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John Rawls und die Gerechtigkeit als Fairness

Politisch und nicht metaphysisch

Rezension / Literaturbericht 2009 3 Seiten

Sozialwissenschaften allgemein

Leseprobe

“Der Urzustand dient als einheitsstiftender Gedanke, durch den unsere wohlerwogenen Überzeugungen auf allen Stufen der Allgemeinheit aufeinander bezogen werden können, um zu größerer gegenseitiger Übereinstimmung und einem besseren Selbstverständnis zu gelangen” (Rawls 1993: 53)

In seinem Aufsatz zur Gerechtigkeitskonzeption mit dem programmatischen Titel „Gerechtigkeit als Fairness“ versucht der amerikanische Philosoph John Rawls Fragen der Moralphilosophie mit Fragen der politischen Philosophie zu verknüpfen, indem er die Gerechtigkeit von Institutionen als wichtigstes Element jeder gerechten Sozialordnung hervorhebt.

Allen Gedanken in „Gerechtigkeit als Fairness“ liegt die Idee zugrunde, dass sein Werk zur politischen Gerechtigkeitskonzeption beiträgt. Dies versucht der Autor beispielsweise in Kapitel drei darzulegen, indem er einige Grundgedanken skizziert. Der ausschlaggebende Gedanke hierbei ist, dass die Gesellschaft aus einem fairen korporativen System zwischen freien und gleichen Menschen oder Personen besteht. John Rawls sieht Menschen nur als frei und gleich an, wenn sie (zwei) moralische Vermögen besitzen, „nämlich die Anlage zu einem Gerechtigkeitssinn und die Befähigung zu einer Konzeption des Guten“ (Rawls 1993: 47). Diese Vermögen sind verknüpft mit den Gedanken fairer Bedingungen der Kooperation und dem Gedanken des rationalen Vorteils oder Gutes eines jeden Beteiligten. Die Menschen besitzen einerseits den Status, ein ein ganzes Leben lang kooperierendes Mitglied der Gesellschaft zu sein, sowie andererseits die bereits erwähnten moralischen Vermögen.

Die zitierte Gerechtigkeit von Institutionen versucht der Autor nun weiter zu erläutern. Dazu bedient er sich mehrerer von ihm entworfener Grundsätze, welche die Verteilung von Gütern, Rechten und Pflichten steuern sollen, und es damit gleichzeitig möglich ist, die Freiheiten der einzelnen Bürger zu vergrößern. Diese Gerechtigkeitsgrundsätze, „welche als Richtlinien für die institutionelle Verwirklichung der Werte von Freiheit und Gleichheit dienen“ (Rawls 1993: 41), bestehen zum einen aus dem Prinzip, dass jedermann das gleiche Recht auf das umfangreichste System gleicher Grundfreiheiten haben soll, das mit dem gleichen System für alle anderen verträglich ist. Und zum anderen, dass etwaige Ungleichheiten (sozial oder auch wirtschaftlich) so zu gestalten sind, dass sie dem Vorteil aller dienen und sie mit Positionen und Ämtern verbunden sind, die zugleich für alle erreichbar sind. „Beide Grundsätze oder Prinzipien regulieren zusammen die grundlegenden Institutionen, welche diese Werte verwirklichen [...]“ (Rawls 1993: 41).

Rawls bringt nun den Gedanken des Urzustandes in die Diskussion ein und knüpft daran mehrere Bedingungen. Dies bedeutet, dass sich die Bürger "unter dem Schleier der Unwissenheit" (Rawls 1993: 50), in ihrem eigenen Interesse auf faire Grundsätze einlassen, u.a. darüber, welche Ungleichheiten zulässig sein sollen. Doch die Konstruktion des Urzustandes zur Wahl einer zukünftig gerechten Gesellschaftsform werden von ihm mit mehreren Bedingungen belegt. Einerseits müssen die Menschen frei und gleich sein und diese Eigenschaften müssen sie sämtlichen Mitgliedern zugestehen. Andererseits befinden sich die Menschen unter dem besagten „Schleier des Nichtwissens“ was hier bedeutet, dass sie selbst nicht wissen, welchen Platz sie in der künftigen Gesellschaft einnehmen werden. Der Urzustand ist nach Ansicht des Autors ein Darstellungsmittel, der die Parteien beschreibt, von denen jede für die grundsätzlichen Interessen einer freien und gleichen Person verantwortlich ist [...]. (vgl. Rawls 1993: 52, Fußnote 20).

Rawls skizzierte „Gerechtigkeit als Fairness“ strebt eine Gesellschaft an, die als ein faires System der Kooperation zwischen freien und gleichen Personen existiert. Die Intention des Autors geht schließlich auch darauf zurück, dass er einen Begriff politischer Gerechtigkeit entwickeln und begründen wollte, der schlicht faire Bedingungen gesellschaftlicher Kooperation freier und gleicher Personen festsetzt. Dazu ist es unabdingbar (wenn man auf den Subtitel des Aufsatzes blickt), dass man die Gerechtigkeit nicht metaphysisch, sondern politisch verstehen muss.

Was Rawls dagegen nicht will, ist eine Gesellschaft, in der Institutionen oder Gesetze aufgezwungen werden, die nicht für alle nachvollziehbar begründet werden können. Die Voraussetzung dafür ist die Bereitschaft eines jeden, der „Pflicht zur Kulanz unter Bürgern“ (Pogge 1994: 135) nachzukommen.

[...]

Details

Seiten
3
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640762644
Dateigröße
404 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v156580
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
1,3
Schlagworte
John Rawls Gerechtigkeit Fairness Politisch

Autor

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Titel: John Rawls und die Gerechtigkeit als Fairness