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Die Identitätsproblematik im Gedicht "Das Spiegelbild" von Annette von Droste-Hülshoff

Seminararbeit 2010 15 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsangabe

1 Einleitung

2 Die Identitätsproblematik im Gedicht „Das Spiegelbild“ von Annette von Droste-Hülshoff
2.1 Das Spiegelmotiv
2.2 Interpretation und Analyse: Die Identitätssuche des lyrischen Ichs

3 Fazit

4 Literatur- und Quellenangaben

5 Anhang

1 Einleitung

In meiner selbständigen Hausarbeit möchte ich mich mit der Identitätsproblematik des lyrischen Ichs in Annette von Droste-Hülshoffs Gedicht „Das Spiegelbild“ beschäftigen, welches 1841 verfasst wurde. Dieses Gedicht kann für das literarische Verständnis der Werke von Droste-Hülshoff sehr hilfreich sein, jedoch möchte ich mich konkret im Kontext der Identitätssuche mit dem Gedicht befassen. Sehr passend zum Thema der Identität ist das Gedicht „Das Spiegelbild“, da „ [d]ie einzelnen Strophen zeigen, wie sich die Bespiegelung im Spiegel in eine faszinative und zugleich verstörte Innenschau verwandelt“.[1]

Annette von Droste-Hülshoff beschäftigt sich in ihren Werken hauptsächlich mit Themen, die sie selbst seit dem Kindesalter kannte oder durch Erfahrung kennen lernte[2].

Anna Elisabeth von Droste-Hülshoff, geboren am 12. Januar 1797 auf dem Wasserschloss Hülshoff bei Münster, ist die erste wirklich bedeutende Dichterpersönlichkeit Westfalens, so Freund[3]. Annette von Droste-Hülshoff wuchs sehr wohlbehütet auf und wurde von ihrer Mutter und diversen Hauslehrern streng erzogen. Die ersten Gedichte verfasste Droste-Hülshoff zwischen 1804 und 1808, welche eine Freude am realistischen Stil sowie eine scharfe Beobachtungsgabe erahnen ließen.

Annette von Droste-Hülshoff lebte in einer Zeit, in der Frauen von der männlichen Gesellschaft unterdrückt wurden. Schon in frühen Jahren beklagte die Droste die männliche Autorität und die damit zusammenhängende Unmündigkeit der Frau[4].

Annette von Droste-Hülshoff verstarb am 24. Mai 1848 nach heftigem Bluthusten auf der Meersburg[5].

In meiner Hausarbeit möchte ich mich als erstes mit dem Spiegelbegriff in der Literatur allgemein befassen, da dieser literarisch gesehen eng mit dem Persönlichkeitsbegriff verknüpft ist. Dies wird für die darauf folgende Interpretation des Gedichts und der damit verbundenen Identitätsproblematik des lyrischen Ichs eine wichtige Rolle spielen. Ich möchte klären, worin die Identitätsproblematik besteht und wie das lyrische Ich dieses Problem lösen kann. Ich werde als erstes erläutern, wie sich das lyrische Ich selbst im Spiegel sieht. Als zweiten Punkt werde ich die Gegensätzlichkeiten benennen, die das lyrische Ich mit seinem Spiegelbild vergleicht und als dritten Punkt werde ich die Identitäsfindung des lyrischen Ichs erläutern. Neben der Interpretation werde ich das Gedicht auch hinsichtlich seiner Struktur und Stilistik analysieren.

2 Die Identitätsproblematik im Gedicht „Das Spiegelbild“ von Annette von Droste-Hülshoff

2.1 Das Spiegelmotiv

Der Deutungsursprung des Spiegelmotivs liegt in der Auffassung, die Seele würde die Gegenwart Gottes widerspiegeln. Im Zuge der Auflösung des festen christlichen Weltbildes verlagert sich die Verweisfunktion des Spiegels dahingehend, dass die Spiegelung nicht nur die Anwesenheit Gottes reflektiert, sondern auf innere Probleme der Menschen, Verunsicherung sowie Furcht verweist. Der Spiegel beleuchtet Störungen der Persönlichkeit und fördert dadurch die Identitätserkundung, da er Knotenpunkt zwischen Wahrheitserfahrung und dem Unbekannten ist[6].

Schon im Märchen „ Schneewittchen “ spielt das Spiegelmotiv eine wichtige sowie magische und Wahrheit eröffnende Rolle. Der Spiegel bringe die Wahrheit an den Tag, indem er durch das Abbild der Erscheinung das innere Wesen und damit das totale Sein eines Menschen zeige[7]. In Märchen allgemein zeigt der Spiegel Wunschträume, Phantasien und Erscheinungen geliebter Personen auf. Laut einer griechischen Sage findet Narziss seine Selbstliebe, indem sich sein Gesicht im Wasser eines Brunnen spiegelt. Der Sinngehalt des Spiegelmotivs hat seine Funktion über Jahrhunderte bewahrt[8]. Oft kehrt es in der Hand von Frauen wieder, wo er sowohl Sinnbild von Weisheit und Gerechtigkeit sein kann als auch das Schöne und den Stolz widerspiegelt[9]. Das Spiegelbild zeigt die menschliche Verfassung auf, gibt Anlass zur Seinsorientierung und stellt weiterhin eine feste gedankliche Verbindung zwischen Gott und dem Menschen dar[10].

