Aufteilung am Bilanzstichtag orientiert.[vii] Unter Sachverhaltsgestaltung, auch als reale Bilanzpolitik bezeichnet, sind in erster Linie Maßnahmen zu verstehen, die ökonomische Realitäten in Bezug auf ihre darstellende Wirkung - die zeitliche und sachliche Gestaltung von Geschäftsvorfällen - beeinflussen. Maßnahmen dieser Art finden vor dem Bilanzstichtag statt.[viii] Klassische Beispiele sind das Erhöhen oder Reduzieren von Auszahlungen, die sich sofort auf den Gewinn auswirken, wie beispielsweise Ausgaben für Forschung und Entwicklung, Werbung oder Weiterbildung. Da die Unternehmensführung fortwährend geschäftliche Entscheidungen treffen muss, bietet sich hier ein breites Spektrum an Einflussmöglichkeiten.[ix]

Unter Sachverhaltsabbildung, auch buchmäßige Bilanzpolitik genannt, werden alle bilanzpolitischen Instrumente zusammengefasst, mit denen Ansatz, Bewertung sowie Darstellung vorgegebener Geschäftsvorfälle im Jahresabschluss beeinflusst werden können.[x] Diese beziehen sich auf bereits getätigte Transaktionen, daher wird auch von Bilanzpolitik nach dem Bilanzstichtag gesprochen.[xi] Gewöhnlich werden zwei Bereiche, die materielle sowie die formelle Bilanzpolitik, unterschieden. Letztere befasst sich mit der Form der Darstellung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage im Jahresabschluss, ohne dabei Einfluss auf das Periodenergebnis oder die absolute Höhe des Eigenkapitals zu haben. Zu den wichtigsten Maßnahmen nach dem HGB[3] zählen Erläuterungswahlrechte, Ausweiswahlrechte und Gliederungswahlrechte.[xii]

Die materielle Bilanzpolitik beeinflusst durch zielgerichtetes Bilanzieren und Bewerten von Geschäftsvorfällen die Höhe des ausgewiesenen Jahresabschlusses. Im Wesentlichen wird dabei zwischen verschiedenen Wahlrechten und Ermessungsspielräumen unterschieden.[xiii] Ein Wahlrecht besteht immer dann, wenn sich aus einem gegebenen Tatbestand mindestens zwei sich gegenseitig ausschließende Rechtsfolgen ableiten lassen.[xiv] Wahlrechte lassen sich in explizite, folglich gesetzlich festgelegte, und faktische, d.h. nicht ausdrücklich an gesetzliche Normen geknüpfte, Regelungen differenzieren.[xv] Ermessensspielräume hingegen entstehen immer dann, wenn Ansatz oder Bewertung von Vermögenswerten zwar durch eine entsprechende Rechtsnorm geregelt sind, die Methode zur Bestimmung betreffender Vermögenswerte jedoch offen bleibt. Die Bilanzierung eines wirtschaftlichen Sachverhaltes basiert in diesem Fall auf der subjektiven Einschätzung des Unternehmens. Beispiele für Maßnahmen der materiellen Bilanzpolitik sind Bilanzansatz- und Bewertungswahlrechte sowie Individual- und Verfahrensspielräume.[xvi]

Bilanzpolitische Maßnahmen können allerdings nur dann die gewünschte Reaktion bei den Adressaten auslösen, wenn sie nicht entschlüsselt werden können. Offensichtliche Maßnahmen tragen daher nicht zur Beeinflussung des Verhaltens bei, im Gegenteil, es besteht die begründete Gefahr, dass von ihnen auf weitere, bisher nicht erkennbare bilanzpolitische Absichten geschlossen werden kann. Entscheidend für den Erfolg der Bilanzpolitik eines Unternehmens sind letztlich Auswahl und Qualität der bilanzpolitischen Instrumente.[xvii]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Bilanzpolitische Instrumente

2.2 Ziele der Bilanzpolitik

Prinzipiell orientieren sich die bilanzpolitischen Ziele eines Unternehmens an den Erwartungen der unterschiedlichen Anspruchsgruppen, zum Beispiel Eigentümer, Unternehmensführung, Finanzbehörden, Öffentlichkeit etc.[xviii], und sind an den beiden Hauptfunktionen des Jahresabschlusses, der Zahlungsbemessungs- und der Informationsfunktion, ausgerichtet. Bilanzpolitik soll im Allgemeinen dazu dienen, die Bilanzadressaten in ihren Entscheidungen zu beeinflussen und die finanziellen Ziele des Unternehmens zu erreichen, letztlich sollen aber auch die persönlichen Ziele der Unternehmensführung mit Hilfe bilanzpolitischer Maßnahmen durchgesetzt werden.[xix] Eine grobe Unterteilung kann in finanzpolitische oder informationspolitische Ziele erfolgen.[xx]

Finanzpolitische Ziele können beispielsweise in der Reduzierung der Steuerbelastung oder aber im Zusammenhang mit gesetzlich und vertraglich garantierten Zahlungsansprüchen, wie Gewinnausschüttungen oder Bonuszahlungen, bestehen.[xxi] Übergeordnetes Ziel all dieser Maßnahmen ist es, die Zahlungsfähigkeit und damit das Überleben des Unternehmens auf Dauer sicherzustellen.[xxii]

