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Der Antichrist - Nietzsche zwischen Glaube und Vernunft

Seminararbeit 2010 20 Seiten

Theologie - Systematische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Leben und Wirken

3. Nietzsche der Kritiker – gefangen zwischen Glaube und Vernunft
3.1 Der Antichrist
3.2 Kritik am Christentum
3.2.1 Kritik am christlichen Gottesbild
3.2.2 Das Christusverständnis bei Nietzsche

4. Nietzsche in der Diskussion – Kritik an der Kritik

5. Fazit

6. Literaturangaben

1. Einleitung

„Ich verurteile das Christentum, ich erhebe gegen die christliche Kirche die furchtbarste aller Anklagen, die je ein Ankläger in den Mund genommen hat. Sie ist mir die höchste aller denkbaren Korruptionen, sie hat den Willen zur letzten auch nur möglichen Korruption gehabt.“ [1]

Man sagt, er seihe selbst der Antichrist gewesen. So mancher meidet seine Schriften, denn Friedrich Nietzsche schrieb scharf und prägnant. Er wusste sich seine Sprache zur Waffe zu machen, scheute sich nicht dem Christentum den Kampf anzusagen und sorgt noch heute für Diskussion, als einer der wohl bekanntesten Religionskritiker des 19. Jahrhunderts.

Doch wie konnte ein ursprünglich selbst christlich erzogener Mensch zu solchen Aussagen kommen? Was steckt hinter seiner Kritik und wie geht man heute damit um?

Einblicke und Erklärungsversuche sollen im nachfolgenden Text gegeben werden. Das Grundgerüst hierfür wird sein 1888 verfasstes Werk „Der Antichrist“ sein. Darin kritisiert Nietzsche unter anderem die „Mitleidsethik“ im Christentum oder das Priestertum.

Die Arbeit soll Aufschlüsse über die Person Nietzsches geben. Inwiefern steht seine Biografie in Verbindung zu seiner Philosophie? Nietzsche der Kritiker. Ein Auf und Ab der Gefühle. Liefert seine Kritik tatsächlich nur negative Aussagen über das Christentum? Interessant wird es auch sein, sich ein Verständnis der nietzschen Argumentationsweise genauer anzuschauen. Wie gut untermalt er seine Argumente? Wie überzeugend wirkt sein Konstrukt? Fragen danach, was er überhaupt konkret am Christentum kritisiert. Wie sieht sein Verständnis von einem christlichen Gottesbild aus und welche Bedeutung misst er Jesus bei? Betrachtet Nietzsche Jesus als einen Märtyrer oder als eine Art Propheten? Verurteilt er Christus als Verursacher des Christentums oder könnte es vielleicht sogar sein, dass er diesen in Schutz nimmt? Fragen über Fragen stehen zu Beginn dieser Arbeit.

Die folgenden Seiten werden sich nun also diesen Fragen und Themen widmen und versuchen, Nietzsches kritischer aber oftmals spannender Kritik auf den Grund zu gehen.

2. Leben und Wirken

Es war der 15. Oktober des Jahres 1844, als Friedrich Wilhelm Nietzsche als Sohn eines protestantischen Pfarrers, in Röcken geboren wurde. Bereits 1849 stirbt sein Vater und lässt Nietzsche zurück in einem Haushalt mit seiner Mutter, zwei frommen Tanten, der Großmutter und einer zwei Jahre jüngeren Schwester. Nietzsche soll bereits damals sensibel und introvertiert gewesen sein. Er habe sich in die Welten der Musik und Literatur zurückgezogen, stets nach neuem Wissen strebend.
Von 1858 bis 1864 besuchte er eine humanistische Internatsschule in Pforte, wo er eine philologische Ausbildung absolvierte. Schon damals grenzte er sich durch seine Andersartigkeit ab.[2] Er war oftmals provokant und aufsehenerregend, betrank sich, belustigte sich über Schule und Klassenkameraden. [3]

1864 folgte dann das Studium der Theologie und klassischen Philologie in Bonn. Wehrend dieser Zeit wird Nietzsche auf den Philosophen Arthur Schoppenhauer aufmerksam und beginnt in ihm eine Art „Ersatzreligion“ des Atheismus zu sehen.

1865 folgt schließlich der Wechsel an die Universität Leipzig, wo er sein Theologiestudium aufgibt. Noch vor seiner Promotion bekommt er im Alter von 24 Jahren ein Angebot zur Professur in Basel für den Lehrstuhl Griechisch und Literatur.[4]

Als er schließlich 1870 als freiwilliger im deutsch-französischen Krieg Kranke pflegt, erkrankt er selbst an der Ruhr und leidet fortan an Unterleibsschmerzen. Es folgt eine Zeit von 1879 bis 1889 in welcher er als freier Philosoph in Venedig, Genua und Sorrento tätig ist. In dieser Zeit entsteht auch sein Werk „Der Antichrist“, in welchem seine pathetische Religionskritik wie in keinem seiner übrigen Werke zum Ausspruch kommt. Nietzsche spricht darin unter anderem von der Religion als dem bisher „größten Unglück der Menschheit“.

1889 kommt es zum psychischen Zusammenbruch Nietzsches. Er fällt in die „geistige Umnachtung“. Seine vermutlich von einer Syphilis herführende Krankheit mündete in Größenwahnvorstellungen. Schließlich stirbt Nietzsche im Jahre 1900 an einem 25. August.