Das Spiegelbild ist mit einer „ zweiten Haut “ vergleichbar oder, im weiteren Sinne, mit der Sichtbarmachung der Seele. Die Abbilder, die Spiegel schaffen, machen Menschen zu Individuen, die über die Reflexionsmöglichkeit des Ich verfügen[11]. Das Spiegelbild stellt des Weiteren die Identität mit seinem Urbild dar, welches im Abbild erkennbar wird[12]. Spiegel ermöglichen „ die Gestalt des Menschen zu reflektieren, sein Wesen in irgendeiner Form widerzuspiegeln, weshalb sie auch mit seiner Natur in eine seelische Wechselbeziehung treten können[13]. Es sei wichtig, den geheimnisvollen und doch vertrauten Doppelgänger zu akzeptieren. Aus dem Spiegel tritt sozusagen eine Doppelgängerfigur heraus, wie es auch in von Droste-Hülshoffs Gedicht passiert. Es kommt sozusagen zu einer Ich-Spaltung. Diese erdachten Doppelgänger ermöglichen eine Darstellung von „Eigenschaften, die eine Person in ihrer besonderen psychologischen Verfassung ausweisen“[14]. Doppelgänger spiegeln Wünsche, Ahnungen und Befürchtungen wider und lassen Gefühle erkennen, die die Person selbst nicht aussprechen kann. Sie geben daher die psychologische Innensicht der Person wieder.

Ende des 18.Jahrhunderts nimmt die Darstellung der Bewusstseinsinhalte einzelner Figuren durch Ich-Projektionen zu. In der Literaturepoche der Annette von Droste-Hülshoff, im Biedermeier und Vormärz, sind Spiegel und Spiegelungen Mittel der Darstellung der Unergründbarkeit der menschlichen Seele. Speziell im Werk von Droste-Hülshoff zeigt der Spiegel das Unheimliche auf, das in der Psyche des Menschen schlummert, und lässt dieses hervortreten[15]. Auch das Motiv des Doppelgängers findet hierbei Verwendung. Das Doppelgängermotiv ist Methode „ zur Darstellung der Vielschichtigkeit und Komplexität der Identität des Menschen[16]. Diese Aussage zielt genau auf das „Spiegelbild“ - Gedicht von von Droste-Hülshoff ab, denn das lyrische Ich kann sich anfangs nicht damit abfinden, ein komplexes Individuum mit guten aber auch nicht so guten Charakterzügen zu sein.

2.2 Interpretation und Analyse: Die Identitätssuche des lyrischen Ichs

Aufgrund der reaktionären Politik der Zeit der Restauration, befindet sich das Volk dieser Zeit in einer nachrevolutionären Phase zunehmender Kollektivierung und persönlicher Enttäuschung. Das Denken dieser Zeit war geprägt von Freiheitshoffnungen[17]. Es galt, sich mit sich selbst als Opfer auseinanderzusetzen, um sich der Gefährdung seiner menschlichen Existenz bewusst zu werden. In dieser Zeit der Unterdrückung des Individuums wurde auch in der Literatur das Thema der Identitätsproblematik häufig behandelt und wurde zu einem „ Medium subjektiver Selbstbehauptung in einer sinnlos scheinenden Welt[18].

[...]


[1] Gössmann 1985, S.32

[2] Vgl. Gössmann 1985, S.13

[3] Freund 1993, S.60

[4] Vgl. Freund 1993, S.61

[5] Vgl. Freund 1998, S.153

[6] Vgl. Daemmrich 1995, S.325f.

[7] Vgl. Freund 1997, S.88

[8] Vgl. Daemmrich 1995, S.325f.

[9] Vgl. Gössmann 1985, S.32

[10] Vgl. Daemmrich 1995, S.325

[11] Vgl. Weber 2005, S.11ff.

[12] Vgl. Freund 1997, S.88

[13] Weber 2005, S.14

[14] Daemmrich 1995, S.108

[15] Vgl. Gössmann 1985, S.32.f.

[16] Forderer 1999, S.12

[17] Vgl. Freund 1993, S.59

[18] Freund 1993, S.60

Details

Seiten
15
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640687671
ISBN (Buch)
9783640687480
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v156630
Institution / Hochschule
Universität Erfurt
Note
2,0
Schlagworte
Identitätsproblematik Gedicht Spiegelbild Annette Droste-Hülshoff

Autor

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Titel: Die Identitätsproblematik im Gedicht "Das Spiegelbild" von Annette von Droste-Hülshoff