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Vergleichende Analyse der bilanziellen Behandlung von Intellectual Capital nach HGB und IAS

Seminararbeit 2007 21 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkurzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Begriffsabgrenzung und Definition Intellectual Capital
1.2 Problemstellung und Zielsetzung
1.3 Gang der Untersuchung

2. Intellectual Capital
2.1 Wirtschaftliche und Rechtliche Rahmenbedingungen
2.2 Anspruchsgruppen und Ziele

3. Vergleichende Analyse von Intellectual Capital nach HGB und IAS
3.1 Ansatzkriterien nach HGB und IAS
3.2 Bilanzielle Behandlung von Intellectual Capital nach HGB und IAS

4. Kritische Wurdigung und Fazit

Literaturverzeichni

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Der IK-Navigator der Skandia

Abb. 2: Borsenkurs- oder Marktwert eines Unternehmens: sichtbares Eigenkapital plus drei Arten von immateriellen V ermogenswerten

Abkurzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1 Begriffsabgrenzung und Definition

Intellectual Capital manifestiert sich in der Differenz zwischen dem Marktwert und dem Buchwert eines Unternehmens. Egal ob Edvinsson oder Sveiby, alle Autoren die sich mit Intellectual Capital beschaftigt haben, fuhren diesen Sachverhalt an.

Intellectual Capital besteht aus immateriellen Vermogenswerten, die momentan in der traditionellen Buchfuhrung nicht erfasst werden konnen.1 Der Wert der immateriellen Vermogenswerte2 wird indirekt an der Borse ermittelt oder er wird direkt bei Verkauf eines Unternehmens festgestellt. Bei einem Unternehmensverkauf schlagt sich dieser Wert als Kaufpreis im Goodwill (Firmenwert) nieder.3 Edvinsson fasste diesen Sachverhalt mit folgender Aussage zusammen: „Da wird dann alles untergebracht, was nicht messbar ist, und die 'Bilanz geht auf .“4

Die momentan noch nicht bilanziell erfassbaren Vermogenswerte bestehen aus Wissen, Image des Unternehmens, Innovationskraft, Beziehungen zu Geschaftspartnern und Mitarbeitern, Marken und anderen Faktoren. Diese Faktoren beeinflussen zunehmend die Wertschopfung und den Unternehmenserfolg.5

1.2 Problemstellung und Zielsetzung

Der Marktwert eines Unternehmens ubersteigt in manchen Fallen den Buchwert um ein Vielfaches. Als Beispiel seien hier die Aktien von Microsoft erwahnt, die 1995 im Durchschnitt einen Borsenkurs von 70 US-Dollar hatten, obwohl ihr Nettobuchwert bzw. ihr Eigenkapitalwert nur 7 US-Dollar betrug.6 Doch wie entsteht diese Differenz?

Warum sind Anleger bereit, Aktien fur einen hoheren Preis zu kaufen, obwohl der aus- gewiesene Eigenkapitalwert viel niedriger ist?

Im Jahresabschluss finden sich entweder keine oder nur unzureichende Informationen warum der Marktwert hoher als der Buchwert eines Unternehmens ist. Der Grund hierfur, kann der Wandel von einer Industriegesellschaft hin zu einer Informations- und Dienstleistungsgesellschaft sein.7 Dieser Wandel macht den okonomischen Unternehmenserfolg nicht mehr allein von materiellen Vermogenswerten, sondern zunehmend von immateriellen Vermogens-werten, sowie von Intellectual Capital abhangig.8 Die traditionellen Rechnungslegungsvorschriften bieten aber nicht den Raum um diese Entwicklung abzubilden. Deshalb entsteht die Lucke zwischen Markt- und Buchwert eines Unternehmens.

Ziel dieser Arbeit ist es, zunachst einige der zusatzlichen Abbildungsmoglichkeiten von Intellectual Capital vorzustellen. Des Weiteren sollen die Moglichkeiten und Grenzen der Bilanzierung von Intellectual Capital nach HGB und IAS analysiert werden. Diese Analyse soll einen Uberblick uber die jetzt schon vorhandenen Moglichkeiten der Bilanzierbarkeit von Intellectual Capital geben.