Informationspolitische Ziele hingegen können auch nicht-ökonomischer Natur sein und zum Beispiel ethische und soziale Absichten widerspiegeln. Der veröffentlichte Jahresabschluss kann in diesem Zusammenhang als das “Aushängeschild“ eines Unternehmens betrachtet werden. Als solcher dient er nicht nur dem Erhalt von Investorenbeziehungen, sondern wird gleichzeitig zu einem wichtigen Element der Öffentlichkeitsarbeit. Prinzipiell lassen sich zwei informationspolitische Grundrichtungen benennen, die aktive und passive Publizitätspolitik.[xxiii] Letztere beschränkt sich auf die Pflichtelemente des Jahresabschlusses und erfüllt lediglich die gesetzlichen Mindestanforderungen. Mit aktiver Publizitätspolitik versucht ein Unternehmen dagegen sein Image zu steigern, indem der Jahresabschluss um zusätzlich Auskünfte, wie beispielsweise wertorientierte Performance-Berichte oder Sozialbilanzen, ergänzt wird.[xxiv]

[...]


[1] IFRS - I nternational F inancial R eporting S tandards, internationale Rechnungslegungsvorschriften

[2] US-GAAP - U nited S tates G enerally A ccepted A ccounting P rinciples, Rechnungslegungsgrundsätze der Vereinigten Staaten

[3] HGB – Handelsgesetzbuch, hier die §§ 247, 265, 268, 272, 274, 277, 281, 284, 285

[i] Vgl. o.V., Bilanz "schön gerechnet"?, Manager-Magazin, http://www.manager-magazin.de/geld/ artikel/0,2828,33146,00.html, 28.07.1999

[ii] Vgl. Peemöller, V.: Bilanzanalyse und Bilanzpolitik, 3. Auflage, München, Gabler Verlag, 2003, S. 1

[iii] Vgl. Hommel, M.: Definition Bilanzpolitik, http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/4104/ bilanzpolitik-v1.html, 30.06.2009

[iv] Vgl. Zimmermann, R.-C.: Abschlussprüfer und Bilanzpolitik der Mandanten, 1. Auflage, München, Gabler Verlag, 2008, S. 64

[v] Vgl. Baetge, J.; Thiele, S.; Kirsch, H.-J.: Bilanzanalyse, 2. Auflage, Düsseldorf, IDW-Verlag GmbH, 2004, S. 33f

[vi] Vgl. Schredelseker, K.: Grundlagen der Finanzwirtschaft, 1. Auflage, München, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2002, S. 314

[vii] Vgl. Küting, K.; Weber, C.-P.: Die Bilanzanalyse. Beurteilung von Abschlüssen nach HGB und IFRS, 8. Auflage, Stuttgart, Schäffer-Poeschel Verlag, 2006, S. 45

[viii] Vgl. Lachnitt, L.: Bilanzanalyse, 1. Auflage, München, Gabler Verlag, 2003, S. 68

[ix] Vgl. Wagenhofer, A.; Ewert, R.: Externe Unternehmensrechnung, 1. Auflage, Berlin, Springer Verlag, 2007, S. 200

[x] Vgl. Wohlgemuth, F.: IFRS: Bilanzpolitik und Bilanzanalyse, 1. Auflage, Berlin, Erich Schmidt Verlag, 2007, S. 67

[xi] Vgl. Zimmermann, R.-C.: a.a.O., S.72

[xii] Vgl. Küting, K.; Weber, C.-P.: a.a.O., S. 37

[xiii] Vgl. Wagenhofer, A.; Ewert, R.: a.a.O., S. 202

[xiv] Vgl. Küting, K.; Weber, C.-P.: a.a.O., S. 38

[xv] Vgl. Zimmermann, R.-C.: a.a.O., S. 72

[xvi] Vgl. Wagenhofer, A.; Ewert, R.: a.a.O., S. 202

[xvii] Vgl. Wohlgemuth, F.: a.a.O., S. 61. Vgl. Küting, K.; Weber, C.-P.: a.a.O., S.45

[xviii] Vgl. Küting, K.; Weber, C.-P.: a.a.O., S. 33

[xix] Vgl. Zimmermann, R.-C.: a.a.O., S. 67

[xx] Vgl. Lachnitt, L.: a.a.O., S. 63f

[xxi] Vgl. ders., S. 63

[xxii] Vgl. Freidank, C.-C.: Zielsetzung und Instrumente der Bilanzpolitik bei Aktiengesellschaften, in: Der Betrieb, 35.Jg., S. 337 - 343, 1982, S. 338

[xxiii] Vgl. Lachnitt, L.: a.a.O., S. 65

[xxiv] Vgl. ders., S. 65

Details

Seiten
12
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640732531
ISBN (Buch)
9783640732524
Dateigröße
369 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v156780
Institution / Hochschule
AKAD-Fachhochschule Leipzig
Note
1,7
Schlagworte
Bilanzpolitik

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