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Sozialdienst und Pflegedienst als Kooperationspartner bei der Behandlung psychisch kranker Menschen

Hausarbeit 2002 21 Seiten

Pflegewissenschaften

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Tätigkeitsprofile in der Psychiatrie
2.1 Der Sozialarbeiter
2.1.1 Bereich der materiellen und persönlichen Hilfen
2.1.2 Bereich der Therapie
2.1.3 Bereich der Rehabilitation
2.2 Das Pflegepersonal
2.2.1 Einzelfallbezogene Aufgaben
2.2.2 Gruppenbezogene Aufgaben
2.2.3 Umfeldbezogene Aufgaben

3. IST-Analyse der Kooperation zwischen dem Sozialdienst und dem Pflegedienst der Allgemeinpsychiatrischen Station X
3.1 Beschreibung der Allgemeinpsychiatrischen Station X
3.2 Der Sozialarbeiter: Wer ist das? Und was macht er?
3.3 Vorhandene Kommunikationswege zwischen dem Sozialarbeiter und dem Pflegedienst
3.3.1 Das Telefon
3.3.2 Das Notizbuch des Sozialarbeiters
3.3.3 Der Sozialdienstbogen in der laufenden Patientenkurve
3.3.4 Der Pflegebericht in der laufenden Patientenkurve
3.3.5 Die Pflegeanamnese und die Pflegeplanung
3.3.6 Die wöchentliche Teambesprechung
3.3.7 Die wöchentliche „Chefarztvisite“
3.3.8 Die wöchentliche „Große Übergabe“
3.4 Probleme, die die Kooperation zwischen dem Sozialarbeiter und dem Pflegedienst
negativ beeinflussen
3.4.1 Aus der Perspektive des Sozialarbeiters
3.4.2 Aus der Perspektive der Pflegekräfte
3.4.3 Aus der Perspektive der Patienten

4. SOLL-Zustand
4.1 Möglichkeiten zur Verbesserung der Zusammenarbeit

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Die Autorin beschäftigt sich im Rahmen dieser Hausarbeit mit der Kooperation bei der täglichen Arbeit zwischen dem Sozialdienst und dem Pflegedienst in der Psychiatrie. Die folgenden Ausführungen sind auf ein Fallbeispiel, die Allgemeinpsychiatrische Station X1, bezogen. Die Autorin wählte die Psychiatrie als Beispiel aus, da sie dort selbst als Krankenschwester arbeitet und der Meinung ist, dass die Psychiatrie eines der größten Tätigkeitsfelder für den Sozialdienst ist. Es steht fest, dass durch psychische Krankheiten meist mehr psychosoziale Probleme wie z.B. Wohnungsprobleme, finanzielle Schwierig-keiten, Beziehungsprobleme mit Angehörigen, Arbeitslosigkeit oder Betreuungsprobleme zu Tage kommen.

Zusätzlich wird die Wichtigkeit einer Betreuung durch den Sozialdienst anhand des feststehenden Diagnoseschlüssels ICD 102 deutlich, der z.B. unter „ Z 65: Probleme mit Bezug auf andere psychosozialen Umstände, Berufstätigkeit oder Arbeitslosigkeit“3 und unter „ Z 76.6: Personen, die das Gesundheitswesen aus Bestimmten, näher bezeichneten Gründen in Anspruch nehmen, Sozialer Rollenkonflikt“4 als Diagnosen nennt.

Nachdem die Tätigkeitsprofile beider Berufsgruppen erläutert werden, wird die allgemeinpsychiatrische Station X und der zuständige Sozialarbeiter vorgestellt. Ein großes Augenmerk wird im weiteren Verlauf der Hausarbeit der Kommunikation als Grundlage der Kooperation zwischen dem Sozial,- und dem Pflegedienst verliehen. Anhand einer Auswertung der Fragebogen5 für den Sozialdienst und den Pflegedienst werden die gegenwärtigen Probleme geschildert. Ebenso werden deren eventuellen Ursachen und Verbesserungsvorschläge zu deren Beseitigung aufgezeigt.

Der folgende SOLL – Zustand zeigt vor dem abschließenden Fazit die wünschenswerte Situation aus Sicht der Autorin auf.

2. Tätigkeitsprofile in der Psychiatrie

Im folgenden Kapitel werden die Aufgaben der beiden Berufsgruppen im Hinblick auf die Psychiatrie genauer beschrieben.

Beide Berufsgruppen haben nach Meinung der Autorin bei der Behandlung und Beratung von psychisch kranken Menschen eine tragende Rolle, da sie aufgrund des gesundheitsfördernden Aspekts sowohl auf den erkrankten Menschen wie auch auf seine ganze Umwelt einzugehen versuchen.

2.1 Der Sozialarbeiter

Die Aufgaben des Sozialarbeiters in der Psychiatrie werden nach Reinicke, P.6 dargestellt und durch Anmerkungen beziehungsweise Beispiele7 von der Autorin kommentiert.

2.1.1 Bereich der materiellen und persönlichen Hilfen

Der Sozialarbeiter sollte mit dem Patienten und deren Angehörigen materielle, arbeits-, familien-, sozial-, versicherungs-, und versorgungsrechtliche Fragen besprechen und bei Problemen versuchen einen gemeinsamen Lösungsweg zu finden. Dies geschieht meist in Form von Beantragung verschiedenster materieller Hilfen. Beispiel hierfür wären das Stellen eines Sozialhilfeantrages, Beantragung einer Haushaltshilfe, Taschengeldbeantragung oder eine Hilfsmittelbestellung (Perücken, Spezialessbesteck, Prothesen,…).

Die rechtliche Grundlage für diese Aufgabe bieten das BSHG (Bundessozialhilfegesetz), das SGB (Sozialgesetzbuch), das BGB (Bürgerliches Gesetzbuch), AFG

(Arbeitsförderungsgesetz) und das Schwerbehindertengesetz.

2.1.2 Bereich der Therapie

In diesem Bereich wird die Bedeutung des Sozialarbeiters als Kooperationspartner mit anderen Berufsgruppen im multiprofessionellem Team (Ärzte, Pflegepersonal, Psychologen, Ergotherapeuten, Musiktherapeuten,…) am deutlichsten.

Die Hauptaufgaben liegen in:

- dem Erstellen der Sozialanamnese und die Problemdiagnose.
- der Mitarbeit bei der Erstellung des Therapieplanes unter Berücksichtigung von sämtlichen ihm bekannten Hilfsmöglichkeiten in Bezug auf den Krankenhausaufenthalt, seinen spezifischen Problemen mit der Krankheit, dem Umfeld und der Familie.
- Mitsprache bei einer eventuellen Bestellung eines Betreuers gemäß § 1896 BGB.
- der Einzelhilfe in Form von therapeutischen Gesprächen und der Gesprächspsychotherapie8 als Ko-therapeut( „Begleittherapeut“). Dazu gehört ebenfalls das „Einüben von sozialem Verhalten“. Dies kann als verhaltenstherapeutische9 Maßnahme in speziellen Settings geschehen. Ein Beispiel dafür wäre ein so genanntes „Training für soziale Kompetenzen“, bei dem Patienten lernen können ein Amt anzurufen und wie man dort etwas in adäquater Art eine Frage stellt.
- der Leitung von speziellen sozialen Gruppen als Therapeut. Die Inhalte der Gruppen können sowohl von psychoedukativem10 Charakter als alltags geprägte Problembewältigung sein.
- der Einnahme mehrere Funktionen gegenüber der Familie und den Angehörigen. Der Sozialarbeiter ist einmal Kontaktperson zwischen dem Patient und seinen Angehörigen. Diese Position kann er bei Familiengesprächen oder Angehörigenvisiten einnehmen.

Zum Zweiten ist er Berater und sollte den Angehörigen adäquate Informationen über die Krankheit, deren Ursachen, mögliche Auswirkungen und vorhandene Behandlungs-möglichkeiten geben. Nicht zu vergessen sind hier die rechtzeitige Vermittlung von weiterbehandelnden Einrichtungen, Beratungs-, und Selbsthilfegruppen.

2.1.3 Bereich der Rehabilitation

Hierzu gehört die Mitbestimmung bei der Therapiewahl während des Krankenhausaufenthalts insbesondere der Arbeitstherapie im Hinblick auf die berufliche Rehabilitation.

Der Kontakt zum Arbeitsamt kann auch von dem Sozialarbeiter geknüpft werden, wenn spezielle Möglichkeiten für eine erfolgreichere Rehabilitation z.B. eine Umschulungs-maßnahme ersichtlich werden.

Die Mithilfe bei der sozialen Rehabilitation gehört ebenfalls zum Aufgabenrepertoire des Sozialarbeiters, damit der Patient in ein angemessenes soziales Umfeld eingegliedert werden kann. Hierzu gehört die enge Kooperation mit Übergangseinrichtungen (Bsp.: RPK11 -

Wohnungsprojekte), ebenso die Wohnraumbeschaffung, die Überleitung in spezielle Einrichtungen (Bsp.: Pflegeheime, Behinderteneinrichtungen,…) und ein kontinuierlicher Kontakt zu Bezugspersonen , Selbsthilfegruppen des Patienten.

Nach Meinung der Autorin sollte ein großer Stellenwert im Bereich der Rehabilitation die Öffentlichkeitsarbeit einnehmen, denn nur durch sie kann das Verständnis und der Respekt wie auch ein größeres Hilfsangebot für psychisch kranke Menschen gefördert werden.

2.2 Das Pflegepersonal

Die Aufgaben der Psychiatrischen Pflege lassen sich desgleichen in drei Bereiche untergliedern.12

2.2.1 Einzelfallbezogene Aufgaben

Darunter fällt das Erkennen des Pflegebedarfs anhand von Tätigkeiten, wie z.B.

- Das Erstellen einer Pflegeanamnese - Die Krankenbeobachtung vor allem auf die Verhaltensweisen und Äußerungen des Patienten, z. B. Stimmung, Antrieb, Kommunikation, Schlaf, Fähigkeiten, Sozialverhalten, Orientierung, etc….). Der Patient sollte als Teil eines sozialen Umfeldes (Kultur, Umwelt, Arbeitswelt und Freizeitgestaltung) verstanden und wahrgenommen werden.
- Das Erkennen von Bedürfnissen und deren Einbeziehung in die Behandlung
- Psychiatrische Symptome, wie z.B. Wahninhalte, Halluzinationen, Antriebsstörungen, Angst, Unruhe und Suizidalität (Neigung zur Selbsttötung) sollten erkannt und zugeordnet werden können. Zudem sollte darauf adäquat reagiert werden können.
- Eine auftretende Krisensituationen und Veränderung im Verhalten und in der Stimmung des Patienten sollten erkannt und gegebenenfalls eruiert werden inwieweit die Umgebung des Patienten dazu beigetragen hat (Bsp.: Ständiger Personalwechsel auf der Station).
- Die Beachtung der Beziehungsgestaltung zum Patienten (Kontakt und Vertrauensaufbau durch Gespräche und nonverbale Kommunikation, Nähe und Distanz müssen dabei beachtet werden).

[...]


1 Zur Anonymisierung wird die Station von der Autorin mit X bezeichnet

2 Vgl. DIMDI(Deutsches Institut für medizinische Dokumentation und Information) im Auftrag des

Bundesministeriums für Gesundheit (Hrsg.), ICD-10-SGB-V, Version 2.0, Stand November 2000, Band I,

Wanne-Eickel, Krankenhausdrucke-Verlag

3 Ebenda, S. 668

4 Ebenda, S. 669

5 Untersuchungsdesign: Von der Autorin erstellter Fragebogen für a) den Sozialdienst und b) den Pflegedienst

mit quantitativen und qualitativen Fragen. Auswertung und Fragebogen siehe im Anhang.

6 Vgl. Reinicke, P., KrankenHaus – Sozialarbeiter als Partner in der Gesundheitsversorgung, Eine Einführung,

Weinheim/Basel, 1994, S.82f.

7 Sämtliche Beispiele sind aus dem 5 -jährigen Erfahrungsschatz der Autorin als Krankenschwester in der

Psychiatrie

8 Form der Psychotherapie, Basistechniken im Gespräch nach C.Rogers *1902: Empathie, Wertschätzung und

Kongruenz. Der Patient sollte während der Therapie lernen seine emotionalen Erlebnisse und innerlichen

Widersprüche zu äußern. Ziel ist eine Steigerung des Selbstwertgefühls und eine eigenverantwortliche

Problemlösung durch den Patienten.

9 Form der Psychotherapie: Gründer *1950 H.J.Eysenck. Nur das am Kranken offen beobachtbare gestörte

Verhalten wird behandelt. Ziel ist, dass das erwünschte Verhalten erlernt wird.

10 Es wird erzieherisch versucht auf die Psyche einzuwirken. Die Patienten lernen ihre Krankheit zu verstehen,

die Symptome zu erkennen und darauf angemessen zu reagieren

11 RPK = Rehabilitation Psychisch Kranker, Bezeichnung in BadenWürttemberg

12 Vgl., Schädle-Deininger, H. und Villinger, U., Praktische Psychiatrische Pflege, Bonn 1996,

Psychiatrie-Verlag, S.446ff.

Details

Seiten
21
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638207294
ISBN (Buch)
9783638917896
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v15676
Institution / Hochschule
Evangelische Hochschule Berlin – Pflege/Pflegemangement
Note
1,0
Schlagworte
Sozialdienst Pflegedienst Kooperationspartner Behandlung Menschen IST-Analyse Probleme Problembewältigung Verbesserungsvorschläge Fallbeispieles

Autor

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