1.3 Gang der Untersuchung

In Kapital 2.1 werden zunachst die wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmen- bedingungen anhand der verschiedenen Strukturansatze von Edvinsson und Sveiby vor- gestellt. Die Interessen der Anspruchsgruppen werden in Kapital 2.2 vorgestellt. Nach dem in Kapital 2.1 die Rahmenbedingungen und die verschieden Interessen und Ziele der Anspruchsgruppen in Kapital 2.2 erlautert wurden, wird in Kapital 3.1 zunachst in einer Ubersicht, die Ansatzkriterien von immateriellen Vermogenswerte und Intellectual Capital nach HGB und IAS aufgezeigt. Nach Betrachtung dieser Kriterien folgt die Analyse der jetzigen Moglichkeiten der bilanziellen Behandlung von Intellectual Capital nach HGB und IAS.

2. Intellectual Capital

2.1 Wirtschaftliche und Rechtliche Rahmenbedingungen

Da der Jahresabschluss das Erfolgspotenzial in Form von Vermogen und Schulden nur unzulanglich abbildet, eignet er sich nicht als eine zuverlassige Informationsbasis fur die Analyse zukunftiger Geschaftserfolge.9 Der Jahresabschluss sollte infolge einer Bilanzanalyse die „Informationen zur Beurteilung

- der kunftigen Zahlungsfahigkeit und
- des Zukunftserfolgspotentials

eines Unternehmens liefern.“10 Die Bilanzanalyse stoBt dabei allerdings an ihre Grenzen durch folgende systematische Mangel des Jahresabschlusses:11

Mangelnde Vollstandigkeit

Der Jahresabschluss liefert keine Informationen uber die Qualitat des Managements, noch uber die Marktstellung oder die Forschungs- und Entwicklungspotentiale des Unternehmens.

Mangelnde Zukunftsbezogenheit

Des Weiteren konnen keine Informationen zu der zukunftigen Liquiditat bzw. zu den kunftigen Erfolgen usw. herausgelesen werden.

Mangelnde Objektivitat

Durch die Dominanz des Vorsichtsprinzips und unsicherheitsbedingter Bewertungs- subjektivitat erfolgt keine Information uber das tatsachliche Vermogen und den tatsachlichen Erfolg eines Unternehmens.

Die oben aufgefuhrten Mangel konnen durch eine zusatzliche Berichterstattung uber das Intellectual Capital einer Unternehmung beseitigt werden. Auch der am 08. Juli 2002 verabschiedete Deutsche Rechnungslegungssstandard Nr. 12 (Immaterielle Vermogenswerte des Anlagevermogens) empfiehlt im DRS 12.33 eine Berichterstattung uber das im Konzern vorhandene intellektuelle Kapital.12

Zurzeit hat sich noch keine einheitliche Berichterstattung durchsetzen konnen. Deshalb sollen hier ansatzweise die zwei fuhrenden Bewertungssysteme von Edvinsson und Sveiby vorgestellt werden.

Edvinsson (der erste Trager des Titels: Corporate Director of Intellectual Capital) definierte die Zusammensetzung des Intellectual Capitals in folgender Gleichung:

„Humankapital + Strukturkapital = Intellectual Capital“13

Humankapital „ist .. als das gesamte geistige und korperliche Potenzial der Mitarbeiter eines Unternehmens zu verstehen, und zwar sowohl als das latent vorhandene wie auch als das bereits genutzte Potenzial“.14 Dieses Potenzial ist eine Mischung aus Wissen, Fahigkeiten und Innovationen der Mitarbeiter. Da ein Unternehmen weder das geistige, noch das korperliche Mitarbeiterpotenzial als Eigentum besitzen kann, sind diese Vermogenswerte nur schwer fass- und messbar und somit nicht am Markt handelbar.