3. Nietzsche der Kritiker – gefangen zwischen Glaube und Vernunft

„Gott ist tot! Gott bleibt tot! Und wir haben ihn getötet! Wie trösten wir uns, die Mörder aller Mörder? “[5]

Ein toter Gott? Wenn diese, von denen Nietzsche in "Wirform" spricht, in der Lage waren ihren „Gott“ zu töten, sollten diese ihn dann auch selbst erschaffen haben?

Nietzsche ruft zu einer neuen Bewegung auf. Auch im Antichristen taucht das „Wir“ wiederholt auf. Der Versuch, ein Gemeinschaftsgefühl bei seinen Lesern zu entwickeln? Oder vielmehr ein Appell an diese, welche genauso denken, ähnlich, wie Nietzsche im Vorwort zum Antichristen erläutert?

„Dies Buch gehört den Wenigsten. Vielleicht lebt selbst noch keiner von ihnen. Es mögen die sein, welche meinen Zarathustra verstehen wie dürfte ich mich mit denen verwechseln, für welche heute schon Ohren wachsen? - Erst das übermorgen gehört mir. Einige werden posthum geboren.“[6]

Neben seiner Kritik an Bildung, Kultur und Moral, kritisierte Nietzsche auch stark die Religion. Vor allem das Christentum, welches in seiner Kindheit eine große Rolle spielte, nahm er sich zum Spielball.

Nietzsches Kritik war besonders durch die Schriften Schoppenhauers beeinflusst, und zeigt Züge des Religionsverständnisses bei Marx und Feuerbach.

Nietzsche wollte seine Leser davon überzeugen, dass Gott lediglich ein Gedankenkonstrukt deren Selbst sei. Religion sah er als ein Zusammenspiel von Furcht- und Glücksgefühl. Gott ist für Nietzsche die Projektion allen Neins. Er kritisiert, dass der Christ durch den Glauben an diesen Gott, sich selbst, die Natur und das tatsächliche Wesen verneint.

Für Nietzsche stellt das Christentum eine reine Fiktionswelt dar. Eine Welt, welche die Wirklichkeit verfälscht und entwertet.

„Der reine Geist ist die reine Lüge... So lange der Priester noch als eine höhere Art Mensch gilt, dieser Verneiner, Verleumder, Vergifter des Lebens von Beruf , gibt es keine Antwort auf die Frage: was ist Wahrheit?“[7]

Nietzsche beschimpft den christlichen Gott als „Verbrechen am Leben“. Für ihn besteht das Christentum aus mitleidenden schwachen Menschen, welche jeglichen Widerstand gegen Böses verweigern. Eigene Rechte werden, so Nietzsche, nicht verteidigt. Eine solche Art zu leben ist für ihn weder ein Glaube noch eine Lehre, Nietzsche bezeichnet es als Christentum.

Der Unterschied zu anderen Religionskritikern besteht jedoch darin, dass Nietzsche im Atheismus keine Alternative sieht. Dadurch entsteht bei Nietzsche eine Lücke und er triftet in Werteverlust und Desorientierung.

Mit dem Ausspruch „Gott ist tot!“[8] vollzieht Nietzsche also eine Art Befreiung von Normen, Werten aber auch von Verpflichtungen gegenüber dem Glauben. Was Nietzsche zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst gewesen zu sein scheint, ist die Tatsache, dass Menschen Ziele und Werte brauchen. Der Glaube und eine Religion sind oft nicht grundlos die letzten Rettungsanker des Menschen. Oft gibt die Kirche Anweisung und Rat, wenn man im Alltag an Grenzen stößt und nicht weiter weiß. Durch Nietzsches „Befreiung“ jedoch manövrierte er sich selbst in einen Käfig, in welchem im die Grundlage allen Lebens fehlte.

Nietzsches Kindheit war sehr geprägt durch das Christentum aufgrund des Berufs seines Vaters.

Er wollte weg vom christlichen Glauben und erschuf die Alternative des Übermenschen, eine Art Ersatzreligion, welche das Gegenstück zum Christentum darstellt.

"Ich lehre euch den Übermenschen. Der Mensch ist etwas, das überwunden werden soll. […] Der Übermensch ist der Sinn der Erde."[9]

Man bekommt fast das Gefühl, Nietzsche kann nicht ohne Religion. Gibt doch sein „Übermensch“ ein zu ähnliches Bild einer Gottheit. Doch dieser sogenannte „Sinn der Erde“ kann einen liebenden und vergebenden Gott des Christentums, welcher Werte und Zuflucht spendet, nicht ersetzen.

[...]


[1] Antichrist, Kapitel 62

[2] J osef Rattner; Nietzsche: Leben, Werk und Wirkung; S.16 ff.

[3] J osef Rattner; Nietzsche: Leben, Werk und Wirkung; S.17

[4] Karl Jaspers; Nietzsche: Einführung in das Verständnis seines Philosophierens; S. 9

[5] Friedrich Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft

[6] Der Antichrist, Vorwort

[7] Der Antichrist, Kapitel 8

[8] Nietszsche, Die fröhliche Wissenschaft

[9] Nietszche, Zarathustras Vorrede

Details

Seiten
20
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640703197
ISBN (Buch)
9783640703890
Dateigröße
543 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v156740
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
2,7
Schlagworte
Antichrist Nietzsche Glaube Vernunft

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