Als Strukturkapital bezeichnet Edvinsson die „Verkorperung, Ertuchtigung und infra- strukturelle Unterstutzung des Humankapitals“.15 Das Strukturkapital kann bei weiterer Betrachtung noch in die Bestandteile Kundenkapital und Organisationskapital zerlegt werden.16 Des Weiteren lasst sich das Organisationskapital in Innovationskapital und Prozesskapital untergliedern.17 Das Kundenkapital bezeichnet die Kundenbeziehungen oder die Loyalitat der Kunden gegenuber dem Unternehmen und somit die Marktstellung des Unternehmens.18 Die Innovationsfahigkeit und die Fahigkeit sich auf neue Leistungserstellungen umzustellen werden im Innovationskapital erfasst.19 Die Ergebnisse dieser Innovationsfahigkeit finden sich in Schutzrechten und geistigen Eigentumsrechten wieder.20 Das Prozesskapital umfasst Arbeitsprozesse und Techniken, „die die Effizienz der Produktion oder Dienstleistung erhohen oder verbessern“.21

Diese drei Kapitalarten werden bei Skandia im IK-Navigator folgendermaBen organisiert:

Zunachst fokussiert er sich auf funf Betrachtungsebenen. Auf diese Bereiche richtet ein Unternehmen seine Aufmerksamkeit „und aus diesem Fokus resultiert der Wert des intellektuellen Kapitals des Unternehmens im Wettbewerbsumfeld.“22 Aus folgenden Bereichen besteht der IK-Navigator der Skandia: Finanzfokus, Kundenfokus, Prozessfokus, Fokus der Erneuerung und Entwicklung und der Humanfokus.23

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Der IK-Navigator der Skandia24

Sveiby hingegen benutzt fur die Definition der Intellectual Capital - Zusammensetzung die Begriffe:

[...]


1 Vgl. Edvinsson, L; Brunig, G. (2000), S. 17, S. 20.

2 Der Begriff Immaterielle Vermogenswerte wird in dieser Arbeit synonym mit dem Begriff Immaterielle Vermogensgegenstande verwandt.

3 Vgl. Sveiby, K. E. (1998), S. 25.

4 Edvinsson, L.; Brunig, G. (2000), S. 14.

5 Vgl. http://isc.hs-heilbronn.de/Publikationen/controller%20magazin%20dillerup%20ramos.pdf, Stand 15. 06.2007, S. 2.

6 Vgl. Sveiby, K. E. (1998), S. 20.

7 Vgl. Wissensbilanz - Made in Germany, Leitfaden 1.0 zur Erstellung einer Wissensbilanz, (2006), S. 9.

8 Vgl. Wissensbilanz - Made in Germany, Leitfaden 1.0 zur Erstellung einer Wissensbilanz, (2006), S. 9.

9 Vgl. Wohe, G.; Doring, U. (2005), S. 1067.

10 Wohe, G.; Doring, U. (2005), S. 1067.

11 Wohe, G.; Doring, U. (2005), S. 1067.

12 Vgl. Coenenberg, A. G. (2003), S. 882 f.

13 Edvinsson, L.; Brunig, G. (2000), S. 39.

14 Edvinsson, L.; Brunig, G. (2000), S. 28.

15 Edvinsson, L.; Brunig, G. (2000), S. 29.

16 Vgl. Edvinsson, L.; Brunig, G. (2000), S. 30.

17 Vgl. Edvinsson, L.; Brunig, G. (2000), S. 30.

18 Vgl. Edvinsson, L.; Brunig, G. (2000), S. 31.

19 Vgl. Edvinsson, L.; Brunig, G. (2000), S. 30.

20 Vgl. Edvinsson, L.; Brunig, G. (2000), S. 30.

21 Edvinsson, L.; Brunig, G. (2000), S. 30.

22 Edvinsson, L.; Brunig, G. (2000), S. 57.

23 Vgl. Edvinsson, L.; Brunig, G. (2000), S. 58.

24 Edvinsson, L.; Brunig, G. (2000), S. 58.

Details

Seiten
21
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640703159
ISBN (Buch)
9783640703777
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v156719
Institution / Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
2,3
Schlagworte
Vergleichende Analyse Behandlung Intellectual Capital

Autor